Bewusstsein von seinem Bewusstsein hat, da bei Sartre Bewusstsein immer Bewusstsein von etwas ist, es kann sich aber nicht selbst zum Objekt des Bewusstseins machen. Das heißt in Konsequenz, dass es sich selbst nur über einen Anderen erfahren kann, der es objektiviert. Um sich selbst in dieser anderen Dimension des Seins zu erfahren, bedarf es eines Anderen, der auch ein Bewusstsein hat, und der in der Lage ist, das eigene Selbst zum Objekt zu machen. Es muss also ein Anderer existieren, damit es sich selbst erfahren kann. Es gilt daher, einen Beweis dafür zu finden, dass andere Subjekte existieren und die eigene grundlose Existenz nicht im Solipsismus gefangen ist, obwohl Sartre einen intuitiven Zugang zu der Gewissheit über die Existenz der Anderen voraussetzt.
Es gibt in der Philosophiegeschichte bereits eine lange Tradition, die sich mit dem Problem der Existenz der Anderen beschäftigt. Sartre setzt sich zunächst mit der bei Descartes beginnenden Tradition auseinander und beleuchtet die unternommenen Versuche, um aus dem aus Descartes Skeptizismus resultierenden Solipsismus wieder herauszufinden. Dabei sieht er sowohl die Entwürfe des Realismus als auch des Idealismus als gescheitert an und findet erst in der phänomenologischen Tradition bei Husserl, Hegel und Heidegger Ansätze, wie man philosophisch wieder aus der Falle des Solipsismus entkommen kann. Mit dem Konzept der Intentionalität könnte es gelingen, den erkenntnistheoretischen Graben zwischen Ich und Du zu schließen, da Bewusstsein und Selbsterfahrung selbst auf Intersubjektivität aufbaut. Dabei stellt er fest, dass das Problem darin besteht, dass bisher versucht wurde, über die Erkenntnis an einen
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Beweis für die Existenz der Anderen zu kommen, wobei dies seiner Meinung nach eigentlich nur durch Erfahrung möglich ist. Daran seien die ersten beiden gescheitert, während sich das Problem des Anderen für Heidegger, letztendlich, auf die Weise gar nicht mehr stellt; sie sind eine notwendige Faktizität in der Struktur des In-der-Weltseins (vgl. SN 452).
Um die Frage, wie man sich sicher sein könne, dass es einen Anderen gibt, über die Erfahrung zu beantworten, bietet Sartre uns den Begriff der Affizierung an. Der Andere hat einen Einfluss auf mein Sein, dadurch dass er mich durch das, was er sagt oder tut, affiziert. Dieses erfahre ich vor allem unmittelbar, wenn ich von einem Anderen angeblickt werde und dabei das Gefühl der Scham empfinde, welches die Struktur meiner Selbsterfahrung ändert. Damit dreht er die Beweislast des Arguments um. Ich weiß über die Existenz der Anderen nicht darüber, dass ich einen Körper sehe und irgendwie durch die Erkenntnis ein Subjekt dahinter vermuten muss, sondern erfahre ganz unmittelbar, dass es ein Subjekt sein muss, das mich anblickt, weil die Scham, die es hervorruft immer ein sich schämen vor jemanden ist. Die Scham, so Sartre, impliziert in ihrer Natur, dass ich im Blick des Anderen anerkenne, dass ich ein Objekt für den Anderen bin und somit das bin, wie der Andere mich sieht (vgl. SN 406).
Sartre bietet ein einleuchtendes Beispiel für das Auftreten dieses Grundgefühls der Scham: Das des ertappten Voyeurs. Trotzdem finde ich es nicht plausibel, dass Scham das einzige Gefühl sein soll, welches durch die Begegnung mit dem Anderen
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evoziert wird; außer dem dass es jedes Mal auftreten soll, wenn ich einer anderen Person begegne, egal in welcher Situation ich mich befinde. Ich kann mir auch Situationen vorstellen, in denen das Angeblickt-werden nicht das Gefühl der Scham evoziert. Trotzdem möchte Sartre damit auf eine fundamentale Ebene der Begegnung hinweisen, auf die er durch subjektive Introspektion und eigener Lebenserfahrung geschlossen hat. Ob diese tatsächlich allgemein übertragbar und insofern als Grundlage eines philosophischen Gedankenganges taugen, möchte ich in diesem Essay allerdings hinterfragen. Der Blick
Am Anfang des Kapitels über den Blick (SN 457-538) zeigt Sartre anhand von Beispielen, wie das Vorgehen über die Erkenntnis der Gegenständlichkeit nicht den Bereich der Wahrscheinlichkeit verlässt, wenn gezeigt werden soll, dass sich hinter den wahrgenommenen Gestalten auch ein Bewusstsein befinden soll. Zwar meint er, dass nach den alten Theorien von einem „angenommenen“ Menschen immer ein Verweis auf etwas kommt, was „der Grund und die Garantie seiner Wahrscheinlichkeit ist“ existiert, wodurch dieses letztendlich auf die Annahme einer metaphysischen Entität hinausläuft. Da Sartre die Annahme über die Existenz einer solchen, bzw. eines Gottes, der als Schöpfer Grund für unsere Existenz ist, nicht teilt, muss er einen anderen Weg gehen. Deshalb fragt er sich: „Gibt es in der alltäglichen Realität eine ursprüngliche Beziehung zum Anderen, die ständig anvisiert werden und sich mir folglich entdecken
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kann, außerhalb jeder Beziehung auf ein religiöses oder mystisches Unerkennbares?“ (vgl. SN 457ff.)
Sartre widmet sich infolge dieser Frage einem weiteren, aus dem Alltag gegriffenen, Beispiel. Wenn er im Park stehe und die Dinge um sich herum beobachte, sei er derjenige, der als Zentrum seines Universums den Dingen eine Ordnung verleiht. Sie stehen in ihm in einer raum-zeitlichen Beziehung und je nach eigener Zwecksetzung bilden sie ein Utensilien-Komplex, über den er verfügen kann, um seine Ziele zu verwirklichen. Wenn sodann nun ein Anderer auftaucht, könnte der genauso zunächst als ein Gegenstand wahrgenommen werden. Dies würde an der Gruppierung der Gegenstände nichts ändern. Ihn als Menschen aber wahrzunehmen, bedeutet, dass die Dinge auch zu dem Anderen eine Beziehung unterhalten und eine Orientierung auf diesen hin aufweisen. Aber auch dies, argumentiert er, bleibt im Bereich der Erkenntnis und somit auch im Bereich der Wahrscheinlichkeit, da es sich nicht um eine ursprüngliche Beziehung zwischen ihm und dem Anderen handelt. Dennoch verursacht diese neu dazugegebene Beziehung bei Sartre schon die ersten Anzeichen von negativen Assoziationen, die dann im „die Hölle, das sind die Anderen“ Spruch münden könnten. Sein Erscheinen bedeutet für Sartre nämlich die Desintegration seines Universums, weil ihm diese Beziehung zwischen dem Anderen und den Dingen entgeht. Der Raum gruppiert sich um ihn, das ist aber derselbe Raum, in dem er ist, und so sieht er sich seiner Welt beraubt (Vgl. SN 461 f.):
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Arbeit zitieren:
Mariana Pinzon, 2009, Das Problem der Intersubjektivität und die "höllischen Anderen", München, GRIN Verlag GmbH
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