Inhalt
1 EINLEITUNG. 3
2 DETECTIVE WILLIAM SOMERSET. 3
2.1 KONTRAST WILLIAM SOMERSET ZU DAV I D MILLS. 5
3 JONATHAN DOE 6
4 DIE LIEBE ZUR LITERATUR 7
4.1 DOE UND DANTE. 9
4.2 LITERATUR UND INSZENIERUNG. 10
5 DOES WERK. 12
6 DER KAMPF GUT GEGEN BÖSE. 13
7 DER GESELLSCHAFTLICHE EGOISMUS. 15
8 DIE KORRUPTION. 17
9 DER SHERLOCK-HOLMES-VERGLEICH. 18
10 ZUSAMMENFASSUNG 19
11 QUELLENVERZEICHNIS 21
2
1 Einleitung
Die folgende Ausarbeitung befasst sich mit der Darstellung der drei Hauptcharaktere aus David Finchers Thriller Sieben. Die Gemeinsamkeiten, aber vor allem die Unterschiede zwischen den Detectives William Somerset und David Mills, sowie dem religiösen Fanatiker und Serienmörder Jonathan Doe werden analysiert und aufgezeigt. Es wird deutlich gemacht, wie die verschiedenen Persönlichkeiten der Polizisten im Kampf gegen das Verbrechen abschließend, dank Does Inszenierung, übereinkommen Doe taucht hierbei jedoch nicht als Hauptakteur auf, sondern als versteckter Puppenspieler, der seine Umwelt als Marionetten in seinem Schauspiel schlussendlich nur benutzt.
„Ich bin unterwegs und habe es wieder getan.“ 1
2 Detective William Somerset
Detective William Somerset arbeitet seit 23 Jahren bei der Mordkommission in einer namentlich nicht erwähnten US-amerikanischen Metropole, die ihn verzweifeln lässt. Gewalt und Habgier gestalten den Alltag Somersets und machen ihn regelrecht krank. Er leidet unter Schlafstörungen und entschließt sich, seinen Beruf zu quittieren und in Pension zu gehen. Sein Traum besteht darin, sein restliches Leben auf einer Farm auf dem Lande zu verbringen, seinen Alltag mit Renovierungen seines Hauses oder aber mit der Bestellung eines Ackers zu verbringen. 2 Die Arbeitskollegen Somersets sind über dessen bevorstehende Pension zwiegespalten. Die einen sind froh, wenn er in den Ruhestand geht und nicht immer alles hinterfragt und zur weiteren Recherche auffordert 3 , die anderen hingegen denken, dass er für diesen Beruf geschaffen wurde. Er sieht Dinge und Zusammenhänge, die andere Menschen nicht wahrnehmen und stellt eine „Art Genie“ 4 dar. Seine Berufung scheint es zu sein, sich in die Menschen hineinzuversetzen, um ihre Handlungen nachzuvollziehen und es versuchen zu verstehen. 5 Somersets Chef selbst glaubt jedoch nicht daran, dass Somerset seinen Beruf mit dem dazugehörigen Drang nach Aufklärung und Wahrheitsfindung aufgeben kann, um sich auf dem Land zur Ruhe setzen zu können. 6 Während der Captain und Mills bereits von einer übertriebenen Folter ausgehen, „vielleicht hatte jemand einfach nur ein Hühnchen mit dem Fetten zu rupfen und wollte ihn auf diese Weise ein wenig quälen und
1 Bruno, Anthony: Sieben. Sieben Todsünden. Sieben Wege zu sterben. Sieben Wege zu töten.
Deutsche Erstauflage. Wilhelm Goldmann Verlag. München 1995. S. 208.
2 Ebd. Vgl. S.63.
3 Ebd. Vgl. S.19f.
4 Ebd. S.88.
5 Ebd. Vgl. S.203.
6 Ebd. Vgl. S.63.
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foltern“ 7 , hinterfragt Somerset in Anbetracht der zwei Kassenbons das Motiv des Täters. „Will man einen beiseite räumen, dann geht man normalerweise hin und knallt ihn ab. Man macht sich nicht die Mühe und geht das Risiko ein, das in solchen Methoden steckt.“ 8 Schnell taucht die Vermutung bei Somerset auf, dass die Tat an sich eine besondere Bedeutung für den Mörder zu haben schien, dass er sie gründlich geplant hatte. Auf Somersets Äußerungen und Spekulationen agiert der Captain jedoch mit Wut, da Somerset dafür bekannt ist, Dinge und mögliche Tatsachen zu hinterfragen, die eindeutig und logisch zu sein scheinen, ohne einen geringen Anhaltspunkt dafür zu haben. 9
Da Somerset selber über seinen Zwang nach einem möglichen Perfektionismus Bescheid weiß, möchte er den Fall umgehend nach dem ersten Opfer abgeben, um sich nicht noch in der letzten Arbeitswoche in etwas hineinzusteigern, was er seiner Meinung nach vermutlich nicht in seiner Restzeit bei der Mordkommission gelöst bekommt. Somerset ist der erste, der die Parallelen von Does Taten zu den sieben Todsünden und somit den Beginn einer Mordserie sieht. Er möchte nicht gehen und einen unfertigen Fall zurücklassen. Sein Gesuch, den Fall an wen abzugeben, der ihn von Anfang bis zum Ende intensiv behandeln und lösen kann, schmettert der Captain aus Personalmangel ab. Da er aus Erfahrungen weiß, dass Somerset selten im Unrecht ist, sieht er auch keinen anderen Polizisten dazu in der Lage, den „Fetten-Fall“ 10 zu lösen. Somerset hingegen hadert mit sich selbst, ob er gegen seine eigenen Prinzipien handeln und den Fall nur oberflächlich bearbeiten soll oder aber sich richtig mit der Sachen befasst, um Gefahr zu laufen, einen unfertigen Fall zurückzulassen. 11 Somerset steht somit vor einem inneren Konflikt: Mills scheint der Situation in der Stadt nicht gewachsen zu sein, da er auf dem Land unter ganz anderen Bedingungen gelernt hat. Ihm scheint es, als sei Mills überfordert und müsste sich erst in seinen Beruf in der Stadt mit den entsprechenden Gegebenheiten einarbeiten. Diese Zeit sollte man ihm eigentlich geben. Doch je länger gewartet würde, umso mehr Menschen müssten sterben. Da Somerset Mills die Möglichkeit geben möchte, in den Job reinzuwachsen und notfalls als Verstärkung eingreifen zu können, will er als Mills' Unterstützung im Hintergrund agieren. Er schreibt ihm Buchtitel auf, die sich mit den sieben Todsünden befassen, damit er auch „gehörig Hausaufgaben dafür machen“ 12 muss, lässt Mills den Vortritt bei der geplanten Konfrontation mit Victor, dem späteren Trägheit-Opfer und erwähnt, dass es sich um Mills' Fall handeln würde, er nur dabei sei, um seine Neugierde
7 Ebd. S.55.
8 Ebd. S.55.
9 Ebd. Vgl. S.55f.
10 Ebs. S.59.
11 Ebd Vgl. S.73.
12 Ebd S.80.
4
zu befriedigen. 13 Es wird jedoch deutlich, dass Somerset der Kopf des Gespanns ist, der die Ideen hat und auch ausführen lässt. Mills, der gerne Somersets Instinkt erlernen würde, wirkt eher wie ein Schüler als ein gleichwertiger Kollege. Er ist jung, ungestüm und lässt sich von seinen Emotionen leiten. „Mills hatte gute Lust, sich den nächst besten Stuhl zu greifen und ihn durch die Fensterscheibe zu pfeffern, so wütend war er.“ 14 Somerset hingegen ist ein ruhigerer Charakter, handelt wohl überlegt und bleibt trotz allem immer höflich. 15
Die Antipathien, die seiner Person gegenüber gebracht werden, spielen keinerlei Rolle für ihn, wenn seine Fallermittlung den richtigen Weg geht. 16 Somerset trennt sein Arbeits- und Privatleben, solange er dies noch schafft. Allmählich fällt dies auch ihm immer schwerer, die Arbeit nicht psychisch mit nach Hause zu nehmen. Doch die Grausamkeit und Skrupellosigkeit der Menschheit überwiegt Somersets Drang nach Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, sodass er lieber seinen Job aufgibt, als dass er mit Dingen konfrontiert wird, die er nicht mehr ertragen kann und auch nicht will. Er hat „zuviel menschliche Gedankenlosigkeit und Sinnlosigkeit, zuviel Niedrigkeit und Niedertracht erlebt. Mehr, als einer allein aushalten kann, als man einem alleine zumuten kann.“ 17 Er wirkt resignierend gegenüber seinem Beruf und seiner Stadt, in der sein Leben lang gewohnt hat. Niemand scheint sich mehr Mühe zu geben, um das Zusammenleben aller erträglicher zu machen, was durchaus ungenügend ist. 18
2.1 Kontrast William Somerset zu David Mills
Detective Somerset und Detective Mills sind als konträre Charaktere dargestellt. Während Mills eine glückliche Ehe führt, die seit seiner Schulzeit anhält, war Somerset bereits zweimal verheiratet und ist genauso oft geschieden worden. Somerset sucht den Weg aus der Stadt, um Abstand von der Grausamkeit der Welt zu bekommen, wogegen Mills sich absichtlich in die Stadt versetzen lässt, um dort „,wirkliche' Polizeiarbeit“ 19 zu leisten und „,richtige' Ermittlungen“ 20 durchzuführen. Mills befürchtete in Springfield zu versauern, wovor Somerset in Zukunft hingegen keine Angst hat. Das Stück Rosentapete, das er stets in seiner Tasche mit sich herumträgt, symbolisiert das Ende des Stadtlebens, der Anfang eines neuen Lebens in Ruhe und Frieden,„etwas Normales“ 21 . Tracy, Mills' Frau, hingegen sieht die Stadt als Bedrohung ihres eigenen Lebens mit ihrem Ehemann an. Sie fühlt
13 Ebd Vgl. S.107.
14 Ebd S.59.
15 Ebd Vgl. S.156.
16 Ebd Vgl. S.51.
17 Ebd S.65.
18 Ebd Vgl. S.60.
19 Ebd S.23.
20 Ebd S.23.
21 Ebd S.11.
5
sich unwohl und hasst die Stadt. Mills zweifelt selbst, ob es nicht doch ein Fehler war, in die Stadt zu ziehen. Die beiden Hunde, die Mills' Babies sind, scheinen fehl am Platz zu sein, denn „eigentlich ging (es) nicht, in der Stadt einen Hund zu halten“ 22 . Doch Mills stellt seine eigenen Zukunftspläne, erfolgreich bei der Mordkommission in der Stadt zu arbeiten, über sein Familienleben.
Mills ist ein ehrgeiziger und emotionaler Mensch, der nicht selten die Kontrolle übersich selbst verliert. Anfänglich erwähnt er noch, wie richtige Polizeiarbeit laut Lehrbuch zu erfolgen hat, als er beispielsweise den Polizisten vor Ort bei dem Maßlosigkeit-Opfer fragt, ob dieser kontrolliert hat, ob die mögliche Leiche überhaupt tot sei. 23 Doch als ihm bewusst wird, dass der Polizei in der Stadt kaum Respekt entgegen gebracht wird und dass Korruption ein übliches Mittel ist, um zu bekommen, was man will, steigt er schnell auf den Zug auf und passt sich an. Er bezahlt einen Obdachlosen für eine Falschaussage bei der Polizei, weil er die eingetretene Wohnungstür Does rechtfertigen will. Auch als Mills und Doe sich auf freiem Feld gegenüberstehen und Mills Doe vor lauter Verzweiflung und Rache erschießen will, schlägt er Somerset vor, zu erzählen, dass Doe einen Fluchtversuch unternehmen wollte, sodass sie aus Notwehr genötigt waren, ihn zu töten. 24 Obwohl Somersetihn jedoch darauf hinweißt, dass der Tod Does die gesamten Ermittlungen zur Nichte machen wird und Mills seines Lebens nicht mehr froh sein wird, hört Mills auf seinen Jähzorn und handelt unüberlegt.
3 Jonathan Doe
John Doe inszeniert sich selbst, indem er sich den „polizeiüblichen Namen für nicht oder noch nicht identifizierte Tote“ 25 gibt und ansonsten auch keinerlei Option offen lässt, seine wahre Identität zu ermitteln. Seine Fingerkuppen entfernt er sich seit geraumer Zeit, sodass keine brauchbaren Fingerabdrücke möglich sind. Das Bankkonto hat Doe mit einer Bareinzahlung eröffnet und es sind keinerlei Gegenstände in seiner Wohnung vorhanden, die seinen Namen verraten könnten. Einzig Charakterzüge sind aus seinem Verhalten ableitbar, dass er beispielsweise einen hohen Bildungsstand hat, worauf die Kenntnisse innerhalb der Weltliteratur hinweisen und dass er ein religiöser Fanatiker zu sein scheint. „Er ist seine eigene Kreation. Dr. Frankenstein und sein Monster in einem.“ 26
Doe war von Beginn an die Kontrollinstanz, die die einzelnen Akteure seines Stücks nur
22 Ebd S.95.
23 Ebd S.32.
24 Ebd Vgl. S.251.
25 Ebd S.158.
26 Ebd S.218.
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Arbeit zitieren:
Helene Erwin, 2009, Die Inszenierung der Hauptcharaktere in dem Thriller Sieben, München, GRIN Verlag GmbH
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