Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Zum Kontext der unsichtbaren Religion’ 4
1. Die Säkularisierung 4
a) Der Begriff der Säkularisierung 5
b) Hintergründe der Säkularisierung 5
2. Folgen der Säkularisierung 6
a) Pluralisierung 6
b) Individualisierung 7
c) Privatisierung 7
III. Die unsichtbare Religion’ 8
1. Luckmanns Religionsbegriff und -verständnis 8
a) Transzendenzerfahrungen 10
b) Die Weltansicht 11
2. Luckmanns Verständnis der unsichtbaren Religion’ 11
a) Die Sozialform der Gesellschaft 12
b) die unsichtbare Religion’ als Formwandel von Religion 13
IV. Die Wicca-Religion 14
1. Entstehung und Wurzeln von Wicca 15
2. Gerald Brosseau Gardner 15
3. Zsuzsanna Budapest 16
V. F a z i t S 1 7
VI. Literaturverzeichnis 20
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I. Einleitung
Thomas Luckmann, geboren 1927 in Jesenice (Slowenien), studierte in Österreich und den USA Soziologie, Philosophie, Psychologie und Sprachwissenschaften. Als äußerst fruchtbar erwies sich seine Zusammenarbeit mit Peter L. Berger, der sich seines Zeichens als evangelischer Theologe schließlich der Soziologie zuwandte (Stolz 2001: 57). Gemeinsam verfassten sie das 1970 auf deutsch erschienene Buch ‚Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit’, das innerhalb der Wissenssoziologie große Beachtung fand (Marhold 2004: 133). Hierin machen die Autoren bezüglich der Religion(en) vor allem auf deren „positive, konstruktive (und) gesellschaftliche Rolle“ (Hock 2006: 87) aufmerksam. Weiteres Thema der von beiden vertretenen Wissenssoziologie ist das Verhältnis zwischen der Gesellschaft und dem Individuum, welches als dialektisch bestimmt wird (Stolz 2001: 57). Von Berger wird hierzu in seinem Buch ‚Zur Dialektik von Religion und Gesellschaft’ (1973) eingehender Stellung genommen. Dialektisch sei das Verhältnis zwischen Person und Gesellschaft aus dem Grunde, da die Gesellschaft „ein Produkt des Menschen …, ein Produkt jedoch, welches fortwährend auf seinen Produzenten zurückwirkt“ (Berger 1973, nach Stolz 2001: 58) sei.
Während Berger und Luckmann in ihrem gemeinsamen Buch durchaus eine einheitliche Position vertreten, trennen sich ihre gedanklichen Wege später in Bezug auf die Frage nach einer Definition von Religion, der Säkularisierung und auch im Hinblick auf die Folgen für Religion(en) im Zeitalter der Säkularisierung. Neben der mittlerweile umstrittenen, da nicht haltbaren These der Säkularisierung, die schon bei Weber als ‚Entzauberung der Welt’ begegnet (Kippenberg & von Stuckrad 2003: 77), sind Individualisierung, Pluralisierung und Privatisierung wichtige Topoi, die eng mit diesem Diskursfeld verbunden sind. Diese Motive sind auch für Luckmanns Konzept der ‚unsichtbaren Religion’ bedeutend. Damit prägte und veränderte er die Religionssoziologie, die bis dahin als Kirchensoziologie verstanden werden konnte, nachhaltig (Knoblauch 1991: 11).
Anhand des Luckmannschen Entwurfes für eine neue Sozialform der Religion, namentlich die Unsichtbare, soll im ersten, eher theoretisch orientierten Teil dieser Hausarbeit auf die Themenkomplexe von Säkularisierung, Individualisierung, Pluralisierung und Privatisierung eingegangen werden. Dies geschieht um eine Kontextualisierung bereitzustellen. Es soll versucht werden, die Frage nach dem Verhältnis von Moderne und Religion, die nicht nur Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Vertreter und Anhänger institutioneller Religionsgruppen, sondern auch den Otto Normalverbraucher beschäftigt, nachzuzeichnen.
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Als veranschaulichendes Beispiel wird im späteren Teil der Hausarbeit auf die Wicca-Bewegung eingegangen werden. Im ‚Wörterbuch der Religionen’ (2006) findet sich unter dem Stichwort Wicca kein separater Eintrag, was mich angesichts der mittlerweile weiten Verbreitung doch verwundert hat. Vielmehr wird unter dem Punkt Hexenglauben/ Hexenreligion auf die Wicca-Bewegung verwiesen. Diese habe sich nach der bewussten Kreierung einer ursprünglichen Hexenreligion durch britische Gelehrte Ende des 19. Jahrhunderts schließlich im 20. Jahrhundert zu einer Hexenreligion entwickelt (von Stuckrad 2006: 215f).
Im Bezug auf die Wicca-Religion und die Berufung derer Anhänger auf eine ältere, ursprüngliche Tradition, die von Vivianne Crowley zum Beispiel im Paläolithikum verortet ist (Crowley 1996: 9), wird Ziel dieser Hausarbeit sein, zu prüfen, ob die Wicca-Religion als Muster für Luckmanns Konzept der ‚unsichtbaren Religion’ dienen kann bzw. inwieweit Wicca von einer ehemals ‚unsichtbaren Religion’ in den letzten Jahrzehnten zu einer durchaus sichtbaren Religionsform geworden ist.
II. Zum Kontext der ‚unsichtbaren Religion’
Wie alle theoretischen Entwürfe entspringt auch Luckmanns ‚unsichtbare Religion’ nicht dem luftleeren Raum. Er sah sein Konzept als Anregung für und als Antwort auf die damalige, für ihn nicht akzeptable Lage der Religionssoziologie als Kirchensoziologie. Zugleich kann sein Konzept als Widerlegung der Säkularisierungsthese, die lange Zeit innerhalb der Religionssoziologie gängig war und zum Teil noch ist, verstanden werden. Bevor im nächsten Punkt auf Luckmanns ‚unsichtbare Religion’ eingegangen wird, soll zunächst ein Abriss über die Säkularisierungsthese gegeben werden, wobei zu diesem Diskursfeld gehörende Themen wie Individualisierung, Pluralisierung und Privatisierung anzusprechen sind.
1. Die Säkularisierung
Wie angedeutet, hatte und hat die Säkularisierungsthese noch immer ihren festen Platz in der Religionssoziologie. Hierbei lassen sich zwei Lager ausmachen: Wissenschaftler, die weiterhin an der Gültigkeit der Säkularisierungsthese festhalten und Forscher, welche sie mittlerweile als gegenstandslos betrachten. Luckmanns ‚unsichtbare Religion’ kann als Kritik an der Säkularisierungsthese betrachtet werden. Im nächsten Abschnitt erfolgt eine
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Begriffsklärung, um daran anschließend die Hintergründe und schließlich die Folgen der Säkularisierung zu betrachten und darzustellen.
a) Der Begriff der Säkularisierung
Der Begriff der Säkularisierung beschreibt einen Prozess, der am besten und verständlichsten mit Verweltlichung beschrieben werden kann. In dessen Verlauf kommt es aufgrund der Aufklärung in der Moderne dazu, dass Religionen einen veränderten Stellenwert innerhalb der Gesellschaft einnehmen. Dies schlägt sich beispielsweise in einem Rückgang der Mitgliedszahlen religiöser Institutionen nieder. Weitere Indizien für Säkularisierungsprozesse sind die geringer werdende Teilnahme an religiösen Aktivitäten, eine Abnahme des Einflusses religiöser Organisationen oder auch sozialer Bedeutungsverlust (Knoblauch 2006: 457). Neben den verschiedenen Säkularisierungsprozessen, die sich weltlich niederschlagen, ist aber auch die innere Säkularisierung zu nennen, womit gemeint ist, dass das Leben, die Erfahrungen und die Entscheidungen eines Einzelnen immer weniger in Verbindung mit institutioneller Religion stehen (ebd.). Dies hängt sowohl mit den Hintergründen als auch mit den Folgen der Säkularisierung zusammen, die im folgenden Punkt erläutert werden.
b) Hintergründe der Säkularisierung
Die Wurzeln der Säkularisierungsprozesse sind chronologisch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und geographisch vor allem in Frankreich und Nordamerika anzusiedeln. Zu diesem Zeitpunkt beginnt das Reformjahrhundert, das grundlegende Veränderung mit sich bringen sollte. An dieser Schwelle der Neuzeit, die durch die Entdeckung Nordamerikas, welche letztlich den Anfang der Globalisierung markiert, die protestantische Reformation und die Entstehung neuer Wissenschaften gekennzeichnet ist, beginnt auch das „religiöse[n] Phänomen der Entfremdung von der Welt“ (Haring 2008: 28, Kursivsetzung übernommen). Der Anfang der Moderne, der die Säkularisierung begleitet und bedingt, bringt schließlich auch bahnbrechende, technische Erfindungen hervor, wie zum Beispiel die mechanische Uhr oder die Druckerpresse. Die Neuerungen im technischen und wissenschaftlichen Bereich sowie die Expansion der Seefahrernationen, die dem damaligen Europäer den Blick für völlig neue Kulturen eröffnet, führten dazu, dass das Selbstverständnis der Menschen einem Wandel unterworfen wurde (Haring 2008: 49f). Letztlich wurde mit der Französischen Revolution 1789 endgültig die zuvor bestehende enge Verbindung der Menschen und den institutionellen Religionen gekappt und der weitere Weg für die Säkularisierung war geebnet. Nicht außer Acht zu lassen, sind Rationalisierungsprozesse, die sich weiter ausdehnten und auch die Religion(en) nicht unberührt ließen.
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In diesem aufkommenden Zeitalter der Aufklärung kam es schließlich dazu, dass die großen Religionen, in Europa vor allem das Christentum, ihren Monopolanspruch einbüßen mussten. Dies geschah dadurch, dass im Zuge der Säkularisierung die Vernunft und das Individuum immer mehr in den Vordergrund traten. Eine Abkehrung vom absolutistischen hin zum demokratischen Staat führte in vielen Fällen dazu, dass Kirche und Staat von nun an getrennt wurden. Kongruent hierzu kam es zu einer Polarisierung der Religion zwischen den Bereichen Staat und Familie. Die Folgen dessen erscheinen im Diskursfeld der Säkularisierung als Pluralisierung, Individualisierung und Privatisierung, welche nun angesprochen werden.
2. Folgen der Säkularisierung
Im vorhergehenden Abschnitt wurde angerissen, welche Ursachen Säkularisierungsprozesse haben und wo deren Ursprünge liegen. Weitaus interessanter und bedeutender sind in Bezug auf Luckmanns ‚unsichtbare Religion’ die Folgen, welche durch diese Prozesse eingeleitet wurden. Andeutungsweise wurden diese Konsequenzen bereits angeschnitten. In diesem Punkt sollen die Auswirkungen der Säkularisierungsprozesse näher erläutert werden.
a) Pluralisierung
Pluralisierung allgemein meint, dass es zu einer „Vervielfältigung der kulturellen Formen innerhalb einer Gesellschaft“ (Knoblauch 2006: 404) kommt, wobei Religion durchaus als kulturelle Form zu identifizieren ist. Die durch die Säkularisierung entstandene Polarisierung der Religion zwischen den Bereichen Staat und Familie hat zur Folge, dass die Gesellschaft einen „Gemeinschaftlichkeits- bzw. »Wirklichkeits«-Verlust“ (Berger 1973: 129, Anführungszeichen sind übernommen) erlebt. Religionen sehen sich dabei mit dem Problem konfrontiert, ihre Plausibilität zu begründen. Diese Faktoren bilden zusammen mit den in der Moderne zunehmenden Rationalisierungsprozessen die Basis für eine pluralistische Situation, in der keine Religion sich ihrer Monopolstellung mehr sicher sein kann, sondern vielmehr mit anderen in Konkurrenz steht. Eng verbunden hiermit ist eine steigende Marktorientierung der Religionen, die dazu führt, dass religiöse Organisationen Wirtschaftsunternehmen ähneln und genau wie diese um ihren Kundenstamm werben und konkurrieren. Allein aufgrund dieser Parallele erscheint eine Bezeichnung der Religionen als Konsumgegenstand nahe liegend. Pluralistische Situationen verlangen von den Religionen ein Umdenken und haben häufig Veränderungen der Gesellschaftsstruktur und der religiösen Inhalte zur Folge, um sich von anderen ‚Anbietern’ abzugrenzen (Knoblauch 1999: 121).
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Arbeit zitieren:
Caroline Dorsch, 2009, Säkularisierung und Luckmanns "unsichtbare Religion", München, GRIN Verlag GmbH
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