Das Apostolische Glaubensbekenntnis hat eine lange und bunte Entstehungsgeschichte, die bis ins zweite Jahrhundert zurückgeht. Unter Karl dem Großen 1 wurde es um 800 n. Chr., durch einen kaiserlichen Rechtsakt, zum zentralen Dokument und offiziellem Bekenntnis des Frankenreiches, und damit im gesamten Abendland verbreitet. Das Glaubensbekenntnis besteht aus drei Hauptteilen, die den drei Personen der Trinität 2 entsprechen. Die dreigliedrige Form des Bekenntnisses geht vermutlich auf Jesu Abschiedsworte zurück:
„Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (vgl. Mt. 28,19-20).
Bei der Verteilung der Themen über das Glaubensbekenntnis, habe ich mir den wohl schwierigsten Teil ausgesucht: Zeugung durch den Heiligen Geist und Jungfrauengeburt. In meiner Ausarbeitung werde ich mich jedoch auch mit dem vorhergehenden Teil „Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn,“ beschäftigen, ohne den meines Erachtens keine Ausarbeitung der eigentlichen Passage möglich ist. Hierbei ergeben sich schon sehr viele Fragen: 1. was heißt „ich glaube an? 2. wer war Jesus? 3. was bedeutet Christus?
4. was bedeutet eingeborener Sohn - und warum nicht Tochter?
5. was bedeutet empfangen durch den Heiligen Geist? Wer oder was ist das überhaupt? Was ist mit Josef?
6. geboren von der Jungfrau Maria - Jungfrau = Übersetzungsfehler? Wer war Maria? Zu 1: was heißt „ich glaube an“?
Man unterscheidet zwischen „Form“ des Glaubens = Vertrauen / Gewissheit und „Inhalt“ = glauben an = an jemanden glauben, hier, an Jesus Christus. Es bedeutet auch „sich vertrauen auf“, „sich verlassen auf“, „sich einlassen auf“, „ich gebe ihm und seinem Wort felsenfest Kredit“. Nicht zu verwechseln mit „ich glaube, dass...“, was soviel heißt wie „vermuten, dass“ oder „meinen, dass“, „nicht sicher wissen, ob“.
1 Karl der Große (748-814), Frankenkönig und römischer Kaiser
2 Trinität (lat. trinitas) = Gott (Vater), Sohn und Heiliger Geist; Gott ist dreifaltig und dreieinig; drei Erscheinungsweisen eines Gottes; Gott ist EINER (monotheistisch)
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Zu 2: wer war Jesus?
Zunächst einmal sollte hier festgehalten werden, dass Jesus ein Name ist. Es ist die griechischlateinische Form des hebräischen „Josua“ bzw. „Jeschua“, einer späteren Bildung aus „Jehoschua“ oder „Joschua“, was bedeutet: „Jahwe ist Rettung“, „Der Herr ist Heil“. Die Bibel kennt mehrere Träger dieses Namens, der nun nach Gottes Willen seinem einzigen Sohn gegeben wurde (vgl. Mt. 1,21; Lk. 1, 31). Seitdem ist dieser Name „der über alle Namen ist“ (vgl. Phil. 2, 9), der einzige Name „durch den wir selig werden“ (vgl. Apg. 4, 12).
Eine exakte Biografie Jesu ist nicht rekonstruierbar, um so weniger, als die Evangelien nicht als Biografie, sondern als Urkunden des Glaubens an Jesus geschrieben wurden. Christlichem Glauben geht es nicht um Fürwahrhalten bestimmter historischer Fakten, sondern um die Bedeutung, die Jesus für unser eigenes Leben gewinnt. Die Frage nach solcher Bedeutung orientiert sich aber genau an Jesus als Mensch - was er gesagt und getan hat. Genau in dieser Spannung steht für uns heute das Problem des historischen Jesus. Was wissen wir also über den historischen Jesus? Er wurde kurz vor Ende der Regierungszeit Herodes I. (37-4 v. Chr.) als Sohn des Zimmermanns Josef, der vermutlich nicht sein „biologischer“ Vater war, und dessen Frau Maria in Nazareth 3 geboren. Er hatte mehrere Brüder 4 und Schwestern. Er war Jude und muss eine elementare jüdische Bildung besessen haben, war mit den großen religiösen Traditionen seines Volkes vertraut, lehrte in Synagogen und wurde in der Zeit seines öffentlichen Wirkens „Rabbi“ genannt. Jesu Muttersprache war aramäisch. Sein öffentliches Wirken begann im Anschluss an das Wirken Johannes des Täufers - nach einer vereinzelten Notiz bei Lukas etwa in seinem 30. Lebensjahr (vgl. Lk. 3, 23). Seine eigene Taufe durch Johannes gehört zu den am sichersten bezeugten Daten seines Lebens. Er führte Streitgespräche (hat in gutem Sinne mit anderen gestritten), ist mit anderen herumgewandert, hat in Gleichnissen (Bildern, Metaphern) gesprochen, war wirkmächtig (hatte Kraft zu heilen), war drei Jahre öffentlich wirksam, ist einen Leidensweg gegangen und wurde von der römischen Gerichtsbarkeit gekreuzigt. Jesu Geschichte ist weder in römischen Staatsakten noch in einem jüdischen Geschichtswerk verzeichnet. Die große Weltgeschichte hat kaum von ihm Notiz genommen. Es gibt nur ein paar wenige außerchristlichen Quellen, die ihn überhaupt erwähnen. Eine davon ist der jüdische Historiker Josephus, der in seinem Werk „Jüdische Altertümer“ 90 n. Chr. über die Juden, die Essener und Johannes dem Täufer berichtet. Jesus nennt er in einer beiläufigen Notiz, bei Erwähnungen von Steinigungsprozessen „des Jakobus, des Bruders Jesu, der Christus genannt wird“ (vgl. Lektorenausbildung 2002/03 „Außerchristliche Quellen - Einführung AT / NT“ sowie Material Unterrichtseinheit „biblische Theologie“, Diakonenausbildung 2006).
3 Mk. und Joh. nennen Jesus mehrmals den Nazarener, womit sie meinen, dass er aus Nazareth in Galiläa stammt; Lk. erzählt, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde.
4 Die Namen seiner Brüder sind teilweise bekannt: Jakobus, Josef, Judas und Simon (Mk. 6, 3; Mt. 13, 56)
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Zu 3: was bedeutet Christus?
Christus ist der Titel, die Amtsbezeichnung, wenn man so will, Jesu. Das griechische Wort „christos“ ist die Übersetzung des aramäischen „meschicha“ bzw. des hebräischen „maschiach“ und bedeutet „der Gesalbte“ (Messias). Statt sich selbst als Messias zu bezeichnen, hat Jesus vielmehr durch die Art und den Inhalt seines Wirkens das Bekenntnis seiner Jünger herausgefordert; die Menschen sollten und mussten selbst erkennen und bezeugen, dass er der Erwartete sei (vgl. Mt. 11, 2-6). So antwortete Petrus auf Jesu Frage, für wen er ihn halte: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ (vgl. Mt.16, 16).
Zu 4: was bedeutet eingeborener Sohn - und warum nicht Tochter?
Das Wort eingeborener Sohn ist eine veraltete Übersetzung des griechischen Ausdrucks monogenetos hyios durch Martin Luther und bedeutet im heutigen Deutsch, dass Jesus Christus der „einzig geborene Sohn“ (monos einzeln, genetos geboren, hyios Sohn) Gottes ist.
Nun gibt es sicherlich auch Menschen, die fragen, warum Gott uns nicht eine Tochter geschenkt hat. Dass für das Erlösungswerk eigentlich eine Tochter Gottes die bessere Wahl wäre als ein Sohn, weil Frauen mehr von Liebe und Barmherzigkeit verstünden. Eine Antwort darauf konnte ich leider nicht eruieren. Eine mögliche Antwort wäre: Durch Adam ist die Sünde in die Welt gekommen, denn nur ihm ist geboten gewesen, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen (vgl. Gen 2, 16f), nicht der Eva, die nur die Frucht angereicht hat. Deshalb muss ein Sohn die Erlöserrolle übernehmen. Zu 5: was bedeutet empfangen durch den Heiligen Geist? Wer oder was ist das überhaupt? Was ist mit Josef?
Der Heilige Geist ist die dritte Person der Dreieinigkeit. Er kommt vom Vater und vom Sohn und ist ihnen gleich. Er führt Gottes Willen aus, wirkt im Leben der Christen und wird in der Bibel als Person beschrieben, die ganz der Anbetung wert ist. Seine Werke werden auch als Werke Gottes beschrieben. Das Pfingstfest ist das Fest des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wird meist in Form einer Taube dargestellt, in Darstellungen des Pfingstwunders auch in Form von Flammenzungen über den Köpfen der Apostel und Marias. Der Heilige Geist wird nicht als zeugender Partner oder Vater, sondern als wirkende Kraft der Empfängnis Jesu verstanden.
Wie kann nun Maria ein Kind Kraft des Heiligen Geistes empfangen? Es gibt Menschen, die in der „Geist-Empfängnis“ Jesu nur eine Variante der vielen mythischen Erzählungen von der „Zeugung durch eine Gottheit“ sehen, die in der Antike von Ägypten bis nach Indien verbreitet war. Die
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Arbeit zitieren:
Sabine Klatt, 2007, Das apostolische Glaubensbekenntnis - "...empfangen durch den Heiligen Geist; geboren von der Jungfrau Maria", München, GRIN Verlag GmbH
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