Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 3
1.1 Ein kurzer Überblick über das Thema 3
2 Gender und Unterricht. 4
3 Eine geschlechtertheoretische Perspektive auf den (Schul)Sport. 5
3.1 Die geschlechtertheoretische Perspektive. 5
3.2 Schuladministrative Rahmenbedingungen für den Schulsport 6
3.3 Gender und schulinterne Schulsportentwicklung
- eine Bestandsaufnahme 6
4 Reflexive Koedukation vs. geschlechtshomogenes Unterrichten
im Schulsport. 8
5 Interviews mit Experten zum Thema. 9
5.1 Gender und Gender Mainstreaming im Schulsport - eine Studie. 10
6 Literatur 12
2
1 Einführung
Der Sportunterricht nimmt im Stundenplan einer jeden Klasse seinen festen Platz ein - zumindest im Idealfall. Im Sportunterricht werden geschlechtsspezifische Unterschiede besonders deutlich, Leistungen werden differenziert und neue Erkenntnisse berücksichtigt. Wie kann heutzutage in Einstimmung mit den curricularen Vorgaben ein geschlechtssensibler Unterricht gestaltet werden? Sollte man überhaupt auf das Geschlecht Rücksicht nehmen? Die Frage nach Doing/ Undoing Gender wird auch in dieser Hausarbeit gestellt. Wird vor allem den Mädchen und Frauen adäquate Partizipation im Sportunterricht eingeräumt? Oder beziehen sich die neuen Studien nur auf die Jungenförderung? Wenn ja, was stellt sich hierbei als Problem heraus? In dieser Hausarbeit soll besprochen werden, inwiefern das Geschlecht eine Rolle im schulischen Sportunterricht spielt, welche Vorgaben es für die Bewertung gibt, inwiefern Lehrer die Möglichkeit haben, sich zu diesem Thema fortzubilden, und was noch getan werden muss, damit Jungen und Mädchen gleichberechtigt behandelt werden können. Oder sollen sie das gar nicht? Wie kann man die Vielfalt von Gender in den Gruppen der Schulen wahrnehmen und im Sportunterricht pädagogisch mit diesen umgehen? Antworten auf diese Fragen werden im Folgenden gesucht.
1.1 Ein kurzer Überblick über das Thema
Das Thema „Doing / Undoing Gender“ ist ein großes Thema in der Unterrichtsentwicklung wie auch im Alltag. Mache ich als Lehrerin Unterschiede zwischen den Geschlechtern meiner Schüler und Mitmenschen? Lasse ich Stereotypen meinen Eindruck bestimmen oder bin ich in der Lage, auch diejenigen zu sehen die „anders“ sind und in mein Schema nicht hineinpassen? Geschlecht fungiert hier als eine „Kategorie sozialer Ordnung“ 1 . Undoing Gender wird als „Geschlechtsneutralität“ 2 beschrieben, als eine „Unterbrechung des Konstruktionsprozesses“ 3 . Hagemann White schreibt dazu: „Selbst die größten Unterschiede, die zwischen den Geschlechtern berichtet wurden, sind ohne Zweifel weit geringer als die Variationen innerhalb eines Geschlechts.“ 4 Hiermit ist allerdings kein Ignorieren der Geschlechter gemeint, denn dieses würde zur Geschlechtsblindheit führen; diese wiederum führt hin zur Tradierung bestehender Geschlechterverhältnisse, und gerade dies ist unerwünscht. Doing Gender beschreibt nach Gramespacher die „geschlechtsbezogene Auseinandersetzung von Individuen mit ihrer Umwelt“ 5 . Diese Auseinandersetzung muss dabei kein ununterbrochener Prozess sein; ich kann als Mädchen einen typischen „Jungensport“ interessant finden und trotzdem als erwachsene Frau, wenn ich
1 Gramespacher, 2008, S. 16
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Hagemann-White, 1984, S.13
5 Gramespacher, 2008, S. 15
3
meine Identität gefunden habe, Ballett tanzen, weil es der Sport ist, der mich am meisten fasziniert. Hirschauer schreibt dazu: „Man ist nicht zeit - und ortspezifisch ein Geschlecht, sondern konstant und ubiquitär.“ 6
Gender wird in der Geschlechterforschung nicht als sexuelles Geschlecht, sondern als soziales Geschlecht untersucht. Hierbei wird Gender von den Individuen interaktional mit der Umwelt ausgehandelt und (re)produziert. Dies ist jedoch ein meist unbewusster Prozess. Diese Gendering-Prozesse sind mit der Strukturkategorie Geschlecht verwoben, beide bedingen sich wechselseitig und beziehen sich dynamisch aufeinander. Dieses Konzept wird dann als „Doing / Undoing Gender“ 7 bezeichnet.
2 Gender und Unterricht
Im Unterricht ist es besonders wichtig für den Lehrer/ die Lehrerin, sich Gedanken über die Vielfalt des Genders der Schüler(innen) zu machen.
Das Ziel des politischen Programms Gender Mainstreaming ist die Chancengleichheit. Sie setzt voraus, dass jeder Schüler und jede Schülerin die gleichen Aufstiegs- und Entfaltungschancen bekommt, wenn er oder sie die erforderlichen Leistungen bringt. Andresen & Dölling unterscheiden hier zwischen der „repräsentativen Chancengleichheit“ 8 und der „bedingten Chancengleichheit“ 9 . Bei ersterem handelt es sich um die Chancengleichheit, die sich am Resultat geschlechterpolitischer Maßnahmen orientiert ;die zweite verlangt nur den gleichen Zugang zu Fähigkeiten und Leistungen für beide Geschlechter, weshalb die Chancengleichheit hier oft nur faktisch, nicht aber reell besteht.
In der Schulkultur werden Gender und damit zusammenhängende Machtstrukturen bewusst oder unbewusst (re)produziert, es entstehen durch den Umgang mit Gender Hierarchiestrukturen. Der Unterricht wird einerseits durch den administrativ gegebenen Lehrplan. andererseits durch den heimlichen Lehrplan bestimmt, wobei beide „geschlechtsbezogene Vorstellungen“ 10 transportieren. Der heimliche Lehrplan ist nach Gramespacher durch personelle Hierarchien, klischeehafte Lehr-und Lernmittel, Rollennormen / Rollenorientierung und durch Interaktion zwischen Schülern und Schülerinnen geprägt. Über diese vier Faktoren werden nun „soziale und ideologische Normen weitergegeben“ 11 , hierdurch erreicht der heimliche Lehrplan seine Ziele auf subtile Weise (dies nur als Beispiel).
Der gendersensible Unterricht ist also in ein komplexes Gefüge eingebettet, welches die
6 Hirschauer, 2001, S. 215
7 Hirschauer, 1994; 2001
8 Andresen & Dölling, 2005, S.183
9 Ebd.
10 Gramespacher, 2008, S. 54
11 Ebd, S. 55
4
Arbeit zitieren:
Svenja Strohmeier, 2010, Geschlechtsspezifische Konnotationen im Fach Sport, München, GRIN Verlag GmbH
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