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/die Werbung/
Wenn man heute irgendjemanden auf der Straße fragt, was die Freiheit für ihn bedeutet, würde er wahrscheinlich antworten: die Freiheit ist für mich die Möglichkeit das zu machen, was ich will. Ein solches Verständnis von der Freiheit ist derzeit zweifellos sehr populär. Der heutige Mensch könnte sich selbst fragen, ob ein anderes Verständnis überhaupt vorhanden ist? Vielleicht einst, aber das ist bestimmt lange her. Wenn man aber das Problem im historischen Kontext betrachtet, dann ergibt sich daraus, dass dieses Begreifen in der Tat etwas ganz Neues ist. Freiheit erscheint in diesem Zusammengang vielmehr als ein sozialer und historischer Begriff als ein universalistischer Teil der menschlicher Natur. Laut Bauman ist die Vorstellung des menschlichen Wesens als freies mit der Art der Gesellschaft verbunden, nämlich in dem diese Vorstellung geschaffen wurde. Bauman meinte damit westliche, kapitalistische Gesellschaften. Deswegen äußert sich das freie Individuum als eine historische Idee, ebenso wie die Gesellschaften, zu denen das Individuum gehört. Wenn Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling mit der Behauptung recht hat, dass sowohl der Anfang als auch das Ende jeglicher Philosophie das Problem der Freiheit ist, und man daraufhin die Frage nach der Freiheit untersucht, könnte man dieses kulturelle, historische und soziale Phänomen also die Postmoderne in einem ganz neuen Licht sehen. Das Ziel meiner Arbeit ist also den Zusammenhang zwischen beiden Begriffen im Geiste Z. Bauman zu greifen.
An die oben genannte Werbung angeknüpft - Es stellt sich die Frage woher also beim zeitgenössischen Menschen diese Überzeugung von der Freiheit kommt? Bauman sieht die Genese dessen im alltäglichen Denken, das durch die juristische Praxis geprägt ist. Im Recht ist der Mensch als freies Subjekt zu verstehen. Der Erwachsene ist für seine Taten verantwortlich. Leute unterschreiben in ihrem alltäglichen Leben verschiedene Verträge, nehmen unterschiedliche Verpflichtungen auf sich, legalisieren ihre Beziehungen (die Institution der Ehre) usw. Menschen denken darüber nicht nach, sie machen das sozusagen automatisch, halten diese Tätigkeiten für normal, allgemein und für natürlich. Dies ist noch dadurch verstärkt, dass Andere im größten Teil das auch machen. Die Anwesenheit des Rechtes war im menschlichen Leben (auf der Ebene des Individuums) noch nie so intensiv, so entwickelt und so allumfassend wie heutzutage. Es gibt immer weniger menschliche Tätigkeiten, die nicht durch das Recht beschrieben oder beurteilt sind. Dabei ist besonders interessant, dass sich die äußerlichen
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Kontrolle (die aber noch vorhanden ist, aber nicht so stark wie früher) in innere Kontrolle verschoben hat. Menschen internalisieren (fr. intérieur) äußerlichen Zwang, äußerliche Normen und halten die für die eigenen. "Der Aufseher, der Vorarbeiter, der Lehrer, sie alle verschwinden -zusammen mit ihrer Macht, Zwang auszuüben. Dies ist nun Sache der Selbstüberwachung, der Selbstprüfung und Selbstanleitung" 1 schreibt Bauman. Deswegen ist die Idee des Panoptikums vom britischen Philosophen Jeremy Benthams als Metapher für die Gesellschaft nicht mehr gültig (mehr über das Panoptikum im weiteren Teil der Arbeit). Dies alles ist zweifellos mit dem Prozess der Individualisierung verbunden. Unter diesem Begriff versteht man einen Prozess des Übergangs des Individuums von der Fremd-zur Selbstbestimmung. Bauman nimmt Bezug auf Werke von u.a. E. Durkheim, G. Simmel, Z. Freund, N. Elias, N. Luhmann, M. Weber und auch auf viele zeitgenössische Soziologen. Bauman betont, dass obgleich viele von diesen Theorien scheinbar im Widerspruch miteinander stehen, sind sie hinsichtlich des Prozesses der Individualisierung komplementär. Die Arbeitsteilung, die Selbstdisziplinierung der Individuen, der Prozess der Entzauberung der Welt, die soziale Beweglichkeit, Gewinn-Verlustsrechnung usw. tragen ebenso viel dazu bei. Der Prozess der Individualisierung kann also in zwei Phasen unterteilt werden: Erstens beginnt der historisch gewachsene Individualisierungsprozess mit der Herausbildung einer modernen bürgerlichen Gesellschaft zu den Zeiten der Industrialisierung. Dieser Prozess, bei dem eine erweiterte Arbeitsteilung gleichzeitig mit einer Schwächung sozialer Bande einhergeht, wird unter anderem von oben genannten Georg Simmel und Emile Durkheim beschrieben. Dies zeigte sich in der Zunahme von ökonomisch und utilitaristisch geprägten Beziehungen einerseits und dem damit einhergehenden Rückzug der Großfamilie und dem Zerfall der dörflichen Gemeinschaften andererseits. Dem Zerfall traditioneller Bindungen steht eine zunehmende Selbstbestimmung des Individuums gegenüber. Die zweite Phase des Individualisierungsprozesses wird von den Soziologen seit Ende der 1950er Jahre beschrieben. Nach Anthony Giddens und Ulrich Beck entwickelt sich in der gegenwärtigen postmodernen Gesellschaft eine qualitativ neue Radikalisierung dieses Prozesses. Alte gesellschaftliche Zuordnungen wie Stand und Klasse werden immer weniger wichtig. Der zunehmende Zwang zur reflexiven Lebensführung geht mit einer Steigerung der Bildung einher, die Pluralisierung von Lebensstilen nimmt weiter zu, Identitäts-und Sinnfindung wird zur individuellen Leistung. Dies wird zusätzlich durch eine Veränderung des staatlichen und ökonomischen Rahmens weiter gefördert. Individualisierung oder anders gesagt Atomisierung ist also in den postmodernen Zeiten im reifen Zustand.
1 Z. Bauman Flaneure, Spieler und Touristen. Essays zu postmodernen Lebensformen; S. 184
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Dies alles hat eine neue historische Situation verursacht, in der der zeitgenössische Mensch als ein „ewiger Wanderer“ bezeichnet werden kann. "Wir sind immer noch unterwegs, aber wir wissen nicht mehr wohin" 2 schreibt Bauman und stellt er verschiedene postmoderne Lebensstrategien vor:
„Flaneure betrachten Episoden aus dem Leben anderer Menschen, denen sie im vorübergehen begegnen, zum Zeitvertreib, wobei diese Art der Begegnung kein Engagement erfordert und keine Konsequenz hat. Vagabunden hingegen sind heimatlos. Sie streifen durch ihr Leben, ohne ein klares Ziel zu haben, so dass sie selbst nicht wissen, für welchen Weg sie sich entscheiden und wann sie ihn wieder verlassen werden. Dabei bleibt der Vagabund, wohin er sich auch bewegt, ein Fremder. Touristen sind ebenfalls andauernd in Bewegung, wobei sie durch eine ruhelose Unzufriedenheit und dem Wusch nach immer neuen, kuriosen Erfahrungen motiviert werden. Der Spieler schließlich lebt sein Leben wie ein Spiel ohne dauerhafte Konsequenzen, wobei die Mitmenschen lediglich als wechselnde Mitspieler wahrgenommen werden. Die menschlichen Bedingungen werden dadurch fragmentarisch und diskontinuierlich. Es werden keine festen Bindungen eingegangen, keine dauerhaften Netzwerke geknüpft, um langfristige Konsequenzen und Pflichten zu vermeiden“ 3 . Einzelne Ereignisse - das ist alles, was heutzutage existiert. Bauman benutzt auch die Metapher des Spaziergängers. „Begegnungen als Vergegnungen ohne Auswirkung“ 4 -Es gibt nicht mehr als das zufällige Treffen. Mit-Sein statt Für-Sein. Deswegen hört man immer öfter von der Einsamkeit in den Menschenmassen. Die Konsumenten teilen den Raum, aber es entsteht keine Interaktion: „Wie voll und überfüllt diese Orte des Konsums auch immer sein mögen, beim kollektiven Konsum gibt es nichts Kollektives“ 5 . Leute sind einerseits zusammen, andererseits ist jeder für sich selbst. Die Freiheit ist groß, wie nie zuvor, weil der heutige Mensch, „der ewige Wanderer“ tolerant ist. Im Vergleich zu Früher totalisiert der Mensch die Welt, wie er sie wahrnimmt, weniger. Er lässt andere Einstellungen, andere Meinungen und andere Stile wesentlich mehr zu (Es wird im historischen Kontext betrachtet und beurteilt. Bauman meinte damit natürlich nicht, dass alle derzeit überaus tolerant sind). Die Kosten dafür sind jedoch fehlende Autorität, fehlende Solidarität und das Gefühl der Unzugehörigkeit: "Man denkt an Identität, wann immer man nicht sicher ist, wohin man gehört" 6 betont Bauman. Außerdem entscheidet sich der zeitgenössische Mensch zufolge seiner Besonnenheit und seinem Wissen selbst, aber auf eigene Gefahr und auf eigene
2 ibid. S.61
3 T. Kron/M. Reddig Zygmunt Bauman: Die ambivalente Verfassung moderner und postmoderner
Kultur; S. 373
4 Z. Bauman Flaneure, Spieler und Touristen. Essays zu postmodernen Lebensformen ; S.150
5 Z. Bauman Flüchtige Moderne; S. 117 nach T. Kron/M. Reddig Zygmunt Bauman: Die ambivalente
Verfassung moderner und postmoderner Kultur; S. 374
6 Z. Bauman Flaneure, Spieler und Touristen. Essays zu postmodernen Lebensformen ; S.134
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Verantwortung. „Im postmodernen Zeitalter muss der Einzelne seine Lebensgestaltung selbst planen und sich eine Identität schaffen. Er muss allein entscheiden, an welchen kulturellen Mustern er sich bei dieser individuellen Selbstkonstruktion orientieren will. Das bedeutet allerdings auch, dass die Angst vor Ungewissheit und Versagen unmittelbar auf dem Einzelnen lastet und nur durch individuelles Handeln abgewehrt werden kann“ 7 . Das oberste Prinzip, von dem sich das neue Subjekt also der postmoderne Mensch leiten lässt, ist -„Ich will“. Individuum wird als Konsument bezeichnet. Der Mensch gilt in der Postmoderne als ungezwungen, er wählt selbst, was er will. De gustibus non est disputandum Über Geschmack darf man nicht streiten.“
Dies alles (u.a. die postmodernen Lebensstrategien) hat dazu geführt, dass sich die Freiheit in der grenzlosen Welt des Konsums verwirklicht. „Die späte kapitalistische Gesellschaft in ihrer Konsumphase erlaubt es den Menschen sich ihrer Freiheit auf eine viel größere Art und Weise zu erfreuen als jede andere vergangene oder moderne Gesellschaft“ 8 schreibt Bauman. In diesem Moment würde ein scharfblickender Leser wahrscheinlich fragen: Warum in den Zeiten der heftigen Kritik des Konsumismus wird dieser von Bauman gelobt wird? Zuerst bedeutet das nicht, dass Bauman zum konsumieren kritiklos aufruft. Er lobt ihn, zum einen, weil er den Konsumismus vor allem hinsichtlich der Freiheit betrachtet, zum anderen, weil die Welt des Konsums für ihn auch gute Seiten hat. Leute wie beispielsweise ich, die im Grunde genommen nur die kapitalistische Welt kennen, bemerken viele Sache nicht oder nehmen sie einfach für selbstverständlich. Es ist halt so, dass Menschen viele Sachen erst dann schätzen, wenn sie sie verloren haben. Wir gewöhnen uns sehr einfach an Luxus und halten das später für Standard.
Ein berühmter amerikanischer Anthropologe Ralph Linton beschreibt, dass die letzte Sache, die ein im Meeresgrund lebender Fisch entdeckt, wahrscheinlich Wasser wird. Solch einer Fisch kann das Vorhandensein des Wassers nur dann entdecken, wenn er durch irgendwelchem Zufall aufs Land weggeworfen wird und dadurch die Luft kennen lernen wird. Bauman ist in dieser Lage, in der man sowohl „Wasser“(Kapitalismus) als auch „Luft“(Sozialismus) oder sogar noch mehr kennt. Bauman, der im Jahre 1925 in Posen geboren wurde, ist durch die Erfahrungen des nationalsozialistischen und kommunistischen Totalitarismus, des Krieges und des Exils geprägt worden. Seit 1968 hält er sich in Großbritannien auf, ein Beispiel für die liberalistischste Wirtschaft in Europa. Bauman kennt aus eigener Erfahrung Großbritannien unter der Leitung von Margaret Thatcher. Er ist also durch das Schicksal sozusagen besser geeignet, den Kapitalismus abzuschätzen. Das Lob der Konsumgütergesellschaft ist auch durch die Kritik der
7 T. Kron/M. Reddig Zygmunt Bauman: Die ambivalente Verfassung moderner und postmoderner
Kultur; S. 372
8 Z. Bauman Wolnosc (Freiheit); S. 55
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einzigen historischen Alternative verstärkt. Bauman meint damit die UdSSR und andere Ostblockstaaten. Er bezeichnet sie als bürokratische Diktaturen auf Bedürfnisse. Trotz allem ist die Freiheit in den spätkapitalistischen Gesellschaften im Vergleich zur damaligen UdSSR mindestens vorhanden.
Was aber bedeutet eigentlich diese grenzlose Welt des Konsums? Auf diese Frage adhoc antworten zu können ist natürlich unmöglich. Bauman hält es für angebracht, zuerst den Beginn der Konsumgütergesellschaft anzuschauen. Er sieht diesen Anfang in „der großen Wirtschaftskrise“ der 30er Jahre des XX. Jahrhunderts. Die amerikanische Antwort darauf, also die Politik „New Deal“, die von Franklin Delano Roosevelt in Gang gebracht wurde, gilt für ihn als Symbol der neuen Form des Kapitalismus. Der „New Deal“ half nämlich bisherige Bedrohungen der gesellschaftlichen Ordnung, die durch zyklische, wirtschaftliche Krisen ausgelöst wurden, hochgradig zu reduzieren. Die Idee des „New Deal“ war sehr einfach und eben dadurch sehr wirksam. Die „New Deal“ Revolution, die aus jedem Bürger vor allem ein Verbraucher gemacht hat, zeigte sich genial. Je mehr Leute kaufen werden, desto größer wird die Produktion. Deshalb regte Roosevelt zum Verbrauch an.
Die riesige Menge der Arbeiter, der Angestellten usw., die unterstützend durch billige Kredite plötzlich auch Verbraucher wurden, sind dadurch eine neue, starke Erwerbskraft geworden. Im Endeffekt hat das einen ganz neuen Warenabsatz, das „Land der Verheißung“ für Hersteller geöffnet. Bauman schreibt, dass der Durchbruch so groß war, dass es eigentlich nur mit „den großen geographischen Entdeckungen“ verglichen werden kann. Damals wurde durch diese Entdeckungen ebenfalls neue Absatzgebiete geöffnet.
Die Welt des ständigen Konsums ist laut Bauman vollkommen demokratisch, wie in einem Spiel, in dem alle gewinnen können (das Gegenteil zum „Nullsummespiel“). Außerdem kann die Anzahl der Spieler statt zu sinken immer steigen. Das ist sogar von Vorteil, denn das treibt die Produktion, den Markt an. Die Freiheit in dieser Welt ist deswegen wesentlich egalitärer im Vergleich zu den vorigen Epochen. Die heutige Welt erschafft dem Menschen einerseits die Möglichkeit der Autokreation durch die Konsumption, aber andererseits verlangt sie von ihm ständige Fähigkeit zur Veränderung, Redefinition. Die Möglichkeit durch die Vermittlung des Markts eigener Identität zu schöpfen, ist in der Postmoderne für Jeden erhältlich. Der Aufenthalt im „Supermarkt“ ist für das Individuum ein Moment der Selbstbestimmung. "Regime der Selbstformung, die von Waren des Marktes bedient wird" 9 sagt Bauman. Der Markt bietet eine breite Auswahl symbolischer Güter. Es geht hier vor allem um die Visualität, denn sie spielt
9 Z. Bauman Flaneure, Spieler und Touristen. Essays zu postmodernen Lebensformen; S. 185
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Arbeit zitieren:
Konrad Krzeminski, 2006, "Freiheit und Postmoderne im Geiste Z. Bauman" und "Vom Schuhputzer zum Millionär - Ist der Mythos noch erfüllbar?", München, GRIN Verlag GmbH
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