Fachseminar Drucktechnik: 4. Unterrichtsbesuch am 04.06.2007 1 Referendarin: Martina Schröder
1 Bedingungsanalyse 1.1 Kurzbeschreibung der Lerngruppe Die Lerngruppe besteht aus insgesamt zehn männlichen Schülern der derzeitigen
Unterstufe, die eine duale Ausbildung als Drucker absolvieren möchten. Bezogen auf Altersstruktur, abgebende Schulen und Schulabschluss ergibt sich folgendes Bild:
1.2 Lernbedingungen
Unser Unterricht im Fach Druckproduktion findet montags von 7.30 Uhr bis 9.00 Uhr statt. Ich kenne die Schüler seit Anfang dieses Schuljahres und unterrichte sie auch zweistündig im berufsübergreifenden Lernbereich im Rahmen des selbständigen Unterrichts. Die Schüler haben Blockunterricht (drei Blöcke à Wochen pro Schuljahr). Diese Stunde ist in der Mitte des letzten Blockes des Schuljahres einzuordnen. Sowohl Lernstand als auch Lernbereitschaft der sind insgesamt als mittelmäßig zu
beurteilen. Ein Schüler hat vor seiner Ausbildung als Drucker eine Ausbildung als Mediengestalter begonnen und verfügt bereits über Grundkenntnisse im Bereich der Drucktechnik. Möglicherweise aufgrund einer leichten Unterforderung stört er bisweilen den Unterrichtsverlauf. Die weiteren Schüler unterscheiden sich vor allem durch ihre Lernbereitschaft - im Durchschnitt arbeiten vier bis fünf Schüler kontinuierlich und begeistert mit, zwei Schüler sind auffallend zurückhaltend.
Hinsichtlich des Methodenstandes ist zu konstatieren, dass kooperative und individualisierte Lernmethoden im Laufe des ersten Ausbildungsjahres im Unterricht eingeführt und erprobt wurden, z.B. in Form von Stationenlernen oder arbeitsteiligen Gruppen- und Partnerarbeiten. Mit grundlegenden Arbeits- und Lerntechniken, z.B. Entwickeln von Lernplakaten, Recherchieren im Internet und in der Fachliteratur und Präsentieren von Handlungsprodukten, haben sich die Schüler ebenfalls vertraut gemacht. Das Präsentieren und freie Vortragen bereitet einigen unsicheren, weniger selbstbewussten Schülern noch leichte Probleme. Bei einem Schüler ist diese Unsicherheit stärker, da er als Nichtmuttersprachler in der mündlichen Kommunikation leichte Sprachschwierigkeiten hat. Schwierigkeiten ergeben sich außerdem zum Teil bei der Lösung von Problemen, die eine hohe Abstraktionsfähigkeit erfordern. Die Lernatmosphäre und das Klassenklima empfinde ich als positiv: Die Schüler haben eine gute Gemeinschaft in ihrem ersten Ausbildungsjahr entwickelt und sind mir gegenüber freundlich und offen, weshalb mir der Unterricht bei ihnen viel Freude bereitet. Der Klassenraum ist nahezu optimal: Er ist hell, ruhig und sehr groß, verfügt über eine feststehende Tafel und bietet ausreichend Platz für Plakate an den Wänden. Des Weiteren steht ein Overheadprojektor und eine Projektionsfläche zur Verfügung.
Fachseminar Drucktechnik: 4. Unterrichtsbesuch am 04.06.2007 2 Referendarin: Martina Schröder
2 Didaktische Entscheidungen 2.1 Thematischer Zusammenhang und Richtlinienbezug
Als Grundlage für meine didaktischen Entscheidungen dienen der Lehrplan zur Erprobung für das Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen für den Ausbildungsberuf Drucker 1 und die didaktische Jahresplanung für den Bildungsgang Druck/Medien 2 . Die heutige Unterrichtseinheit ist gemäß curricularer Bestimmungen folgendem Lernfeld zugeordnet und in folgender Lernsituation eingebettet:
In der Lernsituation 2 steht der Werkstoff Druckfarbe im Vordergrund. Parallel zur Lernsituation 2 setzen sich die Schüler in einer anderen Lernsituation mit den theoretischen Grundlagen zum Farbensehen auseinander („Kennenlernen der Gesetzmäßigkeiten der Farbwahrnehmung und Analyse der Farbwiedergabe von Maschinen, Geräten und Systemen“). Insofern spielt in der Lernsituation 2 die Farbmetrik keine Rolle, bedeutsam sind dagegen Bestandteile, Konsistenz und Trocknungsverhalten von Druckfarben. In insgesamt geplanten acht Unterrichtseinheiten sollen sich die Schüler die grundlegenden fachlichen Kenntnisse aneignen können, um davon ausgehend exemplarische Probleme, die in direktem Zusammenhang mit dem Werkstoff Druckfarbe stehen, lösen zu können. Teilweise erfolgt die problemorientierte Auseinandersetzung mithilfe praktischer Proben, wie in der heutigen Unterrichtseinheit, teilweise werden Teilhandlungsziele auf kognitiver Ebene verfolgt bzw. erreicht. Für die gesamte Lernsituation mussten didaktische Reduktionsentscheidungen auf fachlicher und methodischer Ebene getroffen werden. In der heutigen Unterrichtseinheit erfolgt eine Eingrenzung auf die zwei rheologischen Eigenschaften Zügigkeit und Viskosität, die durch Zugabe von Additiven beeinflusst bzw. verändert werden können. Der zuletzt genannte Aspekt spielt im Rahmen der Lernsituation eine wichtige Rolle, da im Zuge der Lernsituation Ursachen für das Problem des Rupfens 3 und andere exemplarische Probleme ermittelt und mögliche Abhilfemaßnahmen zur Vermeidung der Druckschwierigkeiten entwickelt werden sollen. In den folgenden Unterrichtseinheiten werden die Schüler außerdem Probleme bezüglich der Trocknungseigenschaften von Druckfarbe untersuchen. Hier erfolgt die Reduktion auf die Trocknung durch Verdunstung, die Trocknung durch Wegschlagen und die oxidative Trocknung, da die Schüler im Bogenoffset- und im Flexodruckbereich ihre Ausbildung absolvieren.
Die abgebildete Tabelle auf folgender Seite bietet einen Überblick über fachliche Entscheidungen und methodische Vorgehensweisen.
1 Herausgegeben vom Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Völklinger Straße 49, 40221 Düsseldorf, 1/2001
2 Didaktische Jahresplanung für den Bildungsgang Druck/Medien, Walter-Gropius-Berufskolleg der Stadt Bochum, 2006.
3 Rupfen: Papierfasern werden aufgrund der Klebkraft der Farbe hochgezogen, heraus- oder aufgerissen. Das Druckbild (insbesondere vollflächige Farbstellen) wird dadurch qualitativ stark beeinträchtigt. Grund: Das Papier zwischen Gummi- und Druckzylinder trennt sich nicht direkt vom Gummizylinder, sondern läuft etwas nach, reißt dann (hörbar) plötzlich ab. Vgl. Aull 2004: 230.
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2.2 Überblick über die Lernsituation
1 Einstieg in das Thema „Druckfarbe“: Unterrichtsgespräch
90 Minuten • Was muss ein Drucker über Druck-
farben:
• Welche Aufgaben hat Druckfarbe? Bestandteile/Zusammensetzung von arbeitsteilige Gruppenarbeit Druckfarben:
• Woraus bestehen Druckfarben? 2 Eigenschaften von Druckfarben: Unterrichtsgespräch 45 Minuten • Welche Eigenschaften haben
4 UE = Unterrichtseinheit (in chronologischer Abfolge)
5 Die Schüler haben auf einem Plakat die wesentlichen Fragen zum Thema „Druckfarbe“ festgehalten. Vgl. Anlage 1, S. 9.
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2.3 Angestrebte Kompetenzzuwächse 2.3.1 Handlungsziel der Lernsituation
In der Lernsituation entwickeln und festigen die Schüler grundlegendes und praxisorientiertes Fachwissen über den Werkstoff Druckfarbe anhand exemplarischer Problemsituationen.
2.3.2 Handlungsziel der Unterrichtseinheit
In der heutigen Unterrichtseinheit untersuchen die Schüler die Konsistenz von Druckfarben, um die Eigenschaften Zügigkeit und Viskosität kennenzulernen und zu unterscheiden und um von den Konsistenzzuständen ausgehend eine Ursache für das Problem des Rupfens im Druckprozess zu ermitteln und eine mögliche Abhilfemaßnahme zu erproben.
2.3.3 Fachkompetenz
Die Schüler können ihre Fachkompetenz erweitern durch... ... das Kennenlernen und Unterscheiden der Eigenschaften Zügigkeit und Viskosität, indem sie zwei Druckfarbenproben hinsichtlich der Konsistenz untersuchen. ... die Erläuterung der Problemursache, indem sie feststellen, dass eine zu lange Farbe Rupfen begünstigen kann. ... die Ermittlung eines Abhilfevorschlags zur Vermeidung des Rupfens, indem sie ein Additiv zur Veränderung der Farbkonsistenz (hier: zur Verringerung der Zügigkeit) einsetzen. 2.3.4 Methoden- und Lernkompetenz
Die Schüler können ihre Methoden- und Lernkompetenz erweitern durch... ... den systematischen und kriteriengeleiteten Umgang mit Druckfarbe, indem sie die Konsistenzeigenschaften Viskosität und Zügigkeit in einem Versuch analysieren und bestimmen. ... den Transfer auf ein druckprozessbezogenes bekanntes Praxisproblem, indem sie aus den im heutigen Versuch festgestellten Ergebnissen zur Druckfarbenkonsistenz Rückschlüsse auf eine Ursache und eine mögliche Abhilfemaßnahme ziehen. 2.3.5 Sozial- und Humankompetenz
Die Schüler können ihre Sozialkompetenz erweitern durch... ... das Weiterentwickeln und Stärken des Verantwortungsbewusstseins und des zielorientierten Arbeitens, indem jeder Schüler zur aktiven Mitarbeit motiviert wird.
Arbeit zitieren:
Tina Schröder, 2007, "Konsistenz von Druckfarben" – Eine problemorientierte Analyse der Eigenschaften "Zügigkeit" und "Viskosität" mithilfe der Spachtelprobe und der Fingerprobe im Unterrichtsfach Druckproduktion, München, GRIN Verlag GmbH
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