Inhaltsverzeichnis I
Einleitung 1
1. Theoretische Grundlage 1
1.1 Gesellschaftliche Probleme und präventive Potentiale 1
1.2 Begriffe der Prävention 3
2. Das Präventionsgesetz 4
2.1 Ziele und Anforderungen 4
2.2 Finanzierung von Prävention
2.3 Die Rolle der Krankenkassen 5
3. Auswirkungen auf die Gesundheitsberufe 7
4. Zusammenfassung 9
Literaturverzeichnis II
- I -
Einleitung
Die Prävention soll neben der Akutbehandlung, Rehabilitation und Pflege zur vierten Säule im Gesundheitswesen ausgebaut werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Gesetzgeber mehrere Strategien und Maßnahmen entwickelt und implementiert, unter anderem ein Präventionsgesetz auf den Weg gebracht, welches jedoch bis dato nicht verabschiedet werden konnte.
Ziel dieser Arbeit ist es daher, einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen zur Prävention zu liefern, indem die Frage geklärt werden soll, welche Auswirkungen durch eine Stärkung der Prävention für die Gesundheitsberufe zu erwarten sind. Im ersten Kapitel werden „Theoretische Grundlagen“ zur Prävention vermittelt, es werden die gesellschaftlichen Probleme und präventiven Potentiale dargestellt und die verschiedenen Arten und Ebenen von gesundheitlicher Prävention erläutert. Das Kapitel 2 befasst sich mit dem geplanten Präventionsgesetz. Zunächst werden die Ziele und Anforderungen des Gesetzes beschrieben, anschließend werden die, nach dem Entwurf des Gesetzes vorgesehenen, Finanzierungsträger von Präventionsmaßnahmen genannt. Das Ende dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Rolle der Krankenkassen im Rahmen des Präventionsgesetzes.
Zum Schluss dieser Arbeit werden die möglichen Konsequenzen aufgezeigt, die durch eine Stärkung der Prävention für die Berufe im Gesundheitswesen zu erwarten sind.
1 Theoretische Grundlagen
1.1 Gesellschaftliche Probleme und präventive Potentiale
Die gesundheitliche Lage der Bevölkerung sowie das Gesundheitssystem in Deutschland werden durch den demographischen Wandel und die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen beeinflusst. Die demographische Bevölkerungsentwicklung hat bereits, insbesondere durch den wachsenden Anteil alter Menschen, zu Veränderungen in der Art und in der Häufigkeit von Erkrankungen geführt. Im Bezug auf die Art der Erkrankungen ist eine Verschiebung von akuten hin zu chronischen Erkrankungen festzustellen. Dazu kommt die Tatsache, dass ältere Menschen generell häufiger krank werden als junge Menschen. Diese Entwicklung ist auch in anderen Industrienationen zu erkennen. Bei alten Menschen liegt zudem häufig eine so genannte Multimorbidität (Vielfacherkrankung) vor. Die häufigsten chronischen Erkrankungen bei älteren Menschen sind Diabetes mellitus, hoher Blutdruck, chronische obstruktive Lungenerkrankung, cerebrale Erkrankungen (Ischämien) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Brenner, Weyerer, Steinhagen-Thiessen 2002, S. 130-158). Die oben beschriebenen Veränderungen des Krankheitsspektrums haben zur Folge, dass medizinische Leistungen überdurchschnittlich erhöht in Anspruch genommen werden (BMGS 2005, S. 1-2). Durch gezielte Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung können jedoch mögliche negative Auswirkungen auf das Gesundheitssystem verhindert werden, und der Großteil der sonst erforderlichen Gesundheitsausgaben vermieden werden. Dabei muss Prävention als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden (Apitz & Winter 2004, S. 2-3). Gesundheitliche Prävention ist aber nicht nur auf individueller Ebene von Bedeutung. Auch im internationalen Vergleich, kann die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt, ein wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sein (BMGS 2005, S. 1-2).
1
Für viele chronische Erkrankungen im Alter sind Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, falsche Ernährung, Stress, Sucht und physische sowie psychische Belastungen am Arbeitsplatz bereits bekannt. So ist falsche Ernährung ein Risikofaktor für Übergewicht, Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Dagegen steigt bei mangelnder Bewegung das Risiko an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken (Lauterbach & Stock 2004, S. 13). Diese Risikofaktoren haben einen negativen Einfluss auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Erwerbstätigen sowie älteren Menschen. Besonders die Gruppe der Erwerbstätigen leidet unter den gesundheitlichen Auswirkungen, welche zu Fehlzeiten, Arbeitsunfähigkeit und sogar zum vorzeitigen Verlust der Arbeitsfähigkeit führen können. Hier kann das Konzept der betrieblichen Gesundheitsförderung zu einer Reduzierung der Risiken führen und somit die Anzahl der erkrankten Personen verringern. In Zukunft wird die Prävention eine wichtige Rolle in der Bewältigung gesellschaftlicher Probleme spielen (BMGS 2005, S. 2-3).
Bisher werden jedoch lediglich ca. 4,5 % der Gesamtausgaben für Gesundheit in Prävention und Gesundheitsförderung investiert (Apitz & Winter 2004, S. 4). Obwohl es nach Einschätzung des Sachverständigenrates zur „Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen“ als erwiesen gilt, dass durch Prävention und Gesundheitsförderung rund 25-30 % der Gesundheitsausgaben in Deutschland vermieden werden könnten (SVR 2000/2001). Es scheint daher höchste Zeit, das Gesundheitswesen durch eine Stärkung der präventiven Maßnahmen und der Gesundheitsförderung grundlegend neu auszurichten (Apitz & Winter 2004, S. 5-6). Durch zielgruppenorientierte Präventionskonzepte und durch eine Modifikation der bekannten Risikofaktoren wie z. B. Fehlernährung oder Bewegungsmangel scheint es möglich zu sein, die Inzidenzraten (Neuerkrankungsraten) der wichtigsten „Volkskrankheiten“ in der Bevölkerung zu beeinflussen (Lauterbach & Stock 2004, S. 16). Grundsätzlich gilt, dass je früher eine Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto größer sind letztendlich die Chancen auf eine Heilung. Von daher bieten gerade Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen ein enormes präventives Potential. Beispielsweise wird durch die frühzeitige Feststellung eines erhöhten Blutzuckerspiegels, der Umgang mit Diabetes leichter erlernt und dadurch zusätzliche Folgeerkrankungen vermieden (Die Prävention 2008). Derzeit sind ca. 4 Millionen Menschen in Deutschland von Diabetes mellitus betroffen. Die jährlichen Ausgaben, die durch die Behandlung von Patientinnen oder Patienten verursacht werden, belaufen sich auf ca. 30 Mrd. Euro. Aufgrund der zunehmenden Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die an Übergewicht leiden, ist in Zukunft mit einer erhöhten Prävalenz zu rechnen. Prävention und Gesundheitsförderung kann hier bereits im Kindes- und Jugendalter das eigene Bewusstsein dahingehend schulen, dass durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung die Gesundheit und Lebensqualität aktiv mitgestaltet werden kann (Altgeld & Kolip 2004, S. 41-51).
Das Potential von gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen erstreckt sich über das gesamte Leben. Jeder vierte Bundesbürger ist bereits jetzt über 60 Jahre alt. Des Weiteren führt die steigende Lebenserwartung zu einem wachsenden Anteil von älteren Menschen in der Gesamtbevölkerung (Die Prävention 2008). Alt zu werden und dabei gesund zu bleiben, wird somit zu einem primären Ziel innerhalb unserer Gesellschaft (BMGS 2005, S. 3). Aus der „Alternsforschung“ wissen wir heute, dass "Prävention zu einer Verbesserung von Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität führen kann“. Sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene werden jedoch die Potenziale des Alters nicht ausreichend ausgeschöpft (BMG 2006, S. 5-6).
2
1.2 Begriffe der Prävention
Gesundheitliche Prävention oder auch Krankheitsverhütung, versucht durch gezielte Aktivitäten Krankheiten zu verhindern, weniger wahrscheinlich zu machen oder zu verzögern (Laaser & Hurrelmann 2000, Leppin 2004 zit. n. Bertelsmann 2007). Im Fokus von präventiven Interventionen steht in der Regel die Verhütung einer bestimmten Krankheit. Während sich die kurative Medizin mit der Diagnose und der Behandlung von Erkrankungen beschäftigt, setzt die Prävention bereits vor dem Eintreten der Krankheit ein (Bertelsmann 2007, S. 63-64). Das Hauptziel von Präventionsmaßnahmen ist dabei die Inzidenzraten in der Bevölkerung zu senken und die Lebensqualität jedes Einzelnen zu verbessern (Schwartz & Walter 1998, S. 151-153).
Prävention kann in drei verschiedene Ebenen eingeteilt werden:
1. Die Primärprävention, ist ausgerichtet auf die Vermeidung von Erkrankungen. Zeitlich setzt sie vor Eintritt einer gesundheitlichen Schädigung ein, wobei Risikofaktoren wie z. B. ein erhöhter Blutzucker oder Bluthochdruck erkannt, beeinflusst bzw. verhindert werden. Eine der effektivsten Maßnahmen der Primärprävention sind Impfungen.
2. Die Sekundärprävention, setzt zwischen dem physiologischen Beginn einer Erkrankung und dem erstmaligen Auftreten von klinischen Symptomen, aufgrund derer eine Krankheit durch einen Arzt diagnostiziert werden kann, ein. Durch die frühzeitige Krankheitserkennung ist eine vollständige Heilung noch möglich. Vorsorge-und Früherkennungsuntersuchungen wie „Check-up`s“ oder
Untersuchungen der Krebsvorsorge können Inhalt solcher sekundären Präventionsmaßnahmen sein.
3. Die Tertiärprävention, anders als bei den soeben beschriebenen Ebenen der Prävention, beschäftigt sich diese dritte Ebene mit bereits eingetretenen Erkrankungen. Der Zielgedanke ist hierbei, dass Folgeerkrankungen und eine Verschlechterung des Zustandes verzögert, begrenzt oder verhindert werden. Im Rahmen der Tertiärprävention können Patientinnen oder Patienten nach einem Schlaganfall, die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates wiederherstellen. Des Weiteren kann das Risiko eines weiteren Schlaganfalls durch die Veränderung des Lebensstils reduziert werden (Die Gesundheitsreform 2008, BMG 2006, S. 6-8).
Sowohl bei der Sekundärprävention als auch bei der Tertiärprävention gibt es ein Stadium, indem eine Unterscheidung zwischen der Prävention und der Kuration, der Heilung von Krankheiten in der Medizin, nicht mehr möglich ist. Eine weitere Ebene stellt die so genannte „Primordialprävention“ da. Darunter versteht man Aktionen, welche noch vor Beginn einer Exposition durchgeführt werden. Hier kann man auch von Gesundheitsförderung sprechen, worauf am Ende dieses Kapitels näher eingegangen werden soll (Bertelsmann 2007, S. 64-65).
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Arbeit zitieren:
Torsten Sauer, 2008, Zum deutschen Präventionsgesetz, München, GRIN Verlag GmbH
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