Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik 3
2. Relevante Aspekte des ästhetisch-kritischen Konzepts von T.W. Adorno
anhand einiger Aspekte und wesentlichen Beispielen 6
3. Produzierte Selbstreferenzialität des Fernsehens und die Identifikation mit der
Figur Doug Heffernan (King of Queens) 9
4. Schlussbemerkung 12
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 13
6. Medienverzeichnis 14
2
1. Einführung in die Thematik
Innerhalb der Debatte rund um die Kritik am Fernsehen von Marcel Reich-Ranicki beim Fernsehpreis 2008 entstand eine Diskussion, die vor allem dem Medium Fernsehen, welches man so scharf kritisierte und negativ beurteilte, zu gute kam: Zwar hatte Marcel Reich-Ranicki das deutsche Fernsehen effektvoll blamiert mit seiner Fernsehpreis-Nichtannahme, doch gerade deshalb erlebte es eine goldene Woche: Endlich wurde überhaupt mal wieder darüber gesprochen, endlich gab es mal wieder ein kollektives Fernseherlebnis, die Ausschnitte von Reich-Ranickis amüsantem Wutanfall und Gottschalks geistesgegenwärtiger Schlichtung hatte tatsächlich jeder gesehen. Wenn sich im Fernsehen ausnahmsweise ein besonderer Moment ereignet, dann interessiert es auch wieder. 1
Dieses aktuelle Beispiel hat nicht nur die Frage nach der Qualität aufgeworfen, sondern veranschaulicht unmissverständlich, dass das Medium Fernsehen ein Konglomerat von Formaten ist, die versuchen dem Fernsehzuschauer die Ideologie des Fernsehens durch Propaganda und Manipulation einzuverleiben.
Der Begriff der Kulturindustrie von Adorno und Horkheimer ist in der aktuellen Debatte um die Qualität des Fernsehens nicht weit hergeholt und soll in dieser Seminararbeit anhand eines exemplarischen Formats eruiert und diskutiert werden. Inwieweit das Fernsehen sich immer noch mit der durchaus ins Alter gekommenen Theorie der Kulturindustrie von T. W. Adorno verbinden lässt, soll anhand der amerikanischen Sit-com 2 King of Queens, explizit an der Figur Doug Heffernan, erläutert und bewiesen werden. Ausschließlich die ersten vier Folgen der ersten Staffel dienen als Diskursgrundlage und sollen als sehr zeitgenössisches Produkt auf die Aktualität der Thesen von Adorno verweisen, die schon anhand des zu Beginn aufgeworfenen Beispiels, nämlich die Diskussion rund um den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, angedeutet wurde.
Innerhalb dieser Debatte lässt sich ein sehr wichtiger Aspekt herausnehmen, der gerade den Großteil des Fernsehens mit den Mechanismen einer Kulturindustrie nach Adorno
1 Stuckrad-Barre, Benjamin, „,Wir müssen ausschalten’“, Welt am Sonntag 42, 2008, Wiso Praxis Presse,
https://univpn.univie.ac.at/+CSCO+1h756767633A2F2F6A6A6A2E6A7666622D6172672E7172++/r_presse/-
CSCO-3h--webcgi?START=A20&DOKM=956013_WELT_0, 09.02.2009.
2 Vgl: Berto Trinidad, „situation comedy“, Critical Dictionary of Film and Television Theory, Hg. Roberta E.
Pearson/Philip Simpson, London/New York: Routledge 2001 S. 407.
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beschreiben lässt. Die Äußerungen von Elke Heidenreich in der FAZ 3 bezüglich der kritischen Worte Herrn Reich-Ranickis auf der Preisverleihung des Fernsehpreises 2009 lassen vermuten, dass nicht mehr nur Privatsender der Maschinerie des Marktes gehorchen, sondern auch zunehmend die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen mit ihnen in eine ernstzunehmende Konkurrenz zu treten. Sie müssen sich somit an dem Prozedere des Marktes orientieren, wenngleich sie aufgrund der Bezüge aus öffentlicher Kasse und Gebührengeldern („7,5 Milliarden Euro“ 4 ) eigentlich einem Bildungs- und Informationsauftrag verpflichtet sind bzw. mit diesem Image aus vergangenen Tagen hausieren - „ARD und ZDF sind frei von kommerziellen Einflüssen […] frei von politischer Fremdeinwirkung […] drittens ein Hort von Bildung und Kultur“. Die Realität sieht anders aus. Ökonomisch gesehen, ist die Kulturindustrie der Gegenwart zwar nicht durch Monopolbildung, wohl aber durch verschärfte Kapitalkonzentration gekennzeichnet. 5 Das öffentlich-rechtliche Fernsehen baut auf Produkte/ Formate wie Boulevard-Magazine, Quiz-Shows, Seifenopern etc., die sich auch in den Privatsendern über Jahre bewährt haben. Neben Tagesthemen und Tagesschau finden sich erst im späteren Abendprogramm ambitionierte Formate wie beispielsweise Panorama, wenngleich der Großteil der Sendungen nicht dem entspricht, was uns das immer noch propagierte Image der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten verspricht 6 . Zwar „geht die Teilprivatisierung [nicht] immer zulasten der Qualität. Aber die redaktionelle Kontrolle schrumpft, und das Sumpfgebiet wächst“ 7 . Es ist also keinesfalls abwegig zu versuchen die Wurzeln der Kulturindustrie anhand einer Fernsehserie sichtbar zu machen. Diesbezüglich wurde absichtlich eine amerikanische Sitcom, also keine einheimische Produktion, ausgewählt um einen noch stärkeren Beweis dafür anzustellen, dass der Markt die Formate planvoll herstellt und keinesfalls der Zuschauer. King of Queens verbucht nicht nur in Amerika einen riesigen Erfolg und Kultstatus, sondern eben auch in Deutschland. Es kann als Länder übergreifendes Produkt gesehen werden, eine
3 Vgl: Elke Heidenreich, „Reich-Ranickis gerechter Zorn“, FAZ.NET,
http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EE91B6E359E494E34BE66891A5D
35B7AB~ATpl~Ecommon~Scontent.html, 11.02.2009.
4 Anna Marohn, „Argument. ARD und ZDF brauchen klare Grenzen“, Die ZEIT 05, 2008,
https://univpn.univie.ac.at/+CSCO+1h756767633A2F2F6A6A6A2E6A7666622D6172672E7172++/r_presse/-
CSCO-3h--webcgi?START=A20&DOKM=99975_ZEIT_0, 12.02.2009.
5 Gerhard Schweppenhäuser, Theodor W. Adorno zur Einführung, Hamburg: Junius 1996, S. 158.
6 Vgl: Tagesprogramm der ARD, Donnerstag 12.02.2009:
http://programm.daserste.de/liste1.asp?sender=1&sdatlo=12.02.2009.
7 Thomas Assheuer, „Kopfsprung ins Seichte“, Die ZEIT 03, 2004, Wiso Praxis Presse, http://www.wiso-
net.de/r_presse/webcgi?START=A20&DOKM=68397_ZEIT_0, 11.02.2009.
4
Marke 8 . Diesbezüglich ist natürlich zu klären, in welchem Zusammenhang die Kulturindustrie bzw. die hier aufgeworfene These einer Ideologie des Fernsehens mit den Einschaltquoten steht, die Fernsehproduzenten immer als Beweis dafür anbringen, dass die Masse überhaupt nichts anderes sehen will. Hat der Zuschauer wirklich die Wahl? Bestimmt er das Produkt oder letztlich doch der Markt?
Während die Kulturindustrie […] auf den Bewußtseins- und Unbewußtseinsstand der Millionen spekuliert, denen sie sich zuwendet, sind die Massen nicht das Primäre sondern ein Sekundäres, Einkalkuliertes; Anhängsel der Maschinerie. Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie glauben machen möchte, König, nicht ihr Subjekt, sondern ihr Objekt. 9
Die Einschaltquoten sind ein Teil der Maschinerie und gleichsam auch der Kulturindustrie. Ein Produkt des Fernsehens zielt natürlich darauf ab die bestmöglichen Einschaltquoten zu erzielen und möglichst Marktführer in der Zielgruppe zu sein. Das ist unbestreitbar ihr Anspruch und ihr Ziel, aber die Schlussfolgerung daraus kann nicht lauten, dass der Fernsehzuschauer die Macht hat zu entscheiden, was gesehen wird und was nicht, sondern bedeutet nur, dass das, was nicht dem Schema entspricht aus dem Programm fällt; jenes Format, welches die Anforderung eines möglichst hohen Marktanteils nicht erfüllt, fliegt aus dem Senderkonzept. Die Masse ist dadurch zufrieden gestellt, als dass ein einziges Format möglichst auf jedes Individuum der Masse zugeschnitten ist und ein Produkt erstellt wird, welches diesem Anspruch genügt. Dieser Aspekt tut sich in keiner Weise als ein Widerspruch zur Kulturindustrie auf, sondern manifestiert die These dieser Seminararbeit und lenkt den Blick auf einen ganzen bestimmten, hier zu diskutierenden Punkt, nämlich das planvoll erstellte Format, das dem Fernsehzuschauer eine Ideologie propagiert, mit der er sich identifizieren kann. Diese Identifikation des Fernsehzuschauers wird durch äußerst ausgeklügelte Mechanismen und Strategien, die auf der Ausnutzung der menschlichen Wahrnehmung (Ästhetik) beruht, erzeugt 10 . Außerdem wird der Begriff der Serialität in dieser Seminararbeit zu diskutieren sein, da gerade dieser das Merkmal bestimmt, wodurch sich das
8 Vgl: Uwe Mantel, „King of Queens: Zum Abschied Marktführer“, DWDL.de,
http://www.dwdl.de/article/story_12992,00.html, 16.10.2007, 09.02.2009.
9 Adorno, Theodor W., „Résumé über Kulturindustrie“, Kursbuch Medienkultur, Hg. Lorenz Engell/Joseph
Vogel, Stuttgart: 1999, S. 202.
10 Vgl: Alex Billensteiner, „Identifikation - Ein wesentliches Element in der Rezeption von Sitcoms und TV-
Serien“, Dipl.-Arb., Universität Wien, Sozialwissenschaftliche Fakultät 2005.
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Arbeit zitieren:
Thomas Ochs, 2009, Fernsehen als produziertes Ideologiekonzept , München, GRIN Verlag GmbH
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