INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung. 1
2. Einige Merkmale des Minnesangs. 1
3. Johannes Hadlaub. 2
3.1 Biografie. 2
3.2 Einordnung in den „Manesse-Kreis“ 3
4. Das Lied 2 3
4.1 Historischer Kontext. 3
4.1.1 Politische Rahmenbedingungen. 3
4.1.2 Einordnung des Liedes 2 in seinen historischen Kontext. 5
4.2 Interpretation des Textes unter typischen Minneaspekten. 6
4.3 Interpretation des Liedes im Hinblick auf die historische Situation 9
4.4 Vergleich der beiden Interpretationsarten 13
5. Fazit. 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit wird das Lied 2 von Johannes Hadlaub aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift C analysiert. Dabei soll hier nicht die Interpretation unter Minnemotiven im Vordergrund stehen, sondern die Interpretation unter politisch-historischen Aspekten. Da man jedoch eine Analyseart nicht ohne die andere betrachten kann, soll die Interpretation unter den „typischen“ Minneaspekten geleistet werden, aber im Hintergrund bleiben. Dazu wird in einem ersten Schritt kurz dargestellt, was sich hinter dem Begriff „Minne“ verbirgt und welche Motive besonders bedeutend im Minnesang sind. Danach wird der Autor selbst kurz präsentiert sowie in die Große Heidelberger Handschrift und in die tagespolitische Situation eingeordnet. Im darauf folgenden Teil wird ebendiese tagespolitische Situation knapp dargestellt und repräsentiert, auf welchem Stand sich die Hadlaub-Forschung bzgl. des Liedes 2 momentan befindet. Danach wird das Lied unter Minneaspekten interpretiert und auf das Minnedienstmodell übertragen. In einem nächsten Schritt soll dann die Deutung des Textes unter Einbeziehung der politischen Situation versucht werden, bei der die Hauptfrage der Arbeit, nämlich, ob sich eine solche Deutung überhaupt anstellen lässt, gelöst werden soll. Abschließend werden die beiden Interpretationsweisen kurz gegenübergestellt, woraufhin schließlich ein Fazit gezogen werden soll.
2. Einige Merkmale des Minnesangs
In dem folgenden Abschnitt sollen die Hauptmotive, die dem Minnesang zugrunde liegen, kurz beleuchtet werden, um das Lied 2 von Johannes Hadlaub näher zu untersuchen. Über die Entstehung des Minnesangs sowie dessen Wirkungsgeschichte wird nicht referiert, da sie der Fragestellung der Arbeit nicht weiter helfen. Von der Wortbedeutung her ist Minne erst einmal Liebe 1 . Doch die Antwort darauf, was denn Liebe sei, kann wohl objektiv nicht gegeben werden, so ist jedoch „[v]ergleichbar unserem Wort Liebe […] Gottesliebe, Nächstenliebe, Eltern- und Gattenliebe, Freundschaft, Flirt, erotische Faszination und Leidenschaft [gemeint]“ 2 . Andere Autoren bekräftigen, Minne sei in ihrer Grundbedeutung „freundliches Gedenken“ 3 , doch gleichwohl, welche Bedeutung nun den Absolutheitsanspruch verlangt, Minne als Wort ist nicht eindeutig zu übersetzen, sondern muss in ein
1 Vgl. Wachinger (1989, 252)
2 Ebd.
3 Schweikle (1995, 169)
Assoziationsfeld eingebettet werden. Die Liebe jedoch, die dem Minnesang zugrunde liegt, ist eine ungeteilte, eine, die nur von einer Seite ausgeht und die andere nicht zu erreichen vermag; denn die Dame des Minnesängers „…teilt nicht; obwohl er ihr durch sein Lob Freude schenkt, hilft sie ihm nicht in seiner einseitigen Liebesnot“ 4 . Fischer fasst es sogar noch drastischer zusammen, indem sie annimmt, dass die Dame dem Minnenden keinen Lohn gewähren kann, da ihr Wert „als unendlich gesetzt und damit undefinierbar [ist]“ 5 . Der Minnende, schon hinreichend belastet durch die Probleme, die ihm seine unerfüllte Liebe bereitet, muss jedoch zusätzlich noch den Spott der Unverständigen in Kauf nehmen 6 und ist weiterhin in dem Teufelskreis gefangen, seiner Minne weiter zu dienen, welche ihn aber konstant ablehnt.
Man kann also das Fazit ziehen, dass Minnelyrik „wesentlich Rollenlyrik [ist]“ 7 , welche „Liebeslyrik, Werbelyrik und wie diese […] Klage, Leidgesang [ist]“ 8 , in der der Werbende immer die Rolle des - übertragen auf das Feudalsystem - Vasallen und die Dame immer die der Fürstin annimmt, ohne dass der Vasall je seine Lehenschuld begleichen könnte.
3. Johannes Hadlaub
3.1 Biografie
Urkundlich belegt ist Johannes Hadlaub in Zürich nur durch seinen Hauskauf am 4. Januar 1302, ein Geburtsdatum lässt sich nicht ausmachen; sein Todestag wird auf den 16. März datiert, das Jahr jedoch bleibt unklar, vermutlich ist es 1340 oder früher 9 . Dass Hadlaub in Zürich gelebt haben könne, wird durch seine Festschrift auf die Familie Manesse in der Großen Heidelberger Handschrift Hs.C im Lied 8 als gesichert betrachtet 10 . Sein Werk beherbergt zum größten Teil Lieder des Hohen Minnesangs, zeichnet sich aber auch durch Tagelieder, Nachtlieder und Lieder des Natureingangs, sowie Wächtergesänge und Erzähllieder aus.
4 Wachinger (1989, 253)
5 Fischer (1996, 18)
6 Wachinger (1989, 257)
7 Schweikle (1995, 192)
8 Ebd., S. 169
9 Vgl. Lexikon des Mittelalters, Artikel: Hadlaub.
10 U.a. von Holznagel (1995, 146) sowie Wachinger (1989, 263) und Schiendorfer (1993)
3.2 Einordnung in den „Manesse-Kreis“
Der Manesse-Kreis, der im Kapitel 4.1 noch näher beleuchtet werden soll, wird häufig als ein „an lit. Artistik und Formalisierung geprägte[r] Kreis um die Patrizierfamilie Manesse“ 11 beschrieben. Jedoch „[erweist er] sich darüber hinaus als eingebunden in eine durch gemeinsame (prohabsburg.) Interessen konstituierte Gruppe von Zürcher Bürgen und Ostschweizer Adligen“ 12 , was im Abschnitt 4.1 dieser Arbeit genauer beleuchtet werden soll. Welches Interesse Hadlaubs nun im Vordergrund steht, sprich: das literarische oder aber das politische, wird im Kapitel 4.3 näher untersucht. Wovon aber weithin ausgegangen wird, ist, dass das Geschlecht der Manesse der Auftraggeber der Großen Heidelberger Liederhandschrift Hs.C war, was sich aus dem Lied 8 Hadlaubs herleitet, der die Manesse explizit als Sammler von Minnesängen preist 13 . Das Lexikon des Mittelalters sagt jedoch aus, dass „eine Beteiligung Rüdiger M.s an ihrer Herstellung […] nicht direkt bezeugt [ist]“ 14 , wesentlich wichtiger für das Thema ist jedoch, dass das Geschlecht der Manesse, besonders Rüdiger Manesse d.Ä., zu den einflussreichsten Ratsmitgliedern Zürichs zählte und zwei Mal den Bürgermeister stellte 15 . Dieser Aspekt ist besonders interessant im Hinblick darauf, dass die Manesse vielleicht nicht den literarischen, aber den politischen Ausgangspunkt für das Lied 2 von Johannes Hadlaub darstellt, was als Anker der folgenden Analyse dienen soll.
4. Das Lied 2
4.1 Historischer Kontext
4.1.1 Politische Rahmenbedingungen
Um die in der Analyse des Liedes 2 auftauchenden Namen besser einzuordnen, sollen an dieser Stelle die politischen Rahmenbedingungen, in denen sich die Stadt Zürich zu der Zeit Hadlaubs befand und welche bei der Interpretation des Liedes unter historischen Aspekten wohl unerlässlich sein werden, näher geklärt werden. Den Beginn bildet die Regensberger Fehde 1267, innerhalb derer die Stadt Zürich ein Bündnis mit Rudolf von Habsburg einging, um gemeinsam mit diesem die Stadt Glanzenberg, die Burgen Wulp, Üetliberg und die Uznaburg zu zerstören 16 . Bei dieser wurde das Geschlecht der Regensberger so weit herunter gewirtschaftet, dass
11 Lexikon des Mittelalters, Artikel: Hadlaub
12 Ebd.
13 Vgl. Schweikle (1995, 16 - 17)
14 Lexikon des Mittelalters, Artikel: Manesse.
15 Vgl. ebd.
16 Vgl. Lexikon des Mittelalters, Artikel: Zürich
Arbeit zitieren:
Simon Jakobs, 2010, Johannes Hadlaub: Ein spätmittelalterlicher Chronist der Tagespolitik?, München, GRIN Verlag GmbH
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