Vorwort
Das Anfertigen der vorliegenden Arbeit und das Ausführen des damit verbundenen Experiments wäre ohne die Unterstützung etlicher Personen nicht denkbar gewesen.
Für die hervorragende Betreuung danke ich daher vor allem Dr. Tino Stöckel, welcher mir stets mit gutem Rat zur Seite stand und sich wiederholt damit befassen musste einem Studenten die Funktionsweise des SPSS-Programm näher zu bringen. Durch das Einbringen der Erfahrungen aus seinen eigenen Studien half er mir zudem enorm bei der Vorbereitung meines Experiments. Dafür vielen Dank!
Bei der Themenfindung für meine Bachelorarbeit inspirierte mich eine Vorlesung und einige Seminare, die Dr. Christian Hartmann leitete. Aus diesem Grund möchte ich ihn an dieser Stelle hervorheben und ihm für das Halten seiner ansprechenden Lehrstunden und das Ausführen des Amtes als zweiter Gutachter danken.
Ein großer Dank gebührt vor allem den zahlreichen Probanden, die sich für die Teilnahme am Experiment viel Zeit nahmen. Ohne die Mitwirkung der Versuchspersonen, welche hier nicht alle namentlich erwähnt werden können, wäre das Erstellen der vorliegenden Arbeit nicht möglich gewesen.
Des Weiteren gebührt mein Dank den Personen, die mir mit zahlreichen Ideen zu der Konstruktion des Versuchsaufbaus verhalfen. Insbesondere bedanke ich mich dafür bei Wolf-Dieter Kaeubler, Julia Riedel sowie Christoph und Heidi Tänzer.
Das Anfertigen der vorliegenden Arbeit nahm einen langen Zeitraum ein. Meinem lieben Freund Martin Holzendorf gilt deshalb mein besonderer Dank für seinen seelischen Beistand.
Vielen Dank für die Unterstützung!
III
Inhaltsverzeichnis
VI
Abbildungsverzeichnis
VIII
Tabellenverzeichnis
IX
Abk ürzungsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Problemdarlegung und Zielstellung der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2 Physiologische und sportmotorische Grundlagen 5
2.1 Lernen, Bewegungsregulation und kontralateraler Lerntransfer 5
2.2 Motorisches Lernen 10
2.3 Seitigkeit und beidseitiges Üben im Sport 11
3 Forschungsstand 13
4 Forschungshypothesen 20
5 Methodisches Vorgehen 22
5.1 Allgemeines methodisches Vorgehen und Studiendesign 22
5.2 Beschreibung der Testbewegung 23
5.3 Versuchsaufbau 25
5.4 Probanden 27
5.5 Spezifischer Untersuchungsablauf 28
5.6 Verarbeitung der Daten und statistische Verfahren 31
5.7 Operationale Hypothesen 32
5.8 Zusammenfassung 33
IV
6 Ergebnisse und Auswertung 34
6.1 Globalanalyse 34
6.2 Überprüfung der Reihenfolgehypothese 36 6.3 Einflussfaktoren 43
6.4 Überprüfung der Transferhypothese 44 6.5 Zusammenfassung 46
7 Zusammenfassung, methodische Ableitungen und Ausblick 48
7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse in Bezug auf die Forschungshypothesen 48
7.2 Vergleich der Ergebnisse mit einer ähnlichen Studie 50 7.3 Methodische Ableitungen 51 7.4 Zukünftige Forschungen 54
Literaturverzeichnis 56
Anhang 58
A Testmanual zum Kernschlag-Präzisions-Test B Voraussetzungsprüfung für die MANOVA
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Aufbau eines Analysators ..............................................................6
Abbildung 2: Lernen durch Bewegungserfahrung ..............................................7
Abbildung 3: Gekreuzte Motorik des Menschen .................................................8
Abbildung 4: Einflussfaktoren des technischen Lernprozesses ........................11
Abbildung 5: Modellhafte Vorstellung der interhemisphärischen Kommunikation
Abbildung 6: Hauptschlagart des Faustballs: der Kernschlag aus dem Stand ..25
Abbildung 7: Skizze Versuchsaufbau ................................................................26
Abbildung 8: Sportarten der Probanden in den einzelnen Gruppen für das
Abbildung 9: Mittelwerte der Trefferpunkte beider Gruppen im Vergleich in den
Abbildung 10: Leistungssteigerung der rechten Hand vergleichend zwischen
Abbildung 11: Leistungssteigerung der linken Hand vergleichend zwischen
Abbildung 12: Vergleich der Mittelwerte der Trefferpunktzahlen beider Gruppen im Transfertest gemittelt über beide Hände .................................42
Abbildung 13: Lernverlauf im Vergleich zwischen den Geschlechtern über vier
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Deskriptive Beschreibung der Untersuchungsgruppen ...........28
Testintervall, Reihenfolge der Körperseiten während der Tests Tabelle 2:
in den jeweiligen Gruppen ......................................................31
Tabelle 3: Mittelwerte (MW) und Standardabweichung (SD) der im Test
Tabelle 4: Deskriptive Statistik des Transfertests für beide Gruppen ......41
Tabelle 5: T-Test bei gepaarten Stichproben, Vergleich Gruppe Li-Re
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung ANOVA Analysis of variance (engl.)=Varianzanalyse D-Nd Dominant-Nicht dominant (Gruppe) DTB Deutscher Turner-Bund Li-Re Links-Rechts (Gruppe) MANOVA Multivariate analysis of variance (engl.)=Multivariate Varianzanalyse Mitarb. Mitarbeiter Nd-D Nicht dominant-Dominant (Gruppe) p Signifikanz Re-Li Rechts-Links (Gruppe) SD standard deviation (engl.)=Standardabweichung T-Test statistische Prüfung von Mittelwertunterschieden Tab. Tabelle Vpn Versuchsperson vs. versus (lat.)=gegen z. B. zum Beispiel
Weiterhin stehen folgende Bezeichnungen sowohl für das weibliche als auch für das männliche Geschlecht:
Testleiter Testleiterinnen und Testleiter
Probanden Probandinnen und Probanden
Teilnehmer Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Studenten Studentinnen und Studenten
Trainer Trainerinnen und Trainer
Lehrende Lehrerinnen und Lehrer
IX
1 Einleitung
1.1 Problemdarlegung und Zielstellung der Arbeit
Ungefähr 90% der Menschen sind Rechtshänder. Da bleibt es nicht aus, dass die wenigen Linkshänder im Alltag oft benachteiligt werden. Die Ausübung von Sport hebt diesen Personenkreis jedoch auf die gleiche Ebene mit denen, die ihre rechte Hand bevorzugen. In einigen Sportarten können Linkshänder sogar einen großen Vorteil gegenüber Rechtshändern erlangen. Bei Sportarten wie Basketball, Handball, Volleyball und anderen wird oft nur eine Extremität bevorzugt, obwohl die Verwendung der anderen Körperseite dennoch unerlässlich ist. Die Randsportart Faustball kann man dazu zählen. Die Notwendigkeit der Beidseitigkeit im Faustball wird in vielen Situationen deutlich, z. B. beim Abwehren oder Zuspielen eines Balls, der beim Auftreffen auf den Rasen im letzten Moment verspringt. Unter Zeitdruck würde es nur selten gelingen, noch um den Ball herum zu laufen, besser wäre eine schnelle Entscheidung, den anderen Arm zu benutzen. Ein weiterer Vorteil zeigt sich im Angriffsspiel. Beherrscht man verschiedene Angriffstechniken mit beiden Körperseiten, ist ein
Überraschungseffekt für den Gegner garantiert. Faustball ist eine Spielsportart und zählt somit zu den situativen Sportarten. Situationsangemessenes Handeln, was das Beherrschen der Fertigkeiten mit beiden Armen einschließt, ist demnach unumgänglich. Dadurch wird die variable Verfügbarkeit erreicht und somit auch das Spielvermögen und die Handlungskompetenz erhöht. Es wird behauptet, wenn man eine Bewegung mit der rechten Hand lernt, auch die linke Hand automatisch mit lernt und umgekehrt. Um die Vorteile des beidseitigen Übens im Faustball zu untersuchen und empirisch abzusichern, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Erlernen einer komplexen sportmotorischen Fertigkeit aus dem Faustball, indem beide Körperseiten in gegensätzlicher Reihung trainiert werden. Die Übertragung der erlernten Fertigkeit von einer Hand auf die andere erfolgt über den kontralateralen Lerntransfer, der in der vorliegenden Arbeit eine entscheidende Rolle spielt. Beide Hirnhemisphären werden für unterschiedliche Aufgabenanforderungen differenziell herangezogen, um die eingegangenen Informationen zu verarbeiten sowie zu speichern, um später ein Bewegungsprogramm zu erstellen und somit das Gelernte wieder anwenden zu
1
können. Die Verarbeitung und Steuerung räumlicher Anforderungen erfolgt laut vorangegangener Studien in der rechten Hirnhälfte. Die Testfertigkeit, der Angriffsschlag (Kernschlag) aus dem Faustball, ist eine Aufgabe, welche Anforderungen an die Präzision, Orientierung und Koordination stellt. Infolgedessen kann man davon ausgehen, dass diese Aufgabe die rechte Hirnhemisphäre gezielt anspricht. Durch die gekreuzte Motorik übernimmt die rechte Gehirnhälfte die Steuerung der linksseitigen Extremitäten des Körpers. Nutzt man die linke Hand für die Ausführung der Testfertigkeit, dann kann sich auf Grund der angesprochenen Hirnhemisphäre ein effizientes Bewegungsmuster bilden. Über den Verbindungsbalken (corpus callosum) der Gehirnhälften wird diese Bewegungsrepräsentation auf die andere Hälfte übertragen und kann somit auch von der anderen Hand genutzt werden. Infolge der Aufgabenspezifik der beiden Hirnhemisphären lässt sich letztendlich vermuten, dass ein anfängliches Training mit der linken Körperseite beim Erlernen des präzisen Kernschlages von Vorteil für das spätere Leistungsniveau beider Körperseiten gegenüber anfänglichem Training mit der rechten Hand ist. Es sind noch relativ wenige Untersuchungen zum Phänomen des kontralateralen Lerntransfers und seiner Einbindung in die motorische Grundausbildung vorgenommen worden. Im Vordergrund der vorliegenden Arbeit steht dementsprechend das eigene Experiment. Welche Körperseite sollte beim Training des Angriffsschlages aus dem Faustball im Aneignungsprozess anfänglich benutzt werden? Welche ist die optimale anfängliche Seite?
Mit Hilfe der Befunde der vorliegenden Untersuchung können Hinweise zur Optimierung des Fertigkeitserwerbstrainings im Faustball gegeben werden. Traditionell zielt das Training oft nur auf die Verbesserung der rechten Körperseite ab. Für höhere Spielklassen ist aber letztendlich die variable Verfügbarkeit der Fertigkeiten auf beiden Seiten wichtig. Um von Aneignung sprechen zu können, muss eine Testfertigkeit verwendet werden, in der die Probanden noch keine Vorerfahrungen besitzen. Recht viele Teilnehmer kann man gewinnen, wenn man eine Randsportart wählt. In Deutschland gibt es nur ungefähr 40.000 im DTB registrierte, aktive Faustballspieler und -spielerinnen. Auch die geringe Verbreitung der Sportart weltweit (keine olympische Sportart, nur den World Games zugehörig mit der Beteiligung von Nationen wie Argentinien, Brasilien, Chile, Dänemark, Indien, Italien, Japan, Namibia, Österreich, Schweiz, Tschechien, Uruguay, USA und elf weitere) macht sie zu einem geeigneten Untersuchungsmittel. Damit die
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Sportnähe erhalten bleibt, die Ergebnisse besser in die Praxis übertragen werden können und somit Ableitungen für die Trainingsmethodik gegeben werden können, soll ein Feldexperiment vorgezogen werden, welches mittels vollständig gekreuztem Transferdesign durchgeführt wird.
1.2 Aufbau der Arbeit
Insgesamt ist die vorliegende Arbeit in sieben Kapitel unterteilt. Den theoriegeleiteten Teil bildet das Kapitel 2, welches physiologische und sportmotorische Grundlagen zum Forschungsgegenstand beleuchtet. Inhalt des zweiten Kapitels ist der Prozess des Lernens, die Bewegungsregulation und der kontralaterale Lerntransfer. Im Teilkapitel 2.2 wird auf das motorische Lernen eingegangen. Das Phänomen der Seitigkeit des Menschen und die Notwendigkeit des beidseitigen Übens wird abschließend in besagtem Kapitel erörtert. Bisherige Forschungen zum Thema sind im Kapitel 3 aufgezeigt und gehören ebenfalls dem Theorieteil der Arbeit an. Konkrete Forschungshypothesen für die vorliegende Arbeit sind im anschließenden Kapitel aufgestellt und bilden die Grundlage für das im Kapitel 5 vorgestellte methodische Vorgehen. Das Methodische Vorgehen wird in mehrere Unterpunkte aufgegliedert. Thematisiert wird neben dem allgemeinen methodischen Vorgehen und dem Studiendesign die Beschreibung der Testbewegung sowie der Versuchsaufbau. Im Abschnitt 5.4 wird näher auf die Probanden eingegangen und nachfolgend dann der spezifische
Untersuchungsablauf vorgestellt. Relevant ist auch die Art und Weise der Verarbeitung der erhaltenen Daten, was in 5.6 vorgestellt wird. Das Kapitel 5 endet mit der Aufstellung der operationalen Hypothesen und einer kurzen Zusammenfassung zum methodischen Vorgehen in der Untersuchung. Das sechste Kapitel dient der Auswertung der im Experiment erhaltenen Ergebnisse. Nach einer Globalanalyse kommt es zur empirischen Überprüfung der Hypothesen sowie zur Anführung verschiedener Einflussfaktoren. Die Voraussetzungsprüfung für die MANOVA befindet sich im Anhang. Schlussendlich wird auch dieses Kapitel mit wenigen Worten zusammengefasst. Das abschließende siebente Kapitel resümiert die in Kapitel 6 dargestellten Ergebnisse erneut in Bezug auf die Forschungshypothesen und zeigt unter Punkt 7.3 methodische Ableitungen für die Trainingspraxis auf. Das Teilkapitel 7.2 widmet sich dem Vergleich der
3
vorliegenden Studie mit einer ähnlichen Studie. Am Ende der Arbeit werden Hinweise für künftige Forschungen zu vorliegendem Forschungsgegenstand gegeben. Einige theoretische Sachverhalte sowie die im Experiment erhaltenen Befunden und zugehörige Diskussionen sind zu Zwecken der Verständlichkeit und schlüssigen Argumentation wiederholt angemerkt. In Anbetracht dessen verfügt die Arbeit über kurze Zusammenfassungen am Ende einiger Kapitel.
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2 Physiologische und sportmotorische Grundlagen
Warum ist es so, dass es für unterschiedliche Bewegungsaufgaben eine optimale Körperseite gibt, mit der man das Training beginnen soll? Es ist
„seit langem bekannt, dass beide Hirnhemisphären für unterschiedliche Aufgaben differentiell herangezogen werden. Während die linke Hemisphäre vor allem die zeitlich- sequentielle Steuerung von Handlungen übernimmt, wird deren räumliche Orientierung stärker in der rechten Hemisphäre verarbeitet“ (Weigelt, 2004, S.59). Viele neurophysiologische Forschungen konnten diesen Fakt bisher belegen, der auch in dieser Arbeit einen wesentlichen Stellenwert einnimmt. Deshalb soll in diesem Kapitel einiges noch einmal erwähnt und kurz beleuchtet werden. Unter anderem sind für diese Arbeit folgende physiologische und sportmotorische Aspekte wesentlich: Motorisches Lernen, also das Aneignen neuer
Bewegungsfertigkeiten, Bewegungskontrolle bzw. Bewegungsregulation undsteuerung sowie in diesem Zuge auch der kontralaterale Lerntransfer und das beidseitige Üben im sportlichen Trainingsprozess.
2.1 Lernen, Bewegungsregulation und kontralateraler Lerntransfer
Der Begriff des Lernens wird in vielerlei Hinsicht definiert. Zusammengefasst könnte man sagen, dass Lernen ein Prozess ist, der das Aufnehmen, Verarbeiten und Umsetzen von Informationen umschließt. Informationen werden dabei über verschiedene Analysatoren aufgenommen (kinästhetischer, statico- dynamischer, taktiler, optischer und akustischer Analysator) und über afferente Nervenbahnen zur Verarbeitung ins Gehirn weitergeleitet, um anschließend über efferente Bahnen zu den verschiedenen Organen, z. B. zu den Muskeln, geleitet zu werden (Abb. 1). Demnach beruht das Lernen auf gesammelten Erfahrungen, die eine Verhaltensänderung des Organismus bewirken, welche ihn befähigen situationsangemessen zu reagieren und zu handeln. Um von Lernen zu sprechen, ist also ein bestimmtes Maß an Übung, im Sport würde man von Training sprechen, zum Erfahrungssammeln nötig. Die sportlichen Handlungen werden je nach Situation geplant, initiiert und schließlich ausgeführt (Abb. 2).
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Arbeit zitieren:
Susann Vogel, 2010, Links vor Rechts, München, GRIN Verlag GmbH
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