1. Thema der Unterrichtsreihe
Hier sind wir Chef, hier können wir sein! Der steinige Weg zum Erfolg. - Die Untersuchung von inter‐ und intraspezifischen Wechselbeziehungen in Populationen: von Konkurrenz bis Koopera‐ tion.
2. Sachanalyse und Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe
Die vorliegende Reihenplanung basiert auf den Richtlinien für die Sekundarstufe II - Gymnasi‐ um/Gesamtschule in Nordrhein‐Westfalen; dort heißt es: „Leitgedanke des Bereiches I [des In‐ haltsfeldes ‚Ökologische Verflechtungen und nachhaltige Nutzung‘] ist, dass Leben nicht aus‐ schließlich auf der Ebene isolierter Einzellebewesen betrachtet werden darf, sondern erst in komplexen Beziehungsgefügen auf den Organisationsebenen von Populationen und Ökosyste‐ men erfassbar ist. Die Schülerinnen und Schüler sollen an konkreten Fallbeispielen die vielfälti‐ gen Abhängigkeiten von Organismen und Populationen von belebter und unbelebter Umwelt erkennen.“ 1
Das zugrundeliegende Reihenthema „Biotische Faktoren“ umfasst die vielfältigen Beziehungen, welche Lebewesen mit anderen Lebewesen eingehen. Die Schülerinnen und Schüler (nachste‐ hend „SuS“) haben sich bereits mit intra‐ und interspezifischen Beziehungen, mit Konkurrenz und verschiedenen symbiontischen Lebensweisen befasst. In der Vorstunde wurden die verschiede‐ nen Formen des Parasitismus erarbeitet und am Beispiel des Kleinen Leberegels die Merkmale und der Lebenszyklus eines Endoparasiten besprochen.
Die ökologische Bedeutung des Parasitismus wird schnell offensichtlich, wenn man berücksich‐ tigt, „dass mehr als 50% aller Lebewesen parasitär sind oder zumindest eine parasitische Phase in ihrem Leben haben.“ 2 In der Auseinandersetzung mit dem einzelligen Endoparasiten Plasmo‐ dium, welcher die gefährliche Infektionskrankheit „Malaria“ beim Menschen verursacht, sollen sich die SuS in der aktuellen Stunde dieser Bedeutung bewusst werden und erkennen, dass auch der Mensch von der Gefahr des Parasitenbefalls nicht ausgenommen ist. Plasmodien werden durch die Stechmücken‐Gattung Anopheles übertragen, indem sie während der Blutmahlzeit durch den Speichel der Mücke in den menschlichen Organismus gelangen. Malaria gehört weltweit zu den wichtigsten vektorbedingten Krankheiten. Im Jahre 2001 lebten in 101 Staaten und Territorien 2,4 Milliarden Menschen oder 40% der Weltbevölkerung in mala‐ ria‐gefährdeten Gebieten, 400‐500 Millionen werden jährlich neu infiziert und über eine Million Menschen, meistens Kinder unter fünf Jahre, sterben jedes Jahr an einer Malaria‐Infektion. 3 In jüngster Zeit wurde ein Wiederaufleben der Malaria in vielen Teilen der Welt beobachtet, wes‐ halb die exemplarische unterrichtliche Behandlung dieser Thematik aktueller denn je erscheint. Verschiedene Faktoren wie die Zunahme der Weltbevölkerung und des weltweiten Tourismus,
1 MINISTERIUM FÜR SCHULE UND WEITERBILDUNG, WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG DES LANDES NORDRHEIN‐WESTFALEN 1999, S. 28.
2 LUCIUS 2008, S. 3.
3 Vgl. MCMICHAEL 2001. 2
die zunehmende Resistenz des Krankheitserregers gegen Medikamente, die wachsende Armut (etwa in Osteuropa), die Massenbewegung von Flüchtlingen und heimatlosen Menschen, zerrüt‐ tete Gesundheitssysteme, aber auch Veränderungen von Temperatur, Niederschlag und Luft‐ feuchtigkeit werden als potenzielle Gründe für die zunehmenden Krankheitsfälle angeführt. 4 Die SuS lernen zunächst den komplizierten Lebenszyklus des Malariaerregers Plasmodium ken‐ nen und erfassen, dass dieser für die sichere Fortpflanzung und das Auffinden eines Wirts sinn‐ voll ist. Durch das ausgewählte Beispiel wird deutlich, wie wichtig das Funktionieren interspezifi‐ scher Beziehungen für die Verbreitung und Erhaltung einer Art ist. Für den Parasiten sind speziel‐ le Anpassungen an den Wirtsorganismus die Grundvoraussetzung, um in diesem Lebensraum für längere Zeit überleben zu können. Nach Erarbeitung dieser essentiellen Grundlagen sollen die SuS Möglichkeiten erfolgreicher Bekämpfungs‐ und Vorbeugungsmaßnahmen in Bezug auf die Malaria überlegen und diese erörtern. Besonders vor dem Hintergrund steigender Infektionszah‐ len und einer drohenden weitflächigen Ausbreitung erscheint diese Auseinandersetzung nicht zuletzt in punkto Eigenverantwortlichkeit als überaus sinnvoll.
Aus Gründen der didaktischen Reduktion wird auf die Differenzierung der verschiedenen Plas‐ modien‐ bzw. Anophelesarten verzichtet und verallgemeinernd von „Plasmodium“ als Erreger und der „Anopheles‐Mücke“ als Überträger gesprochen. Ebenso werden die selektiven Vorteile der heterozygoten Sichelzellanämie, die die Betroffenen vor schweren Verlaufsformen der Mala‐ ria schützt, nicht explizit thematisiert.
Die der Unterrichtsreihe zugrundeliegenden Lerninhalte gliedern sich in folgende Doppel‐ und Einzelstunden:
1. Stunde (ES) Wer jagt denn da in meinem Revier? - Kennenlernen von interspezifischen Be‐
2. Stunde (DS) Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! - Die verschiedene Formen der Symbiose
3. Stunde (ES) Ameisen suchen ein Zuhause: die Symbionten‐WG - In Form von kurzen Präsen‐
4. Stunde (DS) „Der Räuber lebt vom Kapital, der Parasit von den Zinsen.“ 5 - Unterscheidung
4 Vgl. http://lbs.hh.schule.de/…
5 zitiert nach: Charles Sutherland ELTON (1900‐1991), britischer Ökologe und Zoologe 3
5. Stunde (ES) Todkrank aus dem Urlaub: Wie kann ich mich schützen? - Malaria als Beispiel
6. Stunde (ES) Jedem das seine und mir das meiste! - Vorstellung intraspezifischer Beziehun‐
7. Stunde (DS) Schäfchen zählen leicht gemacht! - Das Wachstum von Populationen wird mit
8. Stunde (ES) Fortpflanzungspotenzial vs. Durchsetzungsvermögen - And the winner is… Un‐
9. Stunde (DS) Ich hab dich zum Fressen gern! - Mit Hilfe des bereits bekannten Simulations‐
10. Stunde (ES) „Blätterzupfer“ in der Savanne: ein Beruf mit Tradition - Die SuS lernen den Be‐
3. Thema der Unterrichtsstunde
Todkrank aus dem Urlaub: Wie kann ich mich schützen? - Malaria als Beispiel einer durch einzel‐ lige Endoparasiten hervorgerufenen Infektionskrankheit.
4. Ziele der Unterrichtsstunde
Übergeordnetes Stundenziel:
Die SuS sollen die Infektionskrankheit „Malaria“ als eine nach wie vor aktuelle und gefährliche Erkrankung des Menschen einstufen, indem sie den endoparasitären Lebenszyklus des Erregers Plasmodium grafisch darstellen und auf dieser Grundlage zweckdienliche Behandlungs‐ oder Therapiemaßnahmen entwickeln.
4
Teilziele: Die SuS sollen…
auf der Basis eines konfrontativen Expertenhearings sinnvolle Fragestellungen für den wei‐ teren Stundenverlauf entwickeln.
notwendige Voraussetzungen aufzeigen, um der zentralen Frage nach möglichen Behand‐ lungsmethoden der Erkrankung nachgehen zu können.
eine grafische Darstellung des Lebenszyklus von Plasmodium mit Hilfe eines Informations‐ textes erstellen und diese anschließend mit Hilfe eines kurzen Vortrags erläutern. aus dem erarbeiteten Lebenszyklus Schlüsse für potenzielle Behandlungsmethoden ziehen und diese unter Einbeziehung ihrer Wirkungsweise dem Kurs darlegen.
die gesammelten Behandlungsmethoden kritisch auf Plausibilität hin überprüfen und be‐ züglich ihrer Anwendbarkeit beurteilen.
anhand des abschließenden Expertenberichts folgern, dass die Therapie im konkreten Fall durch eine Chinin‐Medikation in Tablettenform erfolgte.
5. Kompetenzbezüge der Lernziele
Anwendung der Kenntnisse über Phänomene und Sachzusammenhänge sowie über Begriffe, Modelle, Theorien etc. (EPA: 1.1.1, S. 5); Verknüpfung und Systematisierung von Kenntnissen (EPA: 1.1.1, S. 5); Beschreiben und Erklären biologischer Phänomene (EPA: 1.1.2, S. 6); Bildung und Überprüfung von Hypothesen (EPA: 1.1.2, S. 6); Veranschaulichung von Sachverhalten mit Hilfe von Symbolen, Formeln, Gleichungen, Tabellen, Diagrammen, graphischen Darstellungen, Skizzen, Simulationen (EPA: 1.1.2, S. 6); Analyse und Interpretation von Texten (EPA: 1.1.2, S. 6); sachgerechte Analyse von Problemen und Entwicklung von Lösungsstrategien (EPA: 1.1.2, S. 7); angemessene Verwendung von Sprache, auch Fachsprache (EPA: 1.1.3, S. 7); Reflexion und Be‐ wertung der Tragweite, Grenzen und gesellschaftlichen Relevanz biowissenschaftlicher Erkennt‐ nisse und Methoden (EPA: 1.1.4, S. 7) 6. Bedingungsanalyse
Nach einer kurzen Hospitationsphase unterrichte ich seit Beginn dieses Schuljahres im GK Biolo‐ gie der Jahrgangsstufe 12. Der relativ kleine Kurs setzt sich aus insgesamt 15 Schülerinnen und Schülern zusammen, davon 6 Mädchen und 9 Jungen, was einer besonders intensiven Zusam‐ menarbeit der Lerngruppe besonders in kooperativen Phasen zugutekommt. Zudem ermöglicht die geringe Kursgröße den variantenreichen Medieneinsatz, insbesondere EDV‐basierte Lern‐ und Präsentationssoftware sowie Simulationsprogramme (vgl. Reihenplanung). Die Wochen‐ stundenzahl des Biologieunterrichts in der Oberstufe beträgt drei Stunden, wobei grundsätzlich nach dem Doppelstundenraster verfahren wird. Dies bietet vor allem im Hinblick auf forschend‐ entwickelnde Unterrichtsverfahren einen enormen Vorteil, da durch die zeitliche Entzerrung ein regelmäßiges Vorgehen nach dieser Methode gewährleistet ist.
5
Arbeit zitieren:
Mirko Krotzky, 2010, Biologie in der Sekundarstufe II: Ökologie - Die Untersuchung von inter- und intraspezifischen Wechselbeziehungen in Populationen, München, GRIN Verlag GmbH
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