Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis. IV
Tabellenverzeichnis. V
Abk ürzungsverzeichnis. VI
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Gang der Untersuchung 2
2 Finanzmarktkrisenbedingte Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand 2
2.1 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in der
Gesamtwirtschaft. 2
2.2 Finanzierungssituation des Mittelstandes 4
2.2.1 Einfluss des Baseler Akkordes II. 4
2.2.2 Finanzierungsstruktur des Mittelstandes. 5
2.2.3 Finanzierungsschwierigkeiten im Zuge der Finanzkrise 7
3 Factoring als Instrument des Krisenmanagements 10
3.1 Grundlagen und Funktionsweise von Factoring. 10
3.1.1 Begriffsbestimmung 10
3.1.2 Rechtliche Rahmenbedingungen 11
3.1.3 Ablauf 13
3.1.4 Betriebswirtschaftliche Funktionen. 15
3.2 Ausgestaltungsformen von Factoring. 16
3.2.1 Factoring mit und ohne Delkredere. 17
3.2.2 Inhouse-Factoring 17
3.2.3 Offenes und stilles Factoringverfahren 18
3.2.4 Fälligkeitsfactoring 18
3.2.5 Sonderformen. 19
4 Anwendung von Factoring auf mittelständische Unternehmen. 19
4.1 Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung. 19
4.1.1 Anforderungen an das Unternehmen. 20
4.1.2 Anforderungen an die Forderungen und an das Produkt. 22
4.1.3 Anforderungen an das Factoringinstitut 24
4.2 Kosten des Factoring 25
4.3 Auswirkungen von Factoring auf das Unternehmen 27
II
II
4.3.1 Auswirkungen auf Zahlungsfähigkeit und Rentabilität 27
4.3.2 Auswirkungen auf Bilanz und Kennzahlen. 30
4.3.3 Zusätzliche Auswirkungen 34
4.4 Grenzen und Probleme der Factoringlösung 35
4.5 Lösbarkeit der Finanzierungsproblematik 36
4.6 Empirische Ergebnisse und deren Evaluation 39
4.6.1 Zielsetzung der Umfrage. 39
4.6.2 Methodische Vorgehensweise 39
4.6.3 Analyse und Bewertung der Ergebnisse 40
4.6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse 60
5 Fazit 62
Anhang 65
Literaturverzeichnis 81
Rechtsprechungsverzeichnis. 87
III
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Bedeutung des Mittelstandes (ausgewählte Positionen)
Abbildung 2: Grundstruktur einer Factoringfinanzierung
Abbildung 3: Ablauf einer Factoringfinanzierung.
Abbildung 4: Jahresumsätze der Gesellschaften 2008
Abbildung 5: Prozentuale Branchenverteilung der Factoringkunden
Abbildung 6: Factoringvarianten der befragten Unternehmen
Abbildung 7: Factoringvarianten aller Mitglieder des deutschen Factoring-
Verbandes (nach Umsatz)
Abbildung 8: Durchschnittlich gewährte Zahlungsziele der Kunden
Abbildung 9: Durchschnittliches Zahlungsverhalten der Abnehmer.
Abbildung 10: Zeitraum vom Kundenerstkontakt bis zur Kundenerstauszahlung.
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Veränderungen im Zuge der Finanzkrise .................................................9 Tabelle 2: Ausgewählte Positionen der Bilanz ohne Factoring (in Tsd. Euro) ........31 Tabelle 3: Ausgewählte Positionen der Bilanz mit Factoring (in Tsd. Euro) ...........31 Tabelle 4: Unternehmensdaten und Factoringkonditionen (Beispiel in Tsd. Euro) .32 Tabelle 5: Kosten-Nutzen-Analyse anhand Gewinn- und Verlustrechnung ............33 Tabelle 6: Quantitative Ergebnisse der Umfrage im Überblick ...............................60
V
Abkürzungsverzeichnis
ABS Asset Backed Securities Abs. Absatz BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Basel II Baseler Akkord II BDI Bundesverband der deutschen Industrie e.V. BGB Bürgerliches Gesetzbuch BGBl. Bundesgesetzblatt BIZ Bank für Internationalen Zahlungsverkehr BRD Bundesrepublik Deutschland BWA Betriebswirtschaftliche Auswertung bzw. beziehungsweise ca. circa d.h. das heißt e.V. eingetragener Verein ebd. ebenda EDV Elektronische Datenverarbeitung EK Eigenkapital EURIBOR European Interbank Offered Rate f. folgende Seite ff. und folgende Seiten FK Fremdkapital GewStG Gewerbesteuergesetzbuch ggf. gegebenenfalls GuV Gewinn- und Verlustrechnung HGB Handelsgesetzbuch i.V.m. in Verbindung mit IfM Institut für Mittelstandsforschung Bonn IKB IKB Deutsche Industriebank IT Informationstechnologie k.A. keine Angabe KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
VI
KMU Kleine und mittlere Unternehmen KWG Kreditwesengesetz LuL Lieferung und Leistung Mio. Millionen Mrd. Milliarden Nr. Nummer o.V. ohne Verfasser RGBl. Reichsgesetzblatt S. Seite sog. sogenannte Tsd. Tausend u.a. unter anderem Verb. Verbindlichkeiten vgl. vergleiche WKV Warenkreditversicherung z.B. zum Beispiel
VII
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Der deutsche Mittelstand ist in jüngster Zeit mit erheblichen Veränderungen konfrontiert worden. Die fortschreitende Umgestaltung der Kapitalmärkte durch neue Regelungen und die daraus resultierenden Folgen sind nicht zu übersehen. Erschwerend hinzugekommen ist die Finanzkrise, die sich zunehmend stärker auf die Realwirtschaft übertragen hat. Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) bekommen dies insbesondere durch eine restriktivere Geldpolitik der Kreditinstitute zu spüren: angeregt durch die neuen Anforderungen des Baseler Akkordes II, aber auch nun unverkennbar durch die Auswirkungen der Finanzkrise, die das Kreditvergabeverhalten der Banken erheblich beeinflusst haben. Das Vertrauen in den Wirtschaftskreislauf ist gesunken, Kreditlinien sind gekürzt und Unternehmen bonitätsmäßig abgestuft worden. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen haben sich aufgrund dessen drastisch verschlechtert. In den Medien sind immer häufiger Schlagzeilen wie „Finanzkrise gefährdet den Mittelstand“ 1 oder „Kreditklemme verschärft sich weiter“ 2 zu lesen.
Neben den Kreditinstituten als direkte Auslöser sind vielfach die Abnehmer der mittelständischen Unternehmen von der Krise betroffen. Auch das lässt sich aktuell aus ökonomischer Fachpresse vermehrt aufgreifen: „Zahlungsmoral der Wirtschaft sinkt“ 3 und „Zahlungsausfälle steigen drastisch an“ 4 , um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie unschwer zu erkennen ist, spiegeln das schlechtere Zahlungsverhalten sowie die erhöhte Anzahl an Forderungsausfällen die Folgen für mittelständische Unternehmen wider.
Als Konsequenz dieser Entwicklungen rücken alternative Finanzierungsformen wieder stärker in den Fokus von Unternehmen. Einerseits, um an notwendige Liquidität zu gelangen oder diese aufrecht zu erhalten, um die Finanzkrise zu überstehen. Andererseits versucht man, mehr Unabhängigkeit von dem kurzfristigen Hausbankkredit zu erreichen. Die folgende Ausarbeitung des Themas „Factoring im Mittelstand - Instrument des Krisenmanagements im Zeichen der
1 Dierig, Carsten (2008).
2 Ramthun, C./ Fischer, M./ Schnitzler, L. (2009).
3 O.V. (2009a).
4 O.V. (2009c), S. 16.
1
Finanzkrise“ wird in diesem Zusammenhang speziell auf das
Finanzierungsinstrument Factoring eingehen. Dabei soll aufgezeigt werden, inwiefern Factoring als ein alternatives, ergänzendes Instrument zur Finanzierung für mittelständische Unternehmen angesehen werden kann. Dabei wird eine konkrete Darstellung der Wirkungsweise auf Liquidität und in diesem Zusammenhang auch Rentabilität vorgenommen. Aber auch die Anwendbarkeit und die weiteren Auswirkungen, die Factoring auf Unternehmen hat, werden erörtert, da es sich bei Factoring nicht nur um ein reines Kreditsubstitut handelt.
1.2 Gang der Untersuchung
Zunächst wird im Hauptteil dieser Ausarbeitung auf den Mittelstand in Deutschland eingegangen. Dabei steht zunächst die volkswirtschaftliche Position des Mittelstandes im Vordergrund. Es folgt eine Beschreibung der regulatorischen Veränderungen durch den Gesetzgeber, der Finanzierungsstruktur und abschließend der Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf den Mittelstand. Im dritten Kapitel wird Factoring als Finanzierungsinstrument vorgestellt. Dabei werden die Grundlagen, die Funktionsweise sowie die Ausgestaltungsformen von Factoring geklärt. Im vierten Kapitel folgen dann die Anwendungsmöglichkeiten von Factoring bei mittelständischen Unternehmen. Zunächst geschieht dies in der Theorie, in der Voraussetzungen, Implementierung und Wirkung, aber auch Kosten und Probleme beleuchtet werden. Ergänzend folgt im Anschluss eine empirische Erhebung, eine Umfrage unter den Mitgliedern des größten deutschen Factoringverbandes. Am Ende des Kapitels werden die Forschungsergebnisse kritisch analysiert. Das fünfte und somit letzte Kapitel enthält ein zusammenfassendes Fazit, welches die Arbeit abschließt.
2 Finanzmarktkrisenbedingte Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand
2.1 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in der Gesamtwirtschaft
Für den deutschen Mittelstand gibt es keine allgemeingültige Definition und aufgrund der Heterogenität bezüglich Branche, Umsatz, Mitarbeiteranzahl oder Rechtsform auch unterschiedliche Abgrenzungen. In dieser Ausarbeitung wird Bezug genommen auf die Definitionen des Statistischen Bundesamtes sowie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Dabei wird der Mittelstand durch die
2
beiden quantitativen Merkmale Arbeitnehmeranzahl sowie Jahresumsatz charakterisiert. Der Mittelstand, auch als kleine und mittlere Unternehmen bekannt, umfasst nach dem Statistischen Bundesamt Unternehmen, in denen zwischen 10 und 249 Arbeitnehmer beschäftigt sind und die einen Jahresumsatz von 2 bis 50 Mio. Euro erwirtschaften. 5 Das Institut für Mittelstandsforschung fasst den Mittelstand in Deutschland etwas weitläufiger, da hier alle Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und mit bis zu 50 Mio. Euro Jahresumsatz diesem Terminus zugehörig sind. Nach dieser letzten Eingrenzung gehören 99,7 Prozent aller Unternehmen in Deutschland dem Mittelstand an, beschäftigen dabei gut 70 Prozent aller Arbeitnehmer und stellen ca. 80 Prozent aller Ausbildungsplätze bereit. 6 Desweiteren erzielt der Mittelstand knapp 50 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung, zahlt mit ebenfalls 50 Prozent die Hälfte aller Unternehmenssteuern in Deutschland und erwirtschaftet mehr als ein Drittel der gesamten Umsätze. 7 Abbildung 1 stellt diese Angaben grafisch dar.
Abbildung 1: Bedeutung des Mittelstandes 8 (ausgewählte Positionen)
Neben diesem quantitativen Rahmen lässt sich in der Literatur auch eine qualitative Eingrenzung finden: Die überwiegende Mehrheit der mittelständischen
5 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland (2003).
6 Vgl. IfM Bonn (2002).
7 Vgl. IfM Bonn (2009); siehe auch: Linnemann, C. (2007), S. 7.
8 Eigene Darstellung in Anlehnung an IfM Bonn (2009).
3
Unternehmen wird von den Eigentümern geführt (daher auch oftmals die Verwendung des Begriffs „Familienunternehmen“). Es fallen Haftung, Verantwortung, Leitung und Eigentum oft auf eine oder mehrere Familien. 9 Der Eigentümer identifiziert sich mit dem Unternehmen und handelt mit erhöhtem Risiko. Dies stellt folglich einen Unterschied zu einem reinen managergeführten Unternehmen dar. Als weitere qualitative Merkmale sind die Disposition weniger Finanzierungsquellen, kleinere Einkaufsmengen, dafür aber persönliche Beziehungen zwischen Eigentümer und Mitarbeitern sowie ein stärkeres gesellschaftliches Engagement im regionalen Umfeld zu beobachten. 10 Der Mittelstand kann aufgrund der beschriebenen Fakten als „Rückgrat“ der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden und trägt daher eine sehr hohe volkswirtschaftliche Bedeutung in der Gesamtwirtschaft.
2.2 Finanzierungssituation des Mittelstandes
2.2.1 Einfluss des Baseler Akkordes II
Bevor auf die Finanzierungsstruktur des Mittelstandes eingegangen wird, scheint es zweckmäßig, die gesetzlichen Regelungen von Basel II darzustellen. Diese haben bedeutenden Einfluss auf die Kreditvergabepraxis der Banken und somit unmittelbar auch auf den Mittelstand.
Im Rahmen des Risikomanagements für Banken hat die Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) ein Regelwerk durch den Baseler Akkord II geschaffen, das Ende 2006 vollständig und verbindlich für alle Kreditinstitute in Deutschland in Kraft getreten ist. 11 Das Gesetz regelt u.a. die Eigenkapitalausstattung von Banken zur Hinterlegung von Krediten und stellt eine Erweiterung von Basel I aus dem Jahr 1988 dar, in der Banken dazu gezwungen werden, Kredite an Unternehmen mit einem einheitlichen Satz von 8 Prozent (sog. Solvabilitätskoeffizient) mit Eigenkapital zu hinterlegen. 12 Der hier relevante und wesentliche Unterschied ist die neuartige Erweiterung, dass sich Unternehmen beim Kreditvergabeprozess einem quantitativen (und qualitativen) Ratingsystem 13 unterziehen müssen. Hierbei
9 Vgl. Linnemann, C. (2007), S. 4.
10 Vgl. Rois, C. (2006), S. 20; siehe auch: Goeke, M. (2008), S. 12.
11 Vgl. Bundesbank (2009).
12 Vgl. Smidrkal, R. (2005), S. 16.
13 Vgl. Everling, O. (2002), S. 91.
4
wird ihre Kreditwürdigkeit (Bonität) 14 untersucht und dementsprechend ein Gewichtungsfaktor für den Zinssatz und anschließend die Kreditkonditionen festgelegt.
Das Rating setzt sich aus einer Prüfung bzw. Erhebung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der finanziellen Verhältnisse, der Managementkompetenz sowie den Geschäftschancen und -risiken zusammen. 15 Bei Unternehmen mit schlechterem Rating erhöht sich der Gewichtungsfaktor, steigt somit der Kreditzins für das Unternehmen und gleichzeitig auch die Eigenkapitalanforderung bei der Bank, mit der sie den Kredit absichern muss. Das Ziel des Gesetzgebers ist es, mehr Transparenz und Stabilität zu schaffen, eine intensivere Auseinandersetzung mit dem möglichen Ausfallrisiko des Schuldners zu erreichen und schließlich auch dafür zu sorgen, dass bonitätsstarke Unternehmen nicht mehr die Risiken für bonitätsschwache Unternehmen mittragen müssen. 16
2.2.2 Finanzierungsstruktur des Mittelstandes
Aus klassischer Betrachtungsweise stellt sich bei der Frage der Unternehmensfinanzierung die Wahl zwischen Eigen- oder Fremdfinanzierung. Diese beiden Möglichkeiten können jeweils noch weiter in Innenfinanzierung (intern) oder Außenfinanzierung (extern) unterteilt werden. Dabei sind insbesondere erwirtschaftete Gewinne (intern) oder als Pendant dazu, wenn die Mittel aus der Innenfinanzierung nicht ausreichen, Kredite (extern), von hoher Bedeutung. 17 Die Unterscheidung ist insofern von Bedeutung, da je nach Art und Weise der Bereitstellung des Kapitals jeweils Unterschiede bezüglich den Rechten der Kapitalgeber, der Dauer der Kapitalüberlassung, der Gewinn- und Verlustbeteiligung sowie der Kapitalkosten zu tragen kommen. 18
Die Kosten für Fremdkapital (FK) haben in der Regel einen geringeren Kapitalkostensatz gegenüber den Finanzierungskosten für Eigenkapital (EK) und werden daher bevorzugt. Dies ist damit zu erklären, dass die EK-Rendite der Kapitalgeber wächst, sofern die Rendite der Investitionen die FK-Zinsen
14 Vgl. Wöhe, G./ Döring, U. (2008), S. 668.
15 Vgl. Vitzthum, S. (2008), S. 58.
16 Vgl. Müller, S. et al. (2006), S. 4f; siehe auch: Vitzthum, S. (2008), S. 50f.
17 Vgl. Werner, H. (2006), S. 23f.
18 Vgl. Bieg, H./ Kußmaul, H. (2009), S. 123.
5
übersteigt. 19 Diese Hebelwirkung nennt man „Leverage-Effekt“. 20 Ein hoher Verschuldungsgrad kann neben der Perspektive der Kapitalgeber aber auch aus Unternehmenssicht wünschenswert sein. Denn „financial leverage“, also die Steigerung des Gewinns durch einen optimalen Verschuldungsgrad, ist aufgrund der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Kreditzinsen (tax shield) in der Theorie erheblich günstiger für Unternehmen. 21 Durch die Unternehmenssteuerreform von 2008 wurde allerdings eine Netto-Zinsschranke von zunächst einer Million Euro eingeführt. 22 Diese wurde Mitte 2009 auf nun drei Millionen Euro erhöht. 23
Demgegenüber stehen allerdings das erhöhte Risiko und die in der Realität auftretenden Sicherheitsvorschriften der Banken sowie die Gegebenheiten des deutschen Finanzsystems: So stellt die Eigenkapitalquote eine der wichtigsten Kennzahlen im Unternehmen dar und für Kreditinstitute ist ein solider Grad an EK (in Relation zur Bilanzsumme) aufgrund der persönlichen Haftung als Sicherheit unabdingbar, ergo ist die Kreditwürdigkeit besser je höher das EK ist. 24 In Wachstums- und Investitionsphasen gilt vorhandenes EK als Erfolgsfaktor und in Krisenzeiten ist es wiederum ein kostbarer Risikopuffer. 25
Trotzdem weisen mittelständische Unternehmen eine sehr niedrige EK-Quote auf, die sich im Durchschnitt auf ca. 14 Prozent (2007) beläuft. Bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als einer Million Euro liegt der Durchschnitt sogar nur bei ca. 7 Prozent. 26 Eine niedrige EK-Quote bedeutet im Umkehrschluss eine hohe Fremdkapitalquote, wobei Kontokorrentkredite oder Betriebsmittelkredite die Bilanz von mittelständischen Unternehmen dominieren. Daher sind Unternehmen enorm von dem Kreditvergabeverhalten ihrer Hausbank abhängig. 27 Da Kontokorrentkreditlinien zum Ausgleich von unerwarteten Liquiditätsengpässen notwendig sind, 28 stellen diese für die Unternehmen ein existenznotwendiges Kriterium dar. Besonders wenn Investitionen getätigt oder Betriebsmittel refinanziert werden, wird die Abhängigkeit vom Kreditvergabeverhalten der Banken
19 Vgl. Wöhe, G./ Döring, U. (2008), S. 661f.
20 Vgl. Reichling, P./ Beinert, C./ Henne, A. (2005), S. 110f.
21 Vgl. Brealey, R./ Myers, S./ Allen, F. (2008), S. 472-489; siehe auch: Stark, J. (2002), S. 37;
siehe auch: Wöhe, G./ Döring, U. (2008), S. 665f.
22 Vgl. Weiser, C. (2008), S. 13.
23 Vgl. o.V. (2009b).
24 Vgl. Wöhe, G./ Döring, U. (2008), S. 590.
25 Vgl. Werner, H. (2006), S. 34.
26 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V. (2009), S. 40f.
27 Vgl. Wolf, B. (2003), S. 5f.
28 Vgl. Wöhe, G./ Döring, U. (2008), S. 609.
6
deutlich. Bis zuletzt hat sich dies, durch enge und vertrauensvolle Beziehungen mit der eigenen Hausbank, jedoch als problemlos dargestellt.
Allerdings hat sich die Bedeutung des traditionellen Finanzierungsrückgrates Bankkredit durch die oben erläuterten Baseler Beschlüsse geändert. 29 Die Folge ist, dass Unternehmen die Auswirkungen von den neuen Regelungen zu spüren bekommen und sich einer objektiven Beurteilung unterziehen müssen. Aufgrund ihrer Rechtsform und Größe bleibt den meisten mittelständischen Unternehmen ein Zugang zum Kapitalmarkt verwehrt, sie können daher kein zusätzliches EK durch den Verkauf von Anteilsrechten generieren. 30
2.2.3 Finanzierungsschwierigkeiten im Zuge der Finanzkrise
Aufgrund der oben genannten Tatsachen, der Umsetzung der Baseler Beschlüsse zum Jahresende 2006 sowie den überwiegend schwachen Finanzstrukturen mittelständischer Unternehmen, kamen Finanz- und dann Wirtschaftskrise zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Selbst Kreditinstitute bekamen Probleme bei der Refinanzierung, 31 besonders öffentlichkeitswirksam durch den Zerfall von Lehman Brothers und weiteren amerikanischen Banken zu verfolgen. 32 In Deutschland kam eine existenzbedrohende Krise bei der IKB Deutsche Industriebank sowie der Zerfall der Hypo Real Estate hinzu. 33 Die logische Konsequenz war, dass nun auch der Geldhahn für viele deutsche Unternehmen zunehmend enger gedreht wurde. Auf der einen Seite wollen Kreditinstitute nicht noch weitere Risikopositionen in ihr Portfolio aufnehmen und auf der anderen Seite auch ihr eigenes Eigenkapital schonen, da sie die Kredite folglich mit 8 Prozent EK hinterlegen müssen. 34
Dieses Verhalten der Banken hat zur Folge, dass zunächst nur Kreditnehmer mit hervorragender Bonität bedient werden. Bei allen weiteren Kreditnehmern wird eine viel umfassendere Prüfung stattfinden und der Kreditzins signifikant erhöht. Außerdem werden mehr Sicherheiten gefordert, die Kreditlinien gekürzt oder im ungünstigsten Fall das Kreditgesuch sogar vollständig abgewiesen. 35 Die Risiken
29 Vgl. Broda, B. (2003), S. 467f.
30 Vgl. Bieg, H./ Kußmaul, H. (2009), S. 68.
31 Vgl. Kleimaier, N. (2009), S. 12.
32 Vgl. Lieven, P. (2009), S. 221; siehe auch: Glebe, D. (2008), S. 128.
33 Vgl. Glebe, D. (2008), S. 119f.
34 Vgl. Oehler, A./ Kohlert, D./ Linn, A. (2009), S. 382.
35 Vgl. Broda, B. (2003), S. 468; siehe auch: Terliesner, S. (2009) S. 19.
7
für den Mittelstand, der aufgrund seiner chronischen Unterkapitalisierung in hohem Maße auf Fremdkapital angewiesen ist, sind eindeutig: Liquiditätsengpässe, im Endstadium Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz. 36 Dieser Prozess wird durch eine zunehmend schlechtere Zahlungsmoral der Abnehmer weiter dramatisiert und beschleunigt. Weltweit ist die Zahl von Forderungsausfällen im Jahr 2008 um 47 Prozent, in Deutschland um 25 Prozent gestiegen, 37 was zur Folge hat, dass Außenstände drastisch ansteigen und mehr und mehr „totes“ Kapital angehäuft wird. Da die Forderungen, durch eingeräumte Zahlungsziele, den größten Teil des Umlaufvermögens darstellen, ist jegliche weitere Bindung von Liquidität mit einer Erhöhung der Kapitalkosten eines Unternehmens verbunden. 38 Einen detaillierteren Aufschluss über Forderungsausfälle ergibt sich aus Tabelle 1.
Eine Studie von Creditreform (2008) belegt die aufgeführten Überlegungen mit konkreten Zahlen aus der Praxis: Demnach plant knapp ein Viertel der mittelständischen Unternehmen eine Aufnahme von Fremdkapital, für knapp ein Drittel aller befragten Unternehmen ist es bereits seit Herbst 2007 schwieriger, an Kredite zu gelangen. Besonders kritisch ist dies bei Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern zu beobachten, da hier sogar knapp 40 Prozent Schwierigkeiten haben, sich Liquidität zu beschaffen. Ähnliche Werte werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in einer Unternehmensbefragung ausgewiesen, die bei über 35 Prozent der Unternehmen einen erschwerten Kreditzugang als Ergebnis präsentiert. Zum Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von 6 Prozent. Auffällig ist ebenfalls, dass knapp 50 Prozent von den Unternehmen, die erschwerten Kreditzugang vermelden, Probleme haben, überhaupt einen Kredit (zu angemessenen Konditionen) zu erhalten. 39 Als Gründe werden hauptsächlich das Verlangen von höheren Sicherheiten, intensivere Prüfungen seitens der Bank und hohe Kreditzinsen genannt. 40 Ebenso zeigt sich in der Studie nochmals die besorgniserregende EK-Quote von unter 10 Prozent bei knapp einem Drittel der befragten Unternehmen. 41
In einer weiteren Veröffentlichung von Creditreform (2009) hat sich im Vergleich zum Vorjahr die Situation bereits weiter verschlechtert, die EK-Quote ist erneut um
36 Vgl. o.V. (2008), S. 29.
37 Vgl. o.V. (2009c), S. 16.
38 Vgl. Euler Hermes Kreditversicherungs-AG (2009a), S. 7.
39 Vgl. KfW (2009), S. 4f; siehe auch: BDI-Mittelstandspanel (2009), S.21.
40 Vgl. Simmert, D. (2009), S. 7.
41 Vgl. Creditreform (2008), S. 42f.
8
wenige Prozentpunkte gesunken. 42 Bedrohlich wirkt ebenso die hohe Anzahl an Insolvenzen in der ersten Jahreshälfte 2009, die mit 16.650 einen Anstieg von etwa 14% zum Vorjahreszeitraum beträgt. 43 Nachfolgend eine Tabelle zur Veränderung relevanter Kennzahlen (ausgewählter Positionen).
*Prognose
Tabelle 1: Veränderungen im Zuge der Finanzkrise 44
Da ein hoher EK-Anteil, wie erläutert, maßgeblich zur Bonitätseinstufung und zum Rating beiträgt, und somit auch die Kreditkonditionen elementar beeinflusst, kann die momentane Entwicklung aus Unternehmensperspektive nur negativ beurteilt werden. Besonders, wenn bedacht wird, dass viele Experten erwarten, dass sich die Zugangsbedingungen für Kredite weiter verschlechtern werden. 45 Für mittelständische Unternehmen, deren Situation sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschärft hat, stellt sich angesichts dessen nun verstärkt die Frage, welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten sich ihnen neben dem klassischen Bankkredit bieten. Vor diesem Hintergrund kommt Factoring in Betracht, da es dem Unternehmen Liquidität und obendrein einen hohen Grad an
42 Vgl. Creditreform (2009b), S. 20f.
43 Vgl. Goedeckemeyer, K. (2009), S. 32; siehe auch: Creditreform (2009b), S. 24.
44 Eigene Darstellung der Daten aus Creditreform (2009b), S. 20-24; i.V.m. KfW (2009), S.4.
45 Vgl. KfW (2009), S. 22.
9
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Niklas Knape, 2010, Factoring im Mittelstand - Instrument des Krisenmanagements im Zeichen der Finanzkrise, München, GRIN Verlag GmbH
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