Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2. Gang der Arbeit 3
2. Die alternative Anlageform Hedge Fonds 5
2.1. Begriff Hedge Fonds 5
2.2. Charakterisierung und Einordnung 7
2.2.1. Abgrenzung zu traditionellen Investments 7
2.2.2. Abgrenzung zu Private Equity 9
2.3. Entwicklung und Struktur des Hedge Fonds Marktes 10
2.4. Organisationsstruktur 12
2.5. Europäischer Regulierungsrahmen und investmentrechtliche Umsetzung 13
2.6. Trading-Strategien und deren Risiken 15
2.6.1. These der informationseffizienten Kapitalmärkte 16
2.6.2. Klassifizierung der Investmentstrategien 16
2.6.3. Marktneutrale Strategien 17
2.6.4. Ereignisgetriebene Strategien 19
2.6.5. Opportunistische Strategien 21
3. Bedürfnisse der Finanzmarktteilnehmer 24
3.1. Anleger 24
3.1.1. Profil 24
3.1.2. Anforderungen an den Anleger 25
I
3.1.3. Bedürfnisse 27
3.1.3.1. Angemessenes Risiko- Renditeverhältnis 27
3.1.3.2. Allgemeine Transparenzerhöhung 29
3.1.3.3. Operative Transparenz 30
3.1.3.4. Aufgabentrennung 31
3.1.3.5. Principal Agent Problematik 32
3.1.3.6. Managed Account Plattformen 33
3.2. Hedge Fonds Manager 34
3.2.1. Profil 34
3.2.2. Anforderungen an Hedge Fonds Manager 35
3.2.3. Eigene Interessen 37
3.2.3.1. Grundlegende Rahmenbedingungen 37
3.2.3.2. Operative Bedürfnisse 39
3.3. Staatliche Aufsicht 40
3.3.1. Überwachung von systemischen Risiken 40
3.3.2. Sicherung der Marktintegrität 42
3.3.3. Finanzmarkteffizienz 43
3.4. Zwischenfazit 44
4. Vorschlag für eine Richtlinie über die Verwalter alternativer
Investmentfonds (AIFM) 46
4.1. Entstehung und Ziele 46
4.2. Wer wird reguliert? 48
4.3. Anwendungsbereich auf Hedge Fonds Verwalter 49
4.3.1. Zulassung und Verhaltensanforderungen 49
4.3.2. Informationspflichten gegenüber Anlegern und Aufsichtsbehörden 51
4.3.3. Sonderbestimmungen für die Nutzung von Hebeleffekten 52
II
4.3.4. Sonderbestimmungen für Hedge Fonds und Manager mit Sitz in
Drittstaaten 53
4.3.5. Aufgabentrennung 54
4.3.6. Maßnahmen der Aufsichtsbehörden 55
4.3.7. Erlass von Durchführungsbestimmungen und Umsetzung 56
5. Fazit. 58
5.1. Im Einklang stehende Bedürfnisse 58
5.2. Unbefriedigte Bedürfnisse 60
5.3. Die Hedge Fonds Branche nach der Regulierung 61
Literaturverzeichnis 62
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Internationale Entwicklung der Hedge Fonds Branche…………….10
IV
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
Die Finanzkrise 2008 mit Beginn im Frühjahr 2007 hat zahlreiche Schwachstellen in der Regulierung des Finanzsystems aufgezeigt. Aus diesem Grund besteht Handlungsbedarf in vielen Bereichen der Finanzmärkte.
Großen Einfluss auf die Geschehnisse und damit verbunden auf die Stabilität der Finanzmärkte haben die alternativen Investmentfonds (AIF). Es handelt sich um Fonds, die unter Einsatz unterschiedlichster Anlagetechniken neben traditionellen Investments wie Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und Geldmarktanlagen zusätzlich in Währungen, Rohstoffe, Unternehmensbeteiligungen etc. investieren. 1 Dazu zählen Private Equity Gesellschaften, Immobilienfonds, Rohstofffonds, Infrastrukturfonds, Hedge Fonds und andere Arten institutioneller Fonds, die Ende 2008 weltweit ein Vermögen von etwa zwei Billionen Euro verwalteten. 2 Sie unterliegen einem breiten Spektrum an Risiken, die sich, neben der Stabilität und Integrität des Finanzsystems, auch auf Anleger der Fonds, Gläubiger und Unternehmen, an denen vor allem Private Equity Gesellschaften beteiligt sind, auswirken.
Die treibende Kraft der AIF sind die Hedge Fonds, die auf Grund der Anwendung komplexer Strategien, hohem Fremdfinanzierungsanteil sowie der Nutzung von in Derivate eingebetteten Hebeleffekten ein hohes Risikoprofil aufweisen. Hohe Transaktionsvolumina, die speziell auf die Aktivitäten von Hedge Fonds, aber auch auf die der Private Equity Gesellschaften zurückzuführen sind, beeinflussen die Kurse an den Börsen in hohem Maße und stellen zugleich Liquidität bereit. Sie entdecken Ineffizienzen in der Preisbewertung, kaufen unterbewertete und verkaufen überbewertete Aktien leer, und lassen so die Preise zu ihren fundamentalen Werten zurückkehren.
1 Vgl. Eling (2006), S. 12.
2 Vgl. Europäische Kommission, o.V.: AIFM-Richtlinienentwurf, S. 2.
1
Ebenso können plötzliche Rücknahmeforderungen von Anteilen seitens der Anleger oder anziehende Kreditkonditionen zur Auflösung konzentrierter Positionen führen und den Finanzmärkten Liquidität entziehen. Die Folgen sind große Marktturbulenzen, die durch auftretende Herdentriebe verstärkt werden können.
So werden die Weichen für einen dramatischen Absturz der Börsenkurse und für den Weg in eine tiefe Rezession oder gar Krise gestellt, wie die derzeit allgegenwärtige Finanzkrise; wenngleich Hedge Fonds nicht als Verursacher, sondern als prominentes Opfer anzusehen sind 3 .
Geraten Hedge Fonds in Schieflage, verlieren nicht nur die Anteilscheine der Anleger an Wert, sondern es hat auch dramatische Auswirkungen auf Banken. Geschäftsbanken haben ihnen in den letzten Jahren immer wieder leichtfertig großvolumige Darlehen bereitgestellt, was zur Folge hat, dass sie beim Ausfall der Gegenparteien ebenfalls ins Schwanken geraten können und somit die Stabilität des Finanzsystems mit gefährden.
Aufgrund des großen Einflusses dieser alternativen Anlageklasse auf die Finanzmärkte hat die europäische Kommission im Dezember 2008 eine öffentliche Konsultation zu Fragen im Zusammenhang mit den Tätigkeiten der Hedge Fonds Industrie und Private Equity Branche im Hinblick auf eine notwendige Regulierung eingeleitet. 4 Die Stellungnahmen zu den in der Konsultation angesprochenen Fragen wurden Ende Februar 2009 auf einer Konferenz in Brüssel durch die europäische Kommission mit Vertretern der Hedge Fonds Branche besprochen. Das Ergebnis dieser Konferenz war die Ausarbeitung des „Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Verwalter alternativer Investmentfonds und zur Änderung der Richtlinien 2004/39/EG und 2009/…/EG“ (AIFM-Richtlinie), der am 29. April 2009 veröffentlicht wurde. Dieser wendet sich an die Manager der Hedge Fonds, Private Equity Fonds und sonstige offene und geschlossene Fonds. 5
3 Vgl. Möschel (2009), S. 105.
4 Vgl. Fischer zu Cramburg (2009a), S. 100.
5 Vgl. Fischer zu Cramburg (2009b), S. 703.
2
Ziel dieser Arbeit ist es, den Teil des Richtlinienvorschlags, der sich auf die Regulierung der Hedge Fonds Industrie bezieht, im Hinblick auf die Ansprüche der Stakeholder, die ein unmittelbares Interesse an den Hedge Fonds haben, zu prüfen, Kongruenzen sowie unbefriedigte Bedürfnisse herauszuarbeiten und abschließend zu bewerten.
1.2. Gang der Arbeit
In Kapitel 2 werden die Grundlagen zur Analyse der alternativen Anlageart erläutert. Dazu erfolgen zunächst verschiedene Definitionsversuche des Begriffs Hedge Fonds und darauf aufbauend eine Ausarbeitung der typischen Merkmale, die in diesem Zusammenhang immer wieder in der Literatur genannt werden. Eine Abgrenzung zu traditionellen Investmentfonds und der Private Equity Anlageform heben die wesentlichen Eigenschaften von Hedge Fonds hervor. Im Anschluss daran wird die Entwicklung und Größe der Branche aufgezeigt. Die innerbetriebliche und rechtliche Organisationsstruktur runden den theoretischen Teil ab. Der praktische Teil der Arbeit beginnt mit einer Darstellung der unterschiedlichen Anlagestrategien, die dazu notwendigen Instrumente und die sich daraus ergebenden Risiken für den Fonds selbst und die Umgebung.
Das dritte Kapitel spezifiziert die Ansprüche der Finanzmarktteilnehmer, die mit den Geschäftsaktivitäten der Hedge Fonds unmittelbar in Verbindung stehen. Dazu werden die Profile, Pflichten und verstärkt die einzelnen Interessen der Anleger, Hedge Fonds Manager herausgearbeitet und nachfolgend die Aufgaben der staatlichen Aufsicht als Vertreter der Interessen beider Parteien und eines funktionierenden Finanzmarktes erläutert. In einem Zwischenfazit werden die wichtigsten Anliegen, mögliche Überschneidungen und gegensätzliche Ansichten der einzelnen Finanzmarktteilnehmer hervorgehoben. Die damit verbundene Intention ist, einen Vorausblick auf die, von den Parteien erwartete, Ausgestaltungsform des Richtlinienvorschlags zu geben.
Im vierten Kapitel wird der Richtlinienvorschlag im Hinblick auf die Ziele der Investoren, der staatlichen Aufsicht und der Pflichten der Verwalter der alternativen Investmentfondsart Hedge Fonds diskutiert. Die Vorgaben zielen auf die Zulassung,
3
die Wohlverhaltensregeln wie dem Umgang mit Interessenskonflikten verschiedener Parteien und auf die Vorkehrungen für ein funktionierendes
Risikomanagementsystem ab. Des Weiteren werden die Transparenz- und Informationspflichten gegenüber Anlegern und der zuständigen Behörde des Herkunftsmitgliedstaates erläutert. Spezifische Vorschriften für den Hebeleinsatz heben die Bedeutung der Risiken von Hedge Fonds hervor. Die Voraussetzungen für die Zulassung von Hedge Fonds und deren Managern, die ihren Sitz nicht in einem Mitgliedstaat der EU haben, werden gesondert behandelt. Ein weiterer wichtiger Regelungspunkt stellt die Trennung verschiedener Funktionen dar. Da der Richtlinienvorschlag nur einen vorläufigen, zu diskutierenden Rechtsrahmen darstellt, wird im letzten Teil des Kapitels auf zusätzliche, detaillierte Durchführungsbestimmungen der EU-Kommission eingegangen.
Ein abschließendes Fazit stellt dar, inwiefern die Ansprüche der Finanzmarktteilnehmer mit dem Richtlinienvorschlag erfüllt werden, und welche Bedürfnisse nicht vollständig erwidert werden. Im letzten Teil der Arbeit wird ein Ausblick auf den Hedge Fonds Markt nach der Neuregulierung gegeben. Sind die ergriffenen Maßnahmen nachhaltig und ist die geforderte Freiheit der Hedge Fonds weiterhin gewährleistet, so dass die Anlageform weiterhin, ungeachtet der Entwicklungen der weltweiten Finanzmärkte, als Diversifikationsmöglichkeit im Portfolio der Anleger attraktiv bleibt?
4
2. Die alternative Anlageform Hedge Fonds
2.1. Begriff Hedge Fonds
Es gibt keine eindeutig festgelegte Definition des Begriffes Hedge Fonds. Das Verb „to hedge“ stammt aus dem Englischen und bedeutet im Deutschen „absichern“. Dies war der Grundgedanke der „Königsklasse der Investments“, wie sie von Marcus Friedrich und Dietmar H. Bahr im Titel ihres Buches genannt werden. 6 Der Hedge Fonds fand seine Anfänge im Jahre 1949, als Alfred Winslow Jones einen Aktienfonds auflegte. 7 Seine Idee war es, unterbewertete Aktien zu kaufen (Long Position) und überbewertete Aktien leer zu verkaufen (Short Position), um sich gegen die Volatilitäten an den Aktienmärkten und das damit verbundene systematische Risiko (Marktrisiko) abzusichern. 8 Bedingt durch die Börsenhausse in den 60er Jahren und dem Einsatz diversifizierter Anlagestrategien in den 80er Jahren kam es zu einem raschen Zuwachs in der Hedge Fonds Branche. 9 Im Laufe der Jahre rückte die ursprüngliche Intention von Jones jedoch immer mehr in den Hintergrund. Heutzutage wird der Begriff Hedge Fonds mit der Absicherung einer Anlage vor bestimmten Ereignissen, die potentiell eintreten können, in Verbindung gebracht. 10
Dennoch lassen sich verschiedene Definitionsversuche für den Begriff Hedge Fonds finden. Sie können in juristische oder in wirtschaftliche unterteilt werden.
Der AIFM-Richtlinienvorschlag benennt in Artikel 3a nicht die Hedge Fonds selbst, sondern die alternativen Investmentfonds als übergeordnete Kategorie: „Alternativer Investmentfond oder AIF ist jeder Organismus für gemeinsame Anlagen einschließlich seiner Anlagezweige, dessen Zweck in gemeinsamen
6 Vgl. Friedrich, Bahr (2003), Titel
7 Die Namensgebung für diese bis dato unbekannte Anlageform erfolgte erst im Jahr 1966 in einem Artikel des Magazins Fortune. Vgl. Weber (2004), S. 21.
8 Vgl. Clashinrichs (2005), S.15.
9 Vgl. Berger / Steck, 2003, S. 1
10 Vgl. Clashinrichs (2005), S.15.
5
Anlagen besteht und der nicht nach […] der […] [OGAW-Richtlinie] zugelassen werden muss." 11
Somit sollen neben den Hedge Fonds und Private Equity Fonds nun auch Immobilienfonds, Infrastrukturfonds, Waren- bzw. Rohstofffonds unabhängig von deren Rechtsform und der Tatsache, ob es sich um geschlossene oder offene Fonds handelt, einer Regelung unterzogen werden. 12
Eine weitergehende gesetzliche Definition ist im Investmentgesetz § 112 Abs. 1 verankert. Es bestimmt die Rahmenbedingungen zur Zulassung von Hedge Fonds in Deutschland. Die Begriffsbestimmung lautet wie folgt:
„Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken sind Investmentvermögen, die den Grundsatz der Risikomischung beachten und im Übrigen im Rahmen ihrer Anlagestrategien keinen Beschränkungen bei der Auswahl der
Vermögensgegenstände […] unterworfen sind. Die Vertragsbestimmungen des Sondervermögens gemäß Satz 1 müssen zudem mindestens eine der folgenden Bedingungen vorsehen:
• Eine Steigerung des Investitionsgrades des Sondervermögens über grundsätzlich unbeschränkte Aufnahme von Krediten für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger oder über den Einsatz von Derivaten (Leverage).
• Den Verkauf von Vermögensgegenständen für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger, die im Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses nicht zum Sondervermögen gehören (Leerverkauf).“ 13
Die Definitionen in der Literatur gehen in eine ähnliche Richtung. Anhand der drei wichtigsten Kriterien, die im Investmentgesetz genannt werden, beschreibt Philipp Cottier die alternative Anlageklasse:
11 Vgl. Europäische Kommission, o.V.: AIFM-Richtlinienentwurf, Art. 3.
12 Vgl. Dornseifer (2009), S. 1.
13 Investmentgesetz § 112 Abs. 1.
6
Es handelt sich um alle Formen von Gesellschaften, Investmentfonds und privaten Anlagegemeinschaften, die:
• Leerverkäufe mit entsprechender Genehmigung tätigen dürfen
• Derivative Produkte zur direkten Investition nutzen
• Und einen beträchtlichen Hebel durch Fremdkapital nutzen. 14
Es herrschen grundsätzlich keine Anlagerestriktionen für diesen Investmentfonds, weshalb alle Formen der Kapitalanlagen in den verschiedenen Investitionsstrategien der Manager zum Einsatz kommen können. 15
2.2. Charakterisierung und Einordnung
Um die Eigenschaften der Hedge Fonds ideal aufzeigen zu können, erfolgt eine vergleichende Darstellung ihrer Charakterzüge mit denen traditioneller Anlagefonds, sowie mit dem Anlageverhalten der oft mit ihnen gleichgesetzten Private Equity Gesellschaften.
2.2.1. Abgrenzung zu traditionellen Investments
Traditionelle Investments stellen die Anlagen in Aktien, Anleihen und den Geldmarkt dar. Hedge Fonds nutzen diese Anlagearten auch, beschränken sich aber nicht auf diese. Ferner investieren sie direkt oder indirekt in Rohstoffe, Währungen und Edelmetalle. Bei traditionellen Investments kommt lediglich die Buy-and-Hold Strategie zum Einsatz, wonach Wertpapiere gekauft und nach einem nicht vorher festgelegten Zeitraum wieder veräußert werden. Die Königsklasse der Investments hingegen verwendet zusätzlich weitere, teils komplexere Anlagestrategien, auf die in Kapitel 2.6 eingegangen werden soll.
In zahlreicher deutsch- und englischsprachiger Literatur wählen die Autoren häufig Definitionen, die vier bedeutende Merkmale der alternativen Anlageart in den Vordergrund stellen: Flexibilität, Regulierung, Entlohnung und Ertragsprofil. 16
14 Vgl. Cottier (2000), S. 17.
15 Vgl. Uhlig (2006), S.10.
16 Vgl. Eling (2006), S. 16.
7
Anhand dieser Charakteristika können weitere Unterschiede zu den traditionellen Fonds sichtbar gemacht werden. Ein breites Angebot an Instrumenten in den verschiedensten Anlageklassen ermöglicht die Anwendung einer Vielzahl von Strategietypen. 17 Ein Aktienfonds beispielsweise ist festgelegt auf die Aktienanlage, während ein Hedge Fonds aus den oben aufgeführten Investmentarten wählen kann.
Leerverkäufe dürfen uneingeschränkt getätigt werden, es sei denn, das Bundesministerium der Finanzen macht von seinem Recht Gebrauch, Verbote von bestimmten Leerverkäufen auszusprechen, wenn die Wahrung der Integrität der Finanzmärkte in Gefahr ist. 18 Die Fremdkapitalaufnahme ist unbegrenzt möglich und Derivate können nicht nur zu Absicherungszwecken eingesetzt werden. Traditionelle Investmentfonds sind jedoch in allen drei Punkten stärkeren Regulierungen ausgesetzt. 19
Die Manager der Königsklasse der Investments erhalten neben einer jährlichen fixen Verwaltungsgebühr zusätzlich eine erfolgsabhängige Beteiligung am
erwirtschafteten Gewinn, die aber nur bei Erreichen neuer historischer Höchststände des Nettoinventarwerts fällig wird (High Watermark). 20
Als Absolute Return Anlage wird eine positive Rendite angestrebt, die unabhängig vom Marktumfeld ist 21 . Bei einem Aktienfonds, der sich an einer Benchmark wie dem DAX orientiert, ist es das Ziel, den relativen Vergleichsmaßstab zu schlagen. In einem schwachen Marktumfeld wird selbst eine negative Rendite, die über der der Benchmark liegt, bereits als Erfolg gewertet.
Die eingeschränkte Rückgabemöglichkeit ist ein ebenfalls charakteristisches Merkmal, denn im Gegensatz zu traditionellen Investments erfolgt keine börsentägliche Rückgabe der Anteile. 22 Außerdem werden Mindestanlagedauern und Mindestanlagesummen vereinbart. 23 Die Manager beteiligen sich zumeist ebenfalls durch teils erhebliche Summen an den von ihnen verwalteten Hedge Fonds. Somit
17 Vgl. Kaiser (2004), S. 105.
18 Vgl. § 113 Abs. 4 InvG.
19 Vgl. Graef (2008), S. 42.
20 Vgl. Riecke / Maisch (2008) S. 89; Kaiser (2007) S. 9.
21 Vgl. Fano-Leszczynski (2004), S. 20.
22 Vgl. Echter (2008), S. 47.
23 Vgl. Eling (2006), S. 18.
8
verfolgen Anleger und Manager gleichermaßen das Ziel, hohe Renditen zu erwirtschaften. 24
2.2.2. Abgrenzung zu Private Equity
Häufig schwer zu unterscheiden sind die Hedge Fonds von Private Equity Gesellschaften. Die so genannten Kapitalbeteiligungsgesellschaften stellen bevorzugt nicht börsennotierten Firmen, häufig mittelständischen Unternehmen, Eigenkapital bereit. Da sich Hedge Fonds auf Grund der immer effizienter werdenden Kapitalmärkte auf die Suche nach neuen rentablen Anlagemöglichkeiten begeben, um dem Renditedruck der Anleger gerecht zu werden, beteiligen sie sich zusammen mit Private Equity Firmen an Leverage Buy Outs. 25 Die bevorzugte Investitionsdauer von Kapitalbeteiligungsgesellschaften von drei bis sieben Jahren und die damit verbundene Geduld kommt dem kurzfristig ausgerichteten Anlagehorizont der „Cowboys der Finanzmärkte“ 26 nicht entgegen. Die Haltefristen für deren Investitionen liegen zwischen ein und fünf Jahren, und so lehnen Firmen, die auf der Suche nach Finanzinvestoren sind, Finanzierungsangebote von Hedge Fonds, begründet durch die Gefahr einer überstürzten Rückzugsentscheidung, ab. Ein weiterer Unterschied ist die Einflussnahme der Private Equity Investoren auf die Geschäftsaktivitäten der Zielunternehmen durch den Erwerb einer
Mehrheitsbeteiligung. Sie versuchen damit, das unternehmerische Risiko zu beeinflussen und zu minimieren. Hedge Fonds hingegen sind weniger an der Übernahme von einflussreichen Anteilen interessiert und versuchen das eingegangene Risiko durch Diversifikation in ihrem Portfolio zu steuern. 27
Es lassen sich auch Gemeinsamkeiten in den Geschäftsstrukturen erkennen. Manager leisten auch bei Private Equity Firmen hohe Einlagen, erhalten ebenso eine erfolgsabhängige Zusatzvergütung und der Zugang der Anleger zu dieser Anlageform setzt die Einzahlung einer Mindestanlagesumme voraus. 28
24 Vgl. Clashinrichs (2005) S. 19.
25 Vgl. Graef (2008), S. 94-96.
26 Dieser Ausdruck ist eine häufig gebräuchliche Bezeichnung der Hedge Fonds in den Medien.
27 Vgl. Afheldt / Föhr / Gerster u.a.: Finanzinvestoren in Deutschland, S. 9.
28 Vgl. Graef (2008), S. 96.
9
2.3. Entwicklung und Struktur des Hedge Fonds Marktes
Der Boom der Hedge Fonds Industrie setzte sich nach einer ersten Blütephase in den 60er Jahren, Ende der 80er Jahre fort. 29 Das kontinuierliche Wachstum ist bis heute ungebremst. 30 Abbildung 2 illustriert die wirtschaftliche Entwicklung im Zeitraum 1990 bis zum zweiten Quartal 2008.
Abbildung 1: Internationale Entwicklung der Hedge Fonds Branche
31 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an den Bundesverband alternativer Investments E.V.
Vorsichtige Schätzungen von Hedge Fund Research und Bloomberg beinhalten (bescheinigen) einen Anstieg der aufgelegten Single Hedge Fonds von 530 im Jahre 1990 auf 7652 im 2. Quartal 2008. Das verwaltete Vermögen erhielt in der gleichen Zeitspanne ebenfalls einen enormen Zuwachs. Im Jahre 1990 betrug es noch 0,0389 Billionen US-Dollar und Mitte 2008 bereits 1,931 Billionen US-Dollar.
Ein Blick auf den europäischen Markt bestätigt den globalen Trend. Nach Hedge Fund Intelligence - Euro Hedge waren im Jahr 2000 310 und Ende 2007 1617
29 Vgl. eigene Arbeit, S. 5.
30 Vgl. Graef (2008), S. 31. 31 Vgl. Bundesverband alternativer Investments e.V., o.V.: Wachstum der Hedgefonds-Assets / Nettokapitalzufluss 1990 - Q2 2008; Bundesverband alternativer Investments e.V., o.V.: Anzahl der Hedgefonds 1990 - Q2 2008.
10
Arbeit zitieren:
Bachelor Denis Mund, 2009, Hedge Fonds – Erfüllt der Richtlinienvorschlag für alternative Investmentfonds Manager die Ansprüche der Finanzmarktteilnehmer?, München, GRIN Verlag GmbH
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