Inhaltsverzeichnis
Einf ührung 3
1. Begriffsklärungen 5
1.1 Paulus’ Auffassung von „Gemeinde“ 5
1.2 „πνευμα“ bei Paulus und im Galaterbrief 6
2. Die Herkunft des Geistes (Gal 3,2-5 4,6) 7
3. Glaube vs. Gesetz - Rechtfertigung aus dem Geist (Gal 1,6- 5,12) 9
4. Wirkungen des Geistes 10
4.1. Verhältnis der Christen zu Gott und untereinander (Gal 3,14-4,7) 10
4.1.1 Gotteskindschaft (Gal 4,6) 11
4.1.2 Neue Gleichheit aller im Glauben (Gal 3,27-29) 12
4.1.3 Erbteil am zukünftigen Heil (Gal 3,29 4,7) 13
4.2 Der Geist als Voraussetzung eines neuen Zusammenlebens (Gal 5,13-
6,10) 15
4.2.1 Gebot der Nächstenliebe 16
4.2.2 Tugend und Laster 16
4.2.3 Ethische Imperative (Gal 5,25-6,6) 19
4.2.4 Ausblick: Eschatologische Verheißung (Gal 6,7-10) 20
5. Der Briefschluss - Gemeinde als καινή κτίσις (Gal 6,10-16)
21
Res ümee 22
Literaturnachweis 23
2
Einführung
Der Galaterbrief - geschrieben wohl im Jahr 55 nach Christus nach den Korintherbriefen und kurz vor dem Römerbrief 1 - gehört zu den echten Paulusbriefen. 2 Er beginnt als apologetischer Brief mit Blickpunkt auf die in Galatien lehrenden Gegner 3 des Paulus. Gegen diese predigt er die Freiheit der Christen vom mosaischen Gesetz und der Beschneidung und endet mit paränetischen Ausführungen. Ein Motiv zieht sich dabei durch den ganzen Brief: der Geist, das πνευμα. Paulus benutzt dieses Wort im Galaterbrief 18mal, öfter, als es in allen anderen Paulusbriefen, Deuteropaulinen und Pastoralbriefen steht. 4 Die Rede vom πνευμα verbindet deutlich die als echt anerkannten Paulusbriefe. Im Römerbrief, in beiden Korintherbriefen, im Galaterbrief: für all diese weist die Konkordanz zum Novum Testamentum Graece eine erheblich höhere Zahl von Belegen auf als in den Pastoralbriefen. Von den Deuteropaulinen kommt nur der Epheserbrief an eine ähnlich hohe Belegzahl heran. Die Einbeziehung des πνευμα in seine Theologie war für Paulus also anscheinend ein zentraler Punkt. Demzufolge beschäftigt sich die theologische Forschung intensiv mit diesem Begriff. Paulus’ Sprechen vom πνευμα wurde bereits auf die verschiedensten Aspekte hin untersucht: was „πνευμα“ eigentlich meint, inwieweit Paulus sich selbst als Pneumatiker versteht 5 , das πνευμα im Zusammenhang mit der Volk-Gottes-Theologie 6 , das πνευμα im Gegensatz zum σάρξ, besonders im Galaterbrief 7 , der Geistempfang in der Taufe 8 usw.. Für diese Arbeit möchte ich den Blick auf die Bedeutung des πνευμα als Grundlage für die paulinische Ekklesiologie im Galaterbrief lenken.
Als Hauptthema des Briefes wird häufig die Kampfansage gegen das jüdische Gesetz genannt 9 . Zu dieser These scheint der paränetische Schlusspassus allerdings nicht ganz zu passen und so müssen die Vertreter dieser Kernthematik Argumente suchen, die seine Zugehö-
1 Vgl.U. Schnelle, Einleitung, 112ff. Joachim Rohde datiert ihn allerdings auf 56 n. Chr. (J. Rohde, Der Brief des Paulus an die Galater, 11)
2 Vgl. U. Schnelle, Einleitung, 112
3 Zur eingehenden Charakterisierung der Gegner vgl. F. Mußner, Der Galaterbrief, 12-32
4 Vgl. P. Dschulnigg, Überlegungen, 15
5 z.B. G. Dautzenberg, Διακονία πνεύματος (2 Kor 3,8) - Paulus als Vermittler der eschatologischen Gabe des Geistes. In: Eckert, Jost, Martin Schmidt und Hanneliese Streichele (Hrsg.): Pneuma und Gemeinde. 33-45
6 z.B. W. Kraus, Das Volk Gottes, 145-148; 178-184
7 z.B. S. Schewe, Die Galater zurückgewinnen
8 z.B. U. Schnelle, Gerechtigkeit
9 So z.B. bei Philipp Vielhauer, Geschichte der urchristlichen Literatur: „Diese Enzyklika an die Gemeinden Galatiens ist ein Kampfbrief in Inhalt, Ton und Form.“ (112) „Die Abfassung des Gal ist nun nicht durch vielerlei Fragen veranlasst[…] sondern […] durch eine einzige und zentrale Frage, die Frage nach der Geltung, d.h. der Heilsnotwendigkeit des jüdischen Gesetzes. Das gibt dem Gal seine einheitliche Thematik.“ (113) Auch bei Franz Mußner kommt diese Sicht zum Tragen: „Das theologische Problem, das […] auf die Formel „Gesetz und Evangelium“ gebracht worden ist, ist das eigentliche Thema des Gal.“ (F. Mußner, Der Galaterbrief, 277)
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rigkeit doch plausibel machen. Dies geschieht beispielsweise durch formale und synchrone Analysen mit anderen Paulusbriefen, die ebenfalls paränetische Passagen enthalten. Andere Forscher versuchen, den Galaterbrief als Rede zu klassifizieren oder ihm das Grundthema der Identität und des Verhaltens der Heidenchristen zugrunde zu legen. 10 Bisher ist keine dieser Thesen zur Kernthematik des Galaterbriefes den anderen so überlegen, dass sie ein weiteres Nachdenken in dieser Richtung ausschließen würde. Bei der Beschäftigung mit dem Galaterbrief kam mir der Gedanke, dass ihm ein anderes Grundthema zugrunde liegen könnte: Der Zusammenhang von Geist und Gemeinde. Die christliche Gemeinde - ihr Entstehen, ihre Hoffnung, ihre Gefährdung, ihr Zusammenhaltwird aus dem Geist heraus begründet und vorgestellt. Sicher ist der Anlass des Briefes das Auftreten von Irrlehrern in Galatien, gegen die Paulus vorgehen will, um die Gemeinde wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Und eben dieser rechte Weg der Gemeinde ist es, der von Paulus thematisiert wird - beginnend mit seinen Anfängen im Glauben und der darauf folgenden Gabe des göttlichen Geistes. Durch diesen Geistempfang werden die Einzelnen Teil einer christlichen Gemeinschaft, deren Zusammenleben als zweiter Schritt von Paulus thematisiert wird. Schließlich nimmt Paulus die gemeinsame Hoffnung der Gemeinde auf das Heil Gottes in den Blick - alles unter der Voraussetzung des Geistempfangs und des Handelns im Geist.
Das vom Geist bestimmte Wesen der Gemeinde darzustellen, kann meiner Meinung nach als theologisches Grundthema des Galaterbriefs angesehen werden. In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, die Stimmigkeit dieser These zu erläutern. 11
10 Siehe die vergleichende und zusammenfassende Untersuchung von Susanne Schewe in: Dieselbe, Die Galater zurückgewinnen, 16-59. Auch sie selbst bietet keine neue These, sondern bestärkt die These vom Grundthema „Gesetzesgehorsam und Beschneidung“ (Ebd., 185), indem sie sich mit der Einpassung von Gal 5 und 6 in den Rest des Briefes beschäftigt.
11 Wolfgang Kraus benennt in seinem Buch „Das Volk Gottes. Zur Grundlegung der Ekklesiologie bei Paulus“ als zentrales Thema des Galaterbriefes die Auseinandersetzung um die Zugehörigkeit zum Gottesvolk (202f). Damit legt er einen ähnlichen Schwerpunkt wie die hier vorliegende Arbeit, sodass sich die Argumentation von Kraus mit der folgenden in einigen Punkten überschneidet. Er geht jedoch nicht auf den paränetischen Teil des Briefes ein, wodurch wichtige Aspekte keine Berücksichtigung finden und seine Darstellung kein homogenes Bild liefert. Er vernachlässigt meiner Meinung nach auch die Bedeutung des πνευμα als die Gemeinde und den ganzen Brief bestimmende Grundkonstante.
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1. Begriffsklärungen
1.1 Paulus’ Auffassung von „Gemeinde“
Für die Gemeinde gibt es bei Paulus noch kein einzelnes, einziges Wort. Den jüdischen Begriff der (επι)συναγογή 12 benutzt er gar nicht. Das Wort κοινωνία 13 kommt vor, jedoch hauptsächlich, wenn es um die Gemeinschaft mit Christus geht sowie mit der Sonderbedeutung „Kollekte“. Metaphorisch als „Kirche“ verstanden werden kann οικός 14 , das sonst bei Paulus die Hausgemeinde beschreibt. Das am häufigsten verwendete Wort ist jedoch εκκλησία 15 . Paulus benutzt es 46mal (von 114 Belegen im gesamten NT), davon allein 22mal im 1. Korintherbrief. Grundlage des Begriffes ist das griechische Wort für eine „öffentliche Versammlung“. An fast allen neutestamentlichen Belegstellen wird es allerdings unter seiner christlichen Neubestimmung als „Gemeinde“ benutzt. Häufig tritt die Verbindung „εκκλησία του θεου“, Gemeinde Gottes, auf. Diese Erscheinung wird als älteste Form des Terminus und eventuell als Selbstbezeichnung der nachösterlichen Gemeinde angesehen. Paulus versteht die εκκλησία normalerweise als konkrete Versammlung der Getauften an einem bestimmten Ort, seltener auch als Synonym für die gesamte Christenheit. 16 Dabei betont er die Zugehörigkeit der Gemeinde zu Gott, ihre Heiligung und Berufung durch ihn und setzt die εκκλησία stark von den Heiden ab 17 . Des Weiteren betont Paulus die Herleitung der christlichen Gemeinde von Abraham, direkt und indem er sie als „wahres Israel“ oder „neuen Bund“ bezeichnet. Damit möchte er das kontinuierliche Handeln Gottes in der Geschichte betonen. 18 Ein wichtiger Zusammenhang zwischen Geist und Gemeinde findet sich, wenn Paulus die Handlungsweise der Gläubigen in der Gemeinde vorstellt. Jede Handlung soll „zur Erbauung der Gemeinde geschehen, d.h., es soll im Dienst des Geistes stehen, der die Gemeinde“ 19 konstituiert. Unbrüderliches Verhalten der Reichen in Korinth wertet Paulus als Verachten der
12 H. Frankenmöller, (επι)συναγογή, in: H. Balz, EWNT III, 702 - 710 13 J. Hainz, κοινωνία, in: H. Balz, EWNT II, 749 - 755 14 P. Weingandt, οικός, in: H. Balz, EWNT II, 1222 - 1229
15 J. Roloff, εκκλήσίηα, in: H. Balz, EWNT I, 998 - 1011. Dieser Artikel ist Quelle für den folgenden Abschnitt.
16 Vgl. U. Schnelle, Theologie, 303f, sowie J. Roloff, εκκλήσίηα, in: H. Balz, EWNT I, 998 - 1011
17 Vgl. U. Schnelle, Gerechtigkeit, 158. Die starke Scheidung von der Welt kommt beispielsweise in der von Paulus geforderten Abkehr vom Fleisch zum Ausdruck (Gal5,16-21). Allerdings legt Paulus auch Wert darauf, dass die Gemeinde für Außenstehende ohne Anstoß sein soll (1Thess 4,12) (vgl. U. Schnelle, Gerechtigkeit, 160). Das wird außerdem deutlich, wenn er die Gemeinden auffordert, die Umwelt zu beachten und Gutes und Nützliches zu übernehmen (1Kor 10,32; Röm 12,2; 1Thess 5,21; Phil 4,8) sowie an den Überschneidungen des paulinischen Tugend- und Lasterkataloges (Gal 5,19-23) und den ethischen Anweisungen im Galaterbrief (5,29-6,10) mit nichtchristlichen Überlieferungen zur Moral der Zeit. (Vgl. H.-D. Betz, Der Galaterbrief, 480ff; 497)
18 Vgl. U. Schnelle, Gerechtigkeit, 157
19 J. Roloff, εκκλήσίηα, in: H. Balz, EWNT I, 1004
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Gemeinde (1Kor 11,22). Das ekklesiologische Verständnis im Galaterbrief wird in Gal 3,26-29 zusammengefasst: Es ist christologisch begründet (εις εν Χριστω), erwählungsgeschichtlich verankert (του Αβραάμ σπέρμα), und eschatologich ausgerichtet (κληρονόμοι) 20 . Auf die erwählungsgeschichtliche Verankerung und die eschatologische Ausrichtung werde ich unten noch eingehen, da diese beiden Aspekte im Galaterbrief besonders intensiv behandelt werden. Für das „εις εν Χριστω“ verweise ich auf die weiterführende Literatur 21 , die sich ausführlich damit beschäftigt hat, da eine fundierte Untersuchung dieser Formulierung hier zu weit führen würde 22 .
1.2 „πνευμα“ bei Paulus und im Galaterbrief
Das meist mit dem deutschen „Geist“ übersetzte altgriechische Wort „πνευμα“ kommt im Neuen Testament mit verschiedenen Bedeutungen vor. 3mal bedeutet es „Wind“, 47 mal ist vom πνευμα des Menschen die Rede, als sein „Lebensodem“, der in direkter Beziehung zu Gott steht. Πνευμα in diesem Sinne ist von den Begriffen ψυχή und νους 23 abzugrenzen, die die Seele bzw. den Verstand des Menschen bezeichnen. 38mal bezeichnet „πνευμα“ böse Geister, Verstorbene oder Engel. Die häufigste Verwendung ist für das deutsche „Geist Gottes“ im weitesten Sinne zu finden. Dabei wird πνευμα 149mal absolut gesetzt, 92mal ist vom „Heiligen Geist“, 18mal vom „Geist Gottes“, 1mal vom „Geist des Vaters“ die Rede. 5x wird πνευμα im Sinne von „Geist Christi/Jesu/ des Sohnes“ 24 benutzt. Nur einmal werden der Geist und Christus anscheinend gleichgesetzt 25 , sonst wird unterschieden zwischen Gott, Christus
20 Vgl. W. Kraus, Das Volk Gottes, 206
21 z.B.: F. Horn: Das Angeld des Geistes, 138-142 oder U. Schnelle, Gerechtigkeit, 106-123
22 Als äußerst knappe Zusammenfassung nur soviel: Die christliche Gemeinschaft entsteht, wenn die Gläubigen, um Teil von ihr zu werden, getauft werden. Das „εις εν Χριστω“ bezeichnet die enge Verbindung zu Christus, die gestiftet wird, wenn der Christ auf Christus und in Christus hinein getauft wird und aus der Taufe heraus eine ganz besondere Christusgemeinschaft erwächst. Diese neue Form der Gemeinschaft hat Auswirkungen auf das Leben der Einzelnen, die sich zu einer engen, neuartigen Gemeinschaft zusammenfinden, da das Leben nun von der sündenbefreienden Kraft der Taufe geprägt ist (und da im Zusammenleben der Gemeinde das Reich Gottes bereits anbricht). Die „Gliedschaft am Leib Christi ermöglicht auch eine neue Gemeinschaft der Glieder unter-einander.“ (U.Schnelle, Gerechtigkeit, 159)
23 Nur vereinzelt ist ein Gleichsetzen mit ψυχή zu verzeichnen und nur an einer Stelle wird πνευμα mit demselben Sinn wie νους verwandt. J. Kremer, πνευμα, in: H. Balz, EWNT III, 282
24 Zur Bedeutung der Formulierung „Geist Christi“ bei Paulus vgl. A. K. Gabriel, Pauline Pneumatology and the Question of Trinitary Presuppositions, 355-362. Er setzt sich entschieden davon ab Christus und den Geist gleichzusetzen (360) und tendiert stattdessen dazu, die Formulierungen “Geist Christi” und “Geist Gottes” als synonym zu betrachten. Der Geist, von dem Paulus spricht, könne nur in seiner Beziehung zu Gott oder Christus verstanden werden. Schnelle dagegen sieht eine untrennbare Verbindung zwischen Christus und πνευμα, die einer Gleichsetzung gleichkommt. Er spricht von πνευμα als „dynamischer Präsenz des erhöhten“ κύριος. Vgl. U. Schnelle, Theologie, 245f
25 In 2Kor 3,17, Vgl. J. Kremer, πνευμα, in: H. Balz, EWNT III, 287
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und Geist 26 . Im Galaterbrief verwendet Paulus das Wort „πνευμα“ 18mal - auf die Wortzahl bezogen häufiger als in allen anderen Briefen 27 , was auf die besondere Bedeutung, die diesem Wort hier zukommt, bereits hinweist.
Für diese Arbeit werde ich mich auf die Stellen beschränken, in denen „πνευμα“ mit „Geist Gottes“ zu übersetzen ist. In diesem Sinne ist „πνευμα“ definiert „als das, was Gott von allem nichtgöttlichen unterscheidet, als die Kraft, die alles göttliche Dasein wirkt, […] als der Träger aller göttlichen Willensbetätigung. Diesen Geist besitzen oder erhalten alle, die zu Gott gehören und daher an ihm Anteil haben. Er zeichnet daher auch die Christen vor allen Ungläubigen aus.“ 28 Wenn also im Folgenden von „πνευμα“ die Rede ist, ist damit der „Geist Gottes“ gemeint und keine andere der Bedeutungen von „πνευμα“. David Wenham spricht die zwei Dimensionen dieses Geistes Gottes an, die Paulus benutzt. In individueller Sicht wohnt der Geist Gottes im Gläubigen, dessen Leib wird als sein Tempel bezeichnet (1Kor 6,19). 29 Daneben steht aber auch eine korporative Funktion des πνευμα - als Geist Gottes, der die Gemeinschaft erfüllt, der „unterschiedliche Gaben zum Wohle aller“ 30 gibt. Auf diese Gaben wird später noch eingegangen werden.
2. Die Herkunft des Geistes (Gal 3,2-5; 4,6)
Wie vollzieht sich die Geistgabe Gottes bei Paulus? Am häufigsten wird die These vertreten, dass dies in der Taufe geschehe. Hier möchte ich Udo Schnelle folgen, wenn er die untrennbare Zusammengehörigkeit von Geistempfang und Taufgeschehen feststellt und sich auch dagegen ausspricht, dass Paulus für seine Gemeinden eine Geistgabe ohne dazugehörige Taufe kannte. 31 Da der Galaterbrief die Taufe als Geschehen der Geistübergabe nicht dezidiert er-
26 Allerdingsnicht im Sinne einer durchdachten Trinitätstheologie. Besonders die Stellung des Geistes im Bezug zu Gott und Christus ist bei Paulus noch nicht eindeutig bestimmbar. Vgl. U. Schnelle, Theologie, 249f
27 Vgl. P. Dschulnigg, Geistaussagen im Galaterbrief, 15
28 Bauer-Aland: Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testamentes, 1358
29 Diesen im Menschen wirkenden Geist Gottes sieht Schnelle als den mit dem Geist gleichgesetzten erhöhten Christus an, der als πνευμα in den Menschen eingegangen ist. Vgl. U. Schnelle, Theologie, 246
30 D. Wenham, Paulus, 207. Auch Kraus beschäftigt sich mit dem Bild vom ναός θεου. Vgl. W. Kraus, Das Volk Gottes, 174-178
31 Jedenfalls nicht als übliche Praxis, sondern nur bei besonderen ekstatischen Fällen. Vgl. U. Schnelle, Tauftraditionen, 125f;133. Wenhman vertritt ebenfalls diese Ansicht und stellt zusätzlich fest, dass am Punkt der Taufe die Gotteskindschaft beginne. Vgl. D. Wenham, Paulus, 311. Auch Jost Eckert sieht den Heiligen Geist als ein in der Taufe gegebenes Geschenk, das gleichzeitig in die Kirche eingliedert. Vgl. J. Eckert, „Die neue Schöpfung“, 60
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Theresia Schreiber, 2008, Der Geist als Grundlage christlicher Gemeinschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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