Carl von Clausewitz
Sein Leben und Hinterlassenes Werk (1780 - 1831)
Gliederung
1. Jugendjahre Seite 3
2. Vom Kriege Seite 7
3. Sein Hinterlassenes Werk Seite 10
4. Literaturnachweis Seite 11
1. Jugendjahre C
arl Phillip Gottlieb von Clausewitz wurde am 1. Juni 1780 in der sächsischen Kleinstadt Burg, unweit des preußisch besetzten Magdeburg in eine große, evangelische Familie hineingeboren. Väterlicherseits entstammte die Familie dem niederen Adel, der ursprünglich aus Oberschlesien kam. Allerdings wurde der Anspruch auf den Adelstitel vermutlich angefochten, da Carls Großvater väterlicherseits, der in Halle Professor für evangelische Theologie war, den Zusatz »von» in seinem Namen nicht verwendete. Carls Vater wollte jedoch seinen Anspruch auf den Titel erneuern und ersuchte Friedrich den Großen von Preußen um Erlaubnis, das »von» wieder verwenden zu dürfen. Der König stimmte zu und nahm Carls Vater in eines seiner Regimenter auf, wo er eine sehr bescheidene Karriere machte. Er „war ein Offizier des Siebenjährigen Krieges, voll der Vorurteile seines Standes“; in seinem Elternhaus sah der junge Carl „fast nur Offiziere (uns zwar nicht gerade die gebildetsten)“. Wie Carl selbst schrieb, „ist [er] in der preußischen Armee großgeworden“. „Mit dem zwölften Jahre wurde [Carl] selbst Soldat [und] machte die Feldzüge von 1793 und 1794 gegen Frankreich mit“. Carl hatte „in seiner Jugend den Krieg gesehen, zwar ohne ihn zu verstehen, allein es war ihm doch der Totaleindruck davon geblieben“ 1 . Neben Carl wurden noch zwei seiner drei älteren Brüder Heeresoffiziere, die wie er bis zum Range eines Generals aufstiegen. Im Alter von einundzwanzig Jahren wurde Carl an die Kriegsakademie in Berlin versetzt, die unter Leitung von General Gerhard Johann David Scharnhorst (1755-1813) stand, der auch sein Mentor und Lehrer wurde und seine Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen der Revolution in der französischen Gesellschaft und der neuen französischen Art der Kriegführung lenkte. Scharnhorst setzte sich für eine grundlegende Reform des preußischen Militärwesens ein. Und wie eine Reihe seiner Schüler teilte auch Clausewitz bald diesen Reformgeist, mit dem sie ihre Vorgesetzten und die Krone gegen sich aufbrachten.
1 Nachrichten über Preußen in seiner großen Katastrophe (1823-24), zit. in: Clausewitz, Strategie aus dem Jahr 1804 (1943), S. 9.
Der erste und größte Feind, auf den Clausewitz in der Schlacht traf, war Frankreich. Von frühester Jugend an war er somit voller Angst vor der französischen Art der Kriegführung und voller Hass für die Franzosen, die unter Napoleon aufgebrochen waren, Europa zu erobern. Bereits 1803 verfasste er einen kämpferischen Artikel, in dem er die Franzosen mit den tyrannischen und imperialistischen Römern verglich - ein typischer anti-napoleonischer Vergleich seiner Zeit 2 . In seinen Schriften des Jahres 1808 fasste er ganz richtig zusammen, wie die Deutschen zunehmend auf die napoleonische Besatzung reagierten, nachdem die ursprüngliche Bewunderung für den korsischen Reformer nachgelassen hatte: „Nie hat es eine Nation gegeben, welche den unmittelbaren Druck, den eine andere gegen sie ausübt, anders erwidert, als Hass und Feindschaft 3 .“ Clausewitz bediente für die Verunglimpfung der Franzosen alle verfügbaren Klischees seiner Zeit: Er beschrieb sie als oberflächlich, beschränkt, genügsam, eitel, der Regierung gegenüber unterwürfig und gefügig und damit auch für den Krieg bestens geeignet. Die Deutschen beschrieb er im Gegensatz dazu als individualistisch, originell, mit dem Hang zum logischen Denken und Argumentieren sowie als fleißig und immer nach Höherem strebend. Die Franzosen verglich er - wieder ein Stereotyp seiner Zeit - mit den praktisch veranlagten Römern und die Deutschen mit den intellektuelleren und moralisch inspirierten Griechen 4 . Selbst kurz vor seinem Tode schrieb er noch Pläne für einen Krieg gegen Frankreich 5 : Zu der Zeit, als er sich bemühte, Vom Kriege fertig zu stellen, erweckte die Revolution in Frankreich von 1830 Clausewitz die Befürchtung, dass „sich in Frankreich neue Revolutionen aus dem Schoß der ersten entwickeln werden und dass dann der Friedensbruch von diesem Land ausgehen wird“; Clausewitz wollte nach Paris marschieren, um „den Revolutionsdämon in seinem Entstehen zu erdrücken“, der sich seiner Meinung nach von Paris aus überall in Europa ausbreitete, so auch unter den Polen; in diesem Zusammenhang fand ja Clausewitz seine letzte militärische, aktive Verwendung 6 .
Einen großen Anteil an seiner Frankophobie hat seine Frau, Marie Gräfin von Brühl, deren englische Mutter, „belebt [war] von all dem
2 Clausewitz, Historisch-Politische Auszüge und Betrachtungen (1803). In: Clausewitz, Politik und Krieg, S. 197.
3 Clausewitz, Politik und Krieg, S. 211. 4 Clausewitz, Politische Schriften, S. 49-51.
5 Clausewitz, Über einen Krieg mit Frankreich. In: Schwartz, Leben des Generals, S. 418ß-439. 6 Clausewitz an Gneisenau, 21.10.1830, zit. in: Pertz/Delbrück, Das Leben des Feldmarschalls, S. 608 f.
Arbeit zitieren:
Harry Horstmann, 2010, Carl von Clausewitz - Leben und Werk (1780-1831), München, GRIN Verlag GmbH
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