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INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS...............................................................................................1
1. Einleitung 2
2. Grundzüge der Gebärdensprache 4
2.1. Modalität 4
2.2. Bildhaftigkeit 4
2.3. Die grammatischen Module 6
3. Erwerb von Gebärdensprachen 11
3.1. Die Spracherwerbsfähigkeit 11
3.2. Bilingualismus in zwei Modalitäten 11
3.3. Die kritische Phase des Spracherwerbs 12
3.4. Babbeln 13
3.5. Wörter und Gebärden 13
3.6. Kombinationen von Gebärdenwörtern 14
3.7. Erwerb der phonologischen Einheiten 14
3.7.1. Erwerb der Handformen 14
3.7.2. Erwerb der Ausführungsstellen 15
3.7.3. Erwerb des Fingeralphabets 16
3.7.4. Die Sprachverarbeitung 16
3.8. Erwerb des Wortschatzes 16
3.9. Die Autonomie des Sprachsystems 17
3.10. Studie von Ricke Bettger Klima (1995) 20
3.11. Vom Lexikon zur Grammatik 21
3.12. Grammatische Nutzung der Mimik 24
3.13. Frühe Überlegenheit in der Raumverarbeitung 26
4. Sprachliche Erfahrungen und Spracherwerb 27
5. Fazit: 29
6. Literaturverzeichnis: 30
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1. Einleitung
In der Bundesrepublik gibt es schätzungsweise 600 000 stark Hörgeschädigte bzw. Gehörlose Menschen. Sie können Sprache nur über visualisierte Formen, wie beispielsweise die Schrift, das Ablesen vom Munde, dem Fingeralphabet und über die Gebärdensprache aufnehmen.
Der Analyse des Gebärdenspracherwerbs gehörloser Kinder mit gehörlosen Eltern wurde in den letzten zehn Jahren immer mehr Interesse geschenkt. Die Kindersprachenforschung hat sich dabei besonders auf die Frage konzentriert, inwiefern sich der Erwerb der Gebärdensprache zum Lautsprachenerwerb hörender Kinder unterscheidet, oder etwa ähnelt. Durch diesen Vergleich versucht man die Strukturen und vor allem Lernprozesse eines frühen Spracherwerbs herauszufinden.
Dazu liefern Volterra und Erting (1989) eine Zusammenstellung von Studien zur frühen kommunikativen Entwicklung hörender und gehörloser Kinder. Ebenfalls einen knappen Überblick darüber verschaffen uns Prillwitz 1988 und Boyes-Braem 1989.
Ist Gehörlosigkeit ein Defizit?
„Gehörlosigkeit ist ein sensorisches, jedoch kein kognitiv-sprachliches Defizit.“ 1 Früher ging man davon aus, wenn ein Mensch eine Lautstärke von 90-110 Dezibel nicht wahrnehmen kann, ist er taub. Die heutige Definition jedoch lautet, wenn eine Hörschädigung nicht mehr mit einem Hörgerät ausgeglichen werden kann, dann ist die betreffende Person gehörlos und folglich auf die Gebärdensprache angewiesen.
1 Helen Leuninger S 229
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Abbé de L Épeé gründete 1771 die erste Schule für Taubstumme in Paris, denn er wusste, dass die Gebärdensprache das natürlichste und eigentliche Ausdruckmittel der Gehörlosen sei. Die französische Schriftsprache verwendete er als Brücke zur Lautsprache, ebenso ein Handalphabet, das auf Pablo Bonet (1579-1633) zurückgeht.
An dem Taubstummenlehrerkongress 19880 in Mailand jedoch fiel ein Entschluss, der schwere Folgen hatte. Es sei an den Gehörlosenschulen im Unterricht lediglich die lautsprachorientierte Methode zu bevorzugen, ohne den Gebrauch von Gebärden.
Daraufhin sah man die Gehörlosigkeit wieder als Defizit an und die Ausdruckskraft von Gebärdensprachen verlor an Ansehen. Bezeichnend dafür ist folgender Eintrag im Lexikon: „Das Gehör ist der Zeit und dem Werte nach das erste Mittel zur geistigen Bildung; denn die Vorstellung, die Gesicht und Gefühl geben, wirken nicht so tief auf die Seelen ein, wie die durch das Gehör erzeugten.“ 2 Diese Meinung wird auch heute noch im Bildungsbereich vertreten. Seit den 50er Jahren befasst sich die internationale Gebärdenforschung mit der Struktur der Gebärdensprache.
1972 erschienen die ersten Lehrmaterialien zur American Sign Language. Die intensive Erforschung der Deutschen Gebärden Sprache (DGS) begann erst in den 70er Jahren. Die Gründe dafür, warum die Forschung in der DGS so spät begonnen hat, sind auf den Mailänder Kongress zurückzuführen.
Linguisten und Psychologen beschäftigen sich intensiv mit „der Beschreibung der amerikanischen Gebärdensprache“. 3 Sie kamen zu der Erkenntnis, dass die American Sign Language (ASL) in ihrer Struktur und Leistungsfähigkeit ebenso ausgebaut ist, wie die amerikanische Lautsprache.
2 Helen Leuninger, S 229
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2. Grundzüge der Gebärdensprache
2.1. Modalität
Wie alle Gebärdensprachen ist auch die Deutsche Gebärdensprache eine visuell-motorische Sprache. Sie besitzt ein differenziertes Regelsystem, das mit Hilfe von manuellen, sowie nicht-manuellen Mitteln sich ausdrückt. Ebenso wie die Lautsprachen unterliegen die Gebärdensprachen den gleichen sprachspezifischen Beschränkungen.
2.2. Bildhaftigkeit
In frühere Studien sah man die Ikonizität von Gebärden in Gebärdensprachen als eine wesentliche Eigenschaft der Gebärdensprachen an. Auch heute noch vertritt so mancher das Vorurteil, dass Gebärdensprache mit Pantomime gleichzusetzen sei. Dazu kann man sagen, wäre die Gebärdensprache nur durch solche analogen Strukturen gekennzeichnet, so widerspräche „ihr Design vollständig dem „digitalen“ Charakter von Lautsprachen“ 4 und jeder Gehörlose verstünde jede Gebärdensprache problemlos. Ebenso würde der Erwerb der Gebärdensprache wegen ihrer leichteren perzeptuellen Zugänglichkeit früher beginnen und sei früher abgeschlossen als der Erwerb von Lautsprachen. All dies trifft jedoch nicht zu. Man kann sagen, dass ungefähr 30 % der Gebärden bildhaft sind. Gebärdensprachen enthalten zwar das Potential für Bildhaftigkeit, sie schöpfen dieses aber weder quantitativ noch qualitativ aus.
Die Gebärdensprachen unterscheiden sich in vielen Gebärdenzeichen, aber sie weisen auch einige Gemeinsamkeiten auf. Beispielsweise in der formalen Ausgestaltung des Wortschatzes zeigen sich Unterschiede, welche nicht auf die Bildhaftigkeit zurückgeführt werden können. So werden in der Amerikanischen Gebärdensprache im Wortfeld der Verwandtschaftsbeziehungen die Gebärden 3 K.-H. Bauch, S2 4 helen Leuninger, S. 231
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für männliche und weibliche Personen an verschiedenen Ausführungsstellen platziert. Und zwar wird die obere Hälfte des Gesichts für die männlichen Verwandtschaftsgebärden verwandt, die untere Hälfte wird für die Bezeichnung weiblicher Verwandter benutzt. Daher kann man die Gebärde „Vater“ erkennen, wenn man die Gebärde für Mutter bereits kennt, aber nicht etwa weil die Gebärden ikonisch sind, sondern weil sie durch formale Regeln (analog zur Wortbildungsregel) aufeinander bezogen werden können.
In der Japanischen Gebärdensprache werden hingegen unterschiedliche Handformen dafür benutzt. Die Gebärde für männliche Personen ist eine Faust mit abgespreiztem Daumen, die Gebärde für weibliche Personen hineggen ist eine Faust mit ausgestrecktem kleinen Finger. Selbst bildhafte Gebärden sind sprachspezifisch verschieden, je nachdem welcher Wirklichkeitsaspekt in der Gebärde fokussiert wird.
Die Gebärde für Baum in der Deutschen Gebärdensprache zentralisiert die Zweige des Baumes, die japanische Gebärde im Vergleich fokussiert den Stamm.
Ohne die einzelsprachliche Kenntnis der Form der lexikalischen Elemente können demnach kompetente Gebärdensprachbenutzer nicht, oder nur in einem engen Ausmaß, die Gebärden einer anderen Sprache dekodieren. Die Gemeinsamkeiten der Gebärdensprachen findet man auf tieferer Strukturebene. Beispielsweise ist die Nutzung der räumlichen Verhältnisse in allen Gebärdensprachen vergleichbar, so wie auch die Festlegung der Raumpunkte für Pronomen oder für Flexionen bei bestimmten Verbklassen.
Aber auch hier gibt es wieder Unterschiede im lexikalischen Bereich, denn welche Verben zu welchen Klassen gehören, ist in den einzelnen Gebärdensprachen unterschiedlich geregelt.
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2.3. Die grammatischen Module
Die Struktur eines Satzes ergibt sich in der Gebärdensprache aus dem Zusammenspiel verschiedener grammatischer Module. Einige dieser Module sollen im Folgenden dargestellt werden.
Phonologie
Die Phonologie bezeichnet primär die Wissenschaft von der kleinsten Spracheinheit. Bezogen auf die Gebärdensprache könnte man sie auch als Teil der Microstruktur von Handzeichen bezeichnen. Genauer ausgedrückt bezeichnet die Phonologie jedoch die Theorie aller distinktiven formalen Eigenschaften unterhalb der Morphemebene, also phonologische Merkmale, Phoneme, Silben und Beschränkungen für die Kombinationen von Phonemen. Gebärden setzen sich aus vier distinktiven phonologischen Eigenschaften zusammen, nämlich Handform, Handstellung, Ausführungsstelle und Bewegung. Wird nur eine dieser phonologischen Eigenschaften verändert, so verändert sich auch die Bedeutung des Ausdrucks.
Die Deutsche Gebärdensprache hat mehr als 30 verschiedene Handformen, viele unterschiedliche Ausführungsstellen, Handstellungen und Bewegungen, aus deren Kombination unendlich viele Wörter entstehen können. Dabei wird zwischen Einhand- und Zweihandgebärden unterschieden. Deren Kombination von phonologischen Eigenschaften unterliegen strengen Regeln. In anderen Gebärdensprachen sind diese Regeln jedoch wieder anders.
Von den gut 30 Handformen, die in der Deutschen Gebärdensprache als distinktive Formmerkmale mit bedeutungsunterscheidender Funktion angenommen werden, können sich vier Grundformen klassifizieren lassen: Die Faust, die Flachhand, Einzelfinger und Daumenverbindungen. Von diesen Grundformen können dann unter den Gesichtspunkten der Daumenstellung, des Abwinkelns, Biegens und Krümmens der Finger alle erforderlichen Handformen abgeleitet werden.
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Die Ausführungsstelle einer Gebärde wird auf einem imaginären Koordinatenkreuz bestimmt, in dem die Vertikale durch bestimmte Körperstellen und die Horizontale durch die jeweils genutzte Tiefe des Gebärdenraums gekennzeichnet ist.
Es gilt unter verschiedenen Bewegungstypen zu unterscheiden: geradlinige Bewegungen, gewölbte Bewegungen, Kreisbewegungen, Spiralbewegungen, Einzelgelenkbewegungen und Fingerbewegungen. Außerdem spielen Tempo, Intensität, Größe und Wiederholung eine entscheidende Rolle.
Morphologie
Die Morphologie beschreibt die Struktur von Wörtern.
Bei den Klassifikatorgebärden steht eine Handform in einem bestimmten Kontext für eine Klasse von Einzelobjekten. Verben können beispielsweise nach den Eigenschaften der Referenten von Subjekten oder Objekten, die sie annehmen können, klassifiziert werden. Die Klassifikator-Handformen sind einzelsprachspezifische Morpheme. Die Klassifikator-Handform für Fahrzeuge ist beispielsweise in der Amerikanischen Gebärdensprache eine ganz andere als in der Deutschen Gebärdensprache.
Nun möchten wir kurz auf die Verbflexion in der Gebärdensprache eingehen.:
Personenkongruenzverben (zum Beispiel: FRAGEN, SCHLAGEN, LEIHEN, GEBEN):
Personenkongruenzverben bilden eine Teilklasse der gebärdensprachlichen Verben. Diese Teilklassen sehen jedoch in jeder Gebärdensprache anders aus. Verben, wie zum Beispiel GEBEN werden durch Verortung von Anfangs- und Endpunkt der Gebärde für Subjekt und Objekt flektiert. Subjekt- und Objektpronomen sind hier an das Verb gebunden.
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Tanja Vorderstemann, 2002, Erwerb von Gebärdensprache - Analyse des Gebärdenspracherwerbs, Munich, GRIN Publishing GmbH
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