Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 DER BEGRIFF DER SATIRE UND IHRE VERFAHREN 4
3 DAS VERFAHREN DER PARODIE 5
3.1 Die Legende des Heiligen Martin 5
3.2 Die Legende des Heiligen Johannes Nepomuk 7
3.3 Weitere Heiligenlegenden 8
3.4 Funktion und Bedeutung der Heiligen 9
4 DAS VERFAHREN DER HERABSETZUNG 10
4.1 Das Konzept der Sünde 10
4.2 Repräsentanten der Kirche 11
4.3 Funktion und Bedeutung der Diskreditierung von Geistlichen 14
4.4 Religiöse Ausdrücke oder Anekdoten 15
4.5 Anrufen der Heiligen als Fluch 16
5 MISSINTERPRETATION DER MESSEN 16
5.1 Die Gefangenenmesse 16
5.2 Die Feldmesse 17
5.3 Der Versehvorgang / Die Krankensalbung 19
6 ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION 21
7 LITERATUR 24
Die Kleruskritik im Kontext der Kriegssatire Einleitung
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Kleruskritik in Jaroslav Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“.
Diese Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil zeigt welche Verfahren von Jaroslav Hašek angewandt werden, um eine Kleruskritik zu äußern. Der zweite Teil zeigt, welche Funktion die Kleruskritik im Kontext der gesellschaftskritischen Kriegssatire hat und wie sie sich in diese einpasst. Es wird erörtert, inwiefern die Verwendung von religiösen Elementen die satirische Komponente fördert und beeinflusst.
Zunächst soll eine kurze Einführung über Parodie und Satire die Grundlagen der Untersuchung liefern (Kapitel 2). Anschließend werden die dargestellten Verfahren auf verschiedene Textpassagen des Romans angewandt, um deren Funktion und Bedeutung aufzuzeigen. Dazu werden einige der im Roman aufkommenden Heiligenlegenden betrachtet (Kapitel 3.1-3.3) und ihre Funktion bzw. Bedeutung (Kapitel 3.4) diskutiert. Anschließend werden das im Roman erscheinende Sündenkonzept (Kapitel 4.1) auf die im Roman auftretenden Vertreter des Klerus angewandt (Kapitel 4.2) und einige Anekdoten Schwejk’s (Kapitel 4.4) sowie die verwendeten Ausdrücke religiösen Inhalts (Kapitel 4.5) betrachtet. In Kapitel 5 sollen die Verwendung religiöser Zeremonien und die Rituale des Romans kritisch analysiert werden. Es folgt eine Zusammenfassung der vorangegangenen Ergebnisse und ein Versuch zur Erfassung der Kleruskritik im Gesamtkonzept der Satire (Kapitel 6).
Das Ziel der Arbeit ist es hervorzuheben, dass die Thematik der Religion insofern ein große Rolle spielt, dass sie wichtige Einblicke in Bezug auf die Entwicklung des Romans als Satire gibt und zeigt, dass „Der brave Soldat Schwejk“ nicht nur ein gesellschaftskritischer Roman ist, sondern auch eine moralische Kritik in Bezug auf den Klerus enthält.
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Die Kleruskritik im Kontext der Kriegssatire Der Begriff der Satire und ihre Verfahren
2 Der Begriff der Satire und ihre Verfahren
Jaroslav Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldat Schwejk“ ist eine Satire. Nach (HORN 1988: 208) wird ein Werk als Satire bezeichnet, „wenn [es] vom Satirischen durchdrungen ist, wenn es primär geschaffen ist, um anzugreifen“. Nach HORN (1988: 210) „kann sich die Satire gegen folgende Ziele richten: Einzelpersonen, Institutionen oder Tätigkeitsgebiete, gegen politische oder gesellschaftliche Systeme oder den Mensch als solchen.“ In Hašeks Kriegssatire richtet sich die Kritik unter Anderem auch gegen den Klerus.
Die in dem Roman auftretende Kleruskritik wird an Hand verschiedener Verfahren deutlich. Die Bedeutung der Kirche, ihrer Personen und die Bedeutung ihrer Aufgaben, als religiöse wie auch moralische Führer eine Gesellschaft wird in Frage gestellt durch Verfahren der Parodie, durch Herabsetzung sowie durch Verspottung und Missinterpretation von Menschen und ihren Handlungsweisen.
x Parodie
Unter Parodie wird ein Verfahren verstanden, dass bestehende Texte oder Erzählungen wiedergibt, indem der Inhalt, nicht jedoch die Form verändert wird. Die neue Bedeutung entsteht aus dem wieder erkennen des Originals und dem neuen Inhalt (Vgl. Rose 2006: 7ff).
x Herabsetzung
In Jaroslav Hašeks satirischem Roman werden auf unterschiedlichste Art und Weise die Bedeutung von Kirche und Religion herabgesetzt. Dazu dienen beispielsweise die Vergleiche von Personen die der Kirche angehören und Schwejks Umfeld, wobei stets die Klerusvertreter als Sünder beschrieben, schlechter abschneiden.
x Verspottung und Missinterpretation
Der Begriff der Missinterpretation bezieht sich in diesem Kontext zum größten Teil auf die eigenwillige Art und Weise, wie Schwejk die
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Die Kleruskritik im Kontext der Kriegssatire Das Verfahren der Parodie
Dinge betrachtet und versteht. Unter dem Begriff Missinterpretation wird daher gefasst, wenn Schwejk in einer Sache eine Auffassung vertritt, die für ihn zwar logisch ist, jedoch nicht für das allgemeine Verständnis. Zusätzlich werden unter dem Begriff Missinterpretation auch die Erscheinungen gefasst, die nicht interpretiert werden, z.B. in denen Schwejk eine Aufgabe oder einen Befehl wörtlich nimmt ohne ihn zu interpretieren.
3 Das Verfahren der Parodie
In Jaroslav Hašeks Roman werden eine Reihe von Heiligenlegenden Opfer der Parodie. Typischerweise wird die Legende eines Heiligen von Schwejk immer dann in seinen Anekdoten und Geschichten verarbeitet, wenn er versucht, die Moral einer Person durch einen Vergleich mit einem Heiligen zu erhöhen. Durch die Parodie (d.h. Änderung des Inhaltes) erhält die Bemerkung Schwejks einen eindeutig ironischen Zug.
3.1 Die Legende des Heiligen Martin
Die Legende des Heiligen Martin verwendet Schwejk zur Betonung von Oberst Fliedler’s Tugendhaftigkeit und Güte zu dessen Lebzeiten.
„[…] aber wenn Sie wünschen, Herr Oberlajtnant, wer ich nur
lauter Gutes von ihm sprechen. Er war Ihnen, Herr Oberlajtnant, ein fertiger Engel auf die Soldaten. Er war Ihnen so brav wie der Heilige Martin, was Martinsgänse an die Armen und Hungrigen verteilt hat.“ (Hašek 2000: 605)
Offensichtlich unterlaufen Schwejk hier eine Reihe von bewussten oder unbewussten Fehlern. Schwejk lässt den Hl. Martin Gänse verteilen. Anscheinend vermischt Schwejk hier die Inhalte zweier Legenden aus dem Leben des Hl. Martins.
Der Legende des Hl. Martins nach, kam dieser mit 18 Jahren im Winter des Jahres 334 Jahren als Gardeoffizier nach Amiens, einer Stadt etwa 115 km nördlich von Paris. Der Winter war der Sage nach entsetzlich kalt. Am Tor zur Stadt saß ein Bettler und Martin, der damals bereits dafür
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bekannt gewesen sein soll, dass er sein Sold zum größten Teil für Arme und Hungrige spendete, hatte Mitleid mit diesem Bettler, der frierend am Wegesrand saß. Da Martin nichts bei sich trug, was er diesem Bettler hätte geben können, außer seinem Mantel, teilte er diesen mit dem Bettler. In der Nacht darauf erschien Martin Jesus Christus und Martin entscheid sich, sich taufen zu lassen und Christ zu werden.
Um das Jahr 371/372 sollte Martin zum Bischof von Tours ernannt werden. Dieser war nicht gewillt das Amt anzunehmen, weil er sich für unwürdig des Bischofsamtes hielt. Er hielt sich in einem Kloster auf und konnte nur durch die List eines Bürgers, der vorgab seine Frau läge im Sterben, in die Stadt gelockt werden. Als es in der Stadt zu Diskussionen zwischen einer kleinen Gruppe von Gegnern Martins und seinen Fürsprechern kam, floh Martin in einen Gänsestall um der Bischofswürde zu entgehen. Die Gänse schnatterten jedoch so laut, dass Martin entdeckt wurde. Aus dieser Legende soll der Brauch entstanden sein, als Strafe für den Verrat den die Gänse begangen haben, jedes Jahr eine Martinsgans zu schlachten.
Schwejks Aussage, der Heilige Martin hätte Martinsgänse an Hungrige und Arme verteilt, spielt mit der Unwissenheit eines Bürgers, dem die Gründe einer Tradition abhanden gekommen sind und der die Legenden eines Heiligen nicht kennt und daher das Wissen eines Festtages versucht in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Das dieses Unwissen seitens Schwejks nur scheinbar ist, lässt sich vermuten auf Grund der Fülle an Heiligenlegenden, die Schwejk während seiner Abenteuer erwähnt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass jemand wie Schwejk, der einige Heilige zu kennen scheint, einen Heiligen gar nicht oder wenig kennt, der zu den Bekanntesten gehört. Wahrscheinlicher als Schwejks Unwissenheit in Bezug auf den Heiligen Martin ist, dass Hašek Schwejk absichtlich die Legende parodieren lässt, um die katholische Kirche bzw. deren Heiligenverehrung zu diskreditieren.
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3.2 Die Legende des Heiligen Johannes Nepomuk
Die Legende des heiligen Johannes Nepomuk berichtet davon, dass Johannes von Nepomuk der Beichtvater der Königin war und von König Wenzel IV gefoltert wurde, damit er die Beichtgeheimnisse seiner Frau verrate. Historisch betrachtet war der Grund der Folter eher ein politischer, da Johannes von Nepomuk an Intrigen gegen Wenzel beteiligt gewesen sein soll. König Wenzel IV soll selbst für die Folter an Johannes Nepomuk verantwortlich sein und diesen unter anderem mit einer Pechfackel den Körper verbrannt haben und ihn anschließend in der Moldau ertränkt haben. Der Legende nach wurde Johannes von Nepumuk von der Karlsbrücke geworfen, von der Stelle, die heute durch ein Denkmal ausgewiesen wird. Schwejk erwähnt die Folter des heiligen Johannes Nepomuk im Zusammenhang mit seinem Verhör auf der Polizeistation nach seiner Verhaftung im Wirtshaus:
„[…] oder man hat ihm die Hüften mit einer Feuerwehrfackel
gebrannt, wie mans dem heiligen Johann von Nepumuk gemacht hat. Der hat herich dabei geschrieen, wie wenn man ihn gespießt hätt und hat nicht aufgehört, bis man ihn von der Elisabethbrücke in einen wasserdichten Sack hinuntergeworfen hat.“ (Hašek 2000: 27)
Schwejk berichtet jedoch davon, dass Johannes von Nepomuk von der Elisabethbrücke geworfen wurde. Die Bezeichnung Elisabethbrücke war im Volksmund die Bezeichnung der Kettenbrücke des Franz Joseph I. Die Bezeichnung Elisabethbrücke geschah in Anlehnung an dessen Frau Kaiserin Elisabeth von Österreich, nach der die von der Franz-Joseph-Brücke weiterführende Straße benannt war. Auch an dieser Stelle lässt Jaroslav Hašek Schwejk recht unwissend wirken. Zum einen vertauscht Schwejk die beiden Brücken und des Weiteren benutzt er die Bezeichnung Elisabethbrücke, die als volkstümlich gilt. Es ist davon auszugehen, dass er als ein Bewohner Prags die Legende des Patrons von Böhmen kennt und auch die Brücken nicht verwechseln würde, vor allem in Anbetracht dessen, dass das Denkmal, dass die Stelle markiert, in der der Hl. Johannes von Nepomuk in die Moldau geworfen wurde, bereits 1639 errichtet wurde.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Heberling, 2007, Die Kleruskritik im Kontext der Kriegssatire am Beispiel des Romans „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“, München, GRIN Verlag GmbH
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