Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Entwicklung des Selbst bei George H. Mead 4
2.1 Exkurs: Analogien zu Begrifflichkeiten von Pierre Bourdieu und
Sigmund Freud 5
2.2 Die Erfahrung des Selbst im gesellschaftlichen Kontext 6
2.3 Die Verwirklichung der Identität 9
3. Axel Honneth: Kampf um Anerkennung 11
4. Jürgen Habermas: Individuierung durch Vergesellschaftung 14
5. Fazit unter Einbeziehung des TH WHVÄ1HZ0HGLD 6RFLHW
von Laura Robinson 16
6. Literaturverzeichnis
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7. Anhang
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Einleitung
IQ GHP 6HPLQDU Ä,GHQWLWlW $QHUNHQQXQJ XQG neue MedieQ³ YRQ 'U -|UQ /DPOD wurden verschiedene soziologische Ansätze zum Verhältnis von Identität und Anerkennung vermittelt und versucht auf das Internet anzuwenden. Grundlage dieser Hausarbeit ist das von George Herbert Mead entwickelte Konzept des Selbst. Mead war ein berühmter Vertreter der so genannWHQÄ&KLFDJR-6FKRRO³, wo er von 1894 bis zu seinem Tod 1931 lehrte. 'DV%XFKÄMind, Self and Society. From the standpoint of a social behaviorist³ ist eine posthum veröffentlichte Zusammenfassung seiner sozialpsychologischen Vorlesungen an der Universität Chicago. Sein Schüler Charles W. Morris veröffentlichte 1934 erstmals Mitschriften aus der Vorlesung. 1968 ZXUGHGDV:HUNÄ*HLVW,GHQWLWlWXQG*HVHOOVFKDIW aus der Sicht des Sozialbehaviorismus³ LQ GHU Übersetzung von Ulf Pacher erstmals in Deutschland veröffentlicht. Diese Ausgabe bildet die Basis für die Einführung der Meadschen Ä,GHQWLWlWsWKHRULH³ in der vorliegenden Hausarbeit. Strittig an der deutschen Übersetzung ist, dass der %HJULIIÄ6HOI³PLWÄ,GHQWLWlW³JOHLFKJHVHW]W wird (vgl. Jungwirth 2007: S. 90 u.). Auch die ÜbeUVHW]XQJGHU%HJULIIHÄ,³XQGÄ0H³LQÄ,FK³XQGÄ,&+³VFKHLQWXnglücklich. Um solch ungenauen Begrifflichleiten zu vermeiden, werde ich in der vorliegenden Hausarbeit den %HJULII Ä6HOEVW³ VWDWW ,GHQWLWlW YHUZHQGHQ und für Ä,³ XQG Ä0H³ den englischen Terminus beibehalten. Die Hausarbeit wird in einem ersten Schritt die Konzeption des Selbst von George H. Mead erläutern. In diesem Teil werden wir sehen, dass für Mead individuelles Verhalten und menschliches Bewusstsein nur im sozialen Kontext verstanden werden können. Die gesellschaftlichen
Vorraussetzungen, unter denen sich das Selbst entwickelt, sind heute nicht mehr dieselben wie vor knapp 80 Jahren. Der soziale Kontext in dem sich eine Identität ausbildet, hat sich durch fortschreitende gesellschaftliche Differenzierung, mit der Folge einer immer stärker werdenden Individualisierung, zumindest in den westlichen Gesellschaften, grundlegend verändert. Durch einen rasanten technischen Fortschritt entstehen neue Wege mit Identität umzugehen. Verschiedene Formen GHU ÄQHXHQ 0HGLHQ³ ZLH ÄChat rooms³, Computerspiele, Homepages, soziale Netzwerke XQGVRJDUÄ5HDO-Life-6LPXODWLRQHQ³LP,QWHUQHW bieten völlig neue Möglichkeiten sich darzustellen und Anerkennung in einer Art Parallelgesellschaft zu finden. Mit Anerkennung und Vergesellschaftung bei Mead beschäftigt sich auch die Se-kundärliteratur von Axel Honneth und Jürgen Habermas.
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Synchron zur Einführung der meadschen Konzeption des Selbst wird von mir, im Folgenden kursiv eingefügt, ein zweiter Text implementiert. Dieser soll einen Ausblick auf die Entwicklungen und Möglichkeiten der neuen Mediengesellschaft liefern. Auf die beschriebenen Entwicklungen werde ich dann das Identitätskonzept Meads anwenden. Diese Ausführungen sind bewusst positiv gehalten, um die Anwendungsmöglichkeiten der meadschen Theorie voll auszuschöpfen und einen Ausblick auf mögliche Weiterentwicklungen der neuen Medien zu skizzieren. In einem letzten Schritt wird dann ein )D]LW XQWHU (LQEH]LHKXQJ GHV 7H[WHV Ä1HZ 0HGLD 6RFLHW\³ von Laura Robinson gezogen werden. Hier wird man sehen, ob die idealisierten Darstellungen des implementierten Kursivtextes realistisch sind, oder ob sich die Identitätsentwicklung im 21. Jahrhundert in einem klassischen Sinne vollzieht.
Die Entwicklung des Selbst bei George H. Mead
Für die Entwicklung eines Selbst ist das Moment der Entwicklung auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene von Bedeutung. Mit der Theorie über die Entwicklung zum reflektiv intelligenten Menschen, den die Fähigkeit zur Geistigkeit vom Tier unterscheidet, stellt Mead, HLQJHEXQGHQ LQ GHQ JU|HUHQ 5DKPHQ GHV Ä6\PEROi- schenInteraktioQLVPXV³, die Entwicklung des ÄSelf³ anhand von zwei Phasen dar (vgl. Jungwirth 2007: S.123 u. ff). Am Beispiel kindlichen Spielens, werden Entwicklungen bezüglich des Grades und der Form der Organisation von Regeln unterschieden. Zu Beginn seiner Entwicklung übernimmt das Kind in einem spielerischen Kontext (Play) die Rollen der Personen, die es umgeben und kontrollieren. So erwirbt es einerseits die Fähigkeit, sich selbst zum Objekt zu machen, also ein Bewusstsein seines eigenen Selbst zu bekommen und andererseits lernt es die Aspekte anderer Identitäten zu internalisieren (vgl. Mead 1968: S. 195 u.). Dadurch erlangt das Kind die Fähigkeit zur Verhaltensantizipation und Rollenübernahme. In der nächsten Phase muss das Kind diese Fähigkeiten weiterentwickeln, XPLPÄ*aPH³ die Haltungen einer ganzen Gruppe zu kennen und zu übernehmen. Jeder Einzelne muss in einem organisierten Wettkampf (Game) die Regeln, Handlungen und Ziele aller involvierten Akteure verstehen, um ein gemeinsames Ziel verfolgen zu können. So tritt an die Stelle eines spezifischen Individuums das Ägeneralized Other³ Der Ägeneralisierte Andere³ steht für die organisierte Haltung einer gesellschaftlichen Teilgruppe und vermittelt deren Regeln und Normen. Die Persönlichkeit eines Menschen wird durch diese Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft geprägt. Ä(UQLPPWGLH
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Sprache als Medium mit dessen Hilfe er seine Persönlichkeit entwickelt, und kommt dann dadurch, dass er die verschiedenen Rollen der anderen Mitglieder einnimmt, zur Haltung der Mitglieder dieser Gemeinschaft. Das macht in gewissem Sinn die Struktur der menschlichen Persönlichkeit aus³ (Mead 1968: S. 205 o.). Auf diese Weise ist das Individuum gesellschaftlich integriert und der sozialen Kontrolle un- WHUZRUIHQ0LWGHPÄgeneralisierten Anderen³ZLUGGLHJHVHOOVFKDIWOLFKH,QVWDQ]HLngeführt, deren Auftreten im Individuum die Konstitution des Selbst bedingt. Das SelbsWWHLOWVLFKGDEHLLQÄ,³XQGÄ0H³'LH2UJDQLVDWLRQVR]LDOHU2EMHNWHLQGHUVXbjektiven Erfahrung des Ä0H³HUP|JOLFKWGLH(QWZLFNOXQJMHQHV7HLOVGHV6HOEVWGDV sich zum Objekt nimmt. Demgegenüber bezeichQHW Ä,³ GDV 6HOEVW GHV KDQGHOQGHQ Individuums. WähUHQGGDVÄ0H³GLHRUJDQLVLHUWH*UXSSHYRQ+DOWXQJHQDQGHUHUGLH man selbst überQLPPW GDUVWHOOW LVW GDV Ä,³ GLH 5HDNWLRQ GHV 2UJDQLVPXV DXI GLH HaltungeQDQGHUHUHLQVFKOLHOLFKGHVÄ0H³'DV6HOEVWLVWGHPQDFK HLQHÄ,QWHUDNWi-RQ³ ]ZLVFKHQ Ä0H³ XQG Ä,³. Das Ä0H³ VWHKW IU GLH hEHUQDKPH JHVHOOVFKDIWOLFKHU Ordnung ins Bewusstsein. Die damit verbundene Möglichkeit auf diese einzuwirken, wird ZLHGHUXPGHPÄ,³]XJeschrieben (vgl. Jungwirth 2007: S. 118 ff.).
(VNDQQLQWHUHVVDQWVHLQGLH'HILQLWLRQYRQÄ0H³XQGÄ,³DXIGLH von Pierre Bourdieu geprägten Begriffen Ä)HOG³ XQG Ä+DELWXV³ anzuwenden. So stelOW HLQ Ä)HOG³ GLH YHr- schiedenenmöglichHQJHVHOOVFKDIWOLFKHQ2UGQXQJHQGDUXQGGHUÄ+DELWXV³IXQJLHUW als ein Pool möglicher Handlungsweisen, um in einem konkreWHQÄ)HOG³]XKandeln. Je besser die äußeren Strukturen verinnerlicht wurden, desto adäquater kann auf GLH $QIRUGHUXQJHQ GHV Ä)HOGHV³ Ueagiert werden 'DV Ä0H³ ZlUH LQ dem Fall das verinnerlichte Feld, in dem ein Mensch aufgewachsen ist, und dDV Ä,³ entspräche GHP Ä+DELWXV³ mit der Möglichkeit auf die gegeben Umstände zu reagieren. Häufiger noch wird dDV Ä'UHL-Instanzen-0RGHOO³ YRQ Sigmund Freud auf die zwei Phasen des Selbst, LQ )RUP YRQ ÄMe³ XQG ÄI³, angewandt. Die Lebenszeiten von George H. Mead (1863 ± 1931) und Sigmund Freud (1856-1939) sind fast deckungsgleich. Beide waren bedeutende Vertreter der Psychologie ihrer Zeit, vertraten aber dennoch sehr verschiedene Ansätze. Mead bezeichnete sich selbst als Sozialbehaviorist und war Schüler des, als Begründer der Psychologie als Wissenschaft berühmten, Wilhelm Wundt (1882-1920). Wundt wandte experimentelle und
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statistische Methoden an, um zu einer an die Naturwissenschaften grenzenden Exaktheit zu gelangen. Mead als Sozialbehaviorist versuchte ausschließlich das Verhalten anderer als Erkenntnisquelle zu nutzen. Freud als Begründer der Psychoanalyse nutzte demgegenüber Methoden wie Introspektion, Einzelfallanalysen und persönliche Erfahrungen, um zu seiner allgemeinen Theorie zu gelangen (vgl. Ulich & Bösel 2005: S.78 ff.). Nichtsdestotrotz überschneiden sich die beiden Modelle von Mead und Freud erheblich. Die Psyche des Menschen setzt sich für Freud aus den GUHL,QVWDQ]HQÄ,FK³Ä(V³XQGÄhEHU-,FK³]XVDPPHQ'DVÄ(V³H[LVWLHUWLQ)RUPUHi- nerTriebimpulse und Wünsche. Es stellt die eigentlich psychische Realität dar und muss seine WünVFKH JHJHQ GDV ÄhEHU-,FK³ GXUFKVHW]HQ 'DV ÄhEHU-,FK³ entsteht aus der Begegnung des Kindes mit den Normen seiner Gesellschaft in Gestalt der Wünsche und ForderunJHQ VHLQHU (OWHUQ 'DV Ä,FK³ IXQJLHUW DOV HLQH $UW 9HUPLWWOHU zwischen den beiden konkurrierenden Instanzen (vgl. Ulich & Bösel 2005: S.103 m.). DaVÄ,³könnte also mit der Struktur des Ä(V³XQGGDVÄ0H³mit der des ÄhEHU,FK³ verglichen werden 'LH 9HUPLWWOHUUROOH GHV Ä,FK³ EHVWHKW EHL 0HDG LQ HLQHP ständigen Interaktion ]ZLVFKHQÄ,³XQGÄ0H³'LH(QWZLFNOXQJGHV6HOEVWNDQQQDFK Mead kein abgeschlossener Vorgang sein. Es liegt ein Wechselspiel aus Vergesellschaftung und Individualisierung vor, aus dem im Sozialisationsprozess das Selbst hervorgeht
Die Erfahrung des Selbst im gesellschaftlichen Kontext
Das Selbst kann sich in der Selbstbehauptung oder im Eintreten für die Sache der Gemeinschaft ausdrücken. Durch die Wechselwirkung ]ZLVFKHQ Ä,³ XQG Ä0H³ entsteht die Möglichkeit, die Haltung der Gesellschaft zu übernehmen und sein eigenes Verhalten in das der Gesellschaft zu integrieren. ÄDie sich aus dieser Hereinnahme (...) in das Verhalten der Einzelnen ergebende Veränderung findet in der Erfahrung aller Individuen statt, die diese Gesellschaft bilden³ (Mead 1968: S. 236 o.). Am Beispiel der Mode erläutert Mead diesen Vorgang. Nehmen wir die Haltung einer Person gegenüber einer neuen Mode. Zuerst lehnt sie diesen neuen Trend wahrscheinlich ab, findet ihn gar komisch oder lächerlich. Im Laufe der Zeit scheint dieser neue Trend jedoch plötzlich gar nicht mehr so schlecht und je mehr Menschen diesem modischen Trend folgen, desto eher integriert man ihn in seinen eigenen Stil (vgl. Mead 1968: S. 236 m.). Der Prozess dieses Sinneswandels erfolgt, ohne dass man seiner gewahr wird. Wir werden uns dieses Prozesses erst bewusst, wenn wir defi-
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Arbeit zitieren:
Nemo Tronnier, 2008, Identität und Internet, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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