Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1.Der Mythos von Phaidra und Hippolytos.
1.1. Die Handlung 4
1.2. Traditionelle Vorstellung von den Hauptfiguren 5
2. Literarische Bearbeitungen des Mythos 6
3.Sarah Kane. Phaidras Liebe (1996)
3.1. Die Handlung 8
3.2. Rezeption des Theaterstücks 9
3.3. Figuren der Protagonisten 10
Schluss 14
Literaturverzeichnis 15
2
Einleitung
Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist der antike griechische Mythos von Phaidra und Hippolytos und seine Interpretation im Theaterstück von Sarah Kane Phaidras Liebe. Ein weiteres Aspekt ist die Deutung der Hauptfiguren des Mythos, ihrer Rollen und Eigenschaften, sowie auch die Entwicklung dieser Deutung in verschiedenen literarischen Bearbeitungen.
Dabei wird besonders auf die Rezeption des Bildes von Phaidra und ihren Zusammenhang mit der allgemeinen Einstellung zu der Frau im Laufe der Zeit geachtet. Das erste Kapitel hat die Quelle, nämlich den antiken Mythos selbst, sowie auch die traditionellen Vorstellungen von den Figuren der Protagonisten zum Thema. Das zweite Kapitel schafft einen kurzen Überblick der literarischen Bearbeitungen des Mythos und der Entwicklung des Bildes von Phaidra seit der Antike bis in das 20. Jahrhundert. Im dritten Kapitel wird das Theaterstück von Sarah Kane Phaidras Liebe analysiert, vor allem die Interpretation der Bilder von Hauptfiguren und ihre Rolle am Geschehen.
Die Ergebnisse werden im Schluss der Hausarbeit zusammengefasst.
3
1.Der Mythos von Phaidra und Hippolytos
1.1. Die Handlung
Phaidra war Schwester von Ariadne, Tochter des kretischen Königs Minos und seiner Frau Pasiphae. Sie wurde zur zweiten Gattin des Helden Theseus, der zu deiser Zeit König von Athen war und einen Sohn von seiner ersten Frau, der Amazone Antiope 1 (bzw. Hippolyte 2 ), den Hippolytos, hatte. Nach der Hochzeit mit Phaidra sandte Theseus seinen Sohn nach Troizen, wo dieser von König Pittheus adoptiert und zum Erben des Thrones gemacht wurde. Hippolytos war ein begeisterter Jäger und diente vor allem der reinen Artemis, Göttin der Natur, der Jagd und der Jungfräulichkeit, die auch von den Volk der Amazonen besonders verehrt wurde. Zu Ehren der jungfräulichen Göttin errichtete Hippolytos in Troizen einen neuen Tempel.
Die Liebesgöttin Aphrodite betrachtete Hippolytos’ Benehmen und seine Treue der Artemis als eine Beleidigung, und beschloß, ihn zu strafen. Als er nach Athen kam, um an den Eleusinischen Mysterien teilzunehmen, sah ihn zum erstenmal seine Stiefmutter Phaidra und verliebte sich in ihn. Es war die Aphrodite, die sie in leidenschaftlicher Liebe zu ihm entbrennen ließ. Da Theseus gerade in Thessalien war, konnte Phaidra Hippolytos nach Troizen folgen. Da errichtete sie den Tempel der Herabblickenden Aphrodite, aus dem sie unbeobachtet das Stadion , wo Hippolytos sich nackt übte, überblicken konnte. Als Hippolytos später die Panahtenischen Festspiele besuchte, stieg Phaidra zum Tempel der Aphrodite auf der Akropolis, um ihn wieder heimlich zu beobachten. 3 Am Anfang versuchte Phaidra, ihre verbrecherische Leidenschaft zu bekämpfen, doch gegen Aphrodites Willen war alles umsonst. Bald konnte sie ihre Gefühle auch nicht mehr verbergen. Gequält von der Leidenschaft, gestand sie ihrem Stiefsohn ihre Liebe. Doch Hippolytos wendete empört und entsetzt von ihr ab. Dann beschuldigte ihn Phaidra bei Theseus, er hätte sie verführen wollen, und Theseus glaubte ihr. In blinder Wut verfluchte er seinen Sohn und verbannte ihn aus Athen. Ohne den Befehl seines Vaters zu bestreiten oder seine Unschuld zu beweisen, verließ Hippolytos die Stadt und fuhr nach Troizen. Dann erinnerte sich Theseus an die drei Wünsche, die ihm Poseidon versprochen hat, und bat ihn, Hippolytos sofort zu vernichten. Als dieser mit seiner Pferdekutsche des Strandes entlang fuhr, entstand ein Erdbeben,
1 Ranke-Graves: S.323.
2 Hunger: S.282.
3 Ranke-Graves: S.324.
4
eine riesige Welle erhob sich, ein Stier tauchte aus dem Meer auf und erschrak die Pferde. Sie gingen los und schleiften Hippolytos zu Tode.
Nachdem Phaidra diese schreckliche Nachricht erfuhr, erzählte sie Theseus die Wahrheit und beging Selbstmord. 4
Hippolytos, der sein Leben lang der Artemis treu gewesen war, wurde von ihr auch nach dem Tode nicht verlassen. Die Göttin versuchte, ihn mit Hilfe von Asklepios wieder zum Leben zu erwecken. Als das nicht gelang, nahm Artemis ihn mit sich in den Himmel, als Sternbild des Fuhrmanns 5 . Nach einer anderen Version, hüllte sie Hippolytos in eine Wolke und brachte ihn nach Italien, wo er als Gott Virbius verehrt wurde. 6
1.2. Traditionelle Vorstellung von den Hauptfiguren
Nach der traditionellen Deutung diesen Mythos, gilt Phaidra als eine Intrigante, die ihre Gefühle nicht beherrschen konnte. Auch wenn ihre verhängnisvolle Liebe von Aphrodite verursacht wurde, war Phaidra an der Verleumdung von Hippolytos mit allen tragischen Folgen selbst schuldig. Gelenkt von der zerstörerischen Leidenschaft, verursachte sie den Untergang des königlichen Hauses.
Hippolytos, dagegen, gilt als ein wahrer Held, Verkörperung der Reinheit und Tugend. Er wendete von seiner Behüterin Artemis nie ab und war seiner Glaube treu; die Ehre seiner Familie und seines Vaters stand für ihn am höchsten, deswegen lenkte er die
blutschänderische Liebe seiner Stiefmutter ab. Sein Tod war von den fatalen Umständen verursacht, den er zum Opfer fiel. In Troizen wurde Hippolytos als unsterblicher Held verehrt; sein Kult war mit dem Kult von Artemis 7 (nach einer anderen Version- mit dem Kult von Poseidon, Hauptgott von Troizen 8 ) verbunden. Nach der Tradition, opferten ihm die Mädchen am Tage vor ihrer Hochzeit eine Locke ihres Haares. Dabei muss darauf geachtet werden, dass diese Vorstellung von Hauptfiguren aus einer patriarchalen Gesellschaft stammt.
4 Lutz: S.210.
5 Kerényi:S.195.
6 Ranke-Graves: S.326.
7 Ranke-Graves: S.326.
8 Hunger: S.283.
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Arbeit zitieren:
Bachelor Olga Lantukhova, 2008, Phaidra - Kann Liebe ein Verbrechen sein, München, GRIN Verlag GmbH
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