Danksagung
Mein Dank gilt vor allem Prof. Dr. Christian Schade für die Unterstützung bei der Ausgestaltung des behandelten Themas sowie für das entgegengebrachte Vertrauen. Die vielfältigen Hinweise und die kritische Begleitung waren bei der Erstellung der Arbeit von großer Hilfe. Seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dipl.-Kfm. Tobias Krebs danke ich insbesondere für die unzähligen praktischen Ratschläge.
Diese Arbeit wäre jedoch nicht ohne die wunderbare Unterstützung meiner lieben Freunde möglich geworden. Zahlreiche kritische Bemerkungen, aber auch die oft vernommenen Worte der Aufmunterung, inspirierten mich immer wieder neu. Ich danke Kathrin Reinhold, Manuela Dreyer, Mascha Pachomow, Mahjar Roshanai und René Schörnick für die zeitintensive Durchsicht und Fehlerkorrektur. Ein besonderer Dank geht an Jan Steinhagen, der mir bei der optischen Gestaltung der Arbeit zur Seite stand. Ignacio Hermo danke ich herzlich für die hilfreiche Unterstützung bei der oft nicht einfachen Literaturbeschaffung.
Stefan Scholz
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. VI
Tabellenverzeichnis. VII
1. Einleitung. 1
1.1 Motivation. 1
1.2 Vorgehensweise. 3
2. Unternehmerdefinition - eine Abgrenzung. 4
3. Theorien zur Unternehmerpersönlichkeit. 10
3.1 Erkenntnisse der allgemeinen Persönlichkeitspsychologie. 10
3.1.1 Persönlichkeit und Persönlichkeitsmerkmale. 10
3.1.2 Konsistenz im Verhalten. 12
3.2 Unternehmerbezogene Persönlichkeitsforschung. 13
3.2.1 Merkmalsorientierter Forschungsansatz (trait approach) 14
3.2.1.1 Persönlichkeitsmerkmale des Unternehmers - ein Portfolio. 15
Das Leistungsmotiv (need for achievement) 16
Internale Kontrollüberzeugung (Internal Locus of Control) 21
Risikobereitschaft (Risk taking propensity) 25
Ambiguit ätstoleranz (tolerance for ambiguity) 30
Kreativit ät und Innovation. 31
Unabh ängigkeitsstreben (need for autonomy) 33
Selbstwirksamkeit (self-efficacy) und das Konzept
des Adversity Quotient (AQ) 34
Weitere Persönlichkeitsmerkmale - ein Überblick. 36
Interaktion untersuchter Merkmale. 38
Unternehmertum und Erfolg - der Einfluss von
Pers önlichkeit und anderen Faktoren. 39
3.2.1.2 Kritische Bemerkungen und Empfehlungen. 40
3.2.1.3 Abschlussbemerkung. 43
3.2.2 Dynamisch-prozessualer Ansatz. 43
- IV -
3.2.3 Weitere Forschungsschwerpunkte - eine Auswahl. 46
3.2.3.1 Situativ-interaktive Sichtweise des Attitude-Approach. 46
3.2.3.2 Typologische Forschungsansätze. 47
3.2.3.3 Unternehmerische Orientierung und ihre Beziehung zur
Unternehmerpers önlichkeit. 49
3.3 Demographische Einflüsse. 51
3.3.1 Arbeitsplatzes und (Un-)Zufriedenheit. 52
3.3.2 Arbeitserfahrung. 52
3.3.3 Alter. 52
3.3.4 Geschlecht, ethnische Herkunft und kulturelle Einflüsse. 53
3.3.5 Bildung. 53
3.3.6 Rolle der Eltern. 53
4. Ein integratives Gesamtmodell zur Evidenz der unternehmerischen
Pers önlichkeit. 55
4.1 Der Unternehmer und sein Umfeld. 55
4.2 Modell der unternehmerischen Disposition. 57
4.2.1 Persönlichkeit. 59
4.2.2 Umwelt. 59
4.2.3 Situative Wahrnehmung. 60
4.2.4 Einflussnahme und Wirkungsbereich. 61
4.2.5 Auslösendes Ereignis, Intention und Gründungsaktivität. 62
5. Schlussbetrachtungen. 63
Literaturverzeichnis. 66
- V -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Creation Value Performance Modell.
Abbildung 2: Modell des unternehmerischen Potentials.
Abbildung 3: Modell der unternehmerischen Disposition.
- VI -
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Leistungsmotiv und Unternehmerpersönlichkeit. 18
Tabelle 2: Leistungsmotiv und unternehmerischer Erfolg. 21
Tabelle 3: Kontrollüberzeugung und Unternehmerpersönlichkeit. 23
Tabelle 4: Kontrollüberzeugung und unternehmerischer Erfolg. 25
Tabelle 5: Risikoneigung und Unternehmerpersönlichkeit. 28
Tabelle 6: Risikoneigung und unternehmerischer Erfolg. 29
- VII -
„Entrepreneurship is the ability to create something from practically nothing. It is initiating, doing, achieving, and building an enterprise rather than just watching, analysing or describing one. It is the knack of sensing op-portunities where others see chaos, contradiction and confusion. It is the ability to build a ‘founding team’ to complement your own skills and talents. It is the knowledge to find, marshal and control resources [ ... ] Finally it is the willingness to take calculated risks [ ... ] - and then do everything possi-
1.Einleitung
1.1 Motivation
Kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) kommt bei Wirtschaftswachstum und der Schaffung neuer Arbeitsplätze eine besondere Bedeutung zu (Frese/Chell/Klandt, 2000, S. 3). Dies gilt insbesondere für Unternehmen innovativer Hochleistungstechnologien (Audretsch, 2002, S. 122 1 ; Licht/Nerlinger, 1997, S. 203). Insgesamt 99 % aller deutschen Unternehmen zählen zum Kreis des Mit-telstandes, fast 70 % der verfügbaren Arbeitsplätze können diese Unternehmen auf sich vereinigen (BMWi, 1997, S. 16).
Shane (1996, S. 747) zeigt, dass 80 % aller neu geschaffenen Stellen auf Neugründungen zurückzuführen sind. Eine direkte Korrelation zwischen Arbeitslosenquote und unternehmerischer Aktivität wurde zudem in einer multinationalen Studie direkt nachgewiesen (Bögenhold/Staber, 1990).
Unternehmertum kann somit als eines der zentralen Aspekte zur Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen angesehen werden (Stewart, 1996, S. 3). Doch wie entsteht Unternehmertum? Welche Voraussetzungen stimulieren Erfolg versprechende Gründungsaktivitäten?
1 Audretsch (2002, S. 111) ermittelt in eigenen Studien, dass kleine- und mittelständische Hochtechnologiefirmen die
treibende Kraft bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze sind.
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Die Forschung der letzten vierzig Jahre hat gezeigt, dass ein Zusammenspiel psychologischer, soziologischer, demographischer und wirtschaftlicher Aspekte bei der Beantwortung beider Fragen zu berücksichtigen ist (u. a. Hisrich, 2000, S. 93; Stewart, 1996, S. 6; Cunningham/Lischeron, 1991, S. 46; Sexton/Bowman, 1985, S. 138). Die Gründung eines Unternehmens ist zudem mit hohen finanziellen, gesellschaftlichen und beruflichen Risiken verbunden (Brockhaus, 1982, S. 46). Zentrales Element innerhalb dieses Prozesses ist und bleibt deshalb der Unternehmer selbst (vgl. Cromie/O‘Donaghue,1992, S. 66).
Dies wirft die Frage auf, wie der potentielle Unternehmer agiert, wie er denkt, letztlich, welche spezifische Persönlichkeitsstruktur er aufweist, und ob diese in allgemeiner Form überhaupt existiert. Ist es zudem sinnvoll und notwendig, den Unternehmer zu begreifen, um den Unternehmensgründungsprozess zu verstehen und zu beeinflussen?
Ein Diskurs zwischen William B. Gartner (1988) und Carland, Hoy und Carland (1988) soll darauf eine Antwort geben. Gartner (1988, S. 11) kritisiert, dass die Frage nach dem „Wie“ (entsteht Unternehmertum) mit „Wer“ (ist der Unternehmer) beantwortet wird und eine separate Betrachtung von Unternehmer und Unternehmertum nicht möglich ist: „How can we know the dancer from the dance?“ Doch wenn wir den Tänzer nicht aus dem Tanz heraus erkennen können, dann bedeutet dies, dass beide untrennbar miteinander verbunden sind. Es ist also nicht möglich, das eine ohne das andere Konzept zu begreifen. Das Verständnis unternehmerischer Aktivität setzt fundiertes Wissen über diejenigen voraus, die in entscheidendem Maße diese Aktivität bestimmen und verantworten. Den Unternehmer in seiner Persönlichkeit zu definieren, ist demzufolge ein wesentlicher Schritt, um die Frage nach dem „Wie” zu beantworten (Carland et al., 1988, S. 34-35). Die psychologische Literatur lässt keinen Zweifel daran erkennen, dass die Persönlichkeit einen entscheidenden Einfluss auf Ausbildung und Berufswahl ausübt (Carland et al., 1988, S. 37). Persönlichkeitsmerkmale sind, der breiten Auffassung der Entrepreneurship-Forschung folgend, zudem für das Gesamtverständnis des Gründungsprozesses von wesentlicher Bedeutung (Cromie, 2000, S. 9;
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Rauch/Frese, 2000, S. 102; Carland/Carland/Stewart, 1996, S. 10; Stewart, 1996, S. 6; Greenberger/Sexton, 1988, S. 7).
1.2 Vorgehensweise
Die vorliegende Arbeit ist in vier weitere Abschnitte gegliedert. Zuerst wird über eine historische Analyse eine Arbeitsdefinition des Unternehmers entwickelt. Der darauffolgende Abschnitt befasst sich detailliert mit der zur Unternehmerpersönlichkeit vorliegenden Literatur und diskutierten Theorieansätzen. Im Anschluss wird ein Modell entwickelt, dass die Stellung der Unternehmerpersönlichkeit im und seine Bedeutung für den unternehmerischen Prozess herausstellt. Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung.
Neben der grundsätzlichen Problematik der allgemeinen Unternehmerpersönlichkeit soll gleichzeitig untersucht werden, welche Persönlichkeitsstruktur und Umgebungsvariablen erfolgreiche Unternehmer kennzeichnen. Diese Differenzierung erscheint in folgender Hinsicht sinnvoll: Die Antwort auf die erste Fragestellung ermöglicht es, potentielle Unternehmer generell zu bestimmen. Die Untersuchung des zweiten Aspekts führt zu einem besseren Verständnis möglicher Einflussfak-toren in Bezug auf eine positive Entwicklung des Gründungsunterfangens. Die Existenz einer unternehmerischen Persönlichkeitsstruktur ist nicht zwingend mit der Tatsache verbunden, erfolgreich zu sein (Utsch et al., 1999, S. 32; vgl. Begley/Boyd, 1987, S. 89-90).
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2. Unternehmerdefinition - eine Abgrenzung
Grundlage einer erfolgreichen wissenschaftlichen Studie ist die exakte Definition des Untersuchungsobjektes. Die prinzipielle Schwierigkeit einer Persönlichkeitsanalyse des Unternehmers liegt jedoch bereits in der Festlegung des Unternehmerbegriffs selbst (Chell/Harworth/Brearley, 1991, S. 1). Weder in der deutschen Literatur, noch im englischen Sprachraum konnte bisher eine befriedigende, allgemein gültige Definition gefunden werden (Stewart, 1996, S. 4; Cunningham/Lischeron, 1991, S. 45; Shaver/Scott, 1991, S. 23-24; Carland et al., 1988, S. 33; Gartner, 1988, S. 12). Erschwerend kommt hinzu, dass der deutsche Unternehmerbegriff semantisch keine vollständige Deckungsgleichheit mit dem aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammenden Entrepreneur besitzt (Zumholz, 2001, S. 12).
Gartner (1988, S. 12 und S. 21) bemerkt in Hinblick auf die vorliegenden Forschungsergebnisse:
„(1) that many (and often vague) definitions of the entrepreneur have been used (in many of the studies the entrepreneur is never defined); (2) there are few studies that employ the same definition; (3) that lack of basic agreement as to ‘who the entrepreneur is’ has led to the selection of samples of ‘Entrepreneurs’ that are hardly homogeneous. This lack of homogeneity occurs not only among the various listed, but actually within single samples [ … ]”
Der einheitlichen Definition des Unternehmerterminus kommt deshalb entscheidende Bedeutung zu, da die Begriffsbestimmung zum einen der Festlegung der
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empirischen Grundgesamtheit jeder Studie dient, und damit auf die jeweiligen Forschungsergebnisse erheblichen Einfluss ausübt, zum anderen die grundsätzliche Frage behandelt, wem sich die Gründungsforschung im Allgemeinen widmen sollte, und damit, wessen psychologisches Potential es zu analysieren gilt. Eine allgemein anerkannte Definition würde letztendlich die Entwicklung eines übergreifenden konzeptuellen Rahmens für alle Teilbereiche der Entrepreneurship-Forschung erleichtern (Stewart, 1996, S. 5).
Einen ersten Anhaltspunkt geben die etymologischen Wurzeln. Das Wort Entrepreneur ist demnach vom Französischen „entreprendre“ abgeleitet, was sinngemäß etwas unternehmen, versuchen, wagen bedeutet (Carland et al., 1988, S. 33). Gablers Wirtschaftslexikon (1997, S. 3949) sieht im Unternehmer eine „Persönlichkeit, die eine Unternehmung plant, mit Erfolg gründet und/oder selbständig und verantwortlich mit Initiative leitet, wobei sie persönliches Risiko oder Kapitalrisiko übernimmt“. Merriam-Webster‘s Collegiate Dictionary Online (2002) findet für den Entrepreneur eine ähnliche Erläuterung: „one who organizes, manages, and assumes the risk of a business enterprise“. Beide Definitionen basieren auf einer historischen Auseinandersetzung, die im Wesentlichen auf Richard Cantillon (1680-1734) zurückzuführen ist. Der irische Bankier und Ökonom erwähnte erstmals 1725 den „Entrepreneur“ und beschrieb ihn als einen rationalen Entscheider, der das Risiko und die Führung seiner Unternehmung übernimmt (Kuratko/Hodgetts, 1992, S. 5; Carland et al., 1988, S. 33). Eine zweigeteilte Systematisierung existierender Definitionsansätze nimmt Zumholz (2000, S. 12-13) vor. Zum einen stehen dort die an funktionalen Kriterien orientierten Begriffsauffassungen, wie sie hauptsächlich in der Volkswirtschaftslehre Verwendung finden. Unternehmertum ist dabei eng mit der Vorstellung ver-bunden, die allgemeine Wohlfahrt zu mehren (Kuratko/Hodgetts, 1992, S. 5). Dies gelingt dem Unternehmer durch die explizite Schaffung (Schumpeter, 1952) oder die Ausnutzung (Kirzner, 1973) von Marktungleichgewichten. Der Unternehmer agiert als Koordinator (Say, 1841) und trägt das Risiko seiner Unternehmung (Knight, 1921). Diese Sichtweise assoziiert Unternehmertum mit dem Gedanken, dass neue Kombinationen am Markt durchgesetzt werden können (Schumpeter, 1952), d. h. neue, innovative Leistungen entstehen (Cromie, 2000,
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S. 8). Drucker (1985, S. 26) sieht im Innovationsaspekt gar das entscheidende Kriterium für die Charakterisierung von Unternehmertum. Die zweite, formale Sichtweise betrachtet den Unternehmer hauptsächlich als leitenden Eigentümer einer Wirtschaftseinheit. Er ist demnach derjenige, der „seine Firma mittels eigenverantwortlicher Entscheidung auf Grund eines wesentlichen Kapitalbesitzes selbständig leitet“ (Schmölders, 1971, S. 13; Hervorhebung im Original). Dies schließt im Gegensatz zur Auffassung Schumpeters alle Personen ein, die für eigene Rechnung und selbständig tätig sind (Zumholz, 2001, S. 15). Leitende Angestellte ohne persönliche Kapitalbeteiligung sind von dieser Definition nicht erfasst.
Mit wenigen Ausnahmen sieht insbesondere die angloamerikanische Literatur als das wesentliche Merkmal des Unternehmers die Neugründung einer Wirtschaftseinheit (Reitan, 2002, S. 2; Zumholz, 2001, S. 15; Stewart, 1996, S. 15; Gartner, 1988, S. 26). Uneinigkeit besteht dagegen über den Sinn und die Kriterien einer weiteren Abgrenzung des Entrepreneurs von anderen begriffsverwandten Gruppen.
Kritisch diskutiert wird beispielsweise die von Carland, Hoy, Boulton und Car-land (1984, S. 358; bekräftigt in Carland et. al., 1988, S. 34) vorgeschlagene Differenzierung in Entrepreneur und Kleinunternehmer. Ein Entrepreneur orientiert sich demnach an innovations- und wachstumsorientierten Strategien, während ein Kleinunternehmer eher über persönliche Ziele definiert ist, und das Geschäft als maßgebliche Einnahmequelle dient. Kleinunternehmer wären somit keine Unternehmer im engere Sinne, da von ihnen definitionsgemäß keine Innovation ausgeht (Rauch/Frese, 2000, S. 105; Gartner, 1988, S. 23).
Carland et al. (1984) folgen damit Schumpeters Innovationsgedanken (Schumpeter, 1952), der auch in der von Cromie (2000, S. 9) vorgeschlagenen Systematisierung des Unternehmerbegriffs eine wesentliche Rolle spielt. Der Unternehmer kennzeichnet sich demnach durch folgende Kriterien 2 :
2 Eigene Übersetzung. Die Hervorhebung wurde hinzugefügt.
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(1) Neigung, wirtschaftliche Organisationen zu gründen, (2) aktive Suche nach ungenutzten Marktchancen innerhalb des wirtschaftlichen Umfelds,
(3) Suche nach innovativen Problemlösungen,
(4) Einnahme einer eigenständigen strategischen Rolle, um Ressourcen ausfindig zu machen, zuzuordnen und zu organisieren, mit dem Ziel, gegebene Möglichkeiten in marktfähige Güter oder Dienstleistungen umzuwandeln, (5) deutlich erkennbarer Drang nach Wachstum und Gewinn, (6) Bereitschaft, das dem Projekt inhärente Risiko zu tragen. Eine umfassende Definition geben auch Hisrich und Peters (2002, S. 10; Hervorhebung hinzugefügt): „Entrepreneurship is the process of creating something new with value by devoting the necessary time and effort, assuming the accompanying financial, psychic, and social risks, and receiving the resulting rewards of monetary and personal satisfaction and independence.“
Kritiker argumentieren, dass insbesondere eine genaue Definition des Innovationsbegriffes nicht existiert (Rauch/Frese, 2000, S. 105; Gartner, 1988, S. 23; ähnlich Begley/Boyd, 1987, S. 80). Zum anderen sei lediglich ein kleiner Personenkreis durch die aufgeführten Begriffsauffassungen gedeckt (vgl. Zumholz, 2001, S. 14). Auch die Frage des Gewinnkriteriums erscheint problematisch: Unternehmertum kann auch von Stiftungen, wohltätigen Organisationen und Genossenschaften ausgehen, deren satzungsmäßiger Zweck gerade nicht oder nur in begrenztem Maße eine monetäre Ausrichtung besitzt.
Die Schlussfolgerung aus der Kritik kann jedoch nicht darin liegen, alle Selbständigen als homogene Masse anzusehen. Jüngere Arbeiten lassen signifikante Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur von Entrepreneuren und weniger motivierten Kleinunternehmern vermuten 3 . Ziel muss es letztendlich sein, alle
3 Vgl. Abschnitt 3.1.2.1, Seite 15-40.
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relevanten Teilstichproben auf abweichende Persönlichkeitsausprägungen hin zu untersuchen.
Des Weiteren wird der Einbezug von Managern in die Gruppe der Unternehmer strittig diskutiert. Während McClelland (1961) sowohl Handelsvertreter, Manager, Unternehmensberater, Fondsmanager als auch Eigentümer einbezieht, kritisieren andere Forscher diese undifferenzierte Herangehensweise (Stewart/Roth, 2001, S. 4; Stewart, 1996, S. 5; Brockhaus, 1982, S. 42). Teile der Wissenschaft untergliedern des Weiteren in innovationsfreudige Manager, sog. Intrapreneure, und sonstige leitende Angestellte (Müller/Garrecht/Pikal/Reedwisch, 2002, S. 19; vgl. Chell et al., 1991, S. 2).
Die jüngere Literatur vermutet, dass sich Manager hinsichtlich der Art der Unternehmensführung, speziell in Bezug auf den Entscheidungsfindungsprozess vom Unternehmer unterscheiden (vgl. Stewart, 1996, S. 5). Leitenden Angestellten werden der allgemeinen Auffassung zufolge umfassendere Branchenerfahrungen und entwickeltere Fähigkeiten in Bezug auf die professionalisierte Unternehmensführung zugerechnet. Unternehmer sollen sich dagegen eher durch persönliche Qualitäten und ihr Interesse an neuen Geschäftsfeldern auszeichnen (Timmons, 1994, S. 207-208). Allein die generelle Tendenz einer Differenzierbarkeit verlangt demzufolge eine separate Betrachtung beider Personengruppen. In Anlehnung an die von Hisrich und Peters (2002, S. 10) vorgenommene Typisierung und unter Berücksichtigung weiterer Definitionen (Cromie, 2000, S. 9; Rauch/Frese; 2000, S. 105-106; Carland et al., 1984, S. 358) sowie eigener Überlegungen erscheint folgende abschließende Kategorisierung zweckmäßig: (1) Entrepreneure sind demnach Gründer, Eigentümer und Manager von Organisationen in einer Person, die die von ihnen gesteckten Ziele auf innovative Art verfolgen, Strategien entwickeln und neue Markchancen nutzen. Sie akzeptieren das unternehmerische Risiko. Sie können durchaus klein- und mittelständische Unternehmen führen.
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(2) Kleinunternehmer im engeren Sinne zeichnen sich durch eine weniger auf innovativen Strategien ausgerichtete Unternehmensführung aus, sind weniger flexibel und sehen den Grundgedanken ihrer Unternehmung eher in der Befriedigung individueller Ziele wie zur Bestreitung des Lebensunterhaltes. Auch sie akzeptieren das unternehmerische Risiko. (3) Manager können bis zu einem gewissen Grad unternehmerisch tätig sein, aber grundsätzlich wird nicht mit dem eigenen Geld gearbeitet. Ein Verlassen oder Untergang der Organisation führt nicht zu denselben Konsequenzen wie bei einem Unternehmer 4 .
Die Vielzahl der im Detail voneinander abweichenden Begriffsdefinitionen macht es erforderlich, an gegebener Stelle auf die Besonderheiten einzelner Untersuchungen hinzuweisen und die Stellung im Rahmen dieser Arbeit festzulegen.
4 Der dritte Punkt ist Rauch/Frese (2000, S. 106) entnommen. Die Autoren differenzieren zwischen Unternehmern und
Managern. Ein weiteres Abgrenzungskriterium ist nach Auffassung der Autoren die Größe einer Unternehmung.
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3. Theorien zur Unternehmerpersönlichkeit
Im Vorfeld einer unternehmerbezogenen Persönlichkeitsanalyse folgt ein Überblick über grundsätzliche Aspekte der allgemeinen Persönlichkeitspsychologie. Ausgehend von der Erläuterung wesentlicher Fachbegriffe werden Erkenntnisse der eigenschaftsbasierten Persönlichkeitsforschung diskutiert. Abschließend wird auf grundsätzliche Aspekte zur Stabilität individueller Charaktereigenschaften eingegangen.
3.1 Erkenntnisse der allgemeinen Persönlichkeitspsychologie
3.1.1 Persönlichkeit und Persönlichkeitsmerkmale
Der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die Persönlichkeit des Unternehmers. Zimbardo und Gerrig (1999, S. 520) sehen in ihr die Einzigartigkeit und das charakteristische (konsistente) Verhalten eines Menschen 5 . Persönlichkeit bezieht sich dabei auf die einmaligen psychologischen Merkmale eines Individuums, die sein Verhalten beeinflussen. Sie entwickeln sich durch Umwelteinflüsse aus der Anlage heraus und sind weiterhin Veränderungen unterworfen 6 . Es überwiegt jedoch die allgemeine Annahme, dass ein beträchtliches Maß an Konsistenz im ausgeübten Verhalten besteht (ebd.).
Persönlichkeitsmerkmale oder -eigenschaften (engl. traits) sind dabei konstante, überdauernde und spezifische Arten des Verhaltens und dienen der Persönlichkeitsbeschreibung sowie der Vorhersage zukünftiger Verhaltensausprägungen (Asendorpf, 1999, S. 36; Zimbardo/Gerrig, 1999, S. 521). Von Persönlichkeits-
5 Einfacherausgedrückt, beschreibt die Persönlichkeit eines Menschen die Gesamtheit aller seiner Eigenschaften
(Dispositionen und Gestalteigenschaften), in denen er sich von anderen unterscheidet (Asendorpf, 1999, S. 5).
6 Vgl. für eine nähere Beschreibung Fachgebärdenlexikon Psychologie (2002), Stichwort Persönlichkeit.
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merkmalen spricht man demzufolge, wenn daraus resultierende Erlebens- und Handlungsdispositionen 7 relativ dauerhaft sind.
Im Rahmen dieser Arbeit sind insbesondere die sogenannten Typen- und Eigen-schaftstheorien für die Identifizierung gesetzmäßiger Beziehungen zwischen Persönlichkeit und Verhalten von Bedeutung 8 . Erste Kategorisierungen des menschlichen Charakters wurden bereits von Hypokrates im 5 Jh. v. C. und später von Sheldon (1942) vorgenommen. Erstmals stellte jedoch Allport (1966) eine umfassende Persönlichkeitstheorie vor. In dieser wird jeder Person eine einmalige Kombination von Persönlichkeitseigenschaften als Quelle der Individualität zugerechnet. Eigenschaften sorgen als Schnittstelle zwischen Stimuli und Reaktion für die notwendige Kohärenz im Verhalten, wobei jedoch jeder Stimulus individuell eine andere Reaktion hervorrufen kann. Allport geht zwar von einem eigenschaftsmotivierten Verhalten aus, betont jedoch die Einmaligkeit des Individuums (Zimbardo/Gerrig, 1999, S. 524).
Der Versuch einer empirisch fundierten Kategorisierung menschlicher Persönlichkeitsmerkmale gelang erstmalig Eysenck (1973). In seiner auf Verhaltensdi- mensionen basierendenTheorie formen Extraversion (introvertiertes vs. extrovertiertes Verhalten), Neurotizismus (emotionale Stabilität) und Psychotizismus (Freundlichkeit vs. Aggressivität) die drei Grundausprägungen der Persönlichkeit in einem von ihm entwickelten Persönlichkeitszirkel. In der aktuellen Literatur wird das Fünf-Faktoren-Modell von Costa und McCrae (1985) als wohl anerkannteste Beschreibung des menschlichen Verhaltens angesehen (Zimbardo/Gerrig, 1999, S. 525). Es überzeugt durch seine nachgewiesene Methodenstabilität (Borkenau/Ostendorf, 1991, S. 39). Das Modell fasst Merkmalsbeschreibungen in fünf Dimensionen zusammen: Extraversion, Verlässlich- 7 AlsDisposition ist dabei die individuell unterschiedliche, relativ dauerhaft wirkende Bereitschaft zu sehen, auf bestimmte
Umweltbedingungen mit bestimmten Verhaltensweisen, Symptomen oder anderen Eigenarten zu reagieren. Sie kann
angeboren, erworben oder im Zusammenspiel aus Anlage und Umwelt entstanden sein (Fachgebärdenlexikon Psychologie,
2002, Stichwort Disposition).
8 Es wird zwischen individuumszentriertem und differentiellem Ansatz unterschieden. Ersterer ermittelt aus Situations-
Reaktionsbeziehungen das Verhaltensmuster eines Menschen. Erst mittels differentieller Ansätze kann dann durch den
Vergleich zu einer Referenzpopulation auf die Persönlichkeit geschlossen werden (Asendorpf, 1999, S. 45).
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Arbeit zitieren:
Stefan Scholz, 2002, Zur Existenz einer Unternehmerpersönlichkeit im Kontext des Gründungsprozesses, München, GRIN Verlag GmbH
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