Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Schmidts Leviathan. 2
2.1 Kurzzusammenfassung der Handlung. 2
2.2 Textverweise und das sich daraus ergebende Bild vom Leviathan. 2
3. Schluss. 6
4. Literaturverzeichnis. 7
4.1 Literarische Quellen. 7
4.2 Internetquellen. 7
Erkl ärung 8
Schmidts Leviathan
1. Einleitung
Katastrophen, wie der Zweite Weltkrieg, erfordern neue Strategien der Verarbeitung. Verdrängung und unterschwellige Schuldzuweisungen waren zwar probate Mittel, um der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rekonstruierung nicht den Neuanfang mit dem schweren historischen Erbe zu verbauen. Für die intellektuelle junge Generation jedoch konnte sich daraus kein brauchbares Lebenskonzept ableiten. Sie stellten die Fragen, denen der Großteil der Gesellschaft auswich. Sie waren Anklage, Richter und Vollstrecker zugleich. Ihre Texte wollten radikal, innovativ und nichts verschleiernd sein. Diese Literaten standen, wie die umgebende Gesellschaft, an einem Nullpunkt, einem literarischen: die alten Normen konnten nicht übernommen werden, ideologisch verwendete Stilmittel sind obsolet geworden - kurz: was war, durfte fortan nicht mehr sein. Ohne eine literarische Tradition im Rücken und nur mit wenigen brauchbaren Vorbildern ausgestattet musste sich quasi aus den Trümmern des Vergangenen ein neues literarisches Modell entwickeln, welches weder den gängigen Mustern des Verdrängens folgte noch das Alte auf umgefärbte Weise am Überleben hielt. Es war im wahrsten Sinne eine Trümmerliteratur. Anhand Arno Schmidts 1949 erstmals veröffentlichten Text „Leviathan oder Die beste der Welten“ 1 soll gezeigt werden, wie eine solche literarische Auseinandersetzung aussehen konnte. Im Fokus steht dabei Schmidts Antwort auf die Frage, was das Weltgeschehen lenkt. Es ist die schon oft gestellte Frage nach dem Guten und dem Bösen. Schmidt Antwort ist die Negation des Guten und der Postulierung einer zerstörerischen Allmacht: dem Leviathan. Die genaue Bestimmung seines Leviathan-Begriffs ist Ziel dieser Hausarbeit.
1 Arno Schmidt: Leviathan und Schwarze Spiegel, Frankfurt a. M. 2004.
Schmidts Leviathan
2. Schmidts Leviathan
2.1 Kurzzusammenfassung der Handlung
Es sind die letzten Kriegstage, in denen der namenlose Erzähler Notizen über seine Erlebnisse in sein Tagebuch vornimmt. Gemeinsam mit einigen versprengten Gestalten - ein Pfarrer mit Familie; Anne, die geheime Liebe des Protagonisten; zwei HJ-Angehörige; ein Postbeamter; und weitere - flieht er per Lokomotive und einem Güterwaggon aus dem Kampfgebiet. Während der nur kurz währenden Flucht erklärt er seinen Mitflüchtlingen seine Gedanken zu einem mehrdimensionalen Universum und führt, von den Kriegsgeschehnissen sichtlich verdrossen, den Teufelsbeweis. Er stellt eine das Universum beherrschende Chaosmacht vor, von welcher der Mensch selbst Teil ist: den Leviathan.
2.2 Textverweise und das sich daraus ergebende Bild vom Leviathan
Gleich der Titel gibt Schmidts gedanklichen Weg vor: Ironisierend nimmt er Bezug auf Leibniz’ Feststellung, Gott habe die beste aller möglichen Welten geschaffen. Leibniz ging davon aus, dass Gott aus einer Vielzahl von möglichen Welten die beste, wenn auch nicht von Leid freie, Welt erwählte.
Die Handlung und die Beschreibung der Umwelt lässt nicht darauf schließen, dass Schmidt diese These teilte. Gott wird bei ihm außerdem nicht als gütige und weise handelnde Macht deutlich, sondern als ein Schuldiger, der all das erfahrene Leid zulässt. Sein Protagonist macht dies in seinen Aufzeichnungen deutlich: Ein Kind, von Splittern zerfetzt, verblutet im Schnee, während der Pfarrer die „2000 Jahre alten Kalauer“ 2 vorbetet. Fassungslos schreibt der Protagonist:
Haben diese Leute denn nie daran gedacht, daß Gott der Schuldige sein könnte? […] Oder fas-
sen sie's einfach nicht, und mampfen kuhselig ihren Kohl weiter durch die Jahrhunderte? Das
2 Schmidt, S. 22.
Arbeit zitieren:
Patrick Ewald, 2009, Arno Schmidts Begriff von der Allmacht: Die Bestimmung seines Leviathans, München, GRIN Verlag GmbH
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