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3.2 Kapitalbeschaffung - andere Wege 27
3.2.1 Staatliche Förderprogramme 27
3.2.2 Lieferantenkredit 29
3.2.3 Leasing 30
3.2.4 Factoring 32
3.2.5 Finanzierung über Mezzanine 34
4. Schlussbetrachtung 36
4.1 Zusammenfassung 36
4.2. Ausblick 37
Quellenverzeichnis 39
Abbildung 1 Finanzierungsformen S. 9
(eigene Darstellung nach WÖHE/BILSTEIN 2002, 13)
Abbildung 2 Finanzierungsziele S. 13
(eigene Darstellung nach OLFERT/REICHEL 2005, 40)
Abbildung 3 Struktur eines Optimierungsprozesses S. 21
(eigene Darstellung nach OLFERT/REICHEL 2005, 47)
Tabelle 1 Vor- und Nachteile Factoring S. 33
(eigene Darstellung nach OLFERT/REICHEL 2005, 126 ff.)
Tabelle 2 Vor- und Nachteile Mezzanine-Finanzierung S. 35
(eigene Darstellung nach Vortrag Beratungsgesellschaft RölfsPartner, April 2008, Leipzig)
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1. Allgemeine Grundlagen
1.1 Problemstellung
Der mittelständischen Wirtschaft kommt in Deutschland eine herausragende Bedeutung zu. Sie ist Motor der wirtschaftlichen Entwicklung und Innovationstreiber. Die heterogene Mittelstandstruktur in Deutschland macht das Land krisenresistenter und unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen. Der Mittelstand ist Arbeitgeber und Berufsausbilder Nummer eins in Deutschland. Über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland weisen mittelständische Wesensmerkmale auf (vgl. Statistisches Bundesamt, 2005). Aufgrund dieser immensen Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft lässt sich erahnen wie wichtig finanziell gesunde mittelständische Unternehmen sind. Mittelständische Unternehmen haben sich in den vergangenen 60 Jahren als Entwickler neuer Produkte sowie als Nischenbesetzer und Revolutionäre in ihrer jeweiligen Branche ausgezeichnet. Was jedoch vielfach vergessen wurde, war die Auseinandersetzung mit der unternehmenseigenen Finanzierung. Es wurden oftmals
Investitionsentscheidungen getroffen ohne eine gesicherte und substantielle Finanzierung. Dies ist grundsätzlich als betriebswirtschaftlich unvernünftig anzusehen.
Die Finanzierung durch deutsche Kreditinstitute war über viele Jahre aufgrund einer großzügigen Vergabepolitik problemlos möglich. Ein Investitionsvorhaben über die Beschaffung von Eigenkapital aus Beteiligungen anderer Gesellschaften oder auf dem Kapitalmarkt zu finanzieren, war wenig verbreitet. Somit mussten sich
Unternehmensführungen bei der Entscheidungsfindung so gut wie nie mit der eigenen Bilanz bzw. einer Wirtschaftlichkeitsrechnung der
Finanzierung auseinandersetzen. Diese Umstände prägten die Denk- und Verhaltensweise deutscher Mittelständler bis weit in die 90-er Jahre des vorherigen Jahrhunderts.
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Erst mit dem Aufkommen verschärfter Kreditvergabepraktiken deutscher Kreditinstitute aufgrund von abschreibungspflichtigen Forderungsausfällen in Milliardenhöhe und der daraus im Jahre 1999 resultierenden Neufassung der Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) bekamen mittelständische Unternehmen Schwierigkeiten bei der Fremdkapitalbeschaffung.
Für 32,5 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen ist es seit dem Herbst 2007 schwieriger oder deutlich schwieriger geworden, an Finanzmittel zu kommen (vgl. Creditreform Herbst 2008, 20). Als wesentlicher Einflussfaktor bei der Fremdkapitalbeschaffung ist die Eigenkapitalquote zu sehen.
„Wie wichtig eine solide Eigenkapitaldecke ist, verdeutlichen folgende Zahlen: Während lediglich 22,4 Prozent der Unternehmen, die über mehr als 30 Prozent Eigenkapital verfügen, angaben, Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzmitteln gehabt zu haben, sind es bei den Betrieben, die mit weniger als zehn Prozent Eigenkapital ausgestattet sind, fast doppelt so viele, nämlich 41,8 Prozent“ (Creditreform Herbst 2008, 20 f.). Unterkapitalisierung in Kombination mit einer mangelhaften bzw. nicht vorhandenen Finanzierungsstrategie stellt eine massive
Existenzbedrohung für mittelständische Unternehmen in Deutschland dar. Die Schwachstelle „Finanzierungsmanagement“ ist aber nicht erst mit der Einführung von Basel II Anfang 2007 existent. Sie wurde durch die mit Basel II verbundene restriktive Kreditvergabe lediglich fokussiert und in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Die Offenlegung aller relevanten betriebswirtschaftlichen Daten im Rahmen des Ratingverfahrens und die damit verbundene hohe Hürde der Kreditvergabe wurde als Damokles-Schwert für den Mittelstand gesehen.
Dieses Bedrohungsszenario relativierte sich bei genauerer Betrachtung und wurde von vielen Unternehmern als Chance gesehen. Sie mussten sich fortan intensiver mit der Finanzierung ihrer Unternehmung auseinandersetzen.
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Eine weitere Problematik für den deutschen Mittelstand ist die hohe Besteuerung von im Unternehmen verbleibenden Gewinnen, welche letztlich der Erhöhung des Eigenkapitals entgegenstehen. Hier gibt es seitens des Staates Nachholbedarf, um die deutsche mittelständische Wirtschaft gegenüber ausländischen Unternehmen nicht zu benachteiligen.
Der Mittelstand in Deutschland hat es lange Zeit versäumt die eigene Finanzierung mit einem ähnlichen strategischen Vorgehen wie etwa die Produktion aktiv zu gestalten. Dies lässt den Schluss zu, dass interne Versäumnisse die Ursache für Schwierigkeiten bei der
Unternehmensfinanzierung sind (vgl. SALGE 2006, A ff.). Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die These, dass die Schwierigkeiten bei der Finanzierung einer Unternehmung in erster Linie aus einem Fehlverhalten der Unternehmensführung resultieren. Folglich ist die erschwerte Kapitalbeschaffung Ergebnis dieser Fehlleistung. Diese Arbeit setzt sich mit den Ursachen für diese Schwierigkeiten, den Auswirkungen auf die Kapitalbeschaffung und möglichen Lösungsansätzen auseinander. Dass die Lösung der Finanzierungsprobleme ein Wettbewerbsvorteil in umkämpften Märkten sein kann, soll diese Arbeit belegen. Zudem soll sie den Sinn für die Lösung dieser Probleme schärfen.
1.2 Finanzierung im Mittelstand
1.2.1 Grundlegende Begriffe
Da sich diese Arbeit mit der Finanzierung mittelständischer Unternehmen beschäftigt, werden eingangs wichtige Aspekte der
Unternehmensfinanzierung vorgestellt und erläutert. In Hinblick auf den vorgegebenen Umfang dieser Arbeit, kann nur exemplarisch auf die Kernelemente eingegangen werden.
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Finanzierung - Definition und Sichtweisen
Im engeren Sinne kann Finanzierung als Beschaffung bzw. Bereitstellung finanzieller Mittel, die zur Leistungserstellung und Leistungsverwertung im Unternehmen benötigt werden, verstanden werden (vgl. WÖHE 1996, 738 und OLFERT/REICHEL 2005, 16). Weiter gefasst kann Finanzierung als Gesamtheit aller unternehmerischen Kapitaldispositionen verstanden werden. In seiner weiteren Fassung befasst sich Finanzierung somit auch mit der Mittelverwendung im Rahmen von Investitionen, Finanzierung von Umlaufvermögen oder Dividendenausschüttungen. Weiterhin
unterscheidet sich die kontinentaleuropäische von der angelsächsischen Perspektive. Finanzierung wird auf dem europäischen Festland als Kreditfinanzierung mit fehlender Kapitalmarktorientierung verstanden. In Großbritannien und vor allem den Vereinigten Staaten von Amerika spielt die Finanzierung über den Kapitalmarkt eine viel stärkere Rolle. Dies schlägt sich demzufolge auch im Verständnis von Finanzierung nieder. (vgl. SALGE 2006, 10f).
Für diese Arbeit wird das engere Begriffsverständnis, erweitert um die Betrachtung der Kapitalbeschaffung auf dem Kapitalmarkt, als theoretische Basis dienen. Der Finanzierungsbegriff umfasst alle Möglichkeiten der
Kapitalbeschaffung. „Dazu gehören erstens die Kapitalbeschaffung von außen in Form von Eigen- und Fremdkapital (Außenfinanzierung) und zweitens die Kapitalbeschaffung aus dem betrieblichen Umsatzprozess (Innenfinanzierung)…“ (WÖHE/BILSTEIN 2002,11). Die Abbildung 1 gibt einen Überblick über die Struktur der Unternehmensfinanzierung, wie sie unter anderem von Wöhe definiert wird.
Arbeit zitieren:
Christian Polster, 2008, Unternehmensfinanzierung im Mittelstand: Schwierigkeiten und Lösungsansätze, München, GRIN Verlag GmbH
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