darin die letzte verbindliche Norm für ihr Handeln sehen. Jedoch kommen diese naturgemäß nicht an die Macht, da ihnen vermutlich keiner glauben würde, das Gute erkannt zu haben und man sie letztendlich, wie Sokrates, umbringen würde. Daher ist eine Verbindung von Philosophie und Macht wohl nur „im Himmel“ möglich. Folglich bemühte sich Platon um einen auf Erden realisierbaren Idealstaat. Die sogenannte zweitbeste Lösung: Philosophisch geschulte Politiker, welche eine Verfassung erschaffen, die auf Gesetzen basiert, orientiert am Philosophenkönigtum, geprägt durch Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit. Die politische Vernunft ersetzt hier die göttlichen Eigenschaften. Diese Idealvorstellung war Platons Ausweg aus der Krise und mit der Gründung seiner Akademie lieferte er dann auch seinen Beitrag zur Rettung der Menschheit vor sich selbst. Das Schwierige ist nur, solch einen, von Vernunft durchdrungenen, politischen Philosophen zu finden, welcher sich -um es mit Hobbes´ Worten zusagen- von den menschlichen Leidenschaften, wie Macht und Habgier, nicht beeinflussen lässt. Peter Hartz kommt also nicht mehr in die engere Auswahl. Doch können sich Menschen überhaupt ungeachtet ihrer Leidenschaften dem Wahren widmen? Vermögen dazu nicht nur gerade diese Götter im Stande zu sein? Oder sollten wir das in den mehr als 2000 Jahren nicht langsam gelernt haben? Vielleicht glauben wir auch nicht, dass überhaupt noch dieses „Richtige“ zustande kommen kann und vielleicht haben wir es deshalb modifiziert und den Anspruch daran zurückgenommen um es erreichen zu können? Brauchen wir die Kombination aus Politiker und Wissenschaftler überhaupt noch oder liegt heut eine andere, vielleicht einfacher erreichbare Idealvorstellung im Trend? Was sehen wir denn heut als „das Richtige“?
Wenn es in der Politik das Richtige ist, Herrschaft auszuweiten, Kapital anzuhäufen und eine träge Masse, genannt das Volk, unter Kontrolle zu halten- so kann es, um Politiker zu sein durchaus genügen, eine, wenn auch zweifelhafte, politische Meinung und ein gewisses Talent für Rhetorik und Sophistik zu besitzen. Das politisch desinteressierte Volk- die Lieblinge einer solchen Gesellschaft- wird die in verständlicher Sprache zum Ausdruck gebrachten Ziele für gut befinden und sich weitaus wichtigeren Themen zuwenden. Der an Politik Interesse zeigende Teil der Gemeinschaft- die sogenannte ungeliebte Menge- wird auf ihre Nachfragen hin mit einem kunstvoll gestaltetem rhetorischen Schwall von Alliterationen, Chiasmen und Symbolismus belegt werden. Sollte dennoch ein kritisches Häufchen, welches all dies zu durchschauen, sogar zu kritisieren wagt bestehen bleiben und sich der Aufklärung der Gesellschaft widmen wollen, ja so muss es leider einfach vernichtet werden. Zum Wohle der gesamten Gemeinschaft natürlich.
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Wenn es in der Politik das Richtige ist, eine anhand zahlreicher Studien ausgeformte Theorie über die Herstellung einer idealen, friedlichen, dem Gemeinwohl dienenden Gesellschaft zu entwickeln und diese mit seitenlangen philosophisch- abstrakten Abhandlungen, sowie mit gut ausgestatteten Statistiken dem Volk vorzulegen- so genügt es durchaus Wissenschaftler ohne Machtposition zu sein. Das Volk wird diese dann mit großem Interesse sehr genau studieren, verstehen und wissen, was es zu tun hat, um das große Ziel des Gemeinwohls, welches natürlich jedem Kapitalisten am Herzen liegt, zu erreichen. In diesen beiden Fällen muss man Platon also klar widersprechen. Sehen wir dies als „das Richtige“, so benötigen wir weder einen politischen Wissenschaftler, noch einen wissenschaftlichen Politiker. Beides scheint für uns jedoch nicht das Richtige zu sein, denn lauschen wir unseren demokratischen Sprachrohren, so scheinen die Themen Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit in aller Munde und die neuzeitlichen Werte schlechthin zu sein. Dummerweise haben sie aber nur die Aufgabe der Massenbeschwichtigung. Hinter den Kulissen findet ein beispielloser Werteverfall statt, dem wir im Moment kaum öffentlich in die Augen sehen. Der German Dream of Life heißt Macht und Kapital. Wer über beides verfügt, ist doppelt abgesichert, denn auch mit einem dieser neuen „Werte“ lässt es sich „gut“ leben. Dann noch einmal pro Jahr eine bewegende Rede, was wir für das Land tun müssen, eine nette Spende-vorzugsweise an die Privatschule der Töchter, damit auch die nächste Generation die neuen Werte vermittelt bekommt- und schon darf man im Namen den Titel „Wohltäter“ führen. Dies kann zweifelsohne nicht „das Richtige“ sein. Zumindest nicht für den Teil der Bevölkerung, welcher unter den oben genannten Ausformungen zu leiden hat. Schaut man sich unsere Welt so an, muss man feststellen, dass „Heimeligkeit“ und die tägliche halbe Stunde „heile Welt“ - dank dem neuen Happy-End-Format der Telenovela - zur Zeit hoch im Kurs stehen. Also sehnen wir uns doch nach Frieden und dem wahren Guten. Sicherlich haben wir auch gegen Platons Ziele nichts einzuwenden. Würden wir deren Umsetzung nicht gar unterstützen- wenn wir nur wüssten wie?
Nun, wir müssten also mehr Wissenschaftler in der Politik beheimaten, da sie ja im Gegensatz zu den reinen Politikern durch ihre fundierte Grundausbildung und ihre grenzenlose politische Vernunft in der Lage sind, die objektive Wahrheit, das Gute, Gerechte zu erkennen. Sie verfügen nach Platon über eine Gemeinwohlvorstellung a priori und haben alle zweitbesten Eigenschaften, gemessen an denen der Götter. Eine interessante Stellenausschreibung. Solche Menschen finden wir sicherlich auch in der heutigen Gesellschaft, zugegeben mit den erforderlichen Eigenschaften könnte es zu gewissen Schwierigkeiten kommen. Denn selbst wenn es jemandem gelingen sollte, durchzusetzen, was
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Arbeit zitieren:
Katrin Ermel, 2005, „Bevor die Politiker nicht Wissenschaftler werden oder die Wissenschaftler Politiker, wird in der Politik nichts Richtiges zustande kommen!“ – Hatte Platon wohl recht?, München, GRIN Verlag GmbH
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