1. Einleitung
1.1 Zitat
„Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt - und gerade da steht er uns im Weg.“ Ironie eines Betriebsrats (zit. n. D. Goedeverts 1999). (Speck, 1999, S.5)
1.2 Definition
Wie selbstverständlich werden Begriffe wie „Wirtschaft“, „Ökonomie“, „wirtschaftlich“ und/oder „ökonomisch“ verwendet. Es scheint, als sei es allen klar, was mit diesen Begriffen gemeint ist. Es ist nicht einfach Ökonomie bzw. Wirtschaft zu definieren. (Hedke, 2008, S.11) Hedke definiert Wirtschaft folgendermaßen:
Allgemein kann man mit diesen Begriffen „alle Ressourcen, Einrichtungen und Aktivitäten bezeichnen, die in einer Gesellschaft die materielle Produktion und die Grundlagen dafür sichern, dass die Produktion dauerhaft fortgeführt und auch ausgeweitet werden kann (Reproduktion).“ (2008, S.14) Wenn man von dieser Auffassung ausgeht, so beschäftigt sich die Wirtschaft damit, „diejenigen Sachgüter und Dienstleistungen zu beschaffen (Produktion) und dauerhaft zu sichern (Reproduktion), die eine Gesellschaft nach ihren eigenen Maßstäben als angemessen betrachtet.“ (Hedtke, 2008, S.14) Die Funktion der Wirtschaft besteht also darin, für die dauerhafte Versorgung der Mitglieder einer Gesellschaft aufzukommen und zugleich die Gesellschaft zu erhalten.
Jedem ist wohl bekannt, „dass man nicht alles gleichzeitig und im Überfluss haben kann, was man aufgrund seiner vielleicht unbegrenzten Bedürfnisse gerne hätte, weil die eigenen Mittel dafür nicht ausreichen.“ (Hedtke, 2008, S.15) Hier tritt nun die Volkswirtschaftlehre (Ökonomik) in den Vorderrund. Sie nimmt an, dass „menschliche Bedürfnisse von Natur aus unbegrenzt und die Mittel für ihre Befriedigung deshalb immer zu knapp ist. Knappheit ist also eine Relation zwischen Zielen und Mitteln.“ (Hedkte, 2008, S.15) Somit könnte Knappheit als ein natürliches Phänomen betrachtet werden. Der Umgang mit dieser Knappheit heißt dann Wirtschaft(en). Das Ziel der des Wirtschaftens ist also, die Knappheit an Gütern auszubessern.
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Hedtke definiert den Begriff der Ökonomik als eine Wissenschaft, „die analysiert, wie eine Gesellschaft den Umgang mit ihren knappen Ressourcen managt.“ (2008, S.15)
Nach Hedkte betrachten andere Sozialwissenschaftler Knappheit als soziales Phänomen, welches durch Handlungen entsteht, nämlich erst dann, wenn Akteure auf Güter zugreifen (vgl. Quelle 3, S. 16: Knappheit als ökonomisches Ziel?).“ (2008, S.15)
Außerdem lässt sich sagen, dass es im Interesse vieler Unternehmen liegt, Knappheit aufrechtzuerhalten, damit sich ihre Güter gut verkaufen lassen. Denn die subjektiv empfundene Knappheit misst sich an der immer weiter wachsenden Menge der Konsumgüter, da das Verlangen nach diesen Gütern wächst. Knappheit wächst somit auch durch das Wecken und Schaffen zusätzlicher und neuer Bedürfnisse.
„Knappheit zwingt zu Entscheidungen, welche Ziele man anstreben will und welche nicht und für welche man seine Mittel verwenden will.“ (Hedtke, 2008, S.16) Jede Handlung und Entscheidung trägt immer Kosten zur Folge. Man muss also ein Urteil fällen, für welche Alternative man sich entscheidet und auf welche man parallel dazu verzichtet, da die verfügbaren Mittel ja nur einmal verwendet werden können. (Hedkte, 2008, S.16)
Wichtig ist also, dass man seine verfügbaren knappen Mittel möglichst sparsam einsetzt, um möglichst viele, möglichst gute Sachgüter und Dienstleistungen zu erhalten. (Hedtke, 2008, S.20)
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2. Hauptteil
2.1 Gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen
Die Soziale Arbeit in Deutschland ist eingebunden in allgemeine Fragen der Sozialpolitik, da sie als Bestandteil des Sozialstaates gilt. Die derzeitige Diskussion um den Abbau oder Umbau des Systems sozialer Sicherungen bezieht sich nicht nur auf Bereiche der Arbeitsmarkt-, Familien-, Gesundheits- oder Rentenpolitik, sondern auch auf die Probleme der Sozial-, Jugend-, Behinderten- und Altenhilfe. „Soziale Arbeit ist insofern im Kontext wachsender gesellschaftlicher Ungleichheiten und sozialer Probleme zu sehen (vgl. Otto/Böllert 1994), im Kontext also von Armut (zunehmend auch von Familien und Kindern), von Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Gewaltbereitschaft, von Disparitäten hinsichtlich Geschlechtszugehörigkeit und ethischer Herkunft sowie im Zusammenhang mit demographischen Entwicklungen.“ (Grunwald, 2001, S.15) Hinzu kommt, dass angesichts der Individualisierung der Lebensführung bei paralleler Pluralisierung von Lebenslagen die Bedeutung bzw. die Aufgabe der Beratung und der Hilfestellung bei sozialen Problemen wächst. Zugleich sind die Kapazitäten der geforderten Hilfenetze ausgelastet und somit kann der steigende Bedarf an soziale Hilfeleistungen immer weniger gedeckt werden.
Durch den steigenden Bedarf bei schrumpfender Unterstützung der Hilfenetze kommt es nach Grunwald schließlich zu einer scherenförmigen Entwicklung, „bei der Angebot und Nachfrage auseinandergehen und sich eine mangelhafte Bedarfsdeckung abzeichnet.“ (2001, S.15)
Die staatliche Sozialpolitik in Deutschland kann sich nicht mehr auf die ihr zugrundeliegenden Bedingungen des wirtschaftlichen Wachstums beruhen. Hiermit sind die Vollbeschäftigung und die Normalarbeitsverhältnisse gemeint. Heute muss sie gerade in der Zeit der Krise immer mehr ihre finanziellen Grundlagen entbehren. (Grunwald, 2001, S.16)
Durch wirtschaftliche Rezession 1 , hohe Arbeitslosigkeit und deutsch-deutscher Vereinigung „wird der finanzielle Spielraum für die öffentliche Hand besonders für die Kommunen zunehmend enger.“ (Grunwald, 2001, S.16)
1 Rezession ist eine Phase des Konjunkturzyklus. Unter Rezession wird das Nachlassen der
Wachstumsrate der Volkswirtschaft verstanden (vgl. 2009, http://de.mimi.hu/finanz/rezession.html)
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Die daraus resultierende „Finanzknappheit der öffentlichen Haushalte“ (Grunwald, 2001, S.16) hat zur Folge, dass die Teilsysteme und Akteure der sozialen Sicherheit um die Zuständigkeit für soziale Probleme und ihre Kosten kämpfen müssen.
Es entsteht eine Konkurrenz zwischen dem Sozialetat und den Budgets anderer fachlichen Sektionen. Daher muss sich die Soziale Arbeit vermehrt legitimieren, „was die Wirtschaftlichkeit der Mittelverwendung (Effizienz) und die Wirksamkeit fachlicher Leistungen (Effektivität) angeht.“ (Grunwald, 2001, S.16) Nach Grunwald wird gegenwärtig viel vom Sparen geredet, „von der Überzogenheit von Ansprüchen, der demoralisierenden Wirkung einer scheinbaren sozialstaatlichen Überversorgung, dem Mißbrauch von (Sozial)Leistungen und der Ineffektivität von Angeboten“ (2001, S.17); deshalb muss überlegt werden wie über den Sozialstaat und seine Krise gesprochen wird. Grunwald behauptet, dass die höchst notwendige Diskussion über den Umbau des Sozialstaates und den „notwendigen Wandel seiner Organisationen“ (2001, S.17) in Gefahr ist, „von konservativen Argumentationsmustern bestimmt zu werden (vgl. Thiersch 1995c; Hengsbach 1994).“ (Grunwald, 2001, S.17) Die Konsequenz hiefür ist, dass Qualitätsstandards aufgeweicht werden und sinnvolle Instrumente der Effektivitäts- und Effizienzkontrolle durch eine bürokratische Handhabung werden erfolglos.
Die Soziale Arbeit muss sich trotzdem mit der Frage beschäftigen, inwieweit sie ihren eigenen Ansprüchen genügt. Obwohl die Soziale Arbeit erheblich gewachsen ist, verwissenschaftlicht und professionalisiert wurde, wachsen die Zweifel „an der Qualität und der Effektivität sozialstaatlicher Leistungen“. (Grunwald, 2001, S.17)
Es wird gefragt, in welchem Maße die Adressaten und Adressantinnen „von Sozial- und Gesundheitswesen sozialstaatliche Interventionen noch als wirkliche Hilfe erfahren.“ (Grunwald, 2001, S.17) Nach Grunwald beziehen sich die Zweifel auf
- „den Eingriffscharakter Sozialer Arbeit und die Vorherrschaft von Experten gegenüber den Klienten bei der Definition von Problemen und Bereitstellung von Angeboten“ (Grunwald, 2001, S.17),
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Arbeit zitieren:
Karina Müller, 2010, Ökonomisierung der Sozialen Arbeit am Beispiel der Jugendhilfe/Heimarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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