Estel (1983) stellt fest, dass bei zahlreichen Definitionen dahingehend Einigkeit besteht, dass es sich dabei um Einstellung handelt (Estel, 1983, S. 153). Ashmore (1970) hat die folgenden Übereinstimmungen bei verschiedenen Vorurteilsdefinitionen feststellen können. „points of aggrement common to most definitions. These are: 1. Prejudice is an intergroup phenomenon. 2. Prejudice is a negative orientation 3. Prejudice is bad 4. Prejudice is an attitude. (Ashmore 1970, zitiert in Duckitt 1992, S. 9).
Bei Schuman und Harding (1964) bezieht sich „der Terminus Vorurteil auf Einstellungen oder Handlungen, die von bestimmten weiterverbreiteten Standards abweichen.“ ( Schuman & Harding, 1964 zitiert in Schäfer & Six, 1978, S. 23). Auch Jones (1972, S. 3) bezeichnet das Vorurteil als „eine negative Einstellung gegenüber einer Person oder Gruppe ...“, Millner (1975, S. 9) spricht nicht von Vorurteil, sondern von „vorurteilsvoller Einstellung“ (Jones, 1972 S. 3 in Six & Schütz, 1995, S. 21), Rose Definition ist „A set of attitudes wich causes, supports, or jusitfies discrimination“ (Rose 1951, S. 5 zitiert in Duckitt 1992, S. 10). Für den Verlauf dieser Arbeit soll die Definition von Six und Schütz (1995) gelten, die Vorurteil als “(extrem) negative Einstellungen bezeichnet, die in Form änderungsresistenter Bewertungsmuster für soziale Sachverhalte, wie z.B. gegenüber einzelnen Personen, aber auch Gruppen, Nationen, Organisationen, Produkten aus Kunst und Wissenschaft eingesetzt werden.“ (Six & Schütz, 1995, S. 25 ).
Nach Allprot (1971) werden die meisten Einstellungen irgendwann in Handlungen umgesetzt. Bei Vorurteilen kommt es dann beispielsweise zu Rassendiskriminierung als feindselige Handlung. Er unterscheidet fünf Stufen des feindseligen Verhaltens, die nicht zwangsläufig von einem Individuum mit Vorurteilen bis zur letzten Stufe ausgeführt werden müssen. Die erste und schwächste Handlung ist die Verleumdung, womit einzig vorurteilsvolles Reden über bestimmte Sachverhalte oder Objekte gemeint ist. Zweite Form ist die Vermeidung von Berührungen und das aus dem Weg gehen dieser verurteilten Gruppe. Nächste Steigerung ist die Diskriminierung und damit das bewusste Ausgrenzen der Personen die zu dieser Gruppe gehören. Als vierte Form sieht er die körperliche Gewaltanwendung bei der die Vorurteile in Gewaltakte gegen die verurteilte Gruppe umgesetzt werden. Die stärkste Art der negativen Handlung bei dem gewählten Beispiel der Rassendiskriminierung als Art eines Vorurteils ist die Vernichtung der Gruppe. Betroffen sind hiervon häufig Gruppen aus Lebensbereichen, wie Kirche, Beruf, Krankenhäuser und vielen mehr (Allport, 1971, S. 28-29).
Dieses Umsetzen der Einstellung in zum Teil radikale Handlungen macht eine Auseinandersetzung mit dem Thema der Vorurteile wichtig. Wie bereits in der Geschichte zu sehen ist, hat diese Art des Verhaltens von Personen zu Kriegen und Feindseligkeiten gegen bestimmte Gruppen geführt und tut dies noch. Die Annahme, dass es sich bei Vorurteilen um eine Form der Einstellung handelt macht die Erläuterung des „Einstellungskonzepts“ notwendig, die hier im folgenden geschehen soll. Zwischen dem Konzept des Vorurteils und der Einstellung lassen sich nach Six und Schütz (1995) folgende Parallelen finden. - Eine Erhebung ist über die gleichen Messverfahren möglich. - Es ist in beiden Konzepten ein entsprechender Gegenstand oder Objekt, wie z.B. eine Person oder Gruppe usw. vorhanden. - Sie sind beide in die Dimensionen affektiv, kognitiv und konaktiv zu „zerlegen“.
- Beide Konzepte implizieren menschliches Verhalten. (Six & Schütz, 1995, S. 24). Seite 4 von 4
Ein weiterer Punkt der für die Definition von Vorurteilen über das Einstellungskonzept spricht ist, dass bei den meisten Forschungen die Vorurteile über die Erfassung von Einstellungen geschieht. Beispielsweise erfragte Hartley (1946) die Einstellung von Studenten zu 32 Nationen und Rassen um den Grad der Vorurteile in Erfahrung zu bringen, den diese gegenüber fremden Gruppen haben (Hartley, 1946 zitiert in Allport, 1971, S. 81). Die „Meinungs- und Einstellungsbefragung“ hat sich in den letzten Jahren als Forschungsmethode durchgesetzt. Sie hat den Vorteil, dass auch länderübergreifend Untersuchungen miteinander verglichen werden können wenn die Grundregeln der Meßmethode berücksichtigt werden und die Übersetzungen sinngemäß durchgeführt werden ( Allport, 1971, S. 104).
Städtler (1998) stellt zwei verschiedene Bedeutungen des Begriffs Einstellung dar. Zum einen kann darunter „das Eingestellt sein, also die Bereitschaft auf bestimmte Reize mit bestimmten Reaktionen zu antworten „, zum anderen kann Einstellung auch verstanden werden als „eine spezielle Sichtweise von Dingen und Prozessen, v.a. von sozialen Prozessen.... Einstellung bezeichnet also eine bewertende Stellungnahme gegenüber einer Person, Institution oder einem sozialen Prozess“ (Städtler, 1998 , S. 222-223). Für das Konzept des Vorurteils, wie es in dieser Arbeit verstanden werden soll, ist die zweite Definition von Relevanz. Um das Einstellungskonzept zu erläutern, sind in der Psychologie zwei Modelle üblich, das „Eindimensionale- und das Mehrdimensionale Einstellungsmodell“ (Duckitt, 1992, S. 11).
Diese Modelle sollen nachfolgend dargestellt werden. 2.1) Das Eindimensionale Einstellungskonzept
In der älteren Einstellungsforschung war das Eindimensionale Einstellungskonzept „commonley viewed as an individual´s affective or emotional orientation to an object along the single dimension of favorability -unfavorability“. Thurstone und Chave definieren Einstellung als „a general evaluation or feeling of favorability or unfavorability” to an objekt. (Duckitt, 1992, S. 11 und Estel, 1983, S. 154).
In der Sozialpsychologie findet dieses Einstellungskonzept nur wenig Anwendung. Die Hauptvertreter sind Fishbein und Ajzen (1975) und Herkner (1991). Herkner (1991) definiert „Die Einstellung einer Person zu einem Objekt ist ihre (subjektive) Bewertung des Objektes „ (Herkner, 1991, S. 181 in Wiswede & Fischer, 1997, S. 209). Die Komponente die hier Relevanz hat, ist die der Bewertung. Auch bei Fishbein & Ajzen (1975) beschränkt sich die „Einstellung auf die Bewertung eines bestimmten Verhaltens“ (Fishbei & Ajzen (1975) zitiert In Wiswede & Fischer, 1997, S. 209).
Estel (1983) unterscheidet noch eine zweite Variante der Eindimensionalen Einstellungsforschung. Er meint, dass in Bezug auf bestimmte soziale Sachverhalte eine „Reaktionskonsistenz“ entsteht. Dass also ein bestimmtes Verhalten Objekt gegenüber in auch zukünftigen Situationen immer in der gleichen Weise erfolgen werden. In diesem Fall ist Einstellung das Verhalten selber, nicht die angenommene Größe einer Bewertung (Estel, 1983, S. 154).
Es handelt sich also um die Bewertung eines sozialen Sachverhalts (Schäfer & Six, 1978, S. 16). Hier kommt die jeweilige Emotion, die eine Vorstellung leitet, zum Ausdruck. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Richtung und die Intensität mit der die Emotion die Einstellung prägt.
Als Beispiel hierfür führen Schäfer und Six (1978) die Äußerung „Italiener sind schmutzig“ an. Diese scheinbar beschreibende, formale Erkenntnis, beinhaltet auch eine für die Menschen in unserem Kulturkreis verständliche negative Bewertung (Schäfer & Six, 1978, S. 16).
Bei der „kognitiven Komponente“ handelt es sich um Wahrnehmung, Überzeugung und Erwartungen in bezug auf einen sozialen Sachverhalt. Es ist oft schwer klar zu definieren, ob bei einer Äußerung der Einstellung die affektive oder die kognitive Komponente hervortreten. Bei der Behauptung, dass „Italiener schmutzig sind“ kann auch eine Erwartung ausgedrückt werden, die diese Person hat, wenn sie einem Italiener begegnet (Schäfer & Six, 1978, S. 16). Estel (1987) schränkt diese Komponente insoweit ein, dass bei ihm Kognizieren Wahrnehmen bedeutet. Ein bestimmtes Objekt wird in einer bestimmten Weise wahrgenommen und hierüber bildet sich die Einstellung zum Objekt (Estel, 1987, S. 155).
Irle (1975) bezeichnet die kognitive Dimension von Vorurteilen auch als Stereotyp. „Die genannten kognitiven Merkmale werden in der Regel als konstitutive Bestimmungsstücke des Terminus „Stereotyp“ genant (Irle, 1975 zitiert in Schäfer & Six, 1978, S. 19). Diesen Ansatz verfolgt auch Berger (1987) wenn er behauptet, dass Einstellungen „durch einen zusätzlichen Verarbeitungsprozess mit emotionalen und motivationalen Bedeutsamkeiten aufgeladene Stereotypien“ sind. Diese Stereotypien enthalten nach Berger bestimmte Merkmale, wie z.B. dass Stereotype Systeme „primär latent vorhandene allgemeine Formeln von hohem Prägnanzniveau“ sind, dass diese „Orientierungspunkte menschlichen Verhaltens“ darstellen, weil sie“ die Wahrnehmung bereits mit ganz bestimmten Erwartungen und Erwartungssystemen aufladen“. Die Verfestigung der Stereotype „in ihrer Stabilität und Konstanz ist soziologisch und sozialpsychologisch bedingt“ (Berger zitiert in Estel, 1987, S. 155).
Dies ist nur ein Teil der von Berger aufgeführten Merkmale von Stereotypen. Da in dieser Arbeit jedoch Vorurteile und nicht Stereotypen betrachtet werden sollen, wird auf eine komplette Auflistung der Merkmale, aus mangelnder Relevanz für diese Arbeit, abgesehen.
Eine Untersuchung, die das Wirken der kognitiven Komponente belegt wurde von Archer, Irtani, Kimes, Barrios (1983) durchgeführt. Die Grundannahme dieser Untersuchung war, dass Personen ihre Einschätzung über eine andere Person hauptsächlich über dessen Gesicht vornehmen. Es wurde von den Forschern ein „Gesichtsindex“ entwickelt. Dieser errechnete sich in dem die Länge des Kopfes in die Relation zur Länge des gesamten Bildes, auf dem der Körper zu sehen ist, gesetzt wird. Der Notwendigkeit dieses Zusammenhangs lag darin, dass erkannt wurde, dass die Bedeutung einer abgebildeten Person damit stieg, je mehr von ihrem Gesicht zu erkennen war. Je größer also der Index war, desto mehr Gesicht war sichtbar und umso bedeutender wurde die Person bewertet. Bei der Auswertung von Print-Medien wurde festgestellt, dass zu 60 % Männer abgelichtet waren, deren Gesichtsindex bei .60 lag, der von Frauen bei .45, also niedriger als bei den Männern. Frauen wurden also häufiger als Sexobjekte dargestellt bei denen das Gesicht nicht von Wichtigkeit ist und die Person an sich nicht von Bedeutung. Das gleiche Verhältnis wurde bei Analysen von Gemälden aus dem 15. und 16. Jahrhundert festgestellt. Bei Untersuchungen an Versuchspersonen, die einen Mann oder eine Frau malen sollten zeigte sich zwar in der Häufigkeit des gemalten Geschlechts kein Unterschied, jedoch in dem sich wiederholend höheren Gesichtsindex des Mannes. Ebenso eindeutig war die Beurteilung der
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Arbeit zitieren:
Josina Johannidis, 2003, Vorurteile in lerntheoretischer Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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