Humboldt-Universität zu Berlin Wintersemester 1998/99 Philosophische Fakultät III Institut für Sozialwissenschaften
Seminar: Grundbegriffe der internationalen Politik
Grundbegriffe der internationalen Politik
Dominik Sommer
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Inhaltsverzeichnis 02/3
0. Einleitung /Aufbau 04
1. Staat 04
1.1 Thomas Hobbes: Of the Natural Condition of Mankind
1.2 J.J.Rousseau: Vom Kriege
2. Krieg - Kenneth N. Waltz: Explaining War 05
3. Anarchische Gesellschaft - Hedley Bull: Die anarchische Gesellschaft 07
4. Gleichgewicht der Macht - Ernst B. Haas: The Balance of Power. Prescription,
Concept or Propaganda? 10
5. Kollektive Sicherheit - Ernst-Otto Czempiel: Kollektive Sicherheit - Mythos oder
M öglichkeit? 11
6. Völkerrecht 13
6.1 Otto Kimminich: Das Völkerrecht und die friedliche Streitschlichtung
6.2 Juan-Chyuan Chen: Grundaspekte des modernen Völkerrechts
7. Kooperation 19
7.1 Harald Müller: Internationale Regime und ihr Beitrag zur Weltordnung
7.2 Michael Kreile: Regime und Regimewandel in den internationalen
Wirtschaftsbeziehungen
8. Weltwirtschaft 22
8.1 T.L. Friedmann: A new world of big powers and giant markets
8.2 Joachim Ragnitz: Die fragmentierte Weltwirtschaft: Wachstum, Stagnation,
Verarmung
8.3 Karl Kaiser, Bernhard May: Weltwirtschaft und Interdependenz
9. Selbstbestimmung 23
9.1 Woodrow Wilsons Reden 1918
9.2 Christian Tomuschat: Globale Menschenrechtspolitik
10. Friedfertige Demokratien 25
10.1 Volker Rittberger: Zur Friedensfähigkeit von Demokratien
10.2 Thomas L. Friedmann: A McTheory about War.Making
11. Frieden 27
11.1 E.O.Czempiel: Der Friede - sein Begriff, seine Strategien
11.2 Dieter Senghans: Frieden als Zivilisierungsprojekt
12. (Post)moderne Weltpolitik I - Kurt Riezler: Grundzüge der Weltpolitik in der
Gegenwart 29
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13.
(Post)moderne Weltpolitik II
13.1 immer noch dem gleichen Muster 13.2 zeitgemäß? 13.3 Kommentar zum „realistischen“ Ansatz in den Internationalen Beziehungen 14. Theorie - Steve Smith: The self - images of a discipline. A genealogy 34
Literaturverzeichnis 35
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0. Einleitung / Aufbau
Die hier zusammengestellten Essays und inhaltlichen Zusammenfassungen (Skripte) bieten an Hand von Schlüsseltexten einen Überblick über 13 Themenbereiche der Internationalen Politik. Die behandelten Grundbegriffe reichen von ideengeschichtlichen Staatskonzeptionen (Hobbes, Rousseau) bis hin zur postmodernen Weltpolitik und spiegeln sowohl ältere und jüngere Debatten des Fachs sowie deren ideengeschichtliche Verankerung wieder. Die Texte dienen als Einführung in die, oder punktuelle Vertiefung der IB.
1. Staat
1.1 Thomas Hobbes: Of the Natural Condition of Mankind (Von der natürlichen Bedingung der Menschheit im Hinblick auf ihr Glück und Unglück)
In seiner Abhandlung beschreibt Hobbes das menschliche Naturell als Grund, der zu Kriegen führt. Er geht davon aus, dass alle Menschen von Natur aus, trotz aller Unterschiedlichkeit, gleich sind. Durch diese Gleichheit, eine Gleichheit der Hoffnungen, und damit auch der Absichten diese umzusetzen, entstehen, Konkurrenz (maximaler Gewinn), Misstrauen (zur Sicherung des Bestehenden) und Ruhmessucht (Ansehen). Und dadurch Krieg. Und gäbe es keine übergeordnete Macht, herrschte ständig Krieg jeder gegen jeden. Der Mensch ist des Menschen Feind. In diesem Krieg gibt es kein Unrecht, da es keine Gesetze gibt, da das Verhalten auf das unabhängige menschliche Naturell zurückzuführen ist. Hobbes vergleicht dies mit dem Verhalten von souveränen Machthabern, über denen es keine höhere Ordnung mehr gibt und die sich im ständigen Kriegszustand mit ihren Nachbarn befinden, damit jedoch auch den Fleiß ihrer Untertanen fördern. Die einzigen Möglichkeiten, diesem Naturzustand zu entfliehen sind für Hobbes die Leidenschaften und die Vernunft.
1.2 J.J.Rousseau: Vom Kriege
Rousseau stellt die Gesellschaft als Ursprung für den Schrecken des Krieges und die öffentlichen Missstände da. Für ihn steht sie im direkten Kontrast zum Naturzustand, zur natürlichen Freiheit und Unabhängigkeit des Menschen. Die natürlichen Neigungen des Menschen sind für ihn Ruhe, Friede, Furcht. Der Mensch gibt sich damit zufrieden, seine
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Grundbedürfnisse zu befriedigen: zu essen und zu schlafen. In der Gesellschaft geht die Freiheit verloren, natürlichen Neigungen wird ein Zwang angetan. Das Land wird zum Grundbesitz, die Güter zum Eigentum (Privatbesitz), die Menschen zu Bürgern. Dem Menschen ist es nicht mehr erlaubt, Mensch zu sein und für die Sache der Menschheit einzutreten. Die Wahrheit wird durch das Recht gebeugt, zugunsten der Mächtigen. Gerechtigkeit dient nur dazu, Gewalt abzusichern.
Die Ungleichheit der Menschen ist von Natur aus beschränkt, die Gesellschaft jedoch ist ein künstlicher Körper, der Eigendynamik entwickelt und von der Natur nicht begrenzt ist. Daraus entstehen größere Zusammenstösse, größere Gefährlichkeit, Krieg. Somit macht Rousseau einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Verhalten des Menschen innerhalb und außerhalb der Gesellschaft. Innerhalb der Gesellschaft ist für ihn derjenige der Gewinner, der in der Lage ist, gleichzeitig zum eigenen Vorteil und zum Schaden des Feindes zu gereichen. Dieses unnatürliche Gesellschaftsverhalten/Fehlverhalten begründet die Missstände. Die zwischenstaatlichen Beziehungen befinden sich für Rousseau noch im Naturzustand. Aus dem Zwang, innerstaatlich in einer bürgerlichen Gesellschaft und zwischenstaatlich im Naturzustand zu leben, seien wir den Nachteilen beider ausgesetzt. Rousseau entkräftigt Hobbes mit der Aussage: “Der Irrtum von Hobbes und den Philosophen besteht darin, dass sie den natürlichen Menschen mit dem verwechseln, den sie vor Augen haben, und dass sie ein Wesen in ein System versetzen, das nur in einem anderen fortbestehen kann.” Der Hauptunterschied der beiden Ansätze Rousseaus und Hobbes liegt in der Einschätzung des Naturells des Menschen.
2. Krieg - Kenneth N. Waltz: Explaining War
Kenneth N. Waltz erklärt in seiner Abhandlung in drei Bildern, wie es zu Kriegen kommt. Für ihn sind drei Hauptfaktoren ausschlaggebend: 1. Das menschliche Verhalten (1.Bild) 2. Die innere Struktur von Staaten (2. Bild) 3. Anarchie im internationalen Staatensystem (3. Bild)
Zu 1.: Die Gründe für den Krieg sind in der Natur des Menschen zu suchen. Sie kommen von: Eigennützigkeit, missgeleiteten, aggressivem Impulsen und Dummheit. Da Krieg aus diesen
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menschlichen Eigenschaften entsteht, muss der Mensch verändert werden, wenn Friede herbeigeführt werden soll. Dabei gibt es dem moralisch intellektuellen Ansatz, der behauptet, dass bei ausreichender Aufklärung der Mensch wüsste, was gut ist, und er somit die richtige, friedensstiftende Politik verfolge. Der psychologisch soziale Ansatz geht davon aus, dass bei friedlicher Kanalisierung (Bergbau, Tellerwaschen...) der destruktiven Energien im Menschen, Friede erreicht werden könne.
Zu 2.: Der zweite Ansatz befasst sich mit der inneren Organisation, dem Aufbau von Staaten. Krieg nach außen stiftet inneren Frieden, somit können innenpolit. Probleme von Staaten durch die Polarisierung nach außen, d.h. Schaffung eines Feindbildes und Krieg vertuscht werden. Hauptsächlich „schlechte“ Staaten - unlegitimierte Regierungen, Staaten mit wirtschaftlichen/geographischen Problemen - kehren ihre Probleme nach außen. Wenn man also Kriege vermeiden wollte, muss man sich auf die Suche nach dem “guten” Staat machen. Was ist gut? Gut ist eine Norm, die von verschiedenen Personen verschieden beantwortet wird, von denen jedoch jede einen Absolutheitsanspruch erhebt und die damit nicht kosexistent seien können. Somit wäre in diesem Fall nur Friede möglich, wenn eine einzige “gute” Art von Staat und Gesellschaft existierte.
Zu 3.: Der dritte Punkt befasst sich mit den zwischenstaatlichen Strukturen auf internationaler Ebene. Über den Staaten gibt es keine höhere Instanz mehr, d.h. es gibt kein Recht und Gesetz. Selbsthilfe ist geboten und jeder Staat kann selbst entscheiden, welche Mittel er verwenden will, ggf. auch Gewalt und Krieg. Es herrscht Anarchie in den Beziehungen zwischen den Staaten und in der Anarchie gibt es keine automatische Harmonie (Unvollkommenheit des Menschenverstands /Irrationalität). So ist der Hauptgrund für Krieg zwischen den Staaten die Willkür der Staaten und das System, in dem sie sich befinden. Es gibt zwei Möglichkeiten, das zu ändern: Entweder eine effektivere Kontrolle der “schlechten” Staaten oder das Herausstellen der “guten” Staaten als so perfekt, dass sie aus ihrer Außenseiterrolle geholt werden. Als Umsetzung für diese Punkte eignet sich eine föderale Weltregierung, die alle Staaten gleicherweise durch die Autorität von Gesetzen so aneinander bindet und kontrolliert, wie es heute schon innerhalb aufgeklärter Gesellschaften der Fall ist und somit Krieg ächtbar wird.
Arbeit zitieren:
Dominik Sommer, 1999, Grundbegriffe der internationalen Politik, München, GRIN Verlag GmbH
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