Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
Humes skeptische Betrachtung des Skeptizismus 4
Bibliographie. 12
2
Einleitung
Die Enquiry concerning Human Understanding 1 kann zu den bedeutendsten und einflussreichsten Werken der Philosophiegeschichte gezählt werden. So exponiert Kant, dem David Humes Erkenntniskritik den "dogmatischen Schlummer unterbrach" 2 , in der Einleitung zu den Prolegomena anerkennend Humes Einfluss auf die eigene spekulative Philosophie, bewertet jedoch im gleichen Zuge dessen Folgerungen als „übereilt und unrichtig“. 3 Hegel, der „in der Tat eine sehr subtile und tiefgreifende Kritik an Hume geübt hat“ 4 schreibt: „Hume sieht die Notwendigkeit … ganz subjektiv in der Gewohnheit; tiefer kann man im Denken nicht herunterkommen.“ 5 Schopenhauer hingegen lässt Hume durch folgende Bemerkung in einem ehrenwerten Licht erscheinen: „Aus jeder Seite von David Hume ist mehr zu lernen als aus Hegels, Herbarts und Schleiermachers sämtlichen philosophischen Werken zusammengenommen.“ 6
Noch heute kann man der EHU aufgrund der Thematisierung bedeutender theoretischer und praktischer Probleme der Philosophie Aktualität und Relevanz bescheinigen. 7 Das Werk befasst sich mit erkenntnistheoretischen Gedanken, der Analyse der Willensfreiheit, dem Thema des Gottesbeweises und der Analyse der Vertrauenswürdigkeit von Wunderberichten.
Im Folgenden wird ein Teil des Klassikers aus Humes Oeuvre skizziert und reflektiert. Dabei wende ich mich hauptsächlich dem dreigliedrigen zwölften Abschnitt der EHU zu, in dem vor allem die Problematik des Skeptizismus behandelt wird. Das diesem Werk entnehmbare Skeptizismus-Verständnis Humes wird im Rahmen der vorliegenden Ausarbeitung nachgezeichnet und kommentiert. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob Hume das, was er dem extremen Skeptiker vorwirft, nicht selber praktiziert.
1 EHU wird im Folgenden synonym für Enquiry concerning Human Understanding verwendet; die Seiten‐
angaben und Zitate beziehen sich auf die Reclam Ausgabe Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand
von 1982.
2 Kant (1979, S. 6f.).
3 Kant (1979, S. 7).
4 Westphal (1998, S. 4).
5 Hegel (1971, S. 278f.).
6 Schopenhauer (1977, II/2, S. 681).
7 Hierzu sei auf Streminger (1995) verwiesen, der die Aktualität Humes ausführlich beschreibt. 3
Humes skeptische Betrachtung des Skeptizismus
Das Schlusskapitel >Über die akademische oder skeptische Philosophie< der EHU eröffnet Hume mit der philosophisch vieldiskutierten Problematik des Beweises „für das Dasein einer Gottheit und die Widerlegung der Trugschlüsse der Atheisten“, um auf die Frage hinzuleiten: „Was versteht man unter einem Skeptiker? Und wie weit lassen sich diese philosophischen Prinzipien des Zweifels und der Unbestimmbarkeit treiben?“ 8
Indem Hume den Skeptiker in Bezug auf den Atheisten als „anderen Feind der Religion“ 9 bezeichnet, trifft er scheinbar implizit eine grundlegende Unterscheidung zwischen beiden, die man, da Hume es an dieser Stelle nicht explizit macht, im Humeschen Sinne unterstellen könnte: Der Skeptiker zweifelt an der Existenz Gottes wohingegen der Atheist von der Nicht-Existenz Gottes zweifelsfrei überzeugt ist. Hier findet also eine Abgrenzung des Skeptikers vom Atheisten statt. Interessant erscheint an dieser Stelle auch der Gedankengang Feuerbachs, nachdem der spekulative Atheist - auf den Hume zu Beginn des Abschnittes auch anspielt - lediglich das Dasein Gottes leugnet und konsekutiv Gottes Wesen aufhebt, nicht jedoch vice versa. 10
Hume gibt anstelle einer Definition des Begriffes Skeptiker eine Erklärung über verschiedene Ausprägungen des Skeptizismus ab, wobei er diese grundlegend in zwei Arten unterscheidet: „ …eine aller Forschung und Philosophie vorhergehende [ante-
cedent] 11 Art des Skeptizismus“ 12 und eine „Art des Skeptizismus, die auf Wissenschaft und Forschung folgt …“ 13 [consequent scepticism]. Um den antezedenten Skeptizismus zu veranschaulichen, geht er mit der diesbezüglichen Aussage Descartes, welche die „vorhergehende Art des Skeptizismus“ als überlegenen „Schutz gegen Irrtum und Vorurteil“ stark empfiehlt, kritisch ins Gericht. Der allgemeine Zweifel soll im cartesischen Sinn „nicht nur an allen unseren früheren Meinungen und Prinzipien, sondern auch an unseren Fähigkeiten selbst, von deren Glaubwürdigkeit,
8 Hume (2003, S. 188).
9 Hume (2003, S. 188).
10 Die nähere Bestimmung des Terminus >spekulativer Atheist< erscheint mir hinsichtlich des ihn erklärenden
Gedankenganges überlegungstechnisch als sinnvoll. Dafür möchte ich auf das dritte Kapitel über Atheismus in
Feuerbach (1989, IV/3, S. 320). verweisen.
11 Die Übersetzungen in den eckigen Klammern beziehen sich auf die Dover Ausgabe der EHU von 2004
12 Hume (2003, S. 188).
13 Hume (2003, S. 190). 4
Arbeit zitieren:
M.A. Mathias Conrad, 2008, Humes skeptische Betrachtung des Skeptizismus, München, GRIN Verlag GmbH
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