Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Autors. 4
Einleitung 6
1. Die Bedeutung schulischer Galeriearbeit als spezifisches Forum
kunstp ädagogischer Vermittlung im Rahmen des Faches Kunsterziehung. 8
2. Zwei Galerien - eine Konzeption. Die GALERIE TREPPENWERK am Institut für
Kunstp ädagogik der Universität Leipzig und die Studiengalerie Fach Kunst an
der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg 14
2.1 Die Konzeption der Galerie Treppenwerk am Institut für Kunstpädagogik der
Universit ät Leipzig als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung 14
2.2 Ein Blick auf die Studiengalerie Fach Kunst an der Pädagogischen
Hochschule Ludwigsburg. 16
3. Die Entstehungsgeschichte der GALERIE TREPPENWERK am Institut für
Kunstp ädagogik der Universität Leipzig. 18
4. Zum visuellen Erscheinungsbild der GALERIE TREPPENWERK. 19
5. Statistische Erfassung der formalen Entwicklung der GALERIE TREPPENWERK
in den Jahren 1996 bis 2000 23
6. Tabellarische Übersicht aller Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK
innerhalb und außerhalb des Institutes für Kunstpädagogik 1995 - 2000 30
7. Kurzberichte zu den Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK 1995 - 2000 34
1/1 1. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „MITEINANDER -
AUSEINANDER “ 34
2/2 FINDLINGE - Internationale Kinderzeichnungen der fünfziger Jahre. 34
3/3 Einander begegnen - einander erfreuen. Eine Ausstellung von
F örderschulen aus Leipzig und Eisleben. 35
4/4 1. Ausstellung von Schülerarbeiten der Leistungskurse Kunst des
Freistaates Sachsen 36
5/5 2. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „MIKRO - MAKRO“ 36
6/6 DER BUNTE HUND und anderes Für Kinder in den besten Jahren.
Ausgew ählte Arbeiten aus dem Verlag Beltz Gelberg. 37
7/7 Farbengeister träumen laut. Ausstellung der BIP-Kreativitätsschulen
Dresden , Leipzig und Zeitz 37
8/8 Hommage á Georg Maurer. Illustrationen von Studierenden des Institutes
f ür Kunstpädagogik und Schülern der Listschule Leipzig 38
9/9 be----ob----achten. Objekte, Installationen, Aktion. StudentInnen des
Bereichs Plastik stellen aus 38
10/10 3. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „PASSAGEN“ 39
11/A1 STUFEN. Malerei und Grafik von Kunstpädagogikstudenten entstanden
unter der Leitung von Renate Herfurth 39
12/11 Hans Dieter Junker. Cartoons. 40
2
13/12 Studienergebnisse aus dem Wintersemester 1997/98. Arbeiten von
Studierenden des Institutes für Kunstpädagogik 41
14/A2 Ausgewählte Arbeiten von Studierenden des Institutes für
Kunstp ädagogik 41
15/13 Werbung in den neuen Bundesländern 1996 - 1998. Fotografien von
Wolf Winkler. 41
16/14 Bilder zur Musik. Studierende des Institutes für Kunstpädagogik zeigen
Ergebnisse aus den ersten drei Workshops „Malen zu Musik“ 42
17/A3 Bilder zur Musik. Studierende des Institutes für Kunstpädagogik zeigen
Ergebnisse aus den ersten drei Workshops „Malen zu Musik“ 43
18/15 Von Anorte bis Wilfried. Ergebnisse aus dem Unterricht im Fach
Kunsterziehung am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium Markkleeberg von
Nancy Lindacher 43
19/16 4. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „DRUCKGRAFIK“ 44
20/A4 Melange. Malerei und Grafik von Studierenden des Institutes für
Kunstp ädagogik 44
21/A5 MUSIK UND MALEREI. Ergebnisse von Studierenden des Institutes für
Kunstp ädagogik aus dem 4. Workshop „Malen zu Musik“ 45
22/17 Werther Goethe Ausstellung von Studierenden des Institutes für
Kunstp ädagogik anlässlich des 250. Geburtstages von Johann Wolfgang
von Goethe 45
23/A6 DIALOG MIT DER BIBEL. Arbeiten auf Papier von Studierenden des
Institutes für Kunstpädagogik und der Theologischen Fakultät der
Universit ät Leipzig. 46
24/18 „Mein Gott. “ Zeichnungen von religiös und nicht religiös erzogenen
Kindern und Jugendlichen. 46
25/A7 Ausgewählte Arbeiten von Studierenden des Institutes für
Kunstp ädagogik 47
26/19 5. Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung: „FOTOGRAFIE“ 48
27/A8 Mitigé. Malerei und Grafik von Studierenden des Institutes für
Kunstp ädagogik 49
28/20 Die 100 Wörter des Jahrhunderts. 100 Buchdruck - Typografiken auf
Einzelbl ättern von Claus Lorenzen. 49
29/A9 DIALOG MIT DER BIBEL. Arbeiten auf Papier von Studierenden des
Institutes für Kunstpädagogik und der Theologischen Fakultät der
Universit ät Leipzig. 50
30/A10 Spurensuche - Alltag in Leipzig zur Zeit des Nationalsozialismus.
Ausstellungsbeteiligung von Kunstpädagogikstudierenden 50
31/A11 DIALOG MIT DER BIBEL. Arbeiten auf Papier von Studierenden des
Institutes für Kunstpädagogik und der Theologischen Fakultät der
Universit ät Leipzig. 51
32/A12 Johannes Gensfleisch Gutenberg. Studierende des Institutes für
Kunstp ädagogik zeigen ihre Arbeiten anlässlich des 600. Geburtstages
des Jahrtausendmannes und Erfinders der beweglichen Letter. 51
Literaturverzeichnis 52
Abbildungsverzeichnis 55
3
Vorwort des Autors
Die GALERIE TREPPENWERK sieht sich seit ihrem Bestehen als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung in dreierlei Hinsicht.
Erstens wird die Galerie für Schülerausstellungen genutzt. Daraus ergeben sich zum einen Motivationschancen für die am Institut ausstellenden Kinder und Jugendlichen (und deren Kunsterzieherinnen und -erzieher), und zugleich geben die Exponate den Studierenden auch Einblicke in Ergebnisse des Kunstunterrichts der Schüler und bieten Anlass zum fachdidaktischen Diskurs.
Zweitens findet eine Nutzung der Galerie für Studentenausstellungen statt. So dient sie als Kommunikations- und Diskussionsforum für die Studierenden und Lehrenden des Institutes für Kunstpädagogik.
Drittens - und das ist besonders sinnvoll vor dem Anspruch, „den Kunstunterricht (…) als künstlerische Bildung und als kunstanalogen Prozess“ (REGEL 2008, S. 363f.) zu verstehen - dient die Galerie als Ausstellungsplattform für freischaffende Künstlerinnen und Künstler.
Der Kunstpädagoge und Kunsttheoretiker Diethard Herles (2007, S. 4-9) hat mit seiner Abhandlung „Medium Ausstellung als Aufgabe im Kunstunterricht“ 1 explizit auf den hohen kunstpädagogischen Stellenwert der Ausstellungsarbeit aufmerksam gemacht, sofern die Schülerinnen und Schüler in die Aspekte der Ausstellungsgestaltung eingebunden werde. 2 So wird den Schülerinnen und Schülern mit dem Ausstellen eigener Gestaltungen eine aktive Teilnahme am öffentlichen Leben der Schule ermöglicht. Ihnen wird dabei bewusst, dass ihre Exponate ein Mitteilungspotential besitzen, das eine weitere Kommunikation und Diskussion anregen kann.
Die vorliegende Arbeit unterstreicht Herles’ Auffassung vom „Medium Ausstellung [.] als Gestaltungsaufgabe“ (ebd., S. 5), die weitere kreative und kommunikative Aufgaben hinsichtlich der damit einhergehenden Medien- und Öffentlichkeitsarbeit impliziert (vgl. ebd., S. 5).
Ich widme die vorliegende Veröffentlichung meiner wissenschaftlichen Arbeit 3 im Fach Kunsterziehung an der Universität Leipzig (2000) der Malerin und Grafikerin Renate Herfurth (1943-2009), die im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit im Fachbereich Kunsterziehung am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig die GALERIE TREPPENWERK seit
1 Diethard Herles hat mit seiner Ausgabe des KUNST+UNTERRICHT-Themenheftes „Ausstellen“ (Heft 312/313/2007) ein Thema aufgegriffen, das in der Fachliteratur lange Zeit zu kurz kam. Vgl.
dazu die Ausführungen in dieser Abhandlung S. 6f.
2 Die Kritik an einer Ausstellungspraxis, bei der die Lehrertätigkeit im Mittelpunkt steht wird in dieser Arbeit mit Verweis auf Below (1978) und Zerull (1978) angesprochen (s. S. 8 dieser Abhand-
lung).
3 Die Arbeit wurde leicht überarbeitet. Das Original der Arbeit mit umfangreichen Abbildungen kann als Handleihe im Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig eingesehen werden (Signatur:
Exa-2000-Spengler; www.uni-leipzig.de/studienart/forschung/suche.php).
4
1995 künstlerisch- und didaktisch-professionell sowie mit großem Engagement leitete. Für die vielen hilfreichen Hinweise und die Hilfe bei der retrospektiven Recharchearbeit zur Geschichte der damals 5-jährigen GALERIE TREPPENWERK mit damals bereits 38 Ausstellungen sei ihr an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. Mein Dank gilt zudem meinem Betreuer dieser Arbeit Prof. Dr. habil. Frank Schulz, der mir bei inhaltlichen Fragen zur Seite stand und mich in Kontakt mit Prof. Klaus Bushoff an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg gebracht hat, der mir zahlreiche Materialien zur dortigen studentischen Galerie zukommen ließ, wodurch eine Orientierungs- und Vergleichsebene zum Thema aufgebaut werden konnte.
Ein ganz persönlicher Dank geht an meinen Opa Max Spengler (*1911), der die vorliegende Arbeit mit zahlreichen fundierten didaktischen Gesprächen vorangetrieben hat. Er war von 1945 bis 1976 als Lehrer und noch bis 1985 als Vertretungslehrer in Leipzig tätig. Stefan Spengler Februar 2010
5
Einleitung
Hauptanliegen dieser Arbeit ist die Erstellung einer fortsetzbaren Dokumentationsreihe, in die alle Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK innerhalb und außerhalb des Institutes für Kunstpädagogik der Universität Leipzig retrospektiv resümierend aufgenommen werden sollen.
Diese Arbeit will damit einen Beitrag zum Erhalt der Entwicklungsgeschichte der GALE-RIE TREPPENWERK am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig und gleichzeitig einen Beitrag zur Bewahrung der im Jahr 2002 50jährigen Institutsgeschichte leisten.
Die GALERIE TREPPENWERK bietet als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung - als eine der Eigenart des Faches entsprechende Möglichkeit kunstpädagogischer Ausbildung - Studierenden am Institut für Kunstpädagogik die Gelegenheit zur Galeriearbeit. Die Konzeption der GALERIE TREPPENWERK ergibt sich aus der Notwendigkeit schulischer Ausstellungsarbeit in Bezug auf die eigenen ästhetischpraktischen Arbeiten der Schüler. Dieser Anspruch setzt Kunsterzieher mit Kenntnissen über Ausstellungsgestaltung voraus.
Ist in dieser Arbeit von schulischen Ausstellungen oder schulischer Galeriearbeit die Rede, sind damit - wie bereits angedeutet - Ausstellungen der eigenen ästhetischpraktischen Arbeiten der Schüler gemeint, wobei der eigenständigen Konzipierung bzw. der Mitplanung und Mitgestaltung der Ausstellung seitens der Schüler besondere Bedeutung beigemessen werden muss.
Mit Blick auf eine Fachliteraturauswahl zum Kunstunterricht soll daher zunächst der Frage nachgegangen werden, inwieweit schulische Ausstellungsarbeit im Rahmen schulischer und außerschulischer Öffentlichkeit als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung zu den Zielen des Kunstunterrichts und den allgemeinen Erziehungszielen beitragen kann.
Es ist festzustellen, dass es bezüglich einer solchen Ausstellungsgestaltung von Schülern - im Gegensatz zu den zahlreichen Abhandlungen zur „Museumspädagogik“ - nur sehr wenige allgemeine Abhandlungen gibt. Die drei Aufsätze von Irene Below, Axel von Criegern und Ludwig Zerull, die in der Zeitschrift KUNST+UNTERRICHT 52/1978 erschienen sind und auf die in dieser Arbeit auch Bezug genommen wird, sind aus meiner Sicht die einzigen Abhandlungen, die dieses Thema in ihrer Eigenart und Bedeutung für Kunstunterricht und Schule detailliert erfassen 1 . Ansonsten wird der schulischen Ausstellungsgestaltung - abgesehen von einer überschaubaren Zahl veröffentlichter Ausstellungsbeispiele
1 Vgl. auch Fußnote 1, S. 4.
6
der durch Schüler konzipierten Ausstellungen eigener Gestaltungen 1 - leider meist nur am Rande Beachtung geschenkt.
Im weiteren Verlauf der Arbeit werden zwei Studiengalerien konzeptionell vorgestellt: die GALERIE TREPPENWERK am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig, die aus der Bedeutung der schulischen Ausstellungsgestaltung und der Eigenart des Faches Kunsterziehung resultiert und die Studiengalerie Fach Kunst an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, die in ihrer Konzeption gleichgesetzt werden können. Nach der „gedanklichen Kurzreise“ an die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg wird der Entstehungsgeschichte der GALERIE TREPPENWERK nachgegangen. Im darauf folgenden Kapitel wird das visuelle Erscheinungsbild der Galerie vorgestellt, das mit der Öffentlichkeitsarbeit der Galerie und des Institutes im Zusammenhang steht. Bevor zur Dokumentation der einzelnen Ausstellungen der GALERIE TREPPENWERK innerhalb und außerhalb des Institutes für Kunstpädagogik übergegangen wird, soll die formale Entwicklung der GALERIE TREPPENWERK in den Jahren 1996 bis 2000 statistisch erfasst werden. Es sollen dabei Informationen sichtbar gemacht werden, die Anzahl und Art der Ausstellungen innerhalb und außerhalb des Institutes für Kunstpädagogik während dieser fünf Jahre verdeutlichen. 2
1 Einige Beispiele für Veröffentlichungen von Schülerausstellungen dieser Art seien hier angeführt: MAAK, Karin/MAAK, Uwe: Harburg-Ansichten. Ausstellung auf einem Altstadtfest.
KUNST+UNTERRICHT 52/1978, S. 56f.; PHILIPPI, Bernd: Figuren um uns. KUNST+UNTERRICHT
92/1985, S. 33f.; vgl. auch PHILIPPI 1984 und SCHNEYDER 1981.
2 Ein formaler Hinweis sei an dieser Stelle vorausgeschickt: Die Verwendung der männlichen Bezeichnungen für Schüler, Studenten und Lehrer - auch in ihren modifizierten Anwendungen -
schließt in dieser Arbeit stets die weiblichen Personen mit ein. Daher wird auf die Doppelwiederga-be der männlichen und weiblichen Wortform bzw. der Endung „-Innen“ zugunsten einer besseren
Lesbarkeit verzichtet.
7
1. Die Bedeutung schulischer Galeriearbeit als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung im Rahmen des Faches Kunsterziehung
„Wie es die Aufgabe der Dichtung ist, Gedanken in uns zu erzeugen, die der Musik, Gefühle auszudrücken oder hervorzurufen, so soll die Malerei erheben! Ein Bildwerk soll etwas erzählen und dem Beschauer zu denken geben, so gut wie eine Dichtung, und ihm den Eindruck machen, wie ein Tonstück.“ (Arnold Böcklin zit. nach OESTRICH 1968, S. 2) So, wie im Schulfach Musik eine musikalische Aufführung für Schüler einen Höhepunkt ihrer vorangegangenen vorbereitenden Anstrengungen darstellt, verhält es sich auch mit einer selbst organisierten Schülerausstellung der eigenen praktischen Arbeiten im Fach Kunsterziehung, das als einziges Fach den Schülern weitreichendes praktisch-kreatives Arbeiten ermöglicht.
Die schulischen Lehrpläne enthalten - wenn auch nur als kurze Anmerkungen - die Ausstellungsgestaltung als Bestandteil des Faches Kunsterziehung. So bezeichnet der Lehrplan für Gymnasien die „Präsentation von Arbeitsergebnissen in Ausstellungen und Galerien“ als „Bestandteil des kulturellen Lebens an der Schule und in der Öffentlichkeit“ (Lehrplan Gymnasium - Kunsterziehung 1992, S. 8, vgl. auch S. 13). Auch der Lehrplan für Grundschulen weist auf die Gestaltung einer Ausstellung mit eigenen Arbeiten hin (vgl. Lehrplan Grundschule - Kunsterziehung 1992, S. 13). Diese Erfassung im Lehrplan ist anzuerkennen, m. E. aber nicht konkret genug. Erfreulich ist, dass bereits an einer Vielzahl von Schulen Ausstellungen dieser Art bestehen. Solchen Ausstellungen und Präsentationen darf jedoch nicht nur die Funktion der Schulhausgestaltung im Sinne einer Schulhausverschönerung zuerkannt werden, wie das sowohl aus der Sicht der Lehrer, der Eltern und nicht zuletzt der Schüler teilweise leider noch der Fall sein dürfte. Irene Below bemängelte bereits 1978, also vor über 20 Jahren, an der Ausstellungspraxis von Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht, dass die bildnerischen Produkte der Schüler nicht von vornherein für einen Ausstellungszusammenhang konzipiert, sondern von den Fachlehrern als Unterrichtsergebnisse ausgewählt, zusammengestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden wären (vgl. BELOW 1978, S. 65). „Nicht die zufällig im Schulfundus vorhandenen Bilderrahmen und Vitrinen sollten mit Schülerarbeiten bestückt werden; ...“ (ZERULL 1978, S. 37) Die Schülerausstellung selbst muss von allen Kunsterziehern als bedeutsamer Unterrichtsgegenstand und alternativer Unterrichtsort erkannt werden, wobei sich die Wichtigkeit schulischer Galeriearbeit - die die Galeriegestaltung außerhalb des Schulhauses einschließt und der besondere Beachtung geschenkt werden sollte - aus den Zielen des Kunstunterrichts ergibt. Anders ausgedrückt kann Ausstellungsgestaltung als spezifisches Forum kunstpädagogischer Vermittlung einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung fachdidaktischer und grundlegend erzieherischer Zielstellungen leisten, wie:
8
- Anregung zur Gestaltung und Reflexion, bezogen auf die eigene praktische Arbeit und die ihrer Mitschüler
- Entfaltung von Urteilsvermögen und Sensibilisierung für visuelle Informationen aller Art (vgl. GRÜNEWALD 1982, S. 10)
- zielgerichtetes Arbeiten in der Gruppe, wobei Kommunikation, Diskussion, Mitteilungs-und Kritikfähigkeit sowie Kritikaufnahmebereitschaft bei gleichzeitiger gegenseitiger Toleranz gefördert werden können (vgl. KNEILE/KIESEL 1996, S. 124) - Förderung der Sozialisation (vgl. ZERULL 1978, S. 37) - „... Überbrückung der Kluft zwischen Lernen im Klassenzimmer und der komplexen Alltagswirklichkeit“ (CRIEGERN 1978, S. 42), wobei die „Schüler erfahren, dass durch Ausstellungen Welt in die Schule hereingeholt werden kann“ (ZERULL 1978, S. 37) bzw. ein Weg in Richtung außerschulische Öffentlichkeit erschlossen werden kann. Eine solche Ausstellungsarbeit kann m. E. den von Gunter Otto im Kunstunterricht geforderten „Zusammenhang von Entdecken und Sammeln, von Handeln und Reflektieren, von Machen, Erinnern und Vergleichen, den Zusammenhang und seine Perspektive auf neues Sehen, auf Entdeckungen“ (OTTO 1998, S. 74) unterstützen. Im Hinblick auf eine bevorstehende, selbst zu gestaltende Ausstellung, auf ein Ausstellungsereignis bzw. eine Ausstellungseröffnung und hinsichtlich des Ausstellungsverlaufes soll nachfolgend verallgemeinert gezeigt werden, dass dieser Zusammenhang durch den Kunstunterricht, der die Ausstellungsgestaltung zum Gegenstand macht, gefördert werden kann. Die Schüler durchlaufen zunächst einen Suchprozess, bei dem sie nach geeigneten Materialien und bildnerischen Ausdrucks- und Gestaltungsweisen Ausschau halten, die der inhaltlichen Vorgabe der zu organisierenden oder mit zu gestaltenden Ausstellung entsprechen könnten. Eine möglichst große Auswahl in dieser Richtung muss vom Lehrer angeboten werden, wobei die Schüler aber auch auf schon Bekanntes zurückgreifen können.
Während der Ausstellungsplanung werden die Schüler auf verschiedene Präsentationsmöglichkeiten stoßen bzw. auf diese vom Fachlehrer hingewiesen, aus denen sie eine dem Anliegen der Ausstellung entsprechende Präsentationsform auswählen müssen, wodurch das Gespräch, das Kritik- und Urteilsvermögen und die Verträglichkeit von Kritik des Einzelnen in der Gruppe, die zur Wahl des endgültigen Ausstellungsdesigns führen, gefördert werden. Der Kunsterzieher muss dabei eine beratende Funktion einnehmen und darauf achten, dass die auszustellenden Gestaltungen im richtigen Maß ausgewählt werden, um beispielsweise eine visuelle Überforderung des Ausstellungsbetrachters zu vermeiden (vgl. WILHELM 1988, S. 8).
9
Eine bevorstehende Ausstellung wird in den Gedanken der Schüler während ihrer ästhetisch-praktischen Arbeit einen besonderen Motivationsfaktor darstellen. Sie werden teilweise von selbst und vor Beendigung ihrer Gestaltungen 1 über ihre eigenen Arbeiten und die der Mitschüler noch während deren Entstehung und nach ihrer Fertigstellung diskutieren, wobei eine solche Reflexion auch noch Auswirkungen auf die Endfassung ihrer Gestaltungen haben kann. Damit wird m. E. die von Axel von Criegern formulierte Forderung, dass das den Unterricht im Rahmen der Ästhetischen Erziehung bestimmende Prinzip der Wechselwirkung von Produktion und Reflexion auch in die Ausstellung hinein verlängert wirken solle (vgl. CRIEGERN 1978, S. 43), schon durch die Eigenart der Ausstellungsgestaltung erfüllt. Ebenso kann die vollendete Ausstellung an ihr beteiligte und unbeteiligte Schüler auch außerhalb des in der Regel zweistündigen Kunstunterrichts - beispielsweise in Pausen und Freistunden - zum reflexiven Gespräch über ihre Arbeiten anregen. Die Aussage von Constanze Kirchner und Gunter Otto über die Begegnung mit Kunstwerken: gemeinsames Sinnstiften rege zur Kommunikation und Diskussion an und fördere Austausch, Verständigung und Meinungsaustausch (vgl. KIRCHNER/OTTO 1998, S. 8f.), ist m. E. auf die Begegnung der Schüler mit Arbeiten aus dem Kunstunterricht ihrer Klassenbzw. Schulkameraden ohne weiteres übertragbar.
Mit Recht können die an der Ausstellungsgestaltung beteiligten Schüler stolz auf ihre ausgestellten Ergebnisse sein, wobei sich die Einzelleistung mit der Gruppenleistung verbindet und die Entwicklung ihres Selbstwertgefühls gefördert wird (vgl. ZERULL 1978, S. 37). Aus der Sicht der Schüler stellt die Teilnahme an der mitgestalteten Ausstellung m. E. sowohl eine Wertschätzung ihrer in den ausgestellten Arbeiten mitgeteilten Absichten und Interessen, als auch eine Mitteilungsmöglichkeit gegenüber einer schulischen oder außerschulischen Öffentlichkeit dar. So kann sich - besonders in Bezug auf außerschulische Ausstellungen - beispielsweise bei Anwesenheit der an der Ausstellung beteiligten Schüler bei der Ausstellungseröffnung die Chance ergeben, Reaktionen eines breitgestreuten Rezipientenkreises unmittelbar zu erleben und persönlich Stellung zu beziehen (vgl. SCHNEYDER 1981, S. 45).
Die Schüler lernen an der eigenen Ausstellungsarbeit die mit der Museumsarbeit verbundenen Schwierigkeiten kennen und achten (vgl. PHILIPPI 1984, S. 57). Dadurch kann es auch gelingen, das Interesse der Schüler für zukünftige Museumsbesuche, für Kunst überhaupt und damit auch für Kunstunterricht nachhaltig zu motivieren und zu sensibilisieren.
Dies kann mit Hilfe einer allgemeineren Aussage John Deweys bezüglich des Erfahrungszuwachses fundiert werden: „Erfahrung verändert denjenigen, der sie macht, während
1 Wird in dieser Arbeit allgemein von Gestaltungen/Arbeiten von Schülern gesprochen, so können damit künstlerische Ausdrucks- und Gestaltungsweisen im weitesten Sinne gemeint sein, d.h. sie
können über die zweidimensionale Fläche hinausgehen und beispielsweise Aktion, Happening und
Performance einschließen. So können hinsichtlich der Ausstellungsziele die Dimensionen kognitiv,
affektiv und sensumotorisch einen unterschiedlichen Stellenwert einnehmen (vgl. CRIEGERN 1978,
S. 43).
10
diese Veränderung ihrerseits wieder die Qualität der folgenden Erfahrungen beeinflußt.“ (John Dewey, zitiert nach KIRCHNER/OTTO 1998, S. 5).
Aber auch auf einige nicht unmittelbar an der Ausstellung beteiligte Schüler kann eine Ausstellung der eigenen Schule motivierend wirken. Einerseits werden sie von den Gestaltungen ihrer Mitschüler für ihr eigenes ästhetisch-praktisches Tun angeregt, andererseits werden auch sie durch eine Ausstellung oder Ausstellungsbeteiligung der eigenen Schule mit Stolz erfüllt.
Die Ausstellungsgestaltung kann außerdem als Chance zu einem sich öffnenden Kunstunterricht angesehen werden, wobei die Öffnung des Kunstunterrichts mit Hilfe der Ausstellungsgestaltung auf die von Dietrich Benner bereits 1977 aufgezeigten drei Dimensionen der Offenheit bezogen werden kann, nämlich die institutionelle, inhaltliche und methodische Offenheit (vgl. BENNER 1977, S. 34) 1 :
Erstens bringt die Ausstellungsgestaltung eine institutionelle Öffnung des Kunstunterrichtes bezüglich des Unterrichtsortes mit sich - im Sinne einer alternativen Verschiebung vom Klassenzimmer bzw. vom Kunstraum zur schulischen bzw. außerschulischen Galerie.
Dabei werden die von Schülern konzipierten Ausstellungen außerhalb der Schule, also an anderen Ausstellungsorten wie Banken, Rathaus, Kinder-, Jugend- und Kulturzentren u. a., neben den Ausstellungen in der Schulgalerie immer etwas Besonderes für die teilnehmenden Schüler sein, da hier eine andere Ebene der Öffentlichkeit - für die Schüler bestimmt eine höhere - erreicht wird, die außerhalb des „Schonraums Schule“ (SCHÜTZ 1998, S. 147) liegt, wobei ihnen das Gefühl einer öffentlichen Verantwortlichkeit vermittelt werden kann 2 . Ich stimme Helmut Georg Schütz zu, der in der Möglichkeit des außerschulischen Unterrichtes nicht nur eine Veränderung der Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern sowie der Schüler untereinander, sondern auch eine Hinführung zu einem Unterricht erkennt, der seinerseits wiederum auf den Unterricht in der Schule ausstrahle (vgl. ebd., S. 147) 3 .
Zweitens verbindet sich damit eine Öffnung hinsichtlich der Adressaten der präsentierten Gestaltungen der Schüler - im Sinne des Erreichens einer, von einer breiten schulischen
1 Für die ungebrochene Aktualität der Forderung nach Öffnung dieser drei von Benner aufgezeigten Dimensionen - auf die auch Ramseger Bezug nimmt (vgl. RAMSEGER 1992, S. 22-27) - spricht
die Berufung auf diese Dimensionen in der Abhandlung zur Öffnung der Kunstpädagogik von
Helmut Schütz 1998 (vgl. SCHÜTZ 1998, S. 147).
2 Auch Kneile/Kiesel weisen neben Schülerausstellungen im Klassenzimmer/Kunstraum und im Schulhaus auf die außerschulische Präsentation von Schülerarbeiten an öffentlichen Orten in
größeren Abständen hin - mit dem Rat an die Fachlehrer: „Sie müssen nur die Kontakte herstel-len!“ (Kneile/Kiesel 1996, S. 128)
3 Auch wenn Helmut Georg Schütz diese Aussagen in Bezug auf außerschulischen Unterricht z. B. in Ausstellungen auf bereits ausgestaltete Ausstellungen bezieht, ist diese relativ allgemeindidakti-sche Aussage m. E. auf die Konzipierung von Ausstellungen durch die Schüler außerhalb der
Schule übertragbar.
11
Arbeit zitieren:
Stefan Spengler, 2000, Ausstellungsarbeit im Kunstunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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