All diese Aspekte sollen in meiner Arbeit untersucht werden und ich will versuchen, beim Leser meiner Facharbeit die gleiche Faszination an der Materie zu erwecken, wie ich sie selbst verspüre.
II. Konfliktbezugsebene Wissenschaft
II.1. Geheimgesellschaften bzw. Gesellschaften mit Geheimnissen Seit jeher schließen sich Menschen mit ähnlichen Interessen zu Gesellschaften zusammen, um ihre Meinungen im Volk besser vertreten zu können. Auch heute noch gibt es solche Zusammenschlüsse. Wenn es sich bei den Mitgliedern solcher Gruppen um einflussreiche Personen, wie z.B. Bankiers oder Politiker handelt, haben diese oft eine gewisse Macht Dinge zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
Dan Brown beschäftigt sich in seinem Thriller ausschließlich mit den politisch einflussreichsten Organisationen, wie den Freimaurern, der Bilderberg Group und natürlich in erster Linie den Illuminati. Da alle diese Gruppen Geheimnisse haben und für Nicht-Mitglieder als undurchschaubar gelten, beschuldigen Verschwörungstheoretiker sie seit geraumer Zeit des Versuchs eine ‚Neue Weltordnung‘ zu planen.
Beispielsweise der kuriose Mord am einflussreichen Bankier Roberto Calvi wird von vielen Verschwörungstheoretikern aufgrund der ehemaligen Mitgliedschaft des Bankiers in einer der Freimaurerlogen und der symbolischen Zeichen, die man an der Leiche fand (Ziegelsteine in der Hosentasche) mit den Freimaurern in Verbindung gebracht. Aber auch der Anschlag auf das World-Trade-Center vom 11.09.2001 ist für einige das Werk der Illuminati.
Aber was genau sind eigentlich die Illuminati? Und sind sie tatsächlich eine „Geheimgesellschaft innerhalb einer Geheimgesellschaft“ 4 , nämlich den Freimaurern?
II.1.a) Die Freimaurer
Die Freimaurer sind eine der größten und meist diskutierten Organisationen der Welt. Mit einer „membership estimated at around 5 million“ 5 sind sie auf der ganzen Welt in so genannten Logen vertreten. Die erste „Grand Lodge, the Grand Lodge of England (GLE), was founded on 24 June 1717“ 6 . Es folgten Großlogen in Irland, Schottland und Nord-Amerika.
Die genauen Strukturen, Rituale und Symboliken zu untersuchen würde den Rahmen dieser Facharbeit sprengen. Kurz erwähnt sei nur eine der wichtigsten Behauptungen, die
4 Brown D., Illuminati, Bergisch Gladbach, 2003, 36. Auflage, Seite 60
5 http://en.wikipedia.org/wiki/Freemasonry, zugegriffen am 02.02.2010
6 http://en.wikipedia.org/wiki/Freemasonry, zugegriffen am 02.02.2010
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Robert Langdon, der Protagonist des Romans anführt. Die Illuminati hätten, nachdem sie gezwungen waren in den Untergrund zu gehen, die Freimaurer infiltriert und unter deren Schutz ihre eigenen Ziele weiterverfolgt 7 .
Tatsächlich existieren derartige Theorien, allerdings gibt es über diese Gesellschaften wenig schriftliche Belege und Dokumentationen. Selbst über die Entstehung des Namens „Freimaurer“ kursieren die unterschiedlichsten Theorien.
Eine der Voraussetzungen für einen Freimaurer ist: „Believe in a Supreme Being“ 8 . Was genau darunter verstanden wird, ist dem jeweiligen Kandidaten überlassen. Männer aller möglichen Religionen und sogar Atheisten können Freimaurer werden, es sei denn, eine spezifische Loge hat eigene Regeln (zum Beispiel die Akzeptanz von ausschließlich Christen).
Nicht nur die überwältigende Zahl der Mitglieder machen die Freimaurer zu einer gefürchteten Organisation. Die bedeutendsten Männer aus Politik, Finanzwesen aber auch Religion, wie der Erzbischof Geoffrey Fischer, Franklin D. Roosevelt, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Charles C. Hilton waren Freimaurer. Aber nicht nur Verschwörungstheoretiker sehen eine Gefahr in dieser Organisation. Besonders die katholische Kirche sieht bzw. sah sich durch die Freimaurer gefährdet. Es heißt, „successive Popes were of the opinion that the French Revolution was merely one manifestation of a desire on the part of Freemasonry to destroy the power base of the Church.” 9 Das von Papst Pius IX. 1860 veröffentlichte Dokument Alta Vendita spricht eine deutliche Sprache. Es klagt die Geheimorganisationen 10 an, die Christenheit zerstören zu wollen und besagt ganz klar, dass der Papst nicht den ersten Schritt zur Versöhnung beider Parteien tun werde, dies müssten die Organisationen tun. Aber warum waren die Illuminati überhaupt gezwungen in den Untergrund zu gehen und den Schutz der Freimaurer zu suchen und wer sind die Illuminati eigentlich? Gibt es sie wirklich?
II.1.b) Die Illuminati
Im Gegensatz zu den Freimaurern, die in jüngster Zeit aufgrund der zahlreichen Ver-schwörungstheorien sogar schon Kamerateams in ihren Logen Einlass gewährt haben, weiß man über die Illuminati noch viel weniger. Es scheint fast, dass es einfach eine mystische Fantasyorganisation ist, die Leute sich ausgedacht haben, als ihr Leben zu sicher
7 Vgl. Brown D., a.a.O., Seite 60
8 http://en.wikipedia.org/wiki/Freemasonry, zugegriffen am 02.02.2010
9 Knight C. / Butler C., Solomon’s Power Brokers, London, 2007, Seite 233
10 Besonders werden die Carbonari, eine Geheimorganisation, die viele Gemeinsamkeiten mit den Freimaurern hat, angeklagt.
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und langweilig schien. Da es im Laufe der Geschichte gleich mehrere Gruppen gab, die sich die „Erleuchteten“ („Illuminati“) nannten, ist es allein schon schwierig zu definieren, von welcher Gesellschaft Dan Brown in seinem Roman denn eigentlich spricht. Fakt ist aber, dass es sich bei den „Illuminati“, von denen in Browns Thriller die Rede ist, um Menschen handelt, die sich „der Suche nach der wissenschaftlichen Wahrheit verschrieben“ 11 haben. Allein anhand dieses Gesichtspunktes kann man Gruppen, wie die des Priesters Montanus aus dem 2. Jahrhundert oder die mystische Gruppe der Alumbrado 12 ausschließen. 13
Als Brown für sein Werk recherchierte, stolperte er jedoch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit über eine Gruppe gebildeter Männer, die sich ebenfalls die „Illuminaten“ nannten. Diese in Bayern gegründete Geheimgesellschaft hatte ihren Ursprung im Jahre 1776. Gründer war der in Ingolstadt geborene Philosoph und Professor für Kirchenrecht, Adam Weishaupt.
Gerade das 18. Jahrhundert war wie gemacht für Geheimgesellschaften. Die Bürgerschicht versuchte die Feudalherrschaft abzuschaffen und forderte mehr Macht. Vor diesem historischen Hintergrund betrachtet, lassen sich auch die kommunistischen Absichten erklären, die Weishaupt als grundlegende Intentionen seiner Organisation sah: die Abschaffung der Monarchie, des Patriotismus und des Nationalismus als Staatsform, als auch des Privatbesitzes und der organisierten Religion. 14
Um gut betuchte Mitglieder für ihr Vorhaben zu rekrutieren, infiltrierten die Illuminati schnell die Freimaurer. So wurden schnell bedeutende Persönlichkeiten, wie der Freiherr von Knigge oder auch Johann Wolfgang von Goethe Illuminati. Vor der Gesellschaft und der Kirche behauptete die Organisation stets, sie tue „good deeds based on the life of Jesus Christ“. 15 Als jedoch aufgrund einer Reihung von unglücklichen Zufällen die wahre Intention der Illuminaten bekannt wurde, musste Weishaupt fliehen und die historischen Quellen verflüchtigen sich seitdem, weshalb davon ausgegangen wird, die Illuminati seien erfolgreich vernichtet worden.
Genau an dieser Stelle setzen Verschwörungstheoretiker und natürlich Dan Brown ein. Sie behaupten, die Illuminati hätten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und würden bis heute im Untergrund bestehen. Brown geht sogar so weit, dass er behauptet, die Illuminati hätten die Freimaurerlogen während der schwierigen Zeit, in der sie verfolgt wur- 11 BrownD., a.a.O., Seite 53
12 Span.: Illuminati
13 Cox S., Illuminati entschlüsselt. Dan Browns Bestseller von A bis Z, München, 2005, 5. Auflage, Seite 93-95
14 Vgl. Knight C. / Butler A., a.a.O., Seite 246
15 Knight C. / Butler A., a.a.O., Seite 248
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den, zum Schutze ausgenutzt. 16 Es gibt keinerlei Beweise über solche Bestrebungen und ebenso unwahrscheinlich ist es, dass die hauptsächlich in Westeuropa ansässige Organisation jemals in Rom gewesen ist. Auch über die Rolle der radikalen Naturwissenschaftler, die als einziges Ziel die Zerstörung der katholischen Kirche, insbesondere des Vatikans, hat, ist nichts bekannt. Es scheint also, als ob Brown die mit Geheimnissen umhüllte Organisation benutzt hat, um für die wissenschaftliche Seite Handlungsakteure zu haben, die als Gegenpol zur kirchlichen Auffassung - hier im Roman vertreten durch die Kirchenobersten der katholischen Kurie - den Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft, auf den sein Roman aufbaut, herauszustellen. Diese doch sehr kirchenfeindliche Gruppierung schien ihm da der perfekte Ausgangspunkt für den Aufbau seines Thrillers. Brown legt die Entstehung und den Werdegang der Illuminati in einem Gespräche zwischen Robert Langdon und Direktor Kohler am Anfang des Buches dar. 17 Dort erläutert Langdon, dass „die gebildetsten Köpfe Europas … die sich der Suche nach der Wahrheit verschrieben hatten“ 18 , von der Kirche verfolgt wurden, weil die Kirche um ihr „Monopol auf die >Wahrheit<“ 19 fürchtete. Insofern stelle die Geschichte der Illuminati eine Geschichte der Unterdrückung des wissenschaftlichen Fortschritts durch die katholische Kirche dar. Dem Leser wird somit der Eindruck vermittelt, dass mit dem Auftauchen der Illuminati in der Jetztzeit eine uralte Konfliktdimension zum Tragen komme, indem diese lange im Un-tergrund Abgetauchten nun zum Rachefeldzug gegen die jahrhundertelange Verfolgung und Unterdrückung angetreten sind: „Die Vernichtung des Katholizismus war das vorrangige Ziel der Illuminati. Für die Bruderschaft war das abergläubische Dogma, das die Kirche verbreitete, der größte Feind der gesamten Menschheit.“ 20 21 Doch zu welchen Mitteln greifen die Illuminati? Und wie haben sie vor, die oberste Spitze der katholischen Kirche zu vernichten und dadurch die Fragwürdigkeit ihrer Dogmen in das Licht der (Welt-) Öffentlichkeit zu stellen? 22
II.2. Antimaterie
„Antimaterie ist das Yin vom Yang der Materie. Sie balanciert die physikalische Gleichung aus.“ 23 „This is antimatter - the antithesis to matter.“ 24 Antimaterie ist also das genaue Ge-
16 BrownD., a.a.O., Seite 60
17 Ebd., Seite 53-56 und Seite 59-65
18 Ebd., Seite 53
19 Ebd.
20 Ebd., Seite 61
21 S. das Telefonat des Assassinen mit dem Camerlengo in: Brown D., a.a.O., Seite 199
22 Brown D., a.a.O., Seite 203 : „Um Mitternacht werden die Augen der ganzen Welt auf die Illuminati blicken“ Seite 203 : „Die katholische Kirche ist erledigt. Ihre Zeit auf Erden ist vorbei“
23 Ebd., Seite 105
24 Close F., Antimatter, Oxford, 2009, Seite X
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genteil der Materie, dem Stoff aus dem alles besteht. Ist sie eine Erfindung Browns, um das Unmögliche möglich zu machen? Um den Vatikan durch eine Bombe, die neuste Errungenschaft der Wissenschaft, zu zerstören und somit „bedeutende Bauwerke und Reliquien, die für die vielen Millionen Katholiken auf der ganzen Welt von großer Bedeutung sind“ 25 ?
Schon nach relativ kurzer Recherche lässt sich die erste der Fragen beantworten, die Frage, ob es tatsächlich so etwas wie Antimaterie gibt. Ja, es gibt sie und sie ist, wie von Brown beschrieben, das genaue Gegenteil von allem, was uns umgibt. Auch der Fakt, dass Antimaterie in CERN hergestellt wird, einem Schweizer Forschungsinstitut für Kern-forschung, entspricht der Realität. Das erste Positron, ein positiv geladenes Elektron, wurde bereits 1932 vom amerikanischen Physiker Carl Anderson nachgewiesen. 26 Dan Brown schreibt hingegen, CERN hätte „vor kurzem zum ersten Mal erfolgreich Antimaterie-Partikel hergestellt“ 27 .
Ein weiterer Punkt des Thrillers hinsichtlich Antimaterie, der entscheidende Konsequenzen für den Verlauf hat, ist die Idee, Antimaterie als Energiequelle der Zukunft, aber auch als Massenvernichtungswaffe benutzen zu können. 28 Um dies genauer analysieren zu können, muss kurz erläutert werden, was Antimaterie eigentlich genau ist. Der Urknall, die Entstehung des Universums, ist verantwortlich für die Entstehung von Materie und Antimaterie. Aus purer Energie entstand damals, wissenschaftlichen Theorien nach, alles, was wir heute um uns herum sehen. Aber es entstand eben auch das genaue Gegenteil. Es verhält sich wie beim Bau eines Grabens. Es entsteht auf der einen Seite ein Loch, aber auf der anderen Seite auch ein Berg Erde. Die Welt besteht in sich also aus Gegensätzen, aus Himmel und Erde, Tag und Nacht, Mann und Frau, Groß und Klein, Protonen und Elektronen. 29 Diese Worte erinnern sehr stark an das erste Buch Moses, aber darauf werde ich später zurückkommen. Wichtig ist allerdings, dass es zu einer so genannten Annihilation kommt, wenn Materie und Antimaterie sich treffen. Das bedeutet, dass sie sich gegenseitig zerstören und die in ihnen gespeicherte Energie 30 dabei frei wird. So entsteht eine Explosion, die aufgrund der unvorstellbar großen Menge an Energie, die in Masse gespeichert ist (zum Vergleich: 1kg Masse entspricht dem Energiebedarf der gesamten Welt über 90 Minuten), schon bei kleinen Mengen Antimaterie bedeutende
25 http://www.stern-tours.de/user_articles/kultur-vatikanstadt.html, zugegriffen am 02.03.2010
26 Burstein D. und de Keijzer A., Die geheime Bruderschaft. Dan Browns »Illuminati« entschlüsselt, München, 2005, 1. Auflage, Seite 512
27 Brown D., a.a.O., Seite 9
28 Ebd., Seite 111 und S.123
29 S. dazu auch: Brown D., a.a.O., Seite 105: „Alles hat ein Gegenstück. […] Es gibt eine fundamentale kosmische Symmetrie auf subatomarer Ebene.“
30 Nach Einsteins Formel E=mc² ist Masse verdichtete Energie.
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Auswirkungen hat. 31 Hat Brown also Recht? Ist Antimaterie der Energielieferant von morgen?
Schlechte Nachrichten für die Politiker, denn die Antwort ist nein. Zwar müsste es theoretisch irgendwo Antimaterie geben, die während des Urknalls entstanden ist, allerdings ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht erforscht, wo diese zu finden ist. Es muss also künstlich Antimaterie hergestellt werden. Dies passiert unter anderem in CERNs LHC (Large Hadron Collider), einem Teilchenbeschleuniger, in dem Protonen beschleunigt werden. Beim Zusammenprall zweier Protonen entsteht ein Antiproton, die Antimaterie zum Proton. 32 Die Energie, die benötigt wird, um Antimaterie herzustellen und aufzubewahren, ist allerdings sehr viel größer als die Energie, die man schlussendlich durch Annihilation erzeugen könnte. Auch der Bau einer Massenvernichtungsmasse mit Antimaterie ist somit viel zu kostspielig, zumal die Aufbewahrung von Antimaterie ebenfalls sehr viel komplizierter ist, als Dan Brown es sich ausdenkt. 33
Brown benutzt also in seinem Thriller die aus neuesten wissenschaftlichen Forschungen gewonnenen Erkenntnisse über Antimaterie und formt sie seinen Bedürfnissen entsprechend um. Er lässt sie als ultimative Waffe in die Hände der Illuminati kommen 34 , um nach dem stündlich vollzogenen Exekutionstod der vier entführten Kardinäle, einer sogenannten „mathematische[n] Progression des Todes“ 35 , zum ultimativen Finalschlag gegen den Vatikan auszuholen. Die Antimaterie ist die hochexplosive Bombe, die alles atomisieren wird. 36
III. Konfliktbezugsebene Religion: Der Vatikan
Vatikanstadt ist der kleinste Staat der Welt. Inmitten von Rom ist er umgeben von hohen Mauern. Der Papst „besitzt als Oberhaupt des Vatikanstaates die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt“ 37 . Aber auch unermessliche Reichtümer an Kunst- und Kulturgut und auch die geheimen Archive schlummern in den Tiefen des Vatikans. Vatikanstadt ist Ausgangspunkt für die religiöse Bezugsebene im Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft in Browns Thriller. Doch was macht den Vatikan so spannend? Und gibt es vielleicht sogar Parallelen zu Geheimorganisationen? Tatsächlich ist der Vatikan die Inkarnation der katholischen Macht, des Machtanspruchs und der uralten Rituale, die stets ein wichtiger Bestandteil waren. Die großen Reichtümer
31 Vgl. http://angelsanddemons.cern.ch/antimatter, zugegriffen am 07.02.2010
32 Ebd.
33 Vgl. http://angelsanddemons.cern.ch/faq/antimatter-to-create-energy, zugegriffen am 07.02.2010
34 Dass es nicht die Hände der Illuminati sind, wird sich am Ende des Romans herausstellen.
35 Brown D., a.a.O., Seite 204
36 Ebd., Seite 195
37 Mittelbach O., Dan Browns Thriller-Schauplätze als Reiseziel, Essen, 2005, 1. Auflage, Seite 74
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machen den kleinen Staat allerdings nicht nur ethisch-spirituell bedeutsam für Katholiken auf der ganzen Welt. Auch ökonomisch hat der Vatikan einige Macht in Zeiten des Kapitalismus.
Besonders das Konklave wird von Brown herausgestellt. 38 „Brown hatte den Großteil seiner Informationen aus jenem Werk eines gelehrten Jesuiten, der über 100 Kardinäle darüber befragt hatte.“ 39 Die Wahl des neuen Papstes basiert noch heute auf jahrhundertealten Regeln und Traditionen. So werden die Kardinäle, die möglichen Nachfolger des ver-storbenen oder zurückgetretenen Papstes, in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen, bis ein neuer Nachfolger gefunden wird. Eine erfolgreiche Wahl wird der Öffentlichkeit noch heute durch weißen Rauch, der aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle steigt, signalisiert, eine gescheiterte durch schwarzen.
Besonders interessant für Forscher und Historiker der ganzen Welt sind die geheimen Archive des Vatikans, die nur schwer zugänglich sind. „Pro Thema ist jeweils nur ein Forscher zugelassen, damit sich die Wissenschaftler aus aller Welt nicht ins Gehege kommen“ 40 . Außerdem wird nur in Dokumente Einblick gewährt, die mindestens 70 Jahre alt sind. Ganz so geheim, wie in Browns Thriller beschrieben, sind die Archive nicht, allerdings gibt es dennoch immer einiges im Vatikan, was bisher kein Wissenschaftler jemals gesehen hat.
Der Vatikan und das Konklave stellen sich also als der perfekte Ansatzpunkt für Browns Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft heraus. Doch was macht diesen Konflikt so spannend und gibt es ihn tatsächlich?
IV. Der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft
Ja, natürlich gibt es seit Jahrhunderten einen Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft. Allerdings nur, wenn man Religion und Kirche gleichsetzt. Schon immer wurden Andersgläubige und Menschen, die sich nicht konform mit den Kirchenvorschriften verhielten, so genannte „Ketzer“, von der Kirche verfolgt und getötet. Die Gesetze der Kirche waren der Maßstab, an den sich alle zu halten hatten. Sie galten als kirchliche Dogmen. Das Bedürfnis der Menschen, die Welt und alles, was sie umgibt, zu erklären, ist ebenfalls schon immer da gewesen, und das eben auch über die Grenzen der Erklärungsvorgaben der Kirche hinaus. Allerdings beschränkten sich die frühen Lehren wie die des griechischen Philosophen Aristoteles, die bis ins Mittelalter trotz einiger Widersprüche immer
38 Vgl. Brown D., a.a.O., Seite 161
39 Rogak L., a.a.O., Seite 140
40 http://www.welt.de/vermischtes/article2972962/Die-dunklen-Geheimnisse-im-Archiv-des-Papstes.html, zugegriffen am 07.03.2010
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noch gültig waren, eher darauf, die Frage nach dem Sinn zu erklären. „Warum wächst eine Eichel? Damit daraus eine Eiche wird. Warum regnet es? Damit die Pflanzen wachsen.“ 41 Überlegungen des Mittelalters waren es, Gottes Schöpfung als rational anzusehen. Man war also der Überzeugung, der Mensch könne mit seinem Verstand erklären, wie Gott handelt. Auf dieser Überlegung baute die Naturwissenschaft des 17. Jahrhunderts auf. Forscher wie Galileo Galilei und später Isaac Newton widmeten sich nun auch anderen Bereichen, wie, das Weltall zu erforschen und aufgrund von Beobachtungen Theorien aufzustellen. Da einige dieser neuen Errungenschaften sich jedoch gegen die sogenannten Glaubenswahrheiten der Kirche stellten, wurden Wissenschaftler wie Galilei 42 von der Inquisition mit Hausarrest oder gar dem Tod bestraft, weil die Kirche um ihre Vormachtstellung fürchtete. Aber der Forschungsdrang des Menschen ließ sich nicht unterdrücken. Der Konflikt weilt bis in die heutige Zeit, mit dem Unterschied, dass die Kirche heutzutage viel weniger Macht hat als noch vor 500 Jahren. Befürchtungen der Kirche, die Wissenschaft könne deren Einfluss weitläufig vermindern, haben sich also bewahrheitet. 43 Dan Brown baut seinen Thriller auf der sehr interessanten These auf, dass die Naturwissenschaft die Religion nur ergänzt, nicht aber überflüssig macht. Sowohl die radikalen Naturwissenschaftler, die die „Wissenschaft als Ersatz für Gott“ 44 sehen, als auch der Vatikan mit seinen starren Dogmen werden in dem Roman kritisiert. Dagegen spielen sogenannte „>Theo-Physiker<“ 45 , die es sich zum Ziel gesetzt haben „Religion und Wissenschaft zu verschmelzen“ 46 , eine bedeutende Rolle.
Die Frage, welche Bedeutung Religion und welche die Wissenschaft heutzutage hat, findet ihren Höhepunkt in der Rede des Camerlengo vor der Weltöffentlichkeit. Hier erklärt Ventreca: „Die Wissenschaften sind der neue Gott.“ 47 Andererseits stellt er klar heraus, dass uns die Wissenschaft „eine Welt ohne Ordnung beschert “ 48 ,, dass sie „Gottes Welt in immer kleinere Bruchstücke“ 49 zerschmettert hat. Und er fährt fort: „ Die Religion kann nicht mithalten. Die Wissenschaft wächst explosionsartig und vermehrt sich wie ein Virus. […] Wir geraten außer Kontrolle. Der Abgrund zwischen uns Menschen wird tiefer und tiefer - und weil die Religion auf der Strecke bleibt, finden wir uns in einem spirituellen Nichts
41 Barbour I. G., Wissenschaft und Glaube. Historische und zeitgenössische Aspekte, Göttingen, 2003, Seite 21
42 Eines der bekanntesten Beispiele ist Galilei, der sich in seinen Aufzeichnungen auf das Weltbild des Kopernikus bezieht und indirekt als richtig darstellt. Die Kirche hatte dieses kopernikanische Weltbild verboten und verurteilte Galileo.
43 Barbour I. G., a.a.O., Seite 19-39
44 Brown D., a.a.O., Seite 132
45 Ebd., Seite 67
46 Ebd., Seite 68
47 Ebd., Seite 475
48 Ebd., Seite 476
49 Ebd. Seite 477
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wieder. Wir sehnen uns nach einer Bedeutung, wir schreien danach.“ 50 Und im weiteren Verlauf der Rede wird deutlich, dass auch er der Meinung ist - und damit ist er der Auffassung der ‚Theo-Wissenschaftler‘ -, dass im Grunde jede wissenschaftliche Forschung der Entschlüsselung der Sinnhaftigkeit von Gottes genialem Plan ein Stück näher kommt: „Sie fragen uns, wie Gott aussieht. […] Sehen Sie Gott denn nicht in Ihrer Wissenschaft? Wie können Sie ihn übersehen?“ 51 Dennoch mahnt er, am Glauben festzuhalten, denn „wenn wir den Glauben als Spezies an die Macht aufgeben, die über uns steht, geben wir zugleich das Verantwortungsgefühl auf.“ 52 53
An anderer Stelle des Thrillers wird zur Frage nach Gott und der Bedeutung Gottes in der Wissenschaft angeführt: „Wissenschaft und Religion führen zur gleichen Wahrheit - Energie ist der Vater der Schöpfung.“ 54 Tatsächlich könnte man die Energie, die nötig war, den Urknall zu erzeugen, als Gottes Werk bezeichnen. Das Gottpartikel 55 allerdings, von dem im Buch die Rede ist, wird vom amerikanischen Physiker Leon Lederman lediglich als „Gottpartikel“ bezeichnet, aufgrund seines allgegenwärtigen Effekts und seiner Wichtigkeit, um eine Erklärungslücke der Physik zu schließen.
Ein Beispiel, das Brown benutzt um die Bibel mit moderner Wissenschaft zu vergleichen ist die Dualität. In seinem Buch wird die Genesis der Bibel mit moderner Kernforschung verglichen, indem behauptet wird, die moderne Physik gehe, genau wie die Bibel 56 , davon aus, dass alles in Gegensätzen geschaffen wurde. Dies trifft auf die dargelegten Phänomene zu, wenn auch der Begriff Dualität im Zusammenhang mit Galileos Erkenntnissen, wie er im Buch angeführt wird 57 , durch meine Recherchen nicht bestätigt werden kann. „WISSENSCHAFT UND RELIGION SIND KEIN WIDERSPRUCH DIE WISSENSCHAFT IST NUR VIEL ZU JUNG ZUM BEGREIFEN“ 58
Mit diesem Leitspruch des ‚Theo-Physikers‘ Leonardo Vetra im Roman lässt sich meine Ausgangsfrage noch einmal zusammengefasst beantworten: Nicht Religion und Wissenschaft stehen im Konflikt miteinander, sondern (katholische) Kirche und Wissenschaft.
50 Ebd.
51 Ebd., Seite 480
52 Ebd., Seite 480
53 Diese Überzeugung des Camerlengo führt ihn so weit, dass er, wie sich am Schluss des Buches herausstellt, die ganze Verschwörung selbst inszeniert hat, um die Kirche davor zu bewahren von der seelenlosen Wissenschaft übernommen zu werden. (Brown D., a.a.O. Seite 658 - 667)
54 Ebd., Seite 101
55 Gemeint ist hier das Higgs Boson, ein möglicher Erklärungsversuch von Peter Higgs, warum alle Teilchen Masse haben, obwohl die mathematische Gleichung aufgrund mehrerer Erkenntnisse so sein müsste, dass alle energiegeladenen Teilchen keine Masse haben dürften.
56 Vgl. 1. Buch Mose, Kapitel 1
57 Brown D., a.a.O., Seite 105
58 Ebd., Seite 99
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V. Resümee
Nach dem Lesen meiner Facharbeit könnte vielleicht der Eindruck entstehen, dass ich die Begeisterung an dem von mir so geschätzten Thriller verloren habe, da sich viele Inhalte, die Brown in seinem Buch verarbeitet hat, nach längerer Recherche als falsch herausgestellt haben. Dem ist jedoch nicht so. Die einzelnen Stränge, die Brown in seinem Roman aufbaut und miteinander verknüpft, sind dermaßen genial ausgedacht, dass das Werk mit den miteinander verstrickten Strängen so überzeugend wirkt, dass der Laie sie eins zu eins glaubt und ich sie nach wie vor als eine außergewöhnliche Leistung empfinde, die mich fasziniert. Brown hat sich außerdem ein Themengebiet ausgewählt, welches zum einensehr aktuell, über das zum anderen aber nicht viel bekannt ist. Mit den in dieser Facharbeit besprochenen Bereichen Religion/Kirche und Wissenschaft, die das Hauptthema des Thrillers bilden, verknüpft Brown zudem noch zusätzlich den hochmodernen Bereich der massenmedialen Verbreitungskanäle. Darüber hinaus arbeitet er mit dem „umjubelten Nachwuchsstar unter den römischen Bildhauern““ 59 des 17. Jahr-hunderts Bernini und lässt Skulpturen von ihm mit ihren symbolischen Inhalten eine wichtige Rolle im vermeintlichen Komplott der Illuminati spielen. Die Bedeutung dieser weiteren Handlungsstränge für den Konflikt herauszustellen, wäre durchaus interessant gewesen, hätte aber den Rahmen dieser Facharbeit gesprengt.
Es bleibt der Fakt, dass Brown mit seinem Thriller ein Millionenpublikum begeistert hat und bestimmt auch nachfolgende Generationen noch begeistern wird. Auch seine nachfolgenden Romane mit dem gleichen Protagonisten Robert Langdon „Sakrileg“ und der aktuelle Thriller „Das verlorene Symbol“ zeichnen sich durch eine faszinierende geistige Leistung in der Konstruktion aus und haben auch solch einen Erfolg.
Schließen möchte ich meine Facharbeit mit einem Zitat aus dem Buch. Die Wissenschaftlerin Vittoria Vetra entgegnet dort auf die fanatische Wahnsinnsoffenbarung des Camerlengo: „Wir alle suchen nach Gott, wenn auch auf verschiedenen Wegen. […] Gott ist nicht irgendeine allmächtige Autorität, die uns Menschen von oben beobachtet […] Gott ist die Energie, die durch die Synapsen unseres Nervensystems und die Kammern unserer Herzen fließt! Gott ist alles rings um uns!“ 60
59 Karsten A., Bernini. Der Schöpfer des barocken Rom, München, 2006, Seite 28
60 Brown D., a.a.O., Seite 661
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Frederik Proske, 2010, Der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft in Dan Browns Thriller "Illuminati", München, GRIN Verlag GmbH
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