Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2.Geschwisterbeziehungen......................................................................................................... 3
3. Besondere Geschwisterbeziehungen 5
3.1 Behinderung 6
3.2 Rolle der Familie 7
3.2.1 Situation der Mütter 8
3.2.2 Situation der Väter 9
3.3 Auswirkungen von Art und Schwere der Behinderung 9
3.4 Das familiäre Umfeld 10
4. Unterstützung für nicht behinderte Geschwister 11
4.1 Hilfen für Geschwister von Kindern mit einer Behinderung 11
4.2 Heimunterbringung des behinderten Geschwisters. 12
4.3 Geschwister- Seminare. 12
5. Fazit. 13
6. Literaturverzeichnis. 15
2
1. Einleitung
Geschwisterbeziehungen sind in der Regel die längsten Beziehungen unseres Lebens. Und somit auch meist die, die uns sehr stark prägen.
In dieser Arbeit werde ich mich mit besonderen Geschwisterbeziehungen beschäftigen, mit den Beziehungen der Geschwister in Familien mit einem (oder mehreren) Kind(ern) mit Behinderung. Der Schwerpunkt soll hierbei wiederum auf die nicht behinderten Kinder gelegt werden. Zur Situation der behinderten Geschwister ist bisher noch weniger geforscht worden, als zu den nicht behinderten Geschwistern.
Die Situation der Kinder mit behinderten Geschwistern unterscheidet sich in einigen Punkten sehr stark von den Kindern, die mit nicht behinderten Kindern aufwachsen. Das größte Problem ist häufig nicht die Behinderung, sondern die persönliche Reaktion und das Verhalten des Umfelds. Die Eltern- Kind- Beziehung darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden. Sie beeinflusst die Geschwisterbeziehungen ganz entscheidend. In der folgenden Arbeit sollen zunächst ganz kurz die Gemeinsamkeiten der Geschwisterbeziehungen und den Einfluss der Eltern darauf eingegangen werden. Um die spezielle Geschwisterbeziehung darzustellen wird auch das familiäre Umfeld betrachtete. Um die Situation der Geschwister von Kindern mit einer Behinderung zu verdeutlichen, werde ich abschließend darlegen, welche Unterstützungen es für diese Kinder gibt und warum sie so wichtig sind.
2. Geschwisterbeziehungen
Von allen Sozialbeziehungen eines Menschen ist die zu seinen Geschwistern wohl die dauerhafteste. Man kann zwar den Kontakt abbrechen, aber gleichgültig werden der Bruder oder die Schwester wohl nie sein. Diese Beziehungen sind häufig gekennzeichnet von starken Widersprüchlichkeiten, man fühlt gleichzeitig Verbundenheit und Abgrenzung, Nähe und Distanz.
In Geschwisterbeziehungen gibt es drei große Bereiche, in denen es besonders häufig zu Konflikten und Spannungen kommt.
Zum einen spielt natürlich die Rivalität zwischen Geschwistern eine zentrale Rolle. Sobald das zweite (dritte, vierte,…) Kind geboren wird, erlebt das jeweils ältere Kind eine Art
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„Entthronungstrauma“. Besonders stark triff dies auf die Erstgeborenen zu. Sie unterdrücken ihre Wut 1 , um den Eltern weiter hin zu gefallen, einen „guten Eindruck“ zu machen. Die Versuche der Eltern, die Eifersucht des erstgeborenen Kindes zu mindern, schlagen oft ins Gegenteil um. Durch die ständige Betonung lernen die Kinder, dass sie die Älteren, Klügeren, Besseren sind 2 . Die in der Kindheit entstandenen Rivalität kann, mehr oder weniger stark ausgeprägt, bis ins hohe Alter der Geschwister bestand haben, nimmt aber ab, sobald die Geschwister das Elternhaus verlassen 3 . Die Rivalität kann im Erwachsenenalter wieder aufflammen, besonders bei männlichen Geschwistern, sobald eine stärkere Nähe und damit mehr Vergleichspunkte entstehen 4 . Diese neue Rivalität ist in der Regel aber nur von kurzer Dauer. Die erwähnte Nähe spielt in Bezug auf Rivalität eine wichtige Rolle. Wären sich die Geschwister gleichgültig, würde keine Rivalität entstehen. Rivalität ist bedingt durch stärkere Gefühle für den anderen. Hier wird deutlich, dass Geschwisterbeziehungen geprägt sind von einem Zusammenspiel von positiven und negativen Gefühlen 5 . Eine hingegen lange Dauer kann der Kampf um die Anerkennung 6 durch den Bruder oder die Schwester haben. Geschwister sind auch im Erwachsenenalter darauf bedacht die Anerkennung und Zustimmung ihrer Geschwister zu erfahren.
Macht ist ein weiterer wichtiger Faktor in einer Geschwisterbeziehung 7 . Da Geschwister sich sehr gut kennen, wissen sie genau an welcher Schwachstelle sie Bruder oder Schwester treffen müssen, um ihren Willen durchzusetzen. Die älteren Geschwister übernehmen häufig Teile der elterlichen Autorität, um die jüngeren Konkurrenten auszuschalten. Obwohl Eltern häufig das Gegenteil behaupten, können die Kinder einer Familie nicht gleich behandelt werden. Sie werden nicht alle in die gleiche Familiensituation hineingeboren, im Laufe der Jahre haben sich Veränderungen im Familienleben vollzogen. So hat sich zuerst natürlich die Anzahl der Kinder geändert, evtl. die Erziehungsansichten der Eltern sowie deren soziale und finanzielle Situation.
Es ist aber völlig alltäglich, dass Kinder von ihren Eltern unterschiedlich behandelt werden. Die von den Kindern benötigte Aufmerksamkeit, Zuwendung hängt von der momentanen Situation oder ihrem Charakter ab 8 . Besonders bei Jugendlichen kann man beobachten, dass
1 Achilles, Ilse „…und um mich kümmert sich keiner“ Die Situation der Geschwister behinderter Kinder. R.Piper GmbH& Co.KG, München 1995. S. 20
2 Achilles, 1995. S. 21
3 Kasten, Hartmut; Geschwister Vorbilder, Rivalen, Vertraute. Ernst Reinhardt Verlag, München Basel, 1998 S.150
4 Kasten, 1998. S. 150
5 Kasten, 1998. S. 150
6 Achilles, 1995. S. 21
7 Achilles, 1995. S. 21
8 Achilles, 1995. S. 23
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sie sich sehr bemühen, ihren Freunden möglichst ähnlich zu sein. Bei den Geschwistern kehrt sich dieses Bestreben um, die größtmögliche Verschiedenheit ist in der Regel das Ziel. Eltern neigen dazu, ihre Kinder in feste Kategorien einzuordnen 9 , wie z.B. Die Schöne, Der Sportliche, Der Mutige. Die Kinder sind immer bemüht diese zugeschriebenen Eigenschaften zu erfüllen. Eine weitere Zuordnung erfolgt zu den Elternteilen. Die Kinder sind z.B. Papas Tochter. Das Kind wendet sich häufiger dem Elternteil zu, dem es ähnlicher ist. Treten in einer Familie Krisensituationen (Scheidung, Tod eines Elternteils) auf, haben diese starke Einflüsse auf die Geschwisterbeziehungen. Entweder werden die Geschwister näher zusammen zusammenrücken und die Krise gemeinsam bewältigen oder sie entfernen sich voneinander und halten an, mitunter alten, Streitthemen fest.
Die Geschwisterbeziehungen verändern sich im Laufe der Zeit, einige Punkte scheinen sich aber für die Geschwister nie zu ändern („…das hast du schon als Kind so gemacht…“). Auf die Rolle der Geschwisterfolge, des Geschlechts und des Altersabstands kann hier leider nicht weiter eingegangen werden, aber die allgemeinen Klischees sind wahrscheinlich bekannt (das verwöhnte Nesthäkchen, der kämpferische Erstgeborene, die sorgende, große Schwester) 10 .
3. Besondere Geschwisterbeziehungen
Da es sehr viele verschiedene Geschwisterbeziehungen gibt, soll es im folgenden Text ausschließlich um die Beziehungen der Geschwister in Familien mit einem behinderten Kind gehen. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Betrachtung der nicht behinderten Kinder. Die Geschwisterbeziehungen in Familien mit einem Kind mit Behinderung sind häufig geprägt von sehr starken Gefühlen.
Die nicht behinderten Kinder empfinden häufig Wut auf das behinderte Kind 11 , da sie es als Störfaktor in der Familie betrachten und aber auch Verantwortung übernehmen müssen. Die Kinder fühlen sich aber oft auch schuldig, wenn sie wütend sind auf die behinderten Geschwister. Peinlichkeit ist auch ein Gefühl, dass die meisten Geschwister von behinderten Kindern gut kennen. Sie schämen sich in der Öffentlichkeit, der Schule, bei Freunden für die Behinderung der Schwester oder des Bruders.
9 Achilles, 1995. S. 23
10 Weiter Nachzulesen bei Kasten, Hartmut. Geschwister. Vorbilder, Rivalen, Vertraute. Ernst Reinhardt Verlag, München. 1998. S. 41- 90
11 Klagsbrun, Francine; Der Geschwisterkomplex. Ein Leben lang Liebe, Hass, Rivalität und Versöhnung. Eichborn. 1994 S. 267
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Arbeit zitieren:
Mareike Schmid, 2006, Geschwisterbeziehungen in Familien mit einem behinderten Kind, München, GRIN Verlag GmbH
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