Innovationen und ihre wirtschaftlichen Folgen von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart:
Vom Flügeltelegraphen zur elektromagnetischen Telegraphie
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
2. Die Entwicklung der Telegraphie und deren Voraussetzungen 2
2.1 Frühe Entwicklung: Der optische Telegraph 3
2.2 Der elektromagnetische Telegraph 5
2.3 Technische Voraussetzungen 9
2.4 Gesellschaftliche Voraussetzungen 10
3. Auswirkungen auf den Welthandel und die Börse 12
3.1 Entstehung eines länderübergreifenden Netzes 13
3.2 Gründung von weltumspannenden Nachrichtenagenturen 15
3.3. Erfindung des Börsentickers 17
3.4. Folgen für den Welthandel 18
4. Zusammenfassung und Ausblick 19
Literaturverzeichnis IV
II
Innovationen und ihre wirtschaftlichen Folgen von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart:
Vom Flügeltelegraphen zur elektromagnetischen Telegraphie
Abkürzungsverzeichnis
Abb. = Abbildung AP = Associated Press DÖTV = Deutsch-Österreichischer Telegraphenverein dt. = deutsch / deutsche f. = folgende Hg. = Herausgeber Jhd. = Jahrhundert n. Chr. = nach Christus S. = Seite u.a. = unter anderem USA = United States of America v. Chr. = vor Christus Vgl. = Vergleiche z. B. = zum Beispiel
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Innovationen und ihre wirtschaftlichen Folgen von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart:
Vom Flügeltelegraphen zur elektromagnetischen Telegraphie
1. Einleitung
"Die Telegraphie ist das Werkzeug des Friedens. (…) Die Telegraphie ist das Werkzeug der Wirtschaft. Schnelle Nachrichtenbeförderung regelt Produktion und Güteraustausch, gestaltet den Weltmarkt. Die Telegraphie ist das Werkzeug der Kultur. Sie ist die Schöpferin (...) der schnellen Verbreitung wichtiger Ereignisse wirtschaftlicher, politischer, kultureller Art über die ganze Erde." 1
Basisinnovationen wie die Dampfmaschine, die Eisenbahn, die Erfindung der Kohlenstofflampe und die damit verbundene Elektrifizierung oder das Automobil schufen neue Produktions- und Transportkapazitäten, verbesserten die Lebensqualität und führten jeweils zu einer signifikanten Steigerung des Wohlstands. 2 Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratieff (1892 - 1938) entdeckte einen Zusammenhang zwischen genannten Basisinnovationen und langfristigen Konjunkturzyklen (sogenannte Kondratieff-Zyklen). Jede konjunkturelle Hochphase konnte von Kondratieff mit einer Innovation verknüpft werden.
Auffallend ist, dass die Anfänge der elektromagnetischen Telegraphie parallel zu dem in den 1840er Jahren beginnenden zweiten Kondratieff verlaufen, der seinen Höhepunkt in den 1870er Jahren erreicht, also in der Zeit, in der es gelingt durch den Ausbau submariner elektromagnetischer Telegraphenlinien die Kontinente miteinander zu vernetzen.
Abb. 1: Kondratieff-Zyklen. Aus: Händeler (2005), S. 11
1 Auszug aus der Einführungsrede des dt. Staatsekretärs Dr. Bredow zum Beginn des "Dritten
Internationalen Telegraphisten-Wettstreits" in Berlin 1922; von Steiger/Vatter (2002), S. 11
2 Vgl. hier und im Folgenden: Händeler (2005), S. 10
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Innovationen und ihre wirtschaftlichen Folgen von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart:
Vom Flügeltelegraphen zur elektromagnetischen Telegraphie
Die zentrale Frage die in dieser Arbeit diskutiert werden soll ist also: Welche Auswirkungen hatte die Entwicklung des Telegraphen auf die Wirtschaft? Um die Auswirkungen der Entwicklung des Telegraphen diskutieren zu können, wird in Kapitel 2.1 zunächst ein Überblick über die Entstehung der optischen Telegraphie gegeben. Es werden sowohl die Grenzen und Mängel des optischen Systems als auch dessen Nutzen aufgezeigt. Anschließend, in Kapitel 2.2, wird die Entstehung der elektromagnetischen Telegraphie untersucht. Neben der Darstellung der verschiedenen Telegraphenapparate wird die Durchsetzung des Morse-Systems analysiert. Im dritten und vierten Teil des 2. Kapitels werden die technischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen untersucht, die die Entwicklung und Verbreitung des Telegraphen ermöglichten. Dabei wird insbesondere die Nachfrageseite des Telegraphenmarktes beleuchtet.
Aufbauend auf diesen Grundlagen befasst sich das dritte Kapitel dieser Arbeit ausschließlich mit den Folgen der Telegraphie für den Welthandel und die Börse. In Kapitel 3.1 wird zunächst auf die Entstehung eines länderübergreifenden Netzwerks als Voraussetzung für den Welthandel eingegangen. Speziell die aufwendige Verlegung submariner Kabel und die Standardisierung der Systeme werden in diesem Kapitel erklärt. Im zweiten Teil des 3. Kapitels wird die Entstehung weltumspannender Nachrichtenagenturen, als Schlüsselbranche des Nachrichtenhandels beleuchtet. In Kapitel 3.3 wird die Erfindung des Börsentickers als eine typische Anwendung der Telegraphie im Welthandel beschrieben. Eine Konkretisierung der Folgen der Telegraphie für den internationalen Handel wird dann in Kapitel 3.4 vorgenommen. Hierbei wird insbesondere der internationale Warenhandel untersucht. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick auf die Weiterentwicklungen der elektromagnetischen Telegraphie.
2. Die Entwicklung der Telegraphie und deren Voraussetzungen
Dieses Kapitel analysiert die zeitliche Entwicklung der Telegraphie. Ausgehend von der Entwicklung des optischen und des späteren elektromagnetischen Telegraphen werden auch die technischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen dargestellt, welche diese Innovation erst ermöglicht haben. Ferner sollen die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme beleuchtet werden, um aufzuzeigen, aus welchen wirtschaftlichen und technischen Gründen sich bestimmte Systeme durchsetzten.
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Vom Flügeltelegraphen zur elektromagnetischen Telegraphie
2.1 Frühe Entwicklung: Der optische Telegraph
Die Geschichte der optischen Telegraphie lässt sich bis ins antike Griechenland zurück verfolgen. 3 Nach Überlieferungen des griechischen Generals Polybios gab es bereits im 2. Jhd. v. Chr in Griechenland einen funktionierenden Fackeltelegraphen, welcher die einzelnen Buchstaben des griechischen Alphabets abbilden konnte. Der Sender zündete zwei getrennt voneinander stehende Reihen mit Fackeln in bestimmter Anzahl. Die Zahl der Fackeln in der ersten Reihe entsprach der Nummer einer Tafel, die andere Fackelreihe der Zeile auf der entsprechenden Tafel. Der Empfänger konnte dann an dieser Stelle den Buchstaben ablesen. Ein Grund dafür, dass dieser Telegraph gerade in Griechenland entstanden ist, war das hoch entwickelte relativ kurze Alphabet der Griechen. Aufgrund dieser Kürze konnte das gesamte Alphabet in einer kleinen Matrix dargestellt werden, wodurch der Telegraphencode sehr knapp gehalten wurde.
Diese frühe griechische Entwicklung scheint aber schnell wieder in Vergessenheit geraten zu sein. 4 Anders ist es nicht zu erklären, dass spätere optische Telegraphen wie die von Sextus Julius Africanus (3. Jhd. n. Chr.) oder Hieronymus Cardanus (1550) deutlich primitiver gestaltet waren. Auch der 1616 von Franz Kessler entwickelte optische Telegraph arbeitete, im Gegensatz zu dem Telegraphen von Polybios, nur mit einem erheblich reduzierten Alphabet.
Das erste weitläufige Telegraphennetz entstand erst im Verlauf der Französischen Revolution in Frankreich. 5 Der von dem geistlichen Claude Chappe gemeinsam mit seinen Brüdern entwickelte optisch-mechanische Telegraph wurde im Jahr 1793 erstmals erfolgreich getestet. Dieser sogenannte Semaphor oder Flügeltelegraph wurde auf Kirchtürmen oder auf den Dächern der neu gebauten Telegraphenstationen errichtet. Als Zeichengeber diente ein dreigliedriger um seine Mittelachse drehbarer Balken.
Dem aus einer wohlhabenden französischen Familie stammende Claude Chappe gelang es u. a. durch die Unterstützung seines Bruders, der als Lobbyist in der gesetzgebenden Versammlung wirkte, seine Erfindung der Regierung vorstellen zu dürfen. 6 Aufgrund der guten Beurteilung des Telegraphen durch das Konventsmit-
3 Vgl.hier und im Folgenden: Aschoff (1981), S. 8f
4 Vgl. hier und im Folgenden: Aschoff (1981), S. 10-13
5 Vgl. hier und im Folgenden: Herbarth (1978), S.19
6 Vgl. Standage (1999), S. 7; Museum für Kommunikation (2000), S. 39
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Vom Flügeltelegraphen zur elektromagnetischen Telegraphie glied Lakanal bekam Chappe noch im selben Jahr den Auftrag eine erste optische Telegraphenlinie zwischen Paris und Lille zu errichten. Frankreich investierte in dieses kostspielige Projekt vor allem deshalb, weil es sich in Land- und Seekriegen einen großen Nutzen von der Telegraphie versprach. 7 Paris diente als Zentrum des noch 1852 aus über 500 Stationen bestehenden und 4800km langen französischen Telegraphennetzes, welches alle in dieser Zeit bedeutenden Städte Frankreichs umfasste. 8 Die Zeit zur Übermittlung einer Nachricht auf der Strecke Paris - Lille schrumpfte dank Chappes Telegraphen von 24 Stunden, bei Zustellung durch Reiter, auf nur 2 Minuten. 9
Auch im restlichen Europa, z.B. in Preußen in den 1830er Jahren, begann man animiert durch die Erfolge in Frankreich mit dem Aufbau von Systemen zur optischen Nachrichtenübermittlung. 10 Das Telegraphensystem der Brüder Chappe löste ein internationales Konkurrenzdenken aus und führte so zu einer Vielzahl von Entwicklungen in der Nachrichtentechnik, die sich meist an dem französischen Vorbild orientierten. 11 In einigen Ländern wie z. B. Schweden und Dänemark gelang es ein eigenes nationales Telegraphensystem ähnlich dem in Frankreich aufzubauen. Aufgrund der verschiedenen länderspezifischen Systeme und den damit verbunden unterschiedlichen Telegraphen-Codes bildete die Landesgrenze zugleich eine Grenze für die Nachrichtenübermittlung mittels optischem Telegraphen. Ein entscheidendes Argument gegen die optische Telegraphie waren neben den ohnehin schon hohen Investitionskosten die immensen alljährlichen Betriebskosten des Telegraphennetzes, die vor allem durch die hohen Personalkosten entstanden. 12 Die Kosten für den Versand der pro Jahr beförderten 500-700 Telegramme betrugen in Preußen um 1849 durchschnittlich 100 Taler pro Stück, was etwa dem Drittel des Jahresgehalts eines Telegrafisten entsprach. 13 Finanzielle Mittel für eine Investition in diesem Umfang aufzubringen war also allein dem Staat möglich, der die immensen Kosten durch den hohen militärischen Nutzen der neuen Nachrichtentechnik rechtfertigen konnte. 14 Die Nutzung des Telegrafensystems für Privatpersonen wurde auf-
7 Vgl.Herbarth (1978), S.19
8 Vgl. hier und im Folgenden: Herbarth (1978), S. 20
9 Vgl. Museum für Kommunikation (Hg.) (2000), S. 26 f.
10 Vgl. Museum für Kommunikation (Hg.) (2000), S. 28 f.
11 Vgl. hier und im Folgenden: Herbarth (1978), S. 18
12 Vgl. Reindl (1993), S. 63
13 Vgl. Museum für Kommunikation (Hg.) (2000), S. 30
14 Vgl. Borscheid (2004), S. 150
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Christoph Merte, 2008, Vom Flügeltelegraphen zur elektromagnetischen Telegraphie, München, GRIN Verlag GmbH
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