Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 BILDUNG DOPPELTER PERFEKTFORMEN 3
3 FUNKTION DOPPELTER PERFEKTBILDUNGEN. 4
3.1 DPF IN DER GESCHRIEBENEN SPRACHE 5
3.2 DPF IN DER GESPROCHENEN SPRACHE 10
3.3 HABEN UND SEIN 13
4 FAZIT 13
5 ANHANG 14
5.1 LITERATURVERZEICHNIS 14
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1 Einleitung
Obschon das Tempus eines der am besten und meisten untersuchte Forschungsgebiete der Sprachwissenschaft ist, gibt es dort dennoch „eine wenig ausgeleuchtete, düstere Ecke“ 1 : Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem in der Gegenwartssprache wieder verstärkt auftretenden Phänomen der Doppelten Perfekt- und Plusquamperfektbildungen. Für das von Bastian Sick scherzhaft „Hausfrauenperfekt“ 2 genannte Tempus gibt es eine Reihe von Bezeichnungen. Ein historischer Name ist das von Carl Friedrich Aichinger geprägte „Superplusquamperfekt“, in dessen Tradition auch die Bezeichnung „Superperfekt“ entstand. In etwa gleicher Häufigkeit treten die noch jungen Betitelungen „Perfekt II“ und Plusquamperfekt II“ auf 3 , die ich an dieser Stelle auch verwenden werde. In dieser Arbeit sollen vor allem die verschiedenen Funktionen der verschiedenen Formen an Beispielen untersucht werden, sowohl in geschriebener als auch in gesprochener Sprache, um herauszufinden, ob die Doppelten Perfektbildungen wirklich nur ein Phänomen der gesprochenen Sprache sind. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es auch in Beschreibungen der Standardsprache aufgenommen werden sollte 4 . Die die diachrone Untersuchung der Entstehung dieser Formen wird an dieser Stelle außer Acht gelassen; es handelt sich um eine ausschließlich synchrone Betrachtung, die auf die wichtigsten Theorien und Arbeiten zu diesem Thema zurückgreift, sie zusammenstellt und vergleicht. Gesondert werden dabei die Bereiche „geschriebene Sprache“ und „gesprochene Sprache“ betrachtet sowie im letzten Unterpunkt die unterschiedlichen Funktionen von haben und sein in beiden Varianten.
2 Bildung doppelter Perfektformen
Bevor im nächsten Kapitel die Funktionen bzw. Verwendungsweisen der doppelten Perfektformen (DPF) näher betrachtet werden, soll an dieser Stelle geklärt werden, was genau unter diesem Begriff zu verstehen ist.
Diese Bezeichnung ist eigentlich ein Oberbegriff für mehrere grammatische Phänomene 5 , von denen in dieser Arbeit jedoch nur das Perfekt II („Doppelperfekt“) und das
1 Rödel, Michael: Doppelte Perfektbildungen und die Organisation von Tempus im Deutschen, Tübingen 2007, S. 9.
2 Sick, Bastian: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Folge 1 - 3 in einem Band, Köln 2008, S. 186.
3 Rödel, S. 12.
4 ten Cate, Abraham P.: Wie viele Tempora hat das Deutsche?, in: Engerer, Volkmar (Hg.): Tidsskrift for Sprogforskning Nr. 2, Århus 2004, S. 83.
5 Litvinov, Viktor P. und Radþenko, Vladimir I.: Doppelte Perfektbildungen in der deutschen Literatursprache,
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Plusquamperfekt II näher betrachtet werden sollen. Diese Formen werden wie folgt gebildet: Auxiliar (haben/sein) im Präsens/Präteritum/Konjunktiv + Partizip II + Auxiliar im Partizip II.
Dazu folgende Beispiele:
„Ik hab et mal wieder verjessen jehabt.“ 6 Perfekt II:
„Längst habe er sich als zäher Kavalier erwiesen gehabt.“ 7
„Ich hatte die Vase schon mal geklebt gehabt.“ 8 Plusquamperfekt II:
3 Funktion doppelter Perfektbildungen
In der Tempusforschung der 60er und 70er Jahre, die das Thema „Doppelte Perfektbildungen“ gerade erst wieder für sich entdeckt hatte, gab es zum Vorkommen der Konstruktionen viele unterschiedliche Interpretationen 10 . Die Thesen schwankten von einer ausschließlich in der Umgangssprache oder in einem Dialekt verhafteten Existenz bis hin zur Verwendung im Umgangs- und Schriftsprache 11 . Erst die umfangreiche Arbeit von Litvinov/Radþenko aus dem Jahr 1998, die aus über 400 Texten Belege gesammelt hatten, bezeugte eindeutig die Literaturfähigkeit dieses Phänomens 12 , doch hat sich der Grundtenor der Diskussion kaum verändert 13 , ebenso die Beantwortung der Frage, ob es sich bei diesen Konstruktionen wirklich um eigene Tempora handelt. Rödel zeigt in einer Übersicht seit 1920, dass insgesamt fast die Hälfte aller aufgeführten Grammatiken die DPF völlig vernachlässigen. Dennoch fällt auf, dass seit Mitte der Neunziger bis auf zwei Ausnahmen alle dargestellten Werke die DPF erwähnen und meist als (nicht-Standard-)Tempora einstufen 14 . Eine gängige, allgemein gültige Auffassung über die Funktion der DPF lautet,
Tübingen 1998, S. 27ff.
6 Hauptmann, Gerhart. Siehe: Ebd., S. 226.
7 Loest, Erich. Siehe: Ebd., S. 122.
8 Hörbeleg. Siehe: Ebd., S. 42.
9 Loest, Erich. Siehe: Ebd., S. 122.
10 Hauser-Suida, Ulrike und Hoppe-Beugel, Gabriele: Die Vergangenheitstempora in der deutschen geschriebenen Sprache der Gegenwart. Untersuchung an ausgewählten Texten, München 1972, S. 256.
11 Ebd.
12 Rödel, S. 16.
13 Ebd., S.17.
14 Ebd., S. 21ff. sowie S.36.
4
dass sie vor allem zur Bezeichnung von Vor-Vorzeitigkeit verwendet werden 15 . Dass diese Annahme jedoch nicht das ganze Spektrum der Verwendungsweisen beschreibt, haben Untersuchungen bereits gezeigt 16 und soll im Folgenden dargestellt werden. Denn die deutsche Sprache verfügt ja eigentlich mit dem Plusquamperfekt schon über ein Mittel, die Vor-Vorzeitigkeit deutlich zu machen. Ob diese Funktion jedoch heute noch in allen Bereichen der Gegenwartssprache in dieser Form angewendet wird, ist eine andere Frage 17 . Allen unter dem Oberbegriff der „doppelten Perfektbildungen“ laufenden
Konstruktionen ist jedoch gemein, dass die Kombination zweier Partizipien II, wie bereits unter Punkt 2 ausgeführt, ein tragender Bestandteil ist 18 . Dies gilt, wie im Folgenden aufgeführt, sowohl für die geschriebene als auch für die gesprochene Sprache.
3.1 DPF in der geschriebenen Sprache
Allgemein betrachtet lässt sich zunächst feststellen, dass die doppelten Perfektbildungen in der geschriebenen Sprache differenzierter verwendet werden als in der gesprochenen Sprache. Das bedeutet, dass hier eine größere Anzahl an Funktionsweisen Verwendung finden 19 . Am häufigsten treten indikativisches Doppelperfekt und Doppelplusquamperfekt in der deutschen Sprache auf 20 , die konjunktivische Variante wird anschließend als eigener Unterpunkt im Bereich der Schriftsprache behandelt. In geschriebenen Äußerungen wird in der Regel eine Interpretation der DPF im Kontextzusammenhang vorgeschlagen. Dabei werden folgende Funktionen zugrunde gelegt 21 :
a) Durch die Verwendung der DPF wird ein Referenzpunkt, d.h. ein intermediärer Zeitpunkt impliziert, der nicht lexikalisch, also durch Nennung einer Handlung, dargestellt wird 22 . Dazu ein Beispiel:
„Gleichzeitig tauchte Jadassohn wieder auf, der verschwunden gewesen war, man wußte nicht wohin. 23 “
15 Vgl. u.a. Breuer, Christoph und Dorow, Ralf: Deutsche Tempora der Vorvergangenheit, Trier 1996.
16 Vgl. Litvinov/Radþenko.
17 Porath, Christine: Tempuswandel. Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfektbildungen im Deutschen, München 2007, S. 7.
18 Rödel, S. 15.
19 Porath, S. 7ff.
20 Rödel, S. 14.
21 Porath, S. 8.
22 Ebd.
23 Mann Thomas. Siehe: Litvinov/Radþenko, S. 113.
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Arbeit zitieren:
Vanessa Drossel, 2010, Bedeutung und Funktion der doppelten Perfektbildungen, München, GRIN Verlag GmbH
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