Inhaltsverzeichnis
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Einleitung
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1. Bushido und die „Avantgarde der Härte“
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2. Bushido auf dem Prüfstand
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3. „Zeiten ändern dich“
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Fazit
Einleitung
„Vom Bordstein bis zur Skyline“, so heißt nicht nur sein erfolgreiches erstes Solo-Album, sondern so könnte man metaphorisch auch seine Karriere beschreiben: die Rede ist von Bushido, dem Berliner „Rüpel-Rapper“, wie er in den Medien häufig tituliert wurde. Als er im Jahr 2003 den Durchbruch schaffte und mit dem oben genanntem Album auf Platz 88 der deutschen Charts landeteT P F 1 begann sein rapider Aufstieg im Musikgeschäft. Die
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gewaltverherrlichenden, frauenverachtenden und teils rassistischen Anklänge in seinen „Liedern“ sorgten schon bald für Furore. Die Medien überschlugen sich mit Skandalmeldungen um den Rapper, die Bundesprüfstelle indizierte mehrere seiner Titel und Eltern schlugen Alarm. Bushido polarisiert: die Erwachsenenwelt befürchtet Werteverfall und gesellschaftliche Verrohung - die aggressive und obszöne Sprache seiner Lieder lässt viele innerlich zusammenzucken. Doch bei den Jugendlichen wächst die Popularität Bushidos unaufhaltsam. Seine Alben erreichten nach 2004 alle Goldstatus, sein Album „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ (2006) sogar Platin. Er gewann insgesamt viermal den deutschen Musikpreis „Echo“, zweimal den „MTV European Music Award“ und zweimal den „VIVA Comet“.T P F 2
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Die Liedinhalte und die düsteren Ghetto-Bilder der Musikvideos weisen Bushido als Vertreter einer von Drogen, Gewalt und Sex beherrschten Welt aus. Äußerungen des Rappers über seine unzähligen BordellbesucheT P F 3 zerrüttete FamilienverhältnisseT P F 4 und kriminelle
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MachenschaftenT P F 5 vervollständigen das Bild vom düsteren Gangster der Berliner Unterwelt.
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Doch schnell drängt sich die Frage auf: Wie authentisch ist Bushido? Was ist an seiner Erscheinung echt und was ist lediglich Teil eines künstlich geschaffenen Images? Inwieweit spiegelt der Rapper tatsächlich ein bestimmtes soziales Milieu wider? Die vorliegende Arbeit möchte Bushido bzw. das von ihm in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild kritisch hinterfragen. Es soll überprüft werden, ob die von ihm
1 Vgl. mit Bushido-Artikel auf „Lexolino“: HThttp://www.lexolino.de/c,musik_s%E4nger_deutschsprachige-
TP PT s%E4nger,bushidoT H (Stand: 2.4.2010).
2 Vgl. mit der Kurzbiografie auf der offiziellen Bushido-Homepage:
TP PT (Stand: 2.4.2010).
HThttp://www.kingbushido.de/_content/BUSHIDO/presse/Bushido_Biografie.pdfTH 3 So behauptete Bushido im Februar 2004 im „OK-Magazin“, er habe bereits mit 700 Frauen geschlafen und
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besuche zudem regelmäßig Bordelle. Vgl. HThttp://www.ok-magazin.de/people/3461/bushido-im-gespraech-mit-
okT H (Stand:2.4.2010).
4 In einem Interview mit dem „Stern“ schilderte Bushido im Jahr 2008: „Ich war drei Jahre alt, als mein Vater
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meine Mutter mit einem Telefonapparat verprügelte. Er war sturzbetrunken. Ein Alkoholiker. Kurz darauf
verließ er meine Mutter, meinen Bruder und mich. Ich hörte jahrelang nichts von ihm.“
(Stand: 2.4.2010).
HThttp://www.stern.de/lifestyle/leute/interview-mit-bushido-ich-liebe-die-stille-638333.htmlTH 5 Dem „Stern“ offenbarte Bushido seine früheren Drogengeschäfte: „Ich verkaufte Koks, Marihuana und
TP PT Pillen.“ HThttp://www.stern.de/lifestyle/leute/r ap-star-bushido-mutter-lieh-mir-geld-zum-dealen-637936.htmlT H
(Stand 2.4.2009).
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gezeichneten Ghetto-Szenarien seiner wirklichen Sozialisation entsprechen und ob die diskriminierenden und beleidigenden Liedinhalte mit seinen persönlichen Einstellungen konform gehen.
Die Untersuchung will sich diesen Fragen in drei Schritten annähern. Der erste Teil der Arbeit möchte zunächst in das musiksoziologische Phänomen einführen, welches sich Ende der 1990er Jahre in Berlin abzuzeichnen begann. Das Augenmerk soll dabei auf Bushido liegen, jedoch muss er als Teil einer neuartigen deutschen HipHop-Ausrichtung verstanden werden. Als Grundlage für die weitere Analyse sollen kurz die Anfänge der Bewegung, ihre Merkmale und ihre Auswirkungen umrissen werden.
Davon ausgehend soll im zweiten Teil der Arbeit die kritische Analyse beginnen. Um zu ermitteln, wie authentisch die Figur Bushidos ist, sollen Interviews, Talkshow-Auftritte, kritische Medienberichte und die von ihm veröffentlichte Autobiografie „Bushido“T P F 6
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untersucht werden. Die Äußerungen und Verhaltensweisen des Rappers und die in den Medien verfügbaren Erkenntnisse sollen mit dem vorherrschenden Bushido-Bild abgeglichen werden.
Der dritte Teil widmet sich dem jüngst angelaufenen Kinofilm „Zeiten ändern dich“T P F 7 Die
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Bernd Eichinger- Produktion erzählt die Lebensgeschichte des Rappers, von seiner frühen Kindheit bis zur Gegenwart. In der Vorankündigung ließ Bernd Eichinger verlauten, der Film solle genauso „authentisch, provokant und radikal“T P F 8 werden, wie Bushidos Musik. Demnach
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müsste es sich um ein Dokument handeln, das uns Einblicke in seine reale Lebenswelt eröffnet. Ob der Film dies wirklich leisten kann (und will) und inwieweit er authentische Informationen über Bushido und seine Musik enthält, wird zu untersuchen sein. Der Analyse des Films sollen die Erkenntnisse des zweiten Teils, sowie weitere Interviews und Hintergrundinformationen aus der Presse zugrunde gelegt werden.
1. Bushido und die „Avantgarde der Härte“
Es ist wohl das auffälligste musikalische Phänomen des ersten Jahrzehnts nach der Jahrtausendwende in Deutschland: eine in Berlin geborene neue Ausformung des HipHop, düsterer und härter als in der restlichen deutschen Szene. Inspiriert von amerikanischen
6 Bushido / Amend, Lars (Hgg): „Bushido“. Riva Verlag 2008.
TP PT 7 „Zeiten ändern Dich“, Constantin Film Verleih GmbH. Kinostart: 4.2.2010.
TP PT 8 Siehe Artikel “Bushidos Leben wird verfilmt” auf N24.de: HThttp://www.n24.de/news/newsitem_4976394.htmlTH
TP PT (Stand: 3.4.2010).
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Gangster-Rap-Größen schickten sich Berliner Rapper an, das Ghetto nun auch im deutschen HipHop aufleben zu lassen. Schon in den 1990er Jahren brodelte es in der Berliner SubkulturT P F 9 doch an die Oberfläche gelangte der neue Deutsch-Rap erst im nächsten
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Jahrzehnt. Mit der Gründung des Independent-Labels „Aggro Berlin“ durch die Szene-Größen Specter (Graffiti), Spaiche (Breakdance) und Halil (Betreiber eines HipHop-Gebrauchtartikelladens) sollte eine neue Ära ihren Anfang nehmen.T P F 10 Die drei Gründer waren
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tief in der Berliner HipHop- Szene verwurzelt und verfügten über die nötigen Kontakte. Zudem konnten sie für die unentbehrliche „Realness“ sorgen, d.h. die Authentizität und Anerkennung der Szenemitglieder.T P F 11 Die ersten Protagonisten des Labels waren Sido und B-
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Tight, deren Charaktere samt Outfit von den Labelgründern gestaltet wurden. Sidos silberne Totenkopf-Maske wurde bald zu seinem festen Markenzeichen.
Bushido, der mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt, hatte im Jahr 2000 angefangen, sich als Rapper zu betätigen. Nach abgebrochener Schullaufbahn, Konflikten mit dem Gesetz und einer gerichtlich vorgeschriebenen Lehre zum Maler und Lackierer hatte er sich zunächst im Bereich Graffiti betätigt. Dann veröffentlichte er sein erstes Tape „King of Kingz“, welches ihm den Wechsel zu „Aggro-Berlin“ ermöglichte. 2002 veröffentlichte er gemeinsam mit seinem Freund Fler das Album „Carlo Cokxxx Nutten“T P F 12
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unter seinem Pseudonym „Sonny Black“. Bereits diese ersten Alben waren von Titeln wie „Drogen, Sex, Gangbang“, „Fick Rap“ oder „Arschfick“ durchsetzt. Trotzdem (oder gerade deswegen) gelang es Bushido, eine identitätsstiftende Musik „für Immigrantenkinder und Zukurzgekommene“T P F 13 in den deutschen Vorstädten zu schaffen. Über die Berliner Szene
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hinaus erreichte er dies mit seinem ersten Solo-Album „Vom Bordstein bis zur Skyline“ (2003). Dieser Erfolg ist vor allem auf das Musikvideo zur Singleauskopplung „Bei Nacht“ zurückzuführen.T P F 14 Hier schlug den Betrachtern ein düsteres Ghetto-Szenario entgegen,
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geprägt von Waffen, Gewalt, Drogen und Graffiti. Der trockene Hintergrund-Beat und die harte Artikulation der Texte erfüllen die Kulisse mit einer aggressiven Stimmung. Bushido formuliert eine Kampfansage an die Konkurrenz, bringt den Stolz auf seinen „Bezirk“ zum Ausdruck und erhebt Ansprüche auf den HipHop-Thron. Was man von N.W.A. (Dr. Dre, Ice
9 Bushido berichtet in seiner Autobiografie, dass Ende der 1990er Jahre bereits Kool Savas, MC Basstard, MC
Bogy und Frauenarzt mit dem neuartigen Berliner HipHop Wellen schlugen, teilweise auch über die
Stadtgrenzen hinaus. Vgl. Bushido / Amend, Lars (Hgg): „Bushido“. Riva Verlag 2008. S. 43.
10 Vgl. Artikel „Aggro-Jahrzehnt“ (9.12.2009), geschrieben von Daniel Haas für Spiegel-Online:
(Stand: 3.4.2010).
HThttp://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,664832,00.htmlTH
11 Vgl. Bushido-Biografie auf HThttp://www.musik-base.de/Bands/B/BushidoTH (Stand: 3.4.2010).
12 Die Schreibweise des Albumtitels mit xxx dürfte von Ice Cubes Solodebütalbum „AmeriKKKa’s Most
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Wanted“ (1990) inspiriert worden sein.
13 Ebda.
TP PT 14 Vgl. Bushido-Biografie auf Wikipedia: HThttp://de.wikipedia.org/wiki/Bushido_%28Rapper%29 TH (Stand:
TP PT 3.4.2010).
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Cube u.a.) kannte, hielt nun auch im deutschsprachigen HipHop Einzug. Sido machte es ihm im April 2004 mit dem Titel „Mein Block“ nach. Er
Als Bushido sich gerade zum Zugpferd des Labels entwickelt hatte, verließ er „Aggro Berlin“ um beim Major Label „Urban/ Universal Music“ unter Vertrag zu gehen. Die übrigen Rapper des Labels Sido, B-Tight und Fler warfen ihm Hochverrat vor und von nun an „disste“T P F 16 man
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sich gegenseitig, vorzugsweise in Liedform.T P F 17
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Die Liedinhalte um Kokainkonsum, Drogenhandel, Prostituierte und Gewalt hatten sich als profitabel erwiesen und beherrschten auch in den nachfolgenden Alben die Texte. Nachdem Bushido 2004 im Lied „Electro Ghetto“ (auf dem gleichnamigen Album) mit der Passage „Salutiert, steht stramm, ich bin ein Leader wie A.“ des Rechtsextremismus bezichtigt wurdeT P F 18 erntete er mit der Textstelle „Tunten vergasen“ auf dem Album „Staatsfeind Nr. 1“
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den Vorwurf, er sei schwulenfeindlich. Lieder wie „Dreckstück“ oder „Mit dem Schwanz in der Hand“ indizierte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien mit folgender Begründung:
2007 waren es nach Bushidos eigenen Angaben neun Lieder, die auf Konzerten verboten und zum Verkauf nur noch ab 18 Jahren gestattet waren.T P F 20 Die Verbote scheinen die bedenklichen
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Lieder bei der Zielgruppe aber erst richtig interessant zu machen. Doch wer ist die
15 Artikel „Avantgarde der Härte“, geschrieben von Thomas Groß für „DIE ZEIT“ Nr. 34 vom 18.8.2005.
TP PT 16 „dissen“ (von HTengl.TH disrespect) bedeutet in der HipHop-Szene jemanden schlechtmachen, jemanden
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schmähen.
17 Vgl. Bushido-Biografie auf HThttp://www.musik-base.de/Bands/B/BushidoTH (Stand: 3.4.2010).
18 Vgl. Bushido-Biografie auf Wikipedia: HThttp://de.wikipedia.org/wiki/Bushido_%28Rapper%29 TH (Stand:
3.4.2010).
19 Johannes B. Kerner zitiert diese offizielle Begründung im Rahmen seiner TV-Sendung im Jahr 2007, zu
TP PT finden auf YouTube: HThttp://www.youtube.com/watch? v=pxu9c6rWmEoT H (Stand: 3.4.2010).
20 Ebda.
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Arbeit zitieren:
Andreas Kiepe, 2010, Bushido: Gangster-Rapper oder Spießer?, München, GRIN Verlag GmbH
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