Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas. 4
1.2. Forschungsfrage 5
1.3. Methodik und Operationalisierung 5
1.4. Bisheriger Forschungsstand 6
1.5. Aufbau der Arbeit 6
2. Prominenz und Tod: 7
Theoretische Betrachtungsweise zum Framingprozess in der Berichterstattung. 7
2.1. Was ist Framing? 7
2.2. Framing durch die Medien und die Politik 8
2.3. Die Tragik im Journalismus. 10
Die Nachrufkultur der Medien 12
2.4. Prominente Todesfälle medial inszeniert: 13
Die Beispiele Lady Di und Thomas Klestil. 13
Der Diana Mythos 14
3. Jörg Haider - Politiker und Medienstar. 16
4. Die Analyse der Berichterstattung 18
4.1. Prägung. 19
4.1.1. Herkunft. 19
4.1.2. Elternhaus. 20
4.2. Der Ausnahme Politiker und sein politischer Stil. 20
4.3. Volksnah, heimatverbunden, bodenständig 29
4.4. Das Ausländer Thema 29
4.5. Nationalsozialismus 31
4.6. Zwiespältigkeit und Schauspielerei 33
4.7 Der „alte“ und „neue“ Haider 36
4.7 36
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4.8. Jörg Haider privat 37
4.8.1. Der Familienmensch. 40
4.8.2. Sexualität 40
4.8.3. Der Mythos 43
4.9. Tod 43
5. Verbindung von Empirie und Theorie 44
5.1. Sprachliche Analyse 44
5.1.1. Wortwahl 45
5.1.2. Rhetorische und stilistische Mittel 45
5.2. Frames in der Berichterstattung 46
5.2.1. News 46
5.2.2. Profil 47
5.3. Mögliche Framing Effekte 49
6. Konklusion. 50
6.1. Resümee 50
6.2. Beantwortung der Forschungsfrage. 51
6.3. Schlussfolgerung. 51
LITERATUR und QUELLENVERZEICHNIS 52
ANHANG. 53
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1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas
Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der österreichischen Politik ist am 11. Oktober 2008 um 1.30 Uhr bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen - Jörg Haider. Kein anderer Politiker hat so sehr polarisiert wie er und kein anderer Politiker wurde so oft aufgrund seiner Fremdenfeindlichkeit und Eigenheiten kritisch in den Medien dargestellt wie der langjährige FPÖ-Chef und BZÖ-Gründer. Jörg Haider war nicht nur ein Vollblutpolitiker, er war auch ein Medienstar und der Kärntner Volksheld. Er war ein Oberösterreicher, der in Kärnten seine Hochburg fand. Er war einer der erfolgreichsten Politiker des Landes, und hatte dennoch nie ein Regierungsamt inne. Haider verkörperte einen völlig anderen Politiker-Typus - modern, rhetorisch perfekt, elegant. Die Nachricht von seinem tödlichen Unfall
Die Meldung wurde sowohl für die heimische als auch für die internationale Presse zum Medienereignis. Das Konterfei des Kärntner Landeshauptmannes und BZÖ-Gründers zierte alle Tageszeitungen. So erschienen auch die Magazine „News“ und „Profil“ mit einer ausführlichen Berichterstattung zum Ableben und zur Person Jörg Haiders. In zahlreichen Artikeln wird Haider charakterisiert, er wird als „Landesvater“, „jugendlicher Revoluzzer“, „Staatsmann“, „Demagoge und Provokateur“ sowie als „Verhetzer“ bezeichnet, um nur einige verwendete Synonyme der Journalisten zu nennen. Die Berichterstattung zu seinem Tod folgt einem erwarteten Muster. Sujets, die ihn schon zu Lebzeiten beschäftigten, werden auch in der Berichterstattung aufgegriffen. Seine Politik wird von beinahe allen Journalisten verpönt, seine Ausstrahlung und sein Charisma jedoch bewundert. Das Thema „Ausländer“ und „Nationalsozialismus“ zieht sich durch die gesamte Berichterstattung und taucht immer wieder auf. Eine der zentralsten Eigenschaften, darüber sind sich beide Magazine einig, ist der Hang zur Inszenierung und Schauspielerei beim 58-jährigen Politiker.
Jörg Haider war prominent. Er war spannend für die Medien und sein abruptes Ableben musste zweifelsohne zum Medienereignis werden. Die Frage, die sich hierbei stellt, ist, mit welchen Frames die Journalisten hier arbeiteten, um Jörg Haider darzustellen. Wie wurde Jörg Haider letztendlich in den Magazinen „News“ und „Profil“ dargestellt?
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1.2. Forschungsfrage
Die zentrale Forschungsfrage im Rahmen dieser Bakkalaureatsarbeit lautet: Welche Frames verwendeten die Nachrichtenmagazine „Profil“ und „News“ im Zuge ihrer Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders? In diesem Zusammenhang möchte ich auch folgende Detailfragen klären:
- Was versteht man unter Frames bzw. was bedeutet Framing?
- Wie sah die Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders aus? (Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede in den Magazinen hinsichtlich der verwendeten Frames, den rhetorischen und sprachlichen Mitteln sowie der Wortwahl)?
- Wie wurde die Person bzw. der Politiker Jörg Haider in „Profil“ und „News“ dargestellt?
- Welche stilistischen und rhetorischen Mittel verwendete der Journalist?
- Welche Metaphern und sprachlichen Bilder enthielt die Berichterstattung?
- Mit welchen Sujets wurde Jörg Haider in der Berichterstattung in Verbindung gebracht (Nationalsozialismus, etc.)?
1.3. Methodik und Operationalisierung
1.4. Bisheriger Forschungsstand
In der Literatur findet die Berichterstattung zu Prominenz und Tod nur wenig Beachtung. Nach dem Tod von Diana Spencer erschien von Sibylle Peters und Janina Jentz ein Buch, das sich mit dem Phänomen der Trauer und dem Personenkult auseinandersetzt. Die Inszenierung von Prominenz und Schicksal zeigt ein weiteres Buch von Miriam Meckel et al auf, das sich ebenfalls dem Tod von Lady Di widmet. Das Ableben von Paps Johannes Paul II wird in der Fachzeitschrift „Communicatio Socialis - Internationale Zeitschrift für Kommunikation in Religion, Kirche und Gesellschaft“ thematisiert. Johannes Paul II galt ja als „Medienpapst“ (vgl. Kallscheuer 2005, 259). Stefan Brunn hat in seinem im Jahr 1999 erschienen Buch „Abschieds-Journalismus“ die Berichterstattung über Todesfälle in den Medien näher unter die Lupe genommen. Im Rahmen ihrer Magisterarbeit beschäftigte sich Bernadette Aichinger an der Universität Salzburg mit Mediatisierten Prominententoden. Sie fertigte eine kommunikationswissenschaftliche Analyse der Print-Berichterstattung über den Tod von Bundespräsident Thomas Klestil, Modemacher Rudolph Moshammer sowie Papst Johannes Paul II. an (vgl. Aichinger 2008, 1).
1.5. Aufbau der Arbeit
Im nun folgenden Kapitel meiner Arbeit werde ich die Themen Prominenz und Tod vom theoretischen Aspekt her betrachten. Ich möchte darstellen, was es mit dem Begriff des Framings auf sich hat und wie Medien und die Politik im Zuge ihrer Tätigkeit framen. Es stellt sich außerdem die Frage, wie Medien mit überraschenden Todesfällen von prominenten Personen des öffentlichen Lebens umgehen - das heißt, wie sieht die Berichterstattung über die Person aus. Als prominentestes Beispiel habe ich hier Diana Spencer ausgewählt. Kapitel 3 meiner Arbeit dient der Beschreibung der Person und des Politikers Jörg Haider. Hier soll darauf hingewiesen werden, warum sein Ableben soviel mediales Interesse weckte. Kapitel 4 beinhaltet den empirischen Teil dieser Arbeit. Hier werde ich die beiden österreichischen Wochenmagazine „Profil“ und „News“ hinsichtlich ihrer Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders untersuchen. Dieses Kapitel ist zentral für die Beantwortung der Forschungsfrage. Hier soll anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse auf die Verwendung von Frames Bezug genommen werden. Das abschließende Kapitel dient der Beantwortung der Forschungsfrage sowie der Interpretation der dargestellten Ergebnisse.
Die verwendete Literatur findet sich in alphabethischer Reihenfolge am Ende der Arbeit. Die analysierten Artikel und Berichte sowie das Kategoriensystem für die Operationalisierung sind als Anhang angefügt.
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2. Prominenz und Tod:
Theoretische Betrachtungsweise zum Framingprozess in der Berichterstattung
2.1. Was ist Framing?
Framing ist ein Prozess. Das Produkt oder Resultat dieses Prozesses sind Frames. Frames sind nach der Definition von Bertram Scheufele „Interpretationsmuster, die helfen, neue Informationen sinnvoll einzuordnen und effizient zu verarbeiten“ (Scheufele 2003, 46). „Framing ist der Vorgang, bestimmte Aspekte zu betonen, also salient zu machen, während andere in den Hintergrund treten“ (Scheufele 2003, 46). Vereinfacht gesagt bedeutet der englische Begriff „Frames“ nichts anderes als „Deutungsmuster“ (Dahinden 2006, 14) oder Rahmen, durch die wir die Welt wie ein Fenster sehen. Weitere Synonyme für „Frame“ sind Schema oder Skript (vgl. Dahinden 2006, 27). „Frames sind Deutungsmuster, die sich in allen Phasen von massenmedialen Kommunikationsprozessen (PR, Journalismus, Medieninhalte, Publikum) identifizieren lassen“ (Dahinden 2006, 308). Durch ein solches Deutungsmuster wird ein Thema bewertet und interpretiert. Robert Entman geht sogar soweit, dass er sagt:
„To frame is to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a
communication text, in such a way as to promote a particular problem definition, causal interpretation,
moral evaluation and/or treatment recommendation” (Entman 1993, 52)
Damit schreibt Entman dem Framingaspekt zwei grundlegende Funktionen zu. Zum einen ist es „die Selektion von wahrgenommenen Realitätsaspekten“ (Dahinden 2006, 14) und zum anderen „die Strukturierung von Kommunikationstexten“ (Dahinden 2006, 14). Als Beispiel für ein Frame ist die Metapher David und Goliath zu sehen. Dieser Frame wird häufig zur Bezeichnung ungleich starker Gegner verwendet und hat Eingang in die Medien gefunden (vgl. Dahinden 2006, 15).
Wo findet man das Framing-Konzept nun? Framing passiert an vier Orten. Ein Kommunikator „rahmt“ durch bewusst oder unbewusst platzierte Frames, indem er entscheidet, was er sagt bzw. schreibt. In einem Text manifestieren sich Frames beispielsweise durch Schlüsselwörter, stereotype Bilder oder Phrasen - diesen Aspekt werde ich in meiner Arbeit mit der Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders aufgreifen. Der Empfänger oder Rezipient erkennt diese Frames wie der Kommunikator oder auf eigene Art und Weise. Und schlussendlich beherbergt die Kultur an sich, welche Frames sich manifestieren und welche nicht (vgl. Entman 1993, 52f.). Scheufele verortet den Framing-Prozess auf drei unterschiedlichen Ebenen - bei den Journalisten bzw. im System der Medien selbst, beim Rezipienten und schließlich auch bei den Akteuren oder
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Gruppen in den verschiedenen Bereichen (Politik, Wirtschaft, etc.) (vgl. Scheufele 2003, 47). Für diese Bakkalaureatsarbeit von entscheidender Bedeutung werden die Frames im Text sein. Wie aber funktionieren Frames?
Frames werten einen Teil der Information des Textes auf. Ein bestimmter Aspekt wird besonders hervorgehoben und unterscheidet sich von anderen Textpassagen oder Wendungen (vgl. Entman 1993, 53). Frames sind mehrdimensional, das heißt, sie geben eine „dichte Beschreibung“ (Dahinden 2006, 194) eines Themas wider und bewerten dieses Thema (vgl. Dahinden 2006, 194). Frames können in einem Text vor allem im Gebrauch von Metaphern erkannt werden. Bei einer Metapher handelt es sich um „eine Figur, durch welche […] die eigentliche Bedeutung deines Wortes auf eine andere Bedeutung übertragen wird“ (Dahinden 2006, 77). Ausschlaggebend ist also die Bedeutung des Wortes in einem verwendeten Kontext. Die Funktion einer Metapher besteht darin, einen komplexen Sachverhalt pointiert darzustellen und zu veranschaulichen. Die „Büchse der Pandorra“ oder ein „Teufelspakt“ sind Beispiele für häufig verwendete Metaphern im Journalismus (vgl. Dahinden 2006, 76ff.). Metaphern werden aber nicht nur von Journalisten verwendet, sondern auch von Politikern. So hat der ehemalige US-Präsident Bush den „Krieg gegen den Terror“ prolongiert, Präsident Lyndon Johnson bemühte sich um einen „Krieg gegen die Armut“ (vgl. Dahinden 2006, 78). Nicht alle Frames in einem Text treten aber in Form einer Metapher auf (vgl. Dahinden 2006, 308).
2.2. Framing durch die Medien und die Politik
Das Konzept des Framings spielt sowohl in den Medien als auch in der Politik eine entscheidende Rolle. Im Journalismus findet Framing an zwei grundlegenden Prozessen statt: Der Journalist übernimmt in einer passiven Rolle einerseits die PR-Informationen und selektiert und modifiziert sie. Andererseits recherchiert der Journalist aktiv und unterlegt seine Texte mit bestimmten Frames. Durch die Eigenrecherche hat er bereits einen bestimmten Ausschnitt aus der Umwelt, den er für berichtenswert hält (vgl. Dahinden 2006, 61).
Zwei grundlegende Prozesse, die im Journalismus also alltäglich sind, sind die Nachrichtenauswahl und ihre Bewertung. Beide Begriffe stehen in direktem Zusammenhang mit Framing. Bei der Auswahl einer Nachricht werden so genannte Nachrichtenfaktoren herangezogen - ein Beispiel hierfür wäre die Aktualität, Nähe, Überraschung, Kontroverse, Schaden, etc. Je mehr Nachrichtenfaktoren eine Meldung
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oder ein Ereignis enthält, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Journalist davon berichtet. Beispiel: Ein Autounfall, bei dem drei Personen ums Leben kommen hat den Nachrichtenwert Schaden, ist aber nicht unbedingt berichtenswert, weil dies beinahe täglich passiert. Ist unter den Unfallopfern aber eine prominente Persönlichkeit wie Diana Spencer und ihr Geliebter Dodi Al Fayed, steigt der Nachrichtenwert um ein Vielfaches an. Tauchen nach dem Unfall sogleich Verschwörungstheorien um den Tod der Prinzessin auf, so haben wir die Nachrichtenfaktoren Aktualität, Nutzen, Schaden, Kontroverse und Überraschung (vgl. Dahinden 2006, 67-70). Die Nachrichtenwerttheorie ist eng verbunden mit dem Begriff des Framings, da hier eine Selektion erfolgt. Maßgeblich für die Auswahl einer Meldung dürfte auch die Übereinstimmung mit den persönlichen Vorstellungen des Journalisten sein - also ob sich seine Frames mit den vorliegenden Informationen decken (vgl. Scheufele 2003, 102). Framing-Effekte
Framing findet also bereits direkt beim Journalisten statt. Journalistische Frames dienen dazu, aus einer Fülle an Informationen zu selektieren und kategorisieren. Sie fungieren quasi als „Arbeitsroutine“ (Scheufele 2003, 50). Der Journalist selbst, so sieht es die Gatekeeper-Forschung, fungiert wie ein Wärter, der entscheidet, was zur Nachricht wird und was nicht. Dem sehr nahe kommt der bereits beschriebene Ansatz der Nachrichtenwerttheorie (vgl. Scheufele 2003, 100). Mit der Selektionsentscheidung einher gehen bestimmte Erwartungen, die ein Journalist an ein Thema legt. Beispielsweise werden im Vorfeld einer Demonstration häufig Gewaltdelikte und Ausschreitungen erwartet. In diesem Sinne konstruiert Framing einen bestimmten Ausschnitt der Realität im Sinne einer konstruktivistischen Theorie (vgl. Scheufele 2003, 97f.).
Die Etablierung eines Themas durch eine Welle der Berichterstattung wird auch zum Framing-Prozess gezählt (vgl. Scheufele 2003, 50). Betrachtet man den ganzen Prozess, so gibt es vier Arten von Framing-Effekten nach Scheufele: 1) Den „Anwendbarkeits-Effekt“: Journalistische Frames aktivieren Schemata (beim Rezipienten).
2) Den „Transformations-Effekt“: „Kumulatives, konsonantes Framing kann Vorstellungen in Richtung des Medien-Frames verschieben“ (Scheufele 2003, 68). 3) Den „Etablierungs-Effekt“: Framing kann sogar soweit gehen, dass es beim Rezipienten ein noch nicht vorhandenes Schma herausbildet. 4) Den „Einstellungs-Effekt“: Frames können „Einstellungen, Meinungen u.ä. von Rezipienten verändern“ (Scheufele 2003, 68).
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Als Beispiel, wie sich eine solche Meinungsänderung vollzieht, nennt Scheufele das Thema um den Bau eines Atomkraftwerks. Der Rezipient erwartet sich davon neue Arbeitsplätze (positiver Effekt), aber auch Probleme bei der Entsorgung des Atommülls (negativer Effekt). Je nachdem, welcher Effekt von den Medien aufgegriffen und thematisiert wird, verändert sich auch die Meinung des Rezipienten (vgl. Scheufele 2003, 68).
Die Frames, die Journalisten zumeist unbewusst platzieren, beeinflussen die Gedanken der Rezipienten, werden aber nicht direkt übernommen. Framing-Effekte sind „das Ergebnis einer Interaktion“ (Scheufele 2003, 76) aus den Frames und den Vorstellungen, die ein Rezipient bereits hat (vgl. Scheufele 2003, 76). Journalistische Frames beeinflussen nicht nur die Vorstellungen eines Rezipienten, sonder auch seine Ansichten und Gefühle und „lenken Überlegungen […] in eine bestimmte Richtung“ (Scheufele 2003, 79).
2.3. Die Tragik im Journalismus
„Der Tod besitzt Nachrichtenwert“ (Brunn 1999, 33). Dieses Zitat spiegelt in einfachen Worten wider, was der Journalismus braucht - ein Ereignis. Die Nachrichtenwerttheorie zeigt, dass schlechte Nachrichten wie beispielsweise ein Todesfall in der Regel mehr wert sind als gute und auf der Skala der Nachrichtenwerte weit oben rangieren. Die Aufmerksamkeit der Rezipienten steigt, je höher die Anzahl der Toten oder je wichtiger die verstorbene Person ist (vgl. Brunn 1999, 10). Die gesteigerte Aufmerksamkeit durch einen Todesfall lässt auch die Auflagenzahlen rapide ansteigen. Die Medien berichten nicht nur über den Todesfall um zu informieren, sie verdienen auch am Schicksal berühmter Persönlichkeiten durch eine erhöhte Quote. „Der Tod gehört nicht nur zum Mediengeschäft, sondern ist auch ein Geschäft für die Medien“ (Brunn 1999, 31f.) Dies betrifft nicht nur die Boulevardpresse, sondern auch seriöse Medien (vgl. Brunn 1999, 29f.). Die britische Boulevardzeitung „Sun“ verkaufte nach dem Tod von Lady Diana um eine Million mehr Exemplare (vgl. Meckel 1999, 11f.).
Der Nachrichtenwert eines Todesfalles ist deshalb für die Medien so hoch einzuschätzen, weil es ein Ereignis ist, das nicht kontrolliert und künstlich in Szene gesetzt werden kann. Es steht im Gegensatz zu den meisten Medienereignissen, die bewusst inszeniert werden wie beispielsweise eine Pressekonferenz oder ein politisches Pseudoereignis (vgl. Brunn 1999, 33). In der Literatur wird ein solches Geschehen als „genuines Ereignis“ (Strohmeier 2004, 117) bezeichnet. Damit ist ein Ereignis gemeint, das „völlig
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unabhängig und losgelöst von der Berichterstattung in den Massenmedien geschieht“ (Kepplinger 1992, 52). Ein Beispiel für ein genuines Ereignis wäre die Flutkatastrophe in den Sommermonaten 2002 oder der Tod eines Staatsmanns - beispielsweise von Thomas Klestil im Juli 2004, der zu dieser Zeit noch amtierender Bundespräsident der Republik Österreich war (vgl. Strohmeier 2004, 117 und vgl. Aichinger 2008, 8). Wird das Ereignis dann noch mit anderen Nachrichtenfaktoren kombiniert, beispielsweise Prominenz oder Personalisierung, dann steigt der Wert der Nachricht um ein Vielfaches. Spätestens nach dem Tod von Diana Spencer/Windsor bei einem Autounfall in Paris wurde dies bestätigt (vgl. Brunn 1999, 33).
Die Berichterstattung zum Tod hat sowohl mit dem Sterben der Person selbst als auch mit den Folgen und Konsequenzen zu tun (vgl. Brunn 1999, 11). „Der Sensenmann ist längst zum heimlichen Chefredakteur der Massenblätter geworden“, resümierte Manfred Kriener in seinem Kommentar in der „Tageszeitung“ bereits 1991 (zit. n. Brunn 1999, 31) und dürfte damit Recht behalten haben. Tote werden in den Massenmedien regelrecht hinauf stilisiert, zu Ikonen gemacht (zum Beispiel Elvis Presley) und die Berichterstattung wird über Tage hinweg ausgeweitet. Selbst wenn der Tod keine primäre Rolle in der Berichterstattung mehr spielt, wird das Ereignis medial aufgebauscht (vgl. Brunn 1999, 34), vor allem in Hinblick auf eine Steigerung der Auflagenzahl. Dies geschah auch beim Nachrichtenmagazin „News“, das sogar in der dritten Ausgabe, also mehr als drei Wochen nach dem Ableben Jörg Haiders noch umfassend berichtete und dessen Konterfei die Titelseite zierte.
Im Zuge der Berichterstattung zu einem prominenten Todesfall passiert es häufig, dass die Medien die Trauer um den Verstorbenen bewusst thematisieren um das Publikum zu kollektiver Trauer zu bewegen und anschließend diese kollektive Trauer der Rezipienten und der Öffentlichkeit selbst zum Faktor der Berichterstattung zu machen. Diese Technik gehört ebenfalls zum Standard, die Berichterstattung beliebig in die Länge zu ziehen (vgl. Brunn 1999, 37f.).
Journalisten haben beim Ableben von Persönlichkeiten die Rolle eines Pfarrers inne, so zumindest beschreibt es der Soziologe Klaus Feldmann (vgl. Feldmann 1997, 73) und vergleicht damit die Grabrede eines Pfarrers, die im übertragenen Sinne auch der Medienberichterstattung zu kommt. Abgesehen davon hat der Tod anderer eine besondere Anziehungskraft für uns - diese Faszination dürfte psychologischer Natur sein (vgl. Brunn 1999, 41f.).
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Arbeit zitieren:
BA Bakk.Komm. Heidi Huber, 2009, Die Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders in den Nachrichtenmagazinen "News" und "Profil", München, GRIN Verlag GmbH
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