Seasonable Advice to all Protestants
INHALT
1 Einleitung 2
1.1 Verfasserschaft 2
1.2 Abfassungszeitpunkt 2
1.3 Adressaten 3
1.4 Kurzbiographie des Verfassers 5
1.5 Textvorlage 7
1.6 Hinweise zur Benutzung dieser Ausgabe 8
1.7 Titelblatt 9
2 Transkription 10
3 Herausgeber 37
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1 EINLEITUNG
1.1 Verfasserschaft
Gemäß dem Selbstanspruch des Titelblattes ist Peter Jurieu (frz. Pierre) Autor der vorliegenden Schrift Seasonable Advice to all Protestants. Die so für den bekannten hugenottischen Theologen Pierre Jurieu reklamierte Verfasserschaft darf als gesichert gelten: In der Forschung bestehen bislang keine Zweifel an der Authenzität und Integrität der Schrift - solche könnten zudem nur aufgrund eindeutiger anderslautender Evidenzen erhoben werden und würden erst dann - in einem weiteren Schritt - ggf. zu einer Neubewertung der Verfasserschaft führen.
1.2 Abfassungszeitpunkt
Nach Angaben wiederum des Titelblatts wurde die Schrift 1689 in London gedruckt. Aus textinterner Sicht ist der frühstmögliche Zeitpunkt für eine Abfassung (terminus post quem) die Aufhebung des Edikts von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau (18. Oktober 1685) 1 sowie die Veröffentlichung der im selben Jahr erstmals publizierten Schrift von Pierre Jurieu, Préjugez légitimes contre le Papisme 2 , da der Verfasser auf beide Bezug nimmt. Denkbar ist auch ein noch späteres Datum, da auch „jüngste Editionen“ des von Jacques Bénigne Bossuet 1671 erstmals veröffentlichten und viele Male neu aufgelegten Buches Exposition de la doctrine de l´Eglise catholique sur les matières de controverse erwähnt werden. 3 Der spätestmögliche Zeitpunkt (terminus ante quem) für die Entstehung der Schrift ist begrenzt durch das mit 11. Januar 1713 verbürgte Todesdatum des Verfassers. Gemäß dem im Titelblatt angegebenen und soweit glaubwürdigen Erscheinungsjahr dürfte die Schrift jedoch kurz vor oder im Jahre 1689 verfasst und sodann in Druck gegeben worden sein.
1 S. 21 [14]; 22 [15].
2 S. 29 [30].
3 S. 28 [2].
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1.3 Adressaten
Der Titel nennt als Zielgruppe „alle Protestanten Europas“ und zwar ungeachtet ihrer jeweiligen Glaubensrichtung. Die englische Sprache der Schrift begrenzt die Adressaten jedoch auf solche, die entweder (a) selber des Englischen mächtig sind oder (b) über einen Dolmetscher verfügen. Auch die Fähigkeit des Lesens wird beim Adressaten vorausgesetzt, mindestens aber wird ein Vorleser benötigt.
Namentlich und als Adressaten von Jurieus Überlegungen werden verschiedene protestantische Länder bzw. deren Machthaber genannt: England, Schweden, Dänemark, Sachsen, Brandenburg, Pfalz, Brunswick, Lüneburg, Zelle, Hessen sowie verschiedene freie Städte in Deutschland, ferner die Niederlande und die (protestantischen) Kantone der Schweiz. 4 Während der Aufruf zum politischen und karikativen Engagement zugunsten der bedrängten Protestanten in Europa und gegen den erstarkten Katholizismus an die genannten Obrigkeiten ergeht, so werden auch die protestantischen - u.a. calvinistischen und lutheranischen - Geistlichen namentlich in die Pflicht genommen: Sie sollen angesichts des „gemeinsamen Feindes“ (i.e. der Katholizismus bzw. das Papsttum) ihre theologischen Streitigkeiten begraben und zur Einheit finden bzw. zur Einheit der Protestanten beitragen. 5 In beiden Fällen richtet sich die Schrift demnach primär an religiös und politisch mit Macht und Mitteln ausgestattete Persönlichkeiten, also an Angehörige einer gesellschaftlich herausgehobenen Schicht.
Offensichtlich zielt die Schrift auch auf diejenigen noch in Frankreich lebenden Protestanten ab, die ernsthaft einen Glaubenswechsel hin zum Katholizismus erwägen: Sie sollen durch Argumente, das Aufdecken der offensichtlichen und vermeintlichen Absichten der katholischen Kirche und des Papsttums sowie durch die Lektüre der ihnen empfohlenen apologetischen und antikatholischen Schriften protestantischer Autoren von der Konversion abgehalten werden. 6 Dies wird explizit auch im letzten Satz der Schrift deutlich. 7 Das einschließliche „wir“/“uns“ des Verfassers weist ebenfalls in die
4 S. 17.18 [10].
5 S. 16.17 [8.9]; 25.26 [26.27] u.a.
6 S. 26ff [27ff].
7 S. 36-37 [39].
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Richtung, dass auch an die hugenottischen Glaubensgeschwister gedacht ist: Er spricht u.a. davon, dass „uns“ die protestantischen Kirchen und die Religion[sausübung] genommen wurden (durch die Aufhebung des Edikts von Nantes bzw. die dazugehörige Verfolgung in Frankreich) 8 und dass „wir“ aus bestimmten (in der Schrift genannten) Gründen „unseren“ (calvinistischen) Doktrinen und „unserem“ Glauben nicht abschwören können. 9
Schließlich sind wohl - zwar nicht explizit genannt - auch römischkatholische Leser bzw. Hörer angesprochen: Denkbar als Adressaten sind angesichts der Kritik des Verfassers am katholischen Glauben, Papsttum sowie der Regierungspolitik vor allem Vertreter des (französischen) Klerus und der Obrigkeit, möglicherweise sogar der König Ludwig XIV. selbst. Allen voran aber dürfte der mehrfach in der Schrift erwähnte und einflussreiche Bischof von Meaux, Jacques Bénigne Bossuet, gemeint sein, mit dem sich Jurieu verschiedentlich auseinandersetzt. 10 Wen der Verfasser aber mit den „am meisten erleuchteten [Herren] der Gallikanischen Kirche“ 11 meint, die seinen Reformideen für die katholische Kirche nahe stünden (und denen er hier wohl implizit schmeichelt), muss - zumindest für diese Schriftoffen bleiben.
8 S. 27 [28]; vgl. S. 26 [27].
9 S. 27 [28].
10 S. 28.29 [29.30]; 34 [36]; 36 [39].
11 Ebd.
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1.4 Kurzbiographie des Verfassers
Der hugenottische Geistliche, Professor und vielgelesene Autor Pierre Jurieu wird am 24.12.1637 in Mer (Département Loir-et-Cher, Zentralfrankreich) in eine bekannte Pastorenfamilie hineingeboren. Sein Großvater Pierre du Moulin (1568-1658) ist Pastor der reformierten Kirche von Charenton (bei Paris) und zudem Seelsorger von Katharina von Bourbon, der Schwester Heinrichs IV. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie an den hugenottischen Akademien von Saumur und Sedan dient Jurieu von 1660-1674 - wie schon zuvor sein Vater - als Pastor in Mer. Seit 1674 Professor für Theologie und Hebräisch an der Akademie von Sedan, flieht Jurieu 1681 nach deren Schließung durch Ludwig XIV. nach Rotterdam (Niederlande). Neben einer Tätigkeit als Professor an der „Ecole Illustre“ wirkt er hier auch als Pastor der französischsprachigen und reformierten Wallonischen Kirche, bevor er am 11.01.1713 stirbt.
Nebst seinem karikativen, politischen und publizistischen Engagement für die hugenottischen Flüchtlinge (fr. Refugiés) ist Jurieu vor allem für seine zahlreichen apologetischen Streitschriften u.a. gegen Antoine Arnauld (1612-1694), Pierre Nicole (1625-1695) und Jacques Bénigne Bossuet (1627-1704) bekannt. Auch zerwirft er sich mit Pierre Bayle (1647-1706), dessen Toleranzideen er zugunsten einer großen protestantischen Revolution ablehnt.
Während Jurieu sich häufig mit der Verteidigung des Protestantismus gegen den katholischen Glauben und das damit verbundene Papsttum befasst, disputiert er auch mit Vertretern anderslautender theologischer Positionen innerhalb des evangelischen Bekenntnisses und setzt sich für eine enge(re) Gemeinschaft und Bündnispolitik von Calvinisten und Lutheranern ein. Angesichts eines (wieder) erstarkten Katholizismus, der die Protestanten europaweit verfolgt, plädiert Jurieu - in der explizit formulierten Hoffnung, dass hierbei nicht Böses mit Bösem vergolten wird - für ein starkes, gemeinsames politisches Auftreten aller Protestanten und dafür, dass verfolgten Glaubensgeschwistern über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus geholfen und die allgemeine Gewissensfreiheit sichergestellt wird. Seine 1689 in englischer Sprache veröffentlichte Schrift Seasonable Advice to all Protestants ist ein eindrückliches Beispiel hierfür. Darin diskutiert
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Jurieu auch die Unrechtmäßigkeit der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) und wiederholt wesentliche Punkte der protestantischen Kritik am Papsttum und Kultus der Römisch-Katholischen Kirche sowie an deren wenig vertrauenswürdigen Bekehrungspolitik gegenüber den Protestanten in Frankreich. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist beachtenswert: Die Schrift erscheint genau in dem Jahr, für das Jurieu drei Jahre zuvor in einer Abhandlung über die „Erfüllung der Prophezeiungen oder die baldige Befreiung der Kirche“ 12 (fälschlicherweise) den Sturz der Römisch-Katholischen Kirche sowie die Wiederherstellung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in Frankreich vorausgesagt hatte.
Literaturhinweise: ■ Carpuat, Emmanuelle: „Das Wort im Dienste der Revolte: Propheten und Kamisarden“, Die Kamisarden. Eine Aufsatzsammlung zur Geschichte des Krieges in den Cevennen (1702-1710), Hrsg. Chrystel Bernat (aus dem Französosischen übertragen von Eckart Birnstiel), Bad Karlshafen: Deutsche Hugenotten-Gesellschaft, 2003, S. 47-67 i.V.m. „Zeittafel 1681-1715“, S. 278. ■ Brandenburg, Ingrid / Klaus Brandenburg: Hugenotten. Geschichte eines Martyriums, Wiesbaden: Panorama Verlag, 1998. ■ Dingel, Irene: „Jurieu, Pierre“, Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, Bd. 4, 4., völlig neu bearb. Aufl., Tübingen: Mohr Siebeck, 2001, Sp. 717. ■ Dubief, Henri: „Hugenotten“, Theologische Realenzyklopädie, Bd. 15, Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1986, S. 618-
629. ■ „Jurieu, Pierre“, www.museeprotestant.org, Zugriff: 02.05.2010. ■ Plathow, Michael: „Jurieu, Pierre“, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 3, Herzberg: Traugott Bautz, 1992, Sp. 886-887.
12 Pierre Jurieu: L´Accomplissement des prophéties ou la délivrance prochaine de l´Église, 1686.
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1.5 Textvorlage
Bei den Seasonable Advice to all Protestants handelt es sich nach den Angaben des Titelblatts um die englische Übersetzung einer französisch verfassten Vorlage. Letztere gilt bislang als nicht identifiziert. 13 Es ist dabei nicht zwingend an eine zuvor gedruckte französische Fassung zu denken - die Angaben können auch lediglich ein vom Verfasser erstelltes Manuskript bezeichnen, ohne dass der Text zuvor bereits veröffentlicht worden wäre. Die altenglische Sprache ist mit wenigen Ausnahmen gut verständlich, weist jedoch die gängigen Merkmale und Besonderheiten ihrer Zeit auf.
Die Maße der mittig gefaltenen und am Rand beschnittenen Papierbögen betragen ca. 30,5x19,7cm (mit entsprechenden Einzelseiten von jeweils ca. 15,25x19,7cm). Der eigentliche Textblock nimmt dabei eine Fläche von 10,8x14,6cm ein. Die Bindung besteht aus einer schlichten Fadenbindung.
13 www.nationallizenzen.de, Zugriff: 07.05.2010.
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Arbeit zitieren:
Pierre Jurieu, 2010, Pierre Jurieu: Seasonable Advice to all Protestants in Europe of what Persuasion soever. For Uniting and Defending themselves against Popish Tyranny (London, 1689), München, GRIN Verlag GmbH
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