Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Im Auftrag der Wissenschaft 4
III. Politisches Unternehmen 5
1. Auftakt: Nobile vs. Mussolini-Regime 6
2. Internationale Rettungsaktionen 7
3. Öffentliche Darstellung Nobiles 9
IV. Beiträge Italiens 11
1. Rettungsengagement 11
2. Zensur Nobiles 13
V. Fazit 15
VI. Quellen- und Literaturverzeichnis 17
2
I. Einleitung
„Wem gehört der Nordpol?
Seit der russische Duma-Abgeordnete Arthur Tschilingarow vor drei Wochen mit einer spektakulären U-Boot-Tauchfahrt die Nationalflagge in den Meeresgrund am Nordpol gerammt hat, sind die anderen Arktis-Anrainer aufgeschreckt. Völkerrechtlich war die Aktion wirkungslos, dafür aber symbolträchtig.“ 1
Dieser Auszug eines kürzlich im Spiegel erschienen Artikels, erinnert an die 1928 unternommene Expedition mit dem Luftschiff Italia, bei der am 24. Mai ein Holzkreuz von Papst Pius XI., eingewickelt in die italienische Trikolore über dem Nordpol abgeworfen wurde.
Die Expedition fand unter dem Kommando des General Umberto Nobile statt. Finanziert wurde sie von der italienischen Regierung. Das Luftschiff startete am 23. Mai von Spitzbergen aus in die Arktis. Begleitet von dem Versorgungsschiff Città di Milano, unter Kapitän Romagna, bestand die 18-köpfige Besatzung 2 überwiegend aus Italienern - darunter Wissenschaftler, Luftschiffmechaniker, Navigationsoffiziere und Funkspezialisten - sowie dem Tschechoslowaken Dr. Franz Bĕhounek, des Radio-Instituts in Prag und dem schwedischen Wissenschaftler für Ozeanographie Dr. Finn Malmgren. Die Dienstgrade der Expeditionsmitglieder zeigen, dass es sich hier offensichtlich um einen militärischen Auftrag handelte, wobei wissenschaftliche Forschungsarbeiten den Nordpol sowie das umliegende Crockenland erkunden sollten.
Auf dem Rückflug kam es jedoch aufgrund schlechter Wetterverhältnisse und technischer Komplikationen zum Absturz bei 81º 14’ nördlicher Breite und 25º 25’ östlicher Länge. 4 Bei
1 Der Spiegel 2007, Nr. 34, S. 136 - 138.
2 Auflistung aller Mitglieder mit Namen, Alter und beruflicher Qualifikation: Nobile (1929) S. 39f. 3 Karte aus: The London Times, 27. Juni 1928, S. 16, Sp. 4.
4 Koordinaten aus: Nobile (1929), S. 166.
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dem Absturz starben neun der achtzehn Männer. Die Rettung fand unter internationaler Beteiligung statt. Am 23. Juni wurde zunächst General Nobile von dem schwedischen Piloten Leutnant Einar Lundborg gerettet, wofür der italienische General später öffentlich diskreditiert wurde. Die übrigen Besatzungsmitglieder wurden am 16. Juli von dem russischen Eisbrecher Krassin unter Kapitän Samoilowitsch geborgen. Beide Ereignisse zeigen, dass den Erdpolen bis heute internationales Interesse zukommt. Was zunächst ein Wettlauf um ihre Entdeckung und Erforschung war, setzt sich mit der Erkenntnis über ihr Rohstoffvorkommen in einer territorialen Beanspruchung fort. So etwa über das Seerechtsübereinkommen von 1994 5 oder über geologische Expeditionen, bei denen Forscher nun beweisen wollen, dass ihre Länder mit dem Pol unterseeisch verbunden sind. Die vorliegende Seminararbeit thematisiert daher die Frage, ob die Expedition Italia zu rein wissenschaftlichen Zwecken unternommen wurde, oder ob sie vielmehr politische Propaganda des faschistischen Italiens war.
Zur Quellenlage lässt sich vorab sagen, dass außer dem Rechtfertigungsbericht Umberto Nobiles, auch die Berichte Lundborgs und Bĕhouneks, sowie Davide Giudicis, einem Korrespondenten der Corriere della Sera, wertvolle Informa-tionen liefern. Die zeitgenössischen Zeitungsartikel der internationalen Presse ent-hüllen außerdem den Umgang der italienischen Regierung mit der Expedition Italia vor der Öffentlichkeit. Schlechter sieht es auf dem Gebiet der Sekundärliteratur aus, denn außer den Werken von Hildenbrandt, Cross und Straub existiert innerhalb Deutschland nur wenig erhältliches Material. Leider machen die genannten Buchautoren keine Angaben zur Herkunft und Verlässlichkeit ihrer Informationen, obwohl Cross mit Nobile im Briefkontakt stand und weitere Überlebende der Expedition sogar persönlich befragte.
II. Im Auftrag der Wissenschaft
Von den drei Wissenschaftlern Pontremoli (Italiener), Malmgren und Bĕhounek, kehrte nur Letzterer von der Expedition zurück und kann daher als Einziger Zeugnis von den Forschungsergebnissen ablegen.
5 Das Seerechtsübereinkommen regelt die maritimen Ansprüche aller Staaten. Darin wird jeder Nation mit Zugang zum Meer eine 12-Meilen-Zone eingeräumt, die vollständig zum eigenen Staatsgebiet gehört. Außerdem erstreckt sich eine 200-Meilen-Zone, in welcher der betreffende Staat zumindest eingeschränkte Souveränitätsrechte besitzt. Sie erlauben alleinige Fischerei und Ausbeutung der Bodenschätze. Interessant ist dabei der Artikel 76 zur „Definition des Festland-sockels“, denn dieser ermöglicht submarine Ansprüche auch über die 200-Meilen-Grenze hinaus zu beantragen, wenn von einem Staat wissenschaftlich belegt werden kann, dass sich der eigene Festlandsockel unter dem Meer darüber hinaus fortsetzt. Überliefert in: http://archiv.jura.uni-saarland.de. Artikel 76 erlaubt somit eine „schleichende Kolonialisierung der Meeresböden“, so Schlindwein/Traufetter in: Der Spiegel 2007, Nr. 34, S. 138.
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Das wissenschaftliche Programm des Unternehmens sollte in erster Linie aus ozeanographischen Forschungen bestehen. Dazu gehörte auch die Messung der Meerestiefe 6 von Bord aus, die mit einem Schwimmer und dem Gewicht eines ablaufenden Drahtes hinunter auf den Meeresboden (Lotungsapparat) und einen gleichzeitig ablaufenden Papierstreifen die Tiefe bestimmte. Ein Wasserschöpfer aus Elektron und Hartgummi sollte das Sammeln verschiedener Wassertiefenproben 7 für chemische Analysen und Temperaturmessungen ermöglichen. Auf der Rückseite wurde zusätzlich ein Thermometer angebracht. Zunächst musste jedoch das bisherige Gewicht von 119 Kilo auf ein Minimum von 12 Kilo verringert werden.
Die meteorologischen Apparate auf dem Flug waren Registrierapparate für Messungen der Temperatur und des Feuchtigkeitsgrades der Luft, 8 Präzisionsthermometer, ein Fortin Barometer und ein Assmann Psychometer. Für die erd-magnetischen Forschungen 9 war überwiegend Professor Pontremoli zuständig. Auch hier sollten Messungen von Bord der Italia aus durchgeführt werden sowie, im Falle eines Personenabstieges oder einer Landung des Luftschiffes, Messungen auf dem Eis. Ersteres war vor allem wegen der Vibration der Motoren und des Einfluss des Windes problematisch. Die Erforschungen auf dem Gebiet der Luftelektrizität und der Radioaktivität oblagen Professor Bĕhounek. Er leitete die Anbringung der Apparate zur Untersuchung der elektrischen Leitfähigkeit der Atmosphäre und der Bestimmung ihrer Radioaktivität und Sendekraft. 10 Zwei fotografische Hand- und Kinoapparate, deren Handhabung Viglieri übertragen war, sollten außerdem landschaftliche Aufnahmen festhalten um gegebenenfalls neue Erkenntnisse über die Vegetation in der Arktis erlangen zu können.
Da die konkreten wissenschaftlichen Errungenschaften im Kontext dieser Arbeit aber nur von geringer Bedeutung sind, verweise ich an dieser Stelle lediglich auf das Ergänzungsheft Nr. 205 aus Petermanns Mitteilungen: Die Vorbereitungen und die wissenschaftlichen Ergebnisse der Polarexpedition der Italia, Verlag Justus, Gotha 1929.
III. Politisches Unternehmen
Auf den folgenden Seiten sollen die Faktoren herausgearbeitet werden, die das Unternehmen von 1928 zunehmend politisch beeinflussten, wodurch die einst wissenschaftlichen Motive in den Hintergrund rückten. Hierzu zählten auch die Differenzen Nobiles mit dem Mussolini-
6 Vgl.Bĕhounek, S. 81.
7 Vgl. Nobile, S. 40 - 43.
8 Vgl. ebd., S. 46 und Bĕhounek, S. 95.
9 Vgl. Nobile, S. 45f.
10 Vgl. Ebd., S. 46f.
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Arbeit zitieren:
Diana Ingeborg Klein, 2007, Expedition Nobile, München, GRIN Verlag GmbH
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