Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Inhaltsangabe 4
2. Sprache, Stil und Erzählperspektive 6
2.1. Aufbau des Textes 8
2.2. Biografie des Autors 9
3. Thema und Motive 10
4. Geschichtliche Hintergründe 13
4.1. Gesellschaftliche Schichten 13
5. Charakteristika Jean-Baptiste Grenouille 15
6. Weitere Figuren 17
6.1. Madame Gaillard 20
6.2. Guiseppe Baldini 21
7. Intention des Autors 21
8. Reflexion 22
Literaturverzeichnis 24
Einleitung
Im Rahmen des Deutschunterrichts wählte ich zum Thema „Interpretationsaufsatz“ das Buch Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders von Patrick Süskind.
Süskinds Werk ist ein historischer Roman, der Details der Handwerkstechnik der Gerber und Parfümeure verrät, aber uns ebenso - wenn auch eindeutig mit einer Parodie - das Zeitalter der Aufklärung vor Augen führt. Außerdem gewährt uns der Autor einen Einblick in die hygienischen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts. Eine Handlung, in der Gerüche eine wichtige Rolle spielen, eine Geschichte, die einerseits so unrealistisch scheint und den Leser doch so berührt.
Bereits wenige Monate nach dem Erscheinen des Buches 1985 war die erste Auflage mit über 100 000 Exemplaren vergriffen. Bis 1991 wurden in Deutschland 1,2 Millionen und weltweit 6 Millionen Exemplare aufgelegt. 1986 wurde Das Parfum von der New York Times zum „Buch des Jahres“ gewählt. Nur zwei andere deutsche Titel sind nach dem Zweiten Weltkrieg zu dieser Ehre gekommen: Bernhard Schlinks Der Vorleser und Das Boot von Lothar Günther Buchheim. Noch heute - fast 20 Jahre nach Erscheinen des Buches - steht Das Parfum auf Platz 57 der Bestsellerliste. 1
Dieter Heckenschütz alias Patricius Sauerbier schrieb zu Das Parfum 1986 eine Persiflage 2 : "Das Soufflé. Geschichte eines Gourmands" (Goldmann Verlag, München 1986).
Bernd Eichinger erwarb die Filmrechte für den Roman Das Parfum, nachdem sich Patrick Süskind jahrelang gegen eine Verfilmung gewehrt hatte. Zusammen mit Tom Tykwer und Andrew Birkin schrieb er das Drehbuch. Drehstart für das groß angelegte Prestigeprojekt mit einem für deutsche Verhältnisse gewaltigen Etat von rund 50 Millionen Euro, sollte ursprünglich noch in 2004 beginnen, muss aber offenbar auf Mitte nächsten Jahres verschoben werden, weil bislang keine der drei Hauptrollen besetzt ist.
In unserer Ausarbeitung legen wir mehrere Schwerpunkte, da es dieses Buch einfach „verdient“, analysiert zu werden. Wir beginnen mit einer Inhaltsangabe, gefolgt von Sprache und
1 Stand: 19.10.2004 www.idealo.de - Top 100 Hitliste Bücher.
2 Kurz gesagt ist eine Persiflage ein feiner, geistreicher Spott.
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Aufbau des Buches unter Berücksichtigung der Biografie des Autors und werden uns danach mit dem Thema und den Motiven beschäftigen. Im Anschluss daran werden wir die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe beleuchten, einige Personen näher charakterisieren und mit einer Reflexion enden.
1. Inhaltsangabe
In diesem Buch gibt es nur eine wesentliche Hauptperson: Der Franzose Jean-Baptiste Grenouille, der im 18. Jahrhundert lebt. Der Roman befasst sich mit dessen Leben von der Geburt bis hin zum Tode. Am 17.07.1738 kommt Grenouille als Sohn einer Fischverkäuferin in Paris mit einem übernatürlich gut ausgeprägten Geruchsinn auf die Welt. Seine Nase ist so sensibel, dass sie seine anderen Sinnesorgane ersetzt. Seine Mutter wirft ihn nach der Geburt zu den Abfällen unter den Tisch in der Hoffnung, ihr Neugeborenes möge dort verrecken, wie ihre vier vorher Geborenen. Doch Grenouille erfüllt ihr diesen Wunsch nicht. Durch seinen Schrei werden Menschen auf ihn aufmerksam, die sich um ihn kümmern. Die Mutter wird festgenommen. Aufgrund ihres Geständnisses wird sie als Kindsmörderin zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Grenouille wird zu der Amme Jeanne Bussie gebracht, die sich um ihn kümmern soll. Doch schon nach kurzer Zeit will sie das Kind wieder loswerden und bringt es zu Pater Terrier mit der Begründung, dass das Baby der personifizierte Teufel sei, da es keinen eigenen Körpergeruch besitze. Terrier schenkt der Frau keinen Glauben und nimmt das Kind an. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkt auch er, dass mit diesem Geschöpf etwas nicht stimmt. Er bekommt es mit der Angst zu tun und gibt es an eine Ziehmutter, Madame Gaillard, weiter. Da die Ziehmutter ihren Geruchssinn verloren hat, bemerkt sie das Ungewöhnliche an ihrem Zögling nicht. Grenouille wächst dort unter sehr ärmlichen Verhältnissen mit anderen Kindern auf. Als später die Gelder für Ziehmütter gestrichen werden, gibt Madame Gaillard ihre Kinder weg. Grenouille kommt zu dem Gerber Grimal. Dort muss er täglich hart und lange arbeiten. Eines Tages befällt ihn, die meist tödlich endende Krankheit Milzbrand. Doch er überlebt sie und ist von nun an gegen diese Erkrankung immun. Das macht ihn zu einem wichtigen Arbeiter für Grimal. Als Grenouille an einem freien Abend durch Paris schlendert, gerät er in den Bann eines Duftes. Grenouille verfolgt ihn und stößt am Ende seiner Suche auf ein wunderschönes Mädchen. Er tötet sie, um sich an ihrem betörenden Duft zu berauschen. Ab diesem Zeitpunkt steht für ihn fest, dass er der größte Parfumeur aller Zeiten werden will!
Eines Tages treffen Jean Baptiste Grenouille und Baldini, ein angesehener Parfümeur in Paris, aufeinander. Grenouille beliefert ihn mit Ziegenleder, das Baldini mit einem einzigartigen
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Parfum beduften soll. Jedoch ist ihm nichts eingefallen und so versucht er das Parfum seines Konkurrenten Pélissier ,,Amor und Psyche" zu kopieren, jedoch ohne jeden Erfolg. Er bittet Baldini, ihm eine Chance zu geben, indem er für ihn dieses besagte Parfum herstellen solle. Nach längerem Zögern willigt er ein und Grenouille schafft es tatsächlich, dieses Parfum so zu kopieren, dass nicht einmal Pélissier höchstpersönlich es von seinem hätte unterscheiden können. So entwickelt sich eine enge Zusammenarbeit der beiden. Baldini bringt Grenouille alle Grundsätze und Techniken der Parfümeurskunst bei und Grenouille entwickelt für Baldini die begehrtesten Parfums, wodurch sich sein Ansehen in Paris enorm steigert. Nach der Lehrzeit trennen sich ihre Wege. Grenouille ist so angewidert von dem menschlichen Geruch, dass er sich auf die Suche nach dem von allen Menschen entferntesten Ort begibt. Diesen findet er in einer kleinen, dunklen Höhle auf dem Gipfel eines Vulkans namens Plomb Du Cantal. Dort verbringt er sieben Jahre seines Lebens, ernährt sich von Pflanzen und einem kleinen Rinnsal. Er lebt dort in völliger Abgeschiedenheit, bis ihm eines Tages etwas schreckliches auffällt: Er entdeckt, dass er keinen eigenen Körpergeruch besitzt! Mit dieser furchtbaren Erkenntnis verlässt er diesen Ort und kehrt in die Zivilisation zurück. Er kommt in der Stadt Pierrefort an. Der dortige Lehnsherr Marquis de la Taillade-Espinasse beschäftigte sich gerade mit Forschungen für deren Richtigkeit er an Grenouille ein perfektes Beweismittel gefunden hatte. Er kümmert sich um ihn, indem er ihn kleidet, ernährt und ihm ein Dach über dem Kopf bietet. In diesem Ort komponierte Grenouille aus den herkömmlichsten Materialien einen Körpergeruch für sich. Als er ihn auflegt, geschieht Unfassbares. Die Menschen nahmen ihn plötzlich wahr. Es war nicht so wie früher, als er von allen übersehen und nicht einmal registriert wurde. Doch auch die Wege von Grenouille und Marquis de la Taillade-Espinasse trennen sich bald wieder. Grenouille wandert weiter und kommt in Grasse an, dem bedeutendsten Ort der französischen Parfümeurskunst. Kurz nach seiner Ankunft steigt ihm der Hauch eines unbeschreiblich schönen Duftes in die Nase. Es ist der Duft eines schönen Mädchens, der Grenouille so gefangen nimmt. Er muss diesen Duft haben, ihn in sich tragen. Aber er weiß, dass dieser Duft noch nicht ausgereift ist, das würde er erst in zwei Jahren sein. Er weiß, sein Werk, das Werk des größten Parfümeurs aller Zeiten, würde diesen Duft beinhalten! Es sollte der absolute Duft werden. So sucht er sich wieder eine Stellung bei einem Parfümeur, um an die nötigen Utensilien gelangen zu können. Mit diesem Parfum will Grenouille die Menschen beherrschen. Er hat in seiner Lehre zum Parfümeur gelernt wie man mit Hilfe der Destillation Gerüche aus Gegenständen filtern kann. Dieses Wissen ermöglicht seinen grausamen Plan. Der Duft soll den Geruch dieses Mädchens als Basisnote enthalten. Um ihn abzurunden, benötigt er jedoch noch mehr Düfte. So beginnt er erneut zu morden. Insgesamt bringt er 26 der
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hübschesten Jungfrauen der Stadt um. Er will erreichen, dass ihn die Menschen lieben, wenn er dieses Parfum benutzt. Grenouille verfolgt die Spur jenes Mädchens, auf deren Duft er sehnlichst wartet, denn der Vater, der die Tochter in Sicherheit bringen will, ahnt, dass sie das nächste Opfer sein wird. Grenouille ermordet das Mädchen, um ihren Geruch vollständig auszusaugen und wird, nachdem er aufgrund der Ermittlungen verhaftet worden ist, zum Tode verurteilt. Kurz vor der Hinrichtung benutzt er dieses Parfum und wie durch ein Wunder tritt die unglaubliche Wirkung ein. Grenouille wird von den Menschen geliebt, ja sogar verehrt, und wie ein Gott behandelt. Dieses Verhalten kann er jedoch nicht ertragen. Im Gewimmel der Massen kann Grenouille entkommen und macht sich auf den Weg nach Paris. Dort angekommen überschüttet er sich mit seinem absoluten Duft und mischt sich unter ein Volk von Zigeunern. Für sie wirkt Jean-Baptiste Grenouille wie ein Engel, von dem jeder ein Stück besitzen muss. Sie stürzen sich wie Tiere auf ihn und zerfleischen ihn bei lebendigem Leibe.
2. Sprache, Stil und Erzählperspektive
Patrick Süskind hat einen sehr eigenwilligen Schreibstil. Er schreibt sehr detailliert, was bei uns stellenweise für Langeweile sorgte. Als Beispiel ist da Grenouilles Treffen auf Baldini anzuführen. Wie bekannt ist, bat Grenouille Baldini darum für ihn den Duft ,,Amor und Psyche" zu kopieren. Im 15. Kapitel wird sein genaues Vorgehen exakt beschrieben. Der Leser erfährt alles vom Zusammensuchen der Zutaten bis hin zur fertigen Tinktur. So präzise wird die gesamte Lehrzeit bei Baldini beschrieben. Süskind reiht dabei eine Unmenge von Fakten aneinander, indem er die Techniken der Parfümeurskunst genau erklärt. (vergleiche 18. Kapitel, Seite 122-127).
Weiterhin neigt Süskind dazu, vor allem die Gerüche sehr ausgiebig und treffend zu formulieren. Verständlicherweise hat er bei dieser Handlung einen Schwerpunkt auf Gerüche, deren Zusammensetzung und Wirkung gelegt. Hätte er sie so geschildert, wie jeder andere Mensch sie wahrnimmt, so hätte man nie einen Einblick in Grenouilles ,,Duftwelt" gehabt und hätte ihn nicht verstehen können. Das kommt besonders deutlich zum Ausdruck, als er sein erstes Opfer, das Mädchen aus der ,,Rue des Marais" (Seite 53), durch seine Nase aufspürt: ,,Dieser Geruch hatte Frische; aber nicht die Frische der Limetten oder Pomeranzen, nicht die Frische von Myrrhe oder Zimtblatt oder Krauseminze oder Birken oder Kampfer oder Kiefernnadeln, nicht von Mairegen oder Frostwind oder von Quellwasser [...]"(Seite 52*). Süskind verleiht seinen Düften sozusagen Leben, denn auf derselben Seite wird dem Duft des Mädchens noch zugesagt, es habe ,,Wärme".
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Süskind erwähnt für ihn unwichtige Ereignisse nur beiläufig. Dazu gehört unter anderem auch der Mord an dem oben angeführten Mädchen, der folgendermaßen dargestellt wird: ,,Sie war so starr vor Schreck, als sie ihn sah, dass er viel Zeit hatte, ihr seine Hände um den Hals zu legen. Sie versuchte keinen Schrei [...] während er sie würgte[...]. Als sie tot war [...]" (Seite 56)
Der Autor verfolgt in seinem Buch fast nur die Lebensgeschichte des Mörders. Alle Nebenpersonen werden nur kurz angerissen und treten nur einmal auf. Auf sie wird in der weiteren Geschichte nicht zurückgekommen: ,,Da wir Madame Gaillard an dieser Stelle der Geschichte verlassen und ihr auch später nicht mehr wiederbegegnen werden, wollen wir in ein paar Sätzen das Ende ihrer Tage schildern. [...]" (Seite 38). Es ist auffallend, dass in vielen Kapiteln eine andere Person im Vordergrund steht, die wichtig für Grenouilles Leben ist. So sind es mal Grimal, Baldini, der Marquis oder Grenouilles Ziehmütter.
Dieser Roman wird in auktorialer Erzählhaltung 3 wiedergegeben. Der Erzähler ist allwissend und ist den Handlungspersonen immer ein Stück voraus. Was auch in dem Zitat von Seite 38 zu sehen ist. Er konnte den Lebensverlauf der Madame Gaillard darlegen, ohne dass diese Zeit schon gekommen war. Allerdings wechselt die Erzählperspektive auch. Im 10. Kapitel beispielsweise kommt ein Dialog zwischen Baldini und Chénier vor. (Seite 63-64). Süskind benutzt natürlich auch stilistische Mittel. Auf die typischen wird bei der Analyse des ersten Kapitels eingegangen.
Zum Schluss ist zu sagen, dass durch das Zusammenspiel dieser ganzen Faktoren die Handlung gut nachzuvollziehen ist und konkret wird. Man kann mit der Person Jean-Baptiste Grenouille mitfühlen und sein groteskes Vorgehen wenigstens in gewisser Weise mitempfinden. Obwohl die zum Teil zu genaue Schilderung der Vorgänge Langeweile erzeugen kann, ist die Sprache durchgehend anspruchsvoll. Diese Wortwahl passt sehr gut zu dem manchmal wirren Geschehen.
3 auktoriale Erzählhaltung = (auctor, lateinisch: Schöpfer, Verursacher) Erzähler (nicht identisch mit dem Autor!) tritt im Text in Erscheinung, nennt sich selbst, spricht den Leser an, kommentiert und deutet seine Erzählung, überblickt das Geschehen, macht deutlich, dass er erzählt. (Quelle: www.ni.schule.de)
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2.2. Biografie des Autors
Patrick Süskind, das sogenannte „Phantom der deutschen Unterhaltungsliteratur“, kam am 26. März 1949 in Ambach am Starnberger See zur Welt. Sein Vater war Wilhelm Emanuel Süskind, der in der Nachkriegszeit bei der ,,Süddeutschen Zeitung" beschäftigt war. Patrick Süskind wuchs gemeinsam mit seinem älteren Bruder im bayrischen Holzhausen auf. Dort besuchte er die örtliche Dorfschule und anschließend das Gymnasium. Nachdem er sein Abitur abgelegt und den Wehrersatzdienst absolviert hatte, studierte er Mittlere und Neuere Geschichte in München und in Aix - en Provence, Frankreich, von 1968 bis 1974. Dort nahm er ein Jahr lang an Vorlesungen teil und perfektionierte somit seine Kenntnisse in französischer Sprache und Kultur. 1974 schloss er sein Studium ab, das durch vielerlei Gelegenheitsarbeiten finanziert wurde. Anschließend verdiente sich Süskind seinen Lebensunterhalt durch das Schreiben von Drehbüchern. Nebenbei verfasste er kleinere Prosastücke, die allerdings nicht veröffentlicht wurden. 1981 gelang ihm sein erster großer Durchbruch. In diesem Jahr wurde Der Kontrabass publiziert. Für seinen Welterfolg Das Parfüm, das 1985 veröffentlicht wurde, stellt er viele Nachforschungen an. Süskind bereiste alle Schauplätze der Handlung und ließ sich in die Geheimnisse der Parfümeurskunst einweisen. Dazu besuchte er die Firma Fragonard in Grasse, Frankreich. Er studierte viele kulturhistorische Quellen, die für seinen Roman von bedeutender Wichtigkeit waren. Insgesamt wurde dieses Werk in circa 30 Sprachen übersetzt. Es folgten weitere Abhandlungen, die jedoch nicht an den Erfolg seines Bestsellers Das Parfum herantraten. Dazu gehören unter anderem: Die Taube (1987); Die Geschichte des Herrn Sommer (1991) und Der Zwang zur Tiefe (1991). Zusammen mit Helmut Dietl schrieb er Drehbücher für erfolgreiche Fernsehserien (Monaco Franze (1983), Kir Royal (1987)) und den Kinofilm Rossini oder die mörderische Frage wer mit wem schlief (1996).
Heute lebt Süskind abwechselnd in München, Paris und Montolien (Südfrankreich). Wie bereits erwähnt, wird Patrick Süskind als ,,Phantom der deutschen Unterhaltungsliteratur" bezeichnet. Zu diesem Ruf kam er durch das Meiden von Interviews, er lässt sich kaum fotografieren und tritt nicht im Fernsehen auf. Er nahm zum Beispiel den „Gutenbergpreis“ nicht an, der vor laufenden Fernsehkameras verliehen wurde. Weiterhin wurde ihm in Zusammenarbeit mit Helmut Dietl 1996 der ,,Deutsche Drehbuchpreis" für Rossini verliehen. Als er einmal ein längeres Interview gab, versprach er der Journalistin im Jahre 2019, zu seinem 70. Geburtstag, das Geheimnis um seine Person zu lüften.
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3. Thema und Motive
Das Buch Das Parfum von Patrick Süskind trägt den Untertitel: Die Geschichte eines Mörders. Hört man heutzutage von Mördern, so haben doch die Meisten eines gemeinsam: Sie sind Außenseiter, Menschen, von denen man „so etwas nie gedacht hätte“ oder die vorher nie in irgendeiner Art und Weise aufgefallen sind. Zu dieser Art von Menschen zählt auch Grenouille. Sein gesamtes Leben lebt er eigentlich in Anonymität. So richtig weiß niemand etwas über ihn und eigentlich interessiert sich auch keiner sonderlich für seine Person, für sein Können allerdings um so mehr.
Wie wird man ein Mörder? Wird man schon als Mörder geboren? Diese Fragen sind die wichtigsten Fragen, die sich Patrik Süßkind in seinem Buch stellt, er möchte die Leute zum Nachdenken anregen, bevor diese den Mörder be- oder verurteilen. Das Thema „Außenseiter und Ausgestoßene in der epischen Literatur 4 ist das Hauptthema des Buches. Der Autor fängt in seiner Geschichte mit der Geburt von Grenouille an, womit er über die furchtbar lieblose Kindheit Grenouille erzählt. Dieser verliert zum Zeitpunkt seiner Geburt eine der wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines jeden Menschen: Die eigene Mutter. Diese verstößt ihn und will ihn am liebsten verrecken lassen, aber er stirbt nicht. Er kommt anschließend zu der Amme Jeanne Bussie, aber sehr bald bemerkte die Frau, dass ihm der natürliche Körpergeruch fehlt. Sie hält Grenouille für „vom Teufel besessen“ (Seite 14*).
Madame Gaillard, bei der er später gewohnt hat, zieht neben Grenouille noch andere Kinder auf. Diesen gefiel er von Anfang nicht, sie wollte ihn sogar töten: ,,Einmal taten sich die älteren zusammen, um ihn zu ersticken. Sie häuften Lumpen und Decken und Stroh auf sein Gesicht und beschwerten das ganze mit Ziegeln. [...] Ihn direkt zu erwürgen, am Hals, mit eigenen Händen, oder ihm Mund oder Nase zu verstopfen, was eine sichere Methode gewesen wäre, das wagten sie nicht. [...] Sie ekelten sich vor ihm wie vor einer dicken Spinne, die man nicht eigner Hand zerquetschen will." (Seite 30*) aber Grenouille überlebte alle Anschläge.
Süskind beschreibt Grenouille als hässlichen Jungen. „Er war, als er heranwuchs, nicht besonders groß, nicht stark, zwar hässlich, aber nicht so hässlich, dass man sich vor ihm hätte
4 Epik [ griechisch] die epische, erzählende Literatur (in Versen oder in Prosa), neben der Lyrik und Dramatik eine der drei Grundgattungen der Dichtung, in der ein Erzähler von vergangenem Geschehen berichtet oder seine Figuren selbst zu Wort kommen lässt. (Quelle: www.wissen.de)
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erschrecken müssen. Er war nicht aggressiv, nicht link, nicht hinterhältig, er provozierte nicht." (Seite 31*)
Grenouille wird schon als Kind zum Außenseiter. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse kann er sich schwer verständigen und dem entsprechen legt er keinen besonderen Wert auf Gespräche, dadurch empfand Grenouille die Menschen als eigentümlich und störend. Die ethische Werte, wie Moral und Gewissen, scheint er nicht zu kennen. Aufgrund seiner schlechten Kommunikationsfähigkeiten, nimmt er die Welt durch die Gerüche wahr. Grenouille besitzt den besten Geruchssinn der Welt. Diese Tatsache prägt ihn seit seiner Kindheit. Sein scharfer Sinn beeinflusst ihn so sehr, dass er sich nur Worte merken und verwenden kann, die einen Geruch haben. ,, Bis auf ,ja` und ,nein` - die er im übrigen erst sehr spät aussprach - gab er nur Hauptwörter, ja eigentlich nur Eigennamen von konkreten Dingen, Pflanzen, Tieren und Menschen von sich, und nur dann, wenn ihn diese Dinge, Pflanzen, Tiere oder Menschen unversehens geruchlicht überwältigten." (Seite 31*)
Viele Faktoren spielen zusammen, das sich in Grenouille ein Ekel gegenüber den Menschen und ihrem Geruch entwickelt, der ihn dazu treibt den ,,menschenentlegendsten" Ort Frankreichs aufzusuchen. Er kapselt sich für sieben Jahre komplett von der Menschheit ab, in dem er sich in eine Höhle zurückzieht In diesem Fall macht er sich selbst zum Außenseiter. Da erfährt er, dass er keinen Körpergeruch hat.
Die Tatsache, dass ihm der eigene Körpergeruch fehlt, bemerkt er erst in der völligen Einsamkeit. Es ist ein Schock für ihn. ,,An diesem Ort, in diesem weltfernen steinernen Grab, hatte er sieben Jahre lang gelegen. Wenn irgendwo auf der Welt, so musste es hier nach ihm riechen. Er atmete langsam. Er prüfte genau. Er ließ sich Zeit mit dem Urteil. Eine Viertel-stunde lang blieb er hocken. Er hatte ein untrügliches Gedächtnis und wusste genau, wie es vor sieben Jahren an dieser Stelle gerochen hatte: steinig und nach feuchter, salziger Kühle und so rein, dass kein lebendes Wesen, Mensch oder Tier, den Platz jemals betreten haben konnte ... Genau so aber roch es auch jetzt." (Seite 176*)
Der Wille seinen eigenen Geruch zu haben, genau so sein wie die Andere, von anderen geliebt zu werden sind die Ursachen seiner weiteren Taten. Sein Ziel ist ein Parfüm als Menschengeruch zu entwickeln, wofür er 26 Jungfrauen geraubt hat. Er möchte, dass die Menschen im vergöttern..., der omnipotente Gott 5 des Duftes [zu] sein, so wie er es in seinen Phantasien
5 omnipotent [lateinisch] allmächtig.
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gewesen war, aber nun in der wirklichen Welt und über wirkliche Menschen." (Seite 198*) Er schafft es, mit dieser, Duftmaskerade" Menschen zu betören und geradezu abhängig von ihm zu machen. Sie sind ihm verfallen und vergöttern ihn: ,,[...] er hatte es erreicht, sich beliebt vor der Welt zu machen. Was heißt beliebt! Geliebt! Verehrt! Vergöttert! Er hatte die prometheische Tat 6 vollbracht" (Seite 304*).Offensichtlich lebt Grenouille zurückgezogen und meidet jeden Kontakt mit anderen. Diese Gefühlskälte hat einen starken Einfluss auf sein späteres Wesen als Mörder. Er hat keinerlei Empfindungen, wenn er den jungen Mädchen das Leben raubt. Für ihn ist nur eines wichtig, und das ist die Vollendung seines Lebenswerkes und ,,das am Anfang dieser Herrlichkeit ein Mord gestanden hatte, war ihm, wenn überhaupt bewusst, vollkommen gleichgültig." (Seite 58*) Der Außenseiter ist nicht nur das einzige Motiv, mit dem sich Süßkind auseinander setzt, ein weiteres Motiv ist ,,Die-Schöne-und-das-Biest-Motiv". Auf der einen Seite steht ein ,,Biest", also ein Wesen, das sich durch negative Eigenschaften, wie ein abstoßendes Äußeres, einen grausamen Charakter oder unverständliches Handeln, zum Außenseiter macht, beziehungsweise gemacht wird, den Grenouille übernimmt. Ihm gegenüber steht ,,die Schöne", ein Wesen von unbeschreiblicher Schön- und Reinheit, das nur positive Eigenschaft besitzt und von allen akzeptiert und gern gesehen wird. Eines Tages trifft er auf ,,Laure Richis" (Seite 267*) beziehungsweise ihren Duft, der die Schöne in diesem Roman verkörpert. Er verliebt sich unsterblich in ihren einzigartigen Körpergeruch. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Laures Vater will sie vor Grenouille in Sicherheit bringen, doch aufgrund seiner einzigartigen Nase, kann er sie in ihrem Versteck aufspüren und dort töten.) kann er sich mit ihrem Aroma vereinigen. Bei der später geplanten Vollstellungen seines Todesurteils legt Grenouille sein ,,Parfum" auf. Da erst bemerken die Menschen, dass Grenouille kein verabscheuungswürdiges Untier, sondern ein liebenswerter Mensch wie Laure war. Der Grenouille Charakter hat sich durch den falschen Körpergeruch nicht verändert. Die Menschen liebten ihn nicht seiner Person wegen, sondern aufgrund seines berauschenden Duftes. Also wurde er nie wirklich geliebt, es war nur Täuschung von ihm. Er kann so dem Tode entkommen und nach Paris Fliehen. Als er dort ankommt, überschüttet er sich mit seinem absoluten Duft und gibt sich den Menschen hin, die ihn töten. Er stirbt also mit seinem Duft und ist somit auf ewig mit Laure vereint. Auch wenn es bei ,,Der Schönen und dem Biest" eine ,,Happy End" gibt und Grenouilles Leben in einem gewalttätigen Tod endet, so sind doch beide bis an das Ende ihrer Tage mit ihrer großen Liebe vereint gewesen.
6 Prometheisch = in der Art des Prometheus, titanenhaft
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Man kann also sagen, dass verschiedene Faktoren Einfluss darauf haben, das Grenouille zum Außenseiter wird. Auf der einen Seite sind es die Lebensumstände, unter denen er auf die Welt gekommen ist und in denen er später weiterhin lebt und auf der anderen Seite trägt er selbst auch einen großen Teil der Schuld. Grenouille gab sich nie sonderlich unzufrieden mit seiner Situation. Er akzeptierte, dass ihn die Menschen mieden und gar nicht erst registrierten. Er tat nichts dafür, um was in seiner Situation zu ändern.
4. Geschichtliche Hintergründe
Die Geschichte spielt zur Zeit Ludwig XV. (1710-1774). Dieser kam auf den französischen Thron als er 5 Jahre alt war. Die Regentschaft übernahm zunächst Herzog Philipp II. von Orléans (1674-1723). Damit begann eine Zeit, in der Frankreich anfing zu stagnieren und von Hofintrigen geplagt zu werden. Ludwig XV. gewöhnte sich schnell an das Delegieren der Verantwortung, konnte jedoch die notwendigen Reformen in Krisensituationen nicht durchsetzen. Er hatte nicht die Machtstärke seines Urgroßvaters (Ludwig XIV.). Die Beteiligung Frankreichs an dem polnischen Thronfolgekrieg, dem österreichischen Erbfolgekrieg und dem siebenjährigen Krieg brachte das Land an den Rand des finanziellen Ruins und schwächte sein internationales Ansehen.
4.1. Gesellschaftliche Schichten
Der Alltag des Adels zu dieser Zeit war aufs Gröbste verschwendungssüchtig. Er prunkte mit schönen Kleidern und wunderbaren Schlössern und warf mit seinem Kapital nur so um sich. Hinzu kam, dass die untere Bevölkerungsschicht durch den Adel unterdrückt und missbraucht wurde. Bei den kleinsten Widerständen im Volk, wurden die Rebellen sofort hinter Schloss und Riegel gebracht. Um als Stärkste und Beste da zu stehen, handelten die Adligen mit Soldaten. Allerdings waren nicht alle Adligen so eigennützig eingestellt, einige verbesserten das Bildungswesen zu Gunsten der Jugend. Die adligen Frauen wurden in ihrer Kindheit gefördert, Wissen zu erlangen, um einem Mann gleichen Standes gerecht zu sein. Sie erlangten eine umfassende Allgemeinbildung, indem sie bis zum vierzehnten Lebensjahr von jeder Wissensrichtung einen Überblick erlernten und dann als richtige Frau galten. Allerdings blieb die Wissenschaft den Männern vorbehalten. Die Beziehung zwischen Mann und Frau war nicht sehr tiefgehend. Die adligen Männer hatten häufig Geliebte, es ging sogar so weit, dass
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man neben seinem Lebensgefährten Geliebte haben musste, um anerkannt zu werden. So hatte zum Beispiel Ludwig XV. gleich zwei Mätressen: Madame de Pompadour und Madame Durry.
Im 18. Jahrhundert war die handwerklich organisierte Familie vorherrschend. Der Meister, der zugleich als Vater die dominierende Person des Hauses war, hatte immer den Überblick über den ganzen Haushalt, teilte alle Aufgaben ein und überwachte diese. Die Frau galt als fromm, ungebildet, arbeitsselig und treu. Sie beherrschte ihren Teil des Haushaltes perfekt. Die Kinder, Lehrlinge, Gesellen und das Dienstgesinde lebten mit ihnen zusammen unter einem Dach. Üblicherweise hatte man mindestens zehn Kinder, da ein Drittel bereits im ersten Lebensjahr starb und man sie ab dem siebten Lebensjahr als Arbeitskraft einsetzen konnte. Im Gegensatz zu den adligen Familien gab es bei den bürgerlichen keine Geliebten, weil die Heirat eher einer Liebesheirat entsprach. Trotzdem wurden die Frauen immer noch als Besitz bezeichnet.
Ältere Menschen wohnten bei ihren Nachkommen - sofern sie welche hatten - und wurden bis zum Tod von diesen gepflegt. Hatte man jedoch keine Kinder, hatte man erstens kein Ansehen in der Gesellschaft und wurde zweitens in ein Spital geschafft, was heute eine andere Bedeutung hat als damals, um dort zu sterben. Die Lebenserwartung im 18. Jahrhundert war nicht sehr hoch. Sie lag bei den Männern bei 63,4 Jahren und bei den Frauen bei 67,9 Jahren.
Die adligen Frauen trugen im 18. Jahrhundert Reifröcke, welche aus einem inneren Gerüst aus Fischbein und Holz bestanden. Da die Reifröcke unnatürlich breit waren, passten die Frauen nicht mehr durch den Türrahmen. Zum Reifrock trugen sie hohe, spitze Absätze. Um nicht um zu knicken, mussten sie andauernd geführt werden. Später wurden diese Röcke reduziert. Die Frauen trugen dann Röcke mit Kissen, die hinter dem Gesäß angebracht waren. Ende des 18. Jahrhunderts verschwand das Kissen wieder, da der Mensch wieder der Natur näher kam. Dies führte auch dazu, dass die Leute keine Perücken mehr trugen. Die Männer hatten Fischbeinröcke, Westen, Hemden mit riesigen Manschetten und seidene Strümpfe an, dazu feinsohlige, runde Schuhe mit Absätzen. Sie hatten immer einen vergoldeten Degen und einen Hut bei sich.
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Die Kleinbürger dagegen waren sehr einfach, möglichst unverwüstlich und zweckmäßig gekleidet. Die Bauern waren noch einfacher gekleidet. Sie trugen Mantel, Wams, Hose, seltener Hemd und Schuhe. Die Frauen trugen Hemd, Oberrock und Untergewand.
Eine beliebte Vergnügung für alle Schichten stellte in dieser Zeit der Theaterbesuch dar. Aber auch dort herrschte eine strenge Ständehierarchie, das heißt es gab eine strenge Sitzordnung. Das Theater galt als Mittelpunkt des geselligen Lebens, obwohl in ihm chaotische Zustände herrschten. Es war zum Beispiel an der Tagesordnung, dass sich Theatergruppen verprügelten und die Stücke nicht aufgeführt werden konnten. Außerdem gab es öffentliche Tanzveranstaltungen, die vor allem im Winterhalbjahr statt fanden. Die Teilnehmer hatten maskiert zu erscheinen. Die Tanzveranstaltungen dienten zum zwanglosen Miteinander zwischen Adel und Bürgertum. Bediensteten war es jedoch untersagt, an ihnen teil zu nehmen. Die Stadtbevölkerung, die nicht zu den bürgerlichen Kreisen gehörte, vergnügte sich mit Kegelabenden, Wochen- und Jahrmärkten, Vogelschießen, Lotterien und Picknicks.
5. Charakteristika Jean-Baptiste Grenouille
Jean-Baptiste Grenouille wurde am 17. Juli 1738 am „allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs“ (Zitat Seite 7) geboren: Auf dem Pariser Fischmarkt in der Rue aux Fers, inmitten toter und stinkender Fische. Er wächst zu einem Menschen heran, dessen äußere Erscheinung ziemlich unauffällig ist. So ist er „nicht besonders groß nicht stark, zwar hässlich, aber nicht so extrem hässlich, dass man vor ihm hätte erschrecken müssen“ (Zitat Seite 31). Abgesehen von seinem Buckel, ist die einzige Besonderheit, die ihm später auch zum Verhängnis wird, sein rechter, verkrüppelter Fuß, der ihn zu einem hinkenden Gang zwingt. Sein Erscheinungsbild ist durch körperliche Entstellungen gekennzeichnet: Narben, Schrunde und Grind übersähen seinen Körper. Er ist körperlich nicht nur äußerst resistent, sondern auch extrem genügsam. Er vermag sich von wässrigen Suppen, verdorbenem Fleisch, faulem Gemüse und dünnster Milch zu ernähren. Weder körperliche Züchtigungen, noch völliger Essensentzug beeindrucken Grenouille. Hunger und Schmerz scheint er nicht zu kennen. Bereits als Säugling empfinden ihn die anderen Menschen als eine Bedrohung. Die Amme Jeanne Bussie weigert sich, das gierige Kind länger bei sich zu halten, da es sie „leerpumpt bis auf die Knochen“ (Zitat Seite 11). Außerdem fällt ihr etwas auf, was später Grenouilles größtes Problem ist: „Er riecht überhaupt nicht“ (Zitat Seite 14). Selbst Pater Terrier aus dem Kloster Saint-Merri, zu dem die Amme Grenouille zurück bringt, empfindet dieses Kind als „feinseliges Animal“
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(Zitat Seite 26). Auch den noch vorurteilsfreien Kindern, mit denen er bei Madame Gaillard zusammen lebte, war er „unheimlich“ (Zitat Seite 30), so dass sie mehrmals versuchten, ihn um zu bringen. Die positivste Reaktion, die er erfährt ist, wenn er gar nicht beachtet wird. Nie hat ihm jemand Sympathie oder gar Liebe entgegen gebracht. Er wird immer nur benutzt und ausgebeutet. Er ist von Anfang an ein Außenseiter der Gesellschaft. Er ist nicht nur Täterimmerhin bringt er im Laufe seines circa 29 Jahre dauernden Lebens 26 Jungfrauen um -, sondern auch in gewisser Weise Opfer. Grenouille ist ein „stiller“ und „sanfter“ Mörder. Seine Morde sind sehr andachtsvoll, wie Zeremonien oder Rituale. Auch haben seine Morde keinen sexuellen Hintergrund, im Gegenteil: Er versucht Distanz zu seinen Opfern zu wahren und vermeidet jeglichen unnötigen Körperkontakt (so erschlägt er alle seine Opfer in Grasse mit einer Holzkeule). Sein Motiv für die Morde scheint in gewisser Weise verständlich, im Gegensatz zu den verabscheuten Mördern der Literatur oder des Films begeht Grenouille keinen seiner Morde aus Lust an der Gewalt. Die Morde sind nur Mittel zum Zweck und haben für ihn keine tiefere Bedeutung. Allerdings muss man auch sagen, dass die Tatsache, dass er Menschen tötet, Grenouille nicht im Geringsten interessiert. „Dass am Anfang dieser Herrlichkeit ein Mord gestanden hatte, war ihm, wenn überhaupt bewusst, vollkommen gleichgültig. An das Bild des Mädchens aus der Rue des Marais, an ihr Gesicht, an ihren Körper, konnte er sich schon nicht mehr erinnern. Er hatte ja das Beste von ihr aufbewahrt und sich zu eigen gemacht; das Prinzip ihres Dufts.“ (Zitat Seite 58). Er sieht in den Menschen nichts Besonderes, er hält weder sie, noch das Leben für wichtig. Einzig die Düfte zählen. So hat er schon als Sechsjähriger, bevor er richtig sprechen kann, „seine Umgebung olfaktorisch erfasst“ (Zitat Seite 34). Dank seiner Begabung und seines Fleißes ist er bald in der Lage, mit seiner Nase einen Duft aus einem Gemisch heraus zu filtern und diesen dann meilenweit bis zu seiner Quelle zu verfolgen. Die größte Passion dieses nach Außen unauffälligen Menschen ist es, unbekannte Düfte „mit der Leidenschaft und Geduld eines Anglers...“ (Zitat Seite 45) zu jagen, um diese dann analytisch in ihre Grundgerüche zu zerlegen und in seinem Kopf neue Düfte zu kreieren. Und hierin liegt Grenouilles wahre Genialität: Das Erfassen, Speichern und Kombinieren von Gerüchen. Dies alles bleibt seinen Mitmenschen verborgen, sie sehen nur die verblüffenden Ergebnisse dieser Genialität und führen sie auf „übernatürliche“ Kräfte zurück, denn ihm fehlt die spezifische Eigenschaft des Menschen: Der Eigengeruch. Und damit steht das Urteil über ihn fest: „Er ist vom Teufel besessen.“ (Zitat Seite 14). Auch menschliche Wärme scheint er nicht zu brauchen, er selbst strahlt Kälte aus. Er lebt isoliert und ist nicht am Weltgeschehen interessiert. „Er gibt an seine Umwelt nichts ab als seinen Kot; kein Lächeln, keinen Schrei, keinen Glanz der Augen, nicht einmal einen Duft.“ (Zitat
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Seite 29). Da Grenouille niemals die zwischenmenschliche Kommunikation erlernt und trainiert hat, empfindet er die Menschen nur als störende Erscheinungen. Das „stickige Menschenklima“ (Zitat Seite 149) wird ihm immer verhasster. Schließlich kehrt er der menschlichen Welt den Rücken, und das wäre wahrscheinlich auch endgültig gewesen, wenn ihn nicht die panische Angst vor sich selbst in die Gesellschaft der Menschen zurück getrieben hätte. Aber auch nach seiner Rückkehr verabscheut er die anderen, ja er hasst sie sogar. Über den ganzen Roman erstreckt sich der Vergleich Grenouilles mit einer Zecke, die gleichsam zum Leitmotiv wird. „Er führt die Existenz eines resistenten Bakteriums, er ist eine Zecke.“ (Zitat Seite 27). Eine Zecke ist zäh, still, resistent, hässlich, stur und genügsam. Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Leben einer Zecke und dem Grenouilles sind augenfällig. Beide halten sich im Hintergrund, leben zurückgezogen und unauffällig, halten ihre eigenen Interessen zurück, bis der (instinktiv erfasste) Zeitpunkt kommt, diesem Interesse nach zu gehen. Grenouille wird, um sein Äußeres und seinen Charakter zu beschreiben, immer wieder mit Tieren verglichen, die eher negativ besetzte Assoziation wecken. So wird er als „kleine schwarze Kröte“ (Zitat Seite 96) und „so dass er aussah wie eine schwarze Spinne“ (Zitat Seite 99) bezeichnet. Jean-Baptiste Grenouille hat bis zu seinem Tod, am 25. Juni 1767, nie einen Freund oder auch nur einen näheren Bekannten. Er ist immer allein, und genau das ist sein Ziel. Dies wird an folgender Stelle besonders deutlich: „Man ließ ihn in Ruhe. Und nichts anderes wollte er.“ (Zitat Seite 231).
6. Weitere Figuren
Grenouilles Mutter
Von Grenouilles Mutter wird nicht viel erzählt, die bleibt im Roman namenlos. Man erfährt nur, dass sie „gerade Mitte zwanzig, die noch ganz hübsch aussah und noch fast alle Zähne im Mund hatte und auf dem Kopf noch etwas Haar und außer der Gicht und Syphilis und einer leichten Schwindsucht keine ernsthafte Krankheit“ (Zitat Seite 8). Man kann mutmaßen, dass sie sich als Prostituierte etwas dazu verdiente. „Ursprünglich“ war sie wohl Fischverkäuferin. Grenouilles Mutter hat aber auch noch ein paar Träume. Sie will noch einige Jahre leben, vielleicht sogar die Frau eines verwitweten Handwerkers werden und wirklich Kinder haben. Zum fünften Mal bringt sie an der Fischbude ein Kind auf die Welt. Vier waren Totgeburten oder Halbtotgeburten gewesen. Allesamt hat sie sie unter die stinkenden Fische gelegt - so auch das fünfte Kind: Jean-Baptiste Grenouille. Er verdankt sein Leben alleine dem Umstand,
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dass seine Mutter wegen der Hitze ohnmächtig wird und auf die Straße mit dem Messer in der Hand fällt. Nachdem - wider Erwarten - das Kind unter dem Schlachttisch anfängt zu schreien, wird es von Amts wegen einer Amme übergeben. Als man nachfragt, gibt sie ohne weiteres zu, „dass sie das Ding bestimmt würde haben verrecken lassen, wie sie es im übrigen schon mit vier anderen getan habe“ (Zitat Seite 9). Man verurteilt sie wegen mehrfachen Kindermordes zum Tode und damit ist ihre Rolle im Roman zu Ende.
Pater Terrier
Pater Terrier ist fünfzig Jahre alt und ein eher gemütlicher Typ. Er ist Mönch des Klosters von Saint-Merri. „In seine Zuständigkeit fiel die Verwaltung des klösterlichen Karitativfonds, die Verteilung von Geld an Arme und Bedürftige.“ (Zitat Seite 11/12). Der Pater ist ein gebildeter Mann, bewandert in Theologie und Philosophie und kennt sich ein wenig in Botanik und Alchimie 7 aus. Außerdem hält er einiges auf die Kraft seines kritischen Geistes, zweifelt aber nicht an der Bibel, bleibt gläubig. Jedoch bekämpft er aufs Entschiedenste die abergläubischen Vorstellungen des einfachen Volks. Einzelheiten sind ihm zuwider: „Ach, ich verstehe...ich bin im Bilde: Es geht wieder einmal ums Geld.“ (Zitat Seite 12).
Gerber Grimal
Der Gerber Grimal benutzt billige Arbeitskräfte für die gefährlichen Gerberarbeiten, die Milzbrand auslösen können. Er ist ein prügelnder Chef und hält Grenouille wie ein Haustier. Grimal ist ein habgieriger und eiskalter Geschäftsmann. Seine „Karriere“ endet in einem Fluss, nachdem er Grenouille an Baldini (Parfümeur) verkauft und er die Ablösesumme versoffen hat. Genauso gefühllos und zynisch wie Grimal sein Leben lang gewesen sein muss, geht er in dem Fluss unter. Niemand weint ihm eine Träne nach.
Chénier, Baldinis Geselle
Chénier ist etwas jünger als sein Meister, aber auch schon alt, und hofft, das Geschäft bald erben zu können. Er glaubt, dass Baldini die ersten beiden Parfüms selbst erfunden hat, ist ihm gegenüber höflich, hält ihn aber eigentlich - zu Recht - für unfähig. Als das Geschäft, dank Grenouille, wieder blüht, versteht er die Welt nicht mehr. Aber er hat ja genug damit zu tun, zu verkaufen und Geld zu zählen, hat aber schlussendlich rein gar nichts davon.
7 Goldmacherkunst
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Marquis de la Taillade-Espinasse
Ein schräger Spinner, Lehensherr der Stadt Grasse und Mitglied des Parlaments in Toulouse. „Der Marquis hatte schon mit vierzig Jahren dem Versailler Hofleben den Rücken gekehrt, sich auf seine Güter zurückgezogen und dort den Wissenschaften gelebt.“ (Zitat Seite 177/178). Er verfasst ein Werk über dynamische Nationalökonomie und fordert umgekehrt progressive (ungerechte) Einkommenssteuer, die die Ärmsten am Härtesten trifft. Er verfasst weiterhin ein Traktat über die Erziehung von Jungen und Mädchen zwischen fünf und zehn Jahren, wendet sich der experimentellen Landwirtschaft zu und versucht, eine sogenannte „Euterblume“ zu züchten. Danach erstellt er ein Essay über die Zusammenhänge zwischen Erdnähe und Vitalkraft und stellt die These auf, dass die Erde ein Verwesungsgas verströme, das er nach seinem Entdecker „fluidum letale Taillade“ nennt. Grenouille, der sieben Jahre auf einem Vulkan gelebt hat und total verwahrlost in die Stadt kommt, braucht er, um die Leute von seinen Theorien zu überzeugen. Bei einem Bergaufstieg erfriert er. Der Legende nach wurde er unsterblich.
Madame Arnulfi
Madame Arnulfi ist eine lebhafte, schwarzhaarige Frau von dreißig Jahren und die Witwe eines Parfümeurs in Grasse. Sie ist eine wohnhabende Frau mit gesundem Geschäftssinn. Sie teilt das Bett mit ihrem ersten Gesellen Druot, den sie nach dem Trauerjahr heiratet. Ihren Namen und das Vermögen behält sie jedoch.
Dominique Druot
Druot ist ein riesenhafter, breitbeiniger Mann, nicht gerade fabelhaft intelligent, aber auch nicht völlig dumpfköpfig. Er ist der erste Geselle und Liebhaber von Madame Arnulfi. Er wird später als Frauenmörder hingerichtet, da bei ihm die Kleidungsstücke der jungen Damen gefunden wurden.
Antoine Richis
Er ist noch nicht vierzig Jahre alt, Witwer, hat eine Tochter Laure und ist zweiter Konsul von Grasse. Richis ist ein aufgeklärt denkender Mensch, der auch vor blasphemistischen Schlussfolgerungen nicht zurück schreckt. Er ist ein reicher Besitzbürger mit vielen Dienern und Bediensteten und träumt davon, eine Dynastie zu errichten. Deshalb will er - möglichst schnell - seine Tochter unbedingt mit einem Sohn aus dem adeligem Hause Bouyon vermählen. Er ist der einzige im Roman, der in der Lage ist, Grenouille zu durchschauen. Ihm
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fällt auf, dass der Mörder nur jungfräuliche schöne Opfer bevorzugt. Richis weiß, dass auch seine Tochter in Gefahr ist und versucht sie mit allen Mitteln zu beschützen. Aber auch Richis wird von Grenouille getäuscht. Seine Tochter wird, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, getötet. Richis weiß nichts von Grenouilles Begabung und fällt auf das Parfüm der Unauffälligkeit herein, welches Grenouille während der Jagd nach Laure benutzt. Auch am Tag der Hinrichtung lässt er sich von Grenouille täuschen. Statt den Mörder seiner Tochter zu töten, will er ihn zum Sohn haben.
6.1. Madame Gaillard
Madame Gaillard ist noch keine dreißig Jahre alt, Witwe und innerlich bereits tot. Als Kind hat sie von ihrem Vater einen Schlag mit einem Feuerhaken über die Stirn bekommen, knapp oberhalb der Nasenwurzel. Dadurch verliert sie ihren Geruchsinn und wird ein vollkommen emotionsloses Wesen. Sie besitzt einen gnadenlosen Ordnungs- und Gerechtigkeitssinn, be-vorzugt und benachteiligt keinen ihrer Zöglinge, behandelt sie alle gleich. Sie kann den Unterschied zwischen Grenouille und anderen Kinder nicht merken. Er ist ihr genauso gleich-gültig wie die anderen Zöglinge. Die Kinder werden von ihr bis zu deren zweiten Geburtstag dreimal am Tag gewindelt und erhalten ebenso viele Mahlzeiten. Macht danach noch jemand die Hosen voll, bekommt er eine schallende Ohrfeige und eine Mahlzeit weniger. Schon bald merkt Madame Gaillard, dass Grenouille anders ist als alle anderen Menschen. Er wird ihr unheimlich, sie hat Angst vor ihm, weil sie glaubt, er habe das „zweite Gesicht“. Sie ist eine gute „Geschäftsfrau“, nimmt die eine Hälfte des Kostgeldes, welches sie vom Kloster Saint-Merri gezahlt bekommt, für die Kinder, die andere behält sie für sich. Sie sorgt für ihr Alter vor, will sich eine Rente kaufen, um nicht im Hôtel-Dieu sterben zu müssen, wie ihr Mann. „...ihr graute vor diesem öffentlichen gemeinsamen Sterben mit Hunderten von fremden Menschen.“ (Zitat Seite 27). Nachdem Grenouille von ihr an den Gerber Grimal verkauft wird, erfahren wir, dass sie, Jahre später im Alter von über neunzig Jahren in Armut, aufgrund der negativen Auswirkungen der französischen Revolution, stirbt.
6.2. Guiseppe Baldini
Baldini ist schon weit über sechzig Jahre alt, eingebildet, autoritätsgläubig, misstrauisch, neugierig und einer der besten Parfümeure von Paris. Er bezeichnet sich selbst als gutmütigen
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Menschen, ist aber eigentlich nur am persönlichen Wohlstand interessiert. Als Grenouille ihn kennen lernt steckt er jedoch in einer schweren Inspirationskrise. Alle Parfüms, die Baldini zu Ansehen verhalfen, waren entweder geerbt, gekauft oder alt bekannte Mischungen. Zwei Düften verdankt er sein Vermögen: „Rose des Südens“ und „Baldinis galantes Bouquet“. „Zwar war er alt und verbraucht, das stimmte, und auch kein großer Parfümeur mehr; aber er wusste, dass er im Leben noch nie einer gewesen war.“ (Zitat Seite 66). Baldini ist Grenouille gegenüber anfangs sehr misstrauisch, will das Parfümgeschäft endgültig aufgeben. Dann beginnt er Grenouille nach Strich und Faden aus zu nützen. Die Beiden schließen einen Pakt, der an den Pakt von Faust mit Mephisto erinnert. Baldini meint, dass nur er den Nutzen aus diesem Pakt zieht und merkt nicht, dass auch Grenouille von ihm profitiert. Baldini lässt sich auf eine zwielichtige Gestalt aus den Motiven nach Gier, Reichtum und gesellschaftlicher Annerkennung ein. Man könnte ihn als eine exakte Gegenfigur zu Grenouille betrachten, welche Grenouilles Genialität in mehrerer Hinsicht zur Geltung bringt. Nach der Abreise von Grenouille stürzt Baldinis Haus ins Wasser und er kommt mit seiner Frau Teresa um. Nichts wird mehr gefunden, noch mehrere Wochen riecht es...
7. Intention des Autors
Die Intention der Autor Patrick Süskind bezieht sich auf den Einblick in das Leben eines einzigartigen Mörders und was er durch die Geschichte der Mörder äußert. Das Ziel seines Werks ist die Menschen zu zeigen welche Ursachen die Rolle spielen, dass ein Mensch zum Mörder wird. Bei der Geburt ist jeder Mensch gleich. Doch nach der Geburt ist für die meisten Menschen das Leben bereits in eine bestimmte Richtung vorgegeben. Das geschieht durch die Eltern, die Gesellschaft, den Staat und natürlich auch durch die eigene Person. Grenouille zählt zu den ,,genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche“ (Seite 5*) Sicherlich war es nicht Süskinds Absicht, die Menschen dazu zubringen, Verständnis für alle Mörder aufzubringen und ihre Taten für weniger verachtenswert zu halten. Meiner Meinung nach wollte er die Menschen zeigen, dass die Umwelt sehr große Rolle in der Entwicklung den Kindern spielt, dass wir alle auch die Schuld haben, dass solche Menschen, wie Grenouille existieren.
Zweifellos sind Morde immer verabscheuenswürdig, trotzdem sollte auch einmal hinter die Person des Mörders geschaut werden. Wie in diesem Buch auch, sind es oft verschiedene Faktoren, die zusammen spielen und einen normalen Menschen zum Mörder machen. Natürlich ist er letztendlich selbst der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, wenn er es
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auch nicht allein bis zum Rand gefüllt hat. Die wohl gewichtigste und damit Hauptaussage ist folgende: Menschen sind einfach zu manipulieren! Durch Grenouilles ,,Duftmaske" kann er die Menschen so manipulieren, das sie ihn nicht mehr hassen und töten wollen. Nein, sie lieben und vergöttern ihn sogar. Das wurde alles durch ein simples, aber wirkungsvolles Parfum ausgelöst. Als allgemeine Aussage lässt sich sagen, das Süskind die Gesellschaft zum Nachdenken anregen möchte, denn schließlich sind alle Menschen gleich. Menschen wie Grenouille, haben in ihrem gesamten Leben nie eine wirkliche Chance erhalten. Sie wurden in eine Schublade gesteckt und bekamen nie die Möglichkeit aus dieser wieder heraus zu kommen. Ein Mensch wird nicht ohne Grund zum Außenseiter, es spielen immer verschiedene Faktoren zusammen.
8. Reflexion
Als ich mich mit meinen Deutschpartnerinnen für dieses Buch entschied, hatte ich keine Ahnung, was da auf mich zu kommen würde. Ich hatte bislang noch nichts darüber gehört, konnte mich also komplett unvoreingenommen aufs Lesen konzentrieren.
Die Spannung steigt, meiner Meinung nach, etwas zu langsam an, denn einige Textstellen, Beschreibungen von Gerüchen etc. werden sehr stark ausgeschmückt, was das Ganze wieder in die Länge zieht. Zwischendurch driftete ich einige Male komplett ab, wusste nicht mehr, wo was und wie passiert und war dann völlig überrascht, als plötzlich von einer Handlung erzählt wurde, wo ich gar nicht wusste, wie ich da hin gekommen bin. „Schuld“ daran waren die endlosen Aufzählungen, wie vor bemerkt. Damit ich den Anschluss wieder fand, musste ich einige Seiten zurück gehen und die Stellen noch einmal lesen.
Anfangs hatte ich regelrecht „Mitleid“ mit Grenouille und musste mir ab und an „eine Träne verkneifen“. Die Charakterstudie zwischen Genie und Wahnsinn, die Süskind in seinem Roman versucht, ist meiner Einschätzung nach sehr gut gelungen. Dem Leser wird schnell der Zwiespalt Grenouilles klar. Einerseits das Genie, das in der Lage ist, Düfte beliebig zu kombinieren und sie in den feinsten Nuancen wahr zu nehmen, andererseits der Wahnsinnige, der 26 Jungfrauen tötet, um an ihren Duft zu kommen und damit sein Duftdiadem zusammen zu setzen. Faszinierend zu erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, Blumen ihres Duftes zu berauben, ich sah es direkt vor mir! Die Sprache passt hervorragend dazu - gespreizt an-
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mutend, antiquiert, verführerisch. Ein Punkt, den ich in diesem Zusammenhang besonders erwähnen möchte: Grenouille, der ja kaum der Sprache mächtig ist, wird oft zitiert, mit Worten, die seinem Sprachgebrauch kaum entsprechen können. Doch jedes Mal wird darauf verwiesen, dass dies nur eine Zusammenfassung dessen wäre, was er da umständlich vor sich hin gestammelt hätte.
Zum Ende hin konnte ich dem Roman gar nicht mehr richtig folgen, weil Ekel und Entsetzen in mir aufstiegen. Ich hatte den Eindruck, als hätte Süskind keine Lust mehr gehabt, weiter zu schreiben, die Ideen oder die Energie zum Weiterschreiben hätten ihm gefehlt oder er wäre der Sache satt gewesen. Immer neue und an den Haaren herbei gezogene Motive sollten ihm aus der Not helfen. Bereits bei der geplanten Hinrichtung Grenouilles wollte ich das Buch schon in die Ecke legen und demonstrativ nicht mehr weiter lesen. Die dort beschriebenen Sexorgien, die aufgrund Grenouilles Duft entstehen, sind für mich jenseits von Gut und Böse. Ganz zu schweigen von dem kannibalistischen Ende Grenouilles. Ich kann jedoch nicht umhin zu sagen, dass gerade diese Szene eine grandiose Darstellung eines Massenwahns und der Verführbarkeit und Manipulation des Menschen ist. Und dies inmitten zivilisierter Menschen in Europa.
Das Parfum gehört ohne Zweifel zu den Büchern, die die Geister scheiden. Entweder man liebt es - oder kann überhaupt nichts damit anfangen - oder man „schwirrt irgendwo dazwischen herum“, so auch ich. Das „Auseinandernehmen“ des Romans hat mir großen Spaß gemacht und war sehr interessant. Ich kann die positiven Kritiken aus aller Welt nicht bedingungslos teilen und würde den Roman auch nicht (unbedingt) weiter empfehlen.
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Literaturverzeichnis
Raab, Alexander und Oswald, Dr. Ellen: Lektüre Durchblick Band 323, München, 1997
Süskind, Patrick: Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders Zürich, 1985 www.geschichteeinesmörders.de www.idealo.de www.ni.schule.de www.stag-monheim.de/parfum/index2.htm www.wissen.de
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Arbeit zitieren:
Sabine Klatt, 2005, Interpretation von Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm“, München, GRIN Verlag GmbH
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