Befragungen statt. Zudem kann man auch teil-strukturierte Befragungen durchführen; diese bestehen aus offenen und geschlossenen Fragen. Bei der quantitativen Befragung ist das primäre Ziel, mitsamt der erhobenen Stichprobe Rückschlüsse auf eine größere Grundgesamtheit zu schließen, beispielsweise der gesamten Bevölkerung. Man will Tatsachen erklären und verallgemeinern. Qualitative Interviews dienen eher dazu, durch offenere Befragungen bestimmte Abläufe, Einstellungen oder Phänomene zu verstehen. Im Folgenden weniger auf die Unterschiede zwischen den beiden Erhebungsmethoden eingegangen, da diese in Frage 4 detailierter beschrieben werden. In welchen Schritten läuft eine Befragung ab? Zuerst muss eine Forschungsfrage konzipiert werden. Bei jeder Konzeption dieser Frage müssen die in ihr enthalten Begriffe klar definiert werden. Die große Fragestellung wird daraufhin zum Zweck der Befragung in einzelne kleinere Fragen umgesetzt und in einen Fragebogen oder einen Gesprächsleitfaden übertragen. Bei der Konstruktion eines Fragebogens oder eines Gesprächsleitfadens (der bei der Methode Befragung auch häufig aus Fragen besteht) muss einiges bedacht werden: Man beginnt die Befragung stets mit einer Einleitungsfrage. Diese soll das Interesse des Befragten wecken, Vertrauen zum Befrager aufbauen und leicht zu beantworten sein. Man sollte dem Befragten das Gefühl geben, er sei wichtig für den gesamten Forschungsablauf. Weiterhin muss man darauf achten, wie die Fragen formuliert werden: man sollte einfache Wörter benutzen und die Fragen sollten klar und deutlich formuliert sein. Zudem sollten Suggestivfragen vermieden werden: Jene Frage die eine bestimmte Antwort vorab nahe legen. Sind die Fragen zu kompliziert oder zu eintönig formuliert, können sie sich negativ auf die Motivation des Befragten auswirken. Schwierige Fragen sollten im mittleren Drittel gestellt werden, dann ist erfahrungsgemäß die Motivation des Befragten am Größten. Zum Abschluss können dann die leicht zu beantworteten, soziografischen Fragen gestellt werden. 3 Bei der Auswahl der Fragen unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Fragen. Bei geschlossenen Fragen sind Antwortkategorien vorgegeben, bei offenen Fragen nicht. Es ist auch eine Kombination aus beiden möglich. Weiterhin sollte man bei einem Fragebogen darauf achten, dass dieser ansehnlich und übersichtlich gestaltet ist. Bei schriftlichen Befragungen entscheidet u.a. dieses Kriterium über die Rücklaufquote. Wurde der Fragebogen/ der Gesprächsleitfaden fertig konstruiert, ist es ratsam, ihn in einem sogenannten pretest zu prüfen. Dazu benötigt man nur eine geringe Anzahl der gesamten Stichprobe. Dieser prestest soll dabei helfen, eventuelle Fehler auszubessern. Anschließend nimmt man
3 Vgl. Behnke et al. (2006): S. 214ff., Bellers/Kippe (1999): S.113
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Kontakt auf mit den Personen, die befragt werden sollen. Führt man die Befragungen nicht selber durch, aufgrund zu hohem zeitlichen Aufwand etc., ist eine Schulung der Interviewer unabdingbar. Zur Dauer der Befragungen gibt es einen Richtwert, nach dem persönliche Interviews nicht länger als 60 Minuten und Telefoninterviews nicht länger als 40 Minuten dauern sollten. 4 Bei mündlichen Befragungen sollte auf die Atmosphäre des Gespräches geachtet werden und der Interviewer sollte intensiv auf den Interviewpartner eingehen. Dem Befragten muss versichert werden, dass seine Daten vertraulich und anonymisiert behandelt werden; Rückschlüsse aus Antworten auf einzelne Personen müssen absolut ausgeschlossen werden. 5 Einige häufige Fehlerquellen muss man bei der Durchführung uns Auswertung von Befragungen im Auge haben: erstens das Phänomen der sozialen Erwünschtheit. Sind dem Befragten bestimmte Antworten peinlich oder er vermutet, seine Antwort sei moralisch verwerflich, wird er möglicherweise nicht die Wahrheit sagen. Weiterhin muss man darauf Acht geben, dass durch die Formulierungen der Fragen (unklar, unverständlich etc.) keine Fehler entstehen. Eine andere Fehlerquelle kann der Interviewer selbst oder die Interviewsituation sein. Man muss darauf acht geben, dass der Interviewer sorgfältig geschult wurde und dass die Situation für den Befragten angenehm ist. 6
Das Experteninterview ist eine spezielle Methode der Befragung. Da es eine sehr aufwendige Methode der Datenerhebung, werden meist nur wenige Experten befragt. Diese werden häufig nicht per Zufallsstichprobe wie bei quantitativen Befragungen ermittelt, sondern mit Hilfe anderer Strategien. Aus diesen Gründen lassen sich Ergebnisse aus Experteninterviews schwer verallgemeinern, vergleichen und statistische Auswertungsverfahren können nicht angewandt werden. Kromey ordnet das Experteninterview als nicht-standardisierte, mündliche Befragung ein. 7 Experteninterviews können auch teil-standardisiert und schriftlich durchgeführt werden, dies ist jedoch seltener der Fall. In der Regel werden Experteninterviews als teilstrukturierte leitfadengestützte Interviews eingeordnet. Ausführlicher auf Vorbereitung, Durchführung und Auswertungen von Experteninterviews wird in der folgenden Frage eingegangen.
4 Vgl. Behnke, Baur, Behnke (2006): S. 219
5 Vgl. Bellers/Kippe (1999): S.113
6 Vgl. Behnke, Baur, Behnke (2006): S. 225f.
7 Vgl. Kromey (2002): S.84
3
Stellen Sie Schritte bei der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Experteninterviews dar!
Zur Vorbereitung eines Experteninterviews gehört es die leitende Forschungsfrage zu entwickeln und Hypothesen zu formulieren. Der Forscher sollte sich über die Fragestellung und das eigene Erkenntnisinteresse klar werden. Der Interviewer muss sicherstellen, dass er sich genügend Wissen auf dem untersuchten Feld angeeignet hat, um die Befragung auf dem Wissensniveau eines Experten durchzuführen. Der Interviewer muss sich ausführlich mit dem Thema und insbesondere mit Fachtermini und grundlegenden Befunden vertraut machen. Außerdem muss das Thema vorstrukturiert werden. Ein Experteninterview kann sowohl wenig strukturiert als auch stark strukturiert sein. 8 Im nächsten Schritt müssen Entscheidungen darüber getroffen werden, wer als Experte geeignet sein und über die benötigten Informationen verfügen könnte. Dies ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Oftmals braucht es mehrere Experten, um alle nötigen Informationen zusammen zutragen. Grundsätzlich sollte ein Experte sich mit dem Thema gut auskennen. Man hofft, dass der Experte aufgrund seiner Kenntnisse eine gewisse Distanz und Objektivität zum Thema hat, und es dadurch in größere Zusammenhänge einordnen kann. Ob dies der Fall ist, sollte vom Interviewer kritisch betrachtet werden! Hat man Experten anhand verschiedener Kriterien ausgewählt (Funktion, Status etc.), werden diese kontaktiert, durch Anschreiben oder Anrufe. Darin sollten die Ziele und Inhalte der Forschung, ungefährer Dauer des Interviews und ein Terminvorschlag enthalten sein. Man muss damit rechnen, dass die angefragte Person die Rolle als Experte nicht akzeptiert oder das Interview aus anderen Gründen ablehnt. 9 Weitere Entscheidungen müssen getroffen werden: Man muss sich überlegen ob das Interview face-toface, per Telefon oder per E-Mail durchgeführt werden soll. Wenn es Zeit, Finanzen und Räumlichkeiten zulassen sollte die erste Variante bevorzugt werden, da durch ein face-toface-Gespräch eine viel intensivere Gesprächsatmosphäre entsteht und viel intensiver auf den Interviewpartner eingegangen werden kann. In den letzten Jahren werden auch häufig Telefonexperteninterviews durchgeführt. Möchte man viele Experten zu einem Thema befragen, bietet sich diese Variante aufgrund von Kosten- und Zeitersparnis an. Bereits in der Vorbereitungsphase muss man wissen, auf welche Art und Weise das erhobene Interview ausgewertet werden soll. Es gibt sowohl unterschiedliche Erhebungs- als auch Auswertungstechniken. Leitfadeninterview und Inhaltsanalyse haben sich jedoch
8 Vgl. Schnell et. al /2005): S.323
9 Vgl. Gläser/ Laudel (2009): S.117
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durchgesetzt. Zur Aufzeichnung des Interviews gibt es zwei Möglichkeiten: die Aufzeichnung auf Tonband oder das Anfertigen eines Gedächtnisprotokolls direkt nach der Durchführung des Interviews. Gegen das Tonband spricht, dass der Interviewpartner sich dadurch einschüchtern lassen könnte, da eine gewisse Öffentlichkeit für ihn besteht. Gegen das Gedächtnisprotokoll sprechen Auslassungen, Umdeutungen und Interpretationen des Gespräches durch den Interviewer, die unumgänglich sind. Entscheidet man sich für eine Tonbandaufnahme, muss man für ausreichend Kapazität des Bandes und der Batterien sorgen. 10 Außerdem muss entschieden werden, ob ein oder zwei Interviewer an dem Gespräch teilnehmen. Vier Ohren hören mehr als zwei, könnten andererseits den Interviewpartner auch einschüchtern. Wurden diese Fragen beantwortet, muss ein konkreter Leitfaden für das Interview erstellt werden, wenn es als offenes Interview durchgeführt werden soll. Ein Leitfaden ist eine hilfreiche Stütze für den Interviewer, um sicherzustellen, dass die Fragen vollständig und hinreichend spezifisch im Gespräch behandelt werden. Der Leitfaden legt keine Reihenfolge der Fragen fest, weshalb eine hohe Flexibilität bei dieser Art der Befragung besteht. Es werden überwiegend offene Fragen gestellt und die Initiative sollte beim Befragten liegen; Der Interviewer reagiert nur. Der Leitfaden, eine Art Gerüst, sollte Frageblöcke gemäß der Themen und Unterthemen enthalten. Durch den Interviewleitfaden wird sichergestellt, dass bei einer größeren Anzahl von Befragungen mit Experten zum gleichen Thema ähnliche Informationen erhoben werden. Man sollte bedenken, dass heikle Fragen zum Ende hin gestellt werden. Der Interviewer sollte sich vorab überlegen, wie der Befragte auf ihn reagieren und was er von ihm erwarten könnte. Wichtig ist, dass eine hohe Sachlichkeit im Gespräch angestrebt wird. Zudem sollte sich der Interviewer verschiedene Möglichkeiten der Formulierung seiner Leitfadenfragen überlegen, falls es zu Verständnisschwierigkeiten kommt. Vor der Durchführung sollte ein pretest statt finden, um die Methode zu testen und gewisse Mängel vorab festzustellen. 11
Sitzt man dem Interviewpartner schließlich gegenüber, muss man auf diesen einen souveränen Eindruck machen und sollte sich dem Klientel des Experten entsprechend kleiden und artikulieren. Man muss den Interviewpartner davon überzeugen, wie wichtig er für das gesamte Forschungsprojekt ist, da dieser keinen direkten Nutzen aus der Teilnahme an dem Interview erkennen kann. 12 Erneut sollte man über das Ziel der Untersuchung berichten und das Interesse des Interviewpartners wecken. Falls man das Interview aufzeichnen möchte,
10 Vgl. Gläser/ Laudel (2009): S.153ff.
11 Vgl. Bogner et. al (2005): S.142
12 Vgl. Krumm/ Westle (2009): S. 121
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Arbeit zitieren:
Juliane Heinz, 2010, Forschungsdesign - Was muss bei Experteninterviews beachtet werden?, München, GRIN Verlag GmbH
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