INHALT
1. Einleitung 4
2. Kurzer Überblick über die Geschichte Brasiliens 4
2.1 Die Kolonialisierung 5
2.2 Die Unabhängigkeit Brasiliens 5
2.3 Der Demokratisierungsprozess 6
3. Die brasilianische Gewerkschaftsbewegung 7
3.1 Unterdrückung durch das Militärregime 7
3.2 Die neue’ Gewerkschaftsbewegung der siebziger Jahre 8
3.3 Der erste große Streik und seine Folgen 8
3.4 Politisierung der Gewerkschaften 9
4. Die Entstehung der Partido dos Trabalhadores 10
4.1 Die Gründung einer neuen Partei 10
4.2 Das Programm der PT 12
4.3 Die Rolle der Kirche 13
5. Der Aufstieg der PT 14
5.1 Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der achtziger
Jahre 14
5.2 Der erste große Wahlerfolg 14
5.3 Die Beteiligungsdemokratie in Porto Alegre 16
5.4 Veränderungen in der Partei 17
6. Die PT an der Regierung 19
6.1 Luiz Inácio Lula da Silva 19
6.2 Der Wahlsieg 2002 20
6.3 Aufgaben und Herangehensweise der neuen Regierung 20
6.4 Kritik an der Regierung Lula 22
7. Abschließende Bemerkung 23
Literaturverzeichnis 24
2
1. Einleitung
In einer Zeit, in der in vielen Ländern der Welt die sozialistischen Regime scheiterten und kommunistische Parteien an Bedeutung verloren, hat es die brasilianische Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT) im Oktober 2002 geschafft, die Präsidentschaftswahlen im größten Land Lateinamerikas zu gewinnen und die Regierungsmacht zu übernehmen; und das obwohl der Zeitraum von ihrer Entstehung im Jahr 1980 bis zum Amtsantritt von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva („Lula“) gerade einmal zwei Jahrzehnte betrug.
In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Entstehungsgeschichte dieser besonderen Partei, die sich in vielerlei Hinsicht von anderen sozialistischen Bewegungen unterscheidet und wohl auch deshalb eine solche Erfolgsgeschichte vorweisen kann. Zunächst möchte ich in Kapitel 2 in knapper Form auf die wichtigsten historischen Ereignisse von der Kolonialisierung Brasiliens bis zum Beginn der Demokratisierung eingehen. Kapitel 3 befasst sich mit der brasilianischen Gewerkschaftsbewegung der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre, aus der sich schließlich, wie in Kapitel 4 beschrieben, die PT als neue Partei herausbildete. Im darauffolgenden fünften Kapitel wird die Entwicklung der PT von ihrer Gründung bis zur Regierungsübernahme vor dem Hintergrund der jeweils herrschenden politischen und wirtschaftlichen Lage im Land dargestellt und das sechste Kapitel geht auf die heutige Situation und die Ereignisse seit dem Amtsantritt „Lulas“ ein. Die Arbeit schließt mit einer kurzen persönlichen Stellungnahme.
2. Kurzer Überblick über die Geschichte Brasiliens
Da es in dieser Arbeit in erster Linie um die jüngste politische Geschichte Brasiliens geht, möchte ich mich bei den historischen Erläuterungen auf einige wichtige Daten beschränken. Ich halte es jedoch für sinnvoll, kurz auf die Ereignisse einzugehen, die im Laufe der Zeit zu der Situation geführt haben, welche schließlich zur Entstehung der Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores geführt hat. Die Informationen zu diesem Teil der Arbeit stammen aus „Der Brockhaus in Text und Bild“ 1 und „Brasilien“ von Helmuth Taubald 2 .
1 Der Brockhaus in Text und Bild 2002. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002
2 Taubald, Helmuth (2003): Brasilien. DuMont Reiseverlag
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2.1 Die Kolonialisierung
Brasilien wurde im Jahr 1500 n. Chr. von einem portugiesischen Seefahrer entdeckt. Die eigentliche Kolonialisierung begann jedoch erst 1530 und beinhaltete die Einführung eines neuen Verwaltungssystems und die Einteilung der brasilianischen Küste in 15 Zonen, die von portugiesischen Adligen und Angehörigen des Mittelstands verwaltet wurden. In den folgenden Jahren nahmen sowohl die Einwanderung aus Portugal als auch der Sklavenimport aus afrikanischen Ländern stark zu, worin auch die Ursache für die auch heute noch in Brasilien herrschende große ethnische Vielfalt liegt
Die Ausweitung des Zuckerrohranbaus machte Brasilien um 1600 zum größten Zuckerproduzenten weltweit. Mit der Suche nach Gold wurde ab Mitte des 17. Jh. mit der Erschließung des brasilianischen Hinterlandes begonnen und gegen Ende des Jahrhunderts kam es zu einem Massenzustrom von Goldsuchern in die Region Minas Gerais, in deren Verlauf die dort lebenden Indianer weitgehend ausgerottet oder versklavt wurden. Der Goldexport übernahm gegenüber der Zuckerrohrwirtschaft, die mittlerweile in eine Krise geraten war, nun die bedeutsamere Rolle und in diesem Zusammenhang löste auch Rio de Janeiro 1763 Salvador als Hauptstadt ab, da es geographisch näher an den Goldvorkommen von Minas Gerais lag.
2.2 Die Unabhängigkeit Brasiliens
Während die Kolonialmacht Portugal immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung einbüßte, erlebte Brasilien durch das florierende Geschäft mit dem Gold einen erneuten Aufschwung. In dieser Zeit hatte auch die Ausbildung einer eigenen nationalen Identität ihren Ursprung, welche im Jahr 1822 schließlich zur Erklärung der Unabhängigkeit Brasiliens durch Pedro I., Sohn des portugiesischen Königs João VI. führte. Am 1.12.1822 ließ sich Pedro I. zum Kaiser krönen und bis zum Jahre 1889 stand Brasilien unter kaiserlicher Krone. Erst der Sturz Pedros II. machte den Weg für die Verkündung der República Federativa do Brasil (Föderative Republik Brasileins) am 15. November 1889 frei.
Die Zeit zwischen 1889 und 1930 nennt man heute die República Velha (Alte Republik) Sie war, vor allem in den 20er Jahren des 20. Jh., von häufigen Militärrevolten geprägt, die auch die wirtschaftliche Entwicklung und die beginnende Industrialisierung stark beeinträchtigten. Die Weltwirtschaftskrise und der Zusammenbruch des Kaffeemarktes sorgten für eine weitere Destabilisierung der finanziellen und politi-
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schen Lage, was 1930 schließlich zur Machtergreifung von Präsident Getúlio Vargas führte, der den sogenannten Estado Novo errichtete und in den folgenden 15 Jahren ein diktatorisches Regime führte.
Unter dem Schlagwort „Modernisierung“ herrschte in den fünfziger Jahren eine allgemeine Aufbruchstimmung im Land; aufgrund der starken Abhängigkeit vom ausländischen Kapitalmarkt stieg jedoch in den folgenden Jahrzehnten die Inflationsrate rasch an und die sozialen Probleme nahmen zu, was z. B. die großen Unterschiede in der Einkommensverteilung deutlich zeigten.
Nachdem bis 1964 zunächst einige gewählte Präsidenten geherrscht hatten, übernahm schließlich das Militär die Staatsgewalt und stellte bis 1985 die Präsidenten. Die Opposition wurde in dieser Phase stark unterdrückt. Sie bestand aufgrund des von den Militärs eingeführten Zweiparteiensystems aus nur einer Partei, der MDB (Brasilanische Demokratische Bewegung), in der sich alle oppositionellen Kräfte sammelten. Erst im Jahr 1979 wurde durch die Änderung des Parteiengesetzes ein wirklicher Demokratisierungsprozess eingeleitet.
2.3 Der Demokratisierungsprozess
Von 1979 bis 1985 regierte Präsident J. B. de Oliveira Figueiredo, unter dem der Demokratisierungsprozess, beispielsweise durch die Ermöglichung der freieren Bildung politischer Parteien, weiter fortgesetzt wurde. Wirtschaftlich befand sich das Land in den 80er Jahren in einer durch hohe Auslandschulden und Inflationsraten von über 900 % hervorgerufenen Wirtschaftskrise. In den darauffolgenden Jahren lösten sich drei weitere Präsidenten 3 ab, bis 1994, nach der Einführung der neuen Währung Real im Rahmen eines Stabilisierungsprogramms, F. H. Cardoso das Präsidentenamt übernahm. Die Wirtschaftspolitik Cardosos stand im Zeichen der Privatisierung in wichtigen Sektoren wie der Energieerzeugung und der Telekommunikation, doch für viele innenpolitische Probleme, z. B. Menschenrechtsverletzungen und die Umsetzung einer dringend notwendigen Agrarreform wurden auch hier keine Lösungen gefunden. Cardoso regierte bis zum Amtsantritt von Luiz Ináçio Lula da Silva, der am 27.10.2002 mit großer Mehrheit gewählt wurde.
3 1985 - 1990: José Sarney (Demokratissche Allianz/AD), 1990 - 1992: Fernando Collor de Melo (Partei des
Nationalen Wiederaufbaus/PRN), 1992 - 1994: Itamar Franco (erst PRN, dann Brasilianische Demokratische
Bewegung/MDB)
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Arbeit zitieren:
Svenja Schell, 2004, Die Geschichte der brasilianischen Arbeiterpartei "Partido dos Trabalhadores", München, GRIN Verlag GmbH
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