3. Kompetenzerwerb der Unterrichtsstunde (didaktischer Schwerpunkt)
Die Schülerinnen und Schüler lesen selbstständig und sinnentnehmend einen Sachtext zum Thema „Das Alte Ägypten“ und entwickeln in Gruppen Quizfragen für ein Lesespiel dazu.
Erwarteter Lernerwerb
Die Schülerinnen und Schüler ...
(1) ... rekonstruieren ihr Wissen über das „Alte Ägypten“.
(2) ... lesen in sechs Gruppen jeweils einen Sachtext (Pyramiden, Pharao, Mumifizierung, der Glaube an die Götter, Kinder in Ägypten, die Heiligen Katzen) sinnentnehmend. (3) ... entnehmen dem Sachtext die wichtigsten Informationen und kennzeichnen diese. (4) ... erzählen sich die wichtigsten Informationen des Textes.
(5) ... entwickeln sechs Quizfragen mit Lösungen zum Inhalt des Sachtextes, die sie auf Spielkarten verschriftlichen.
(6) ... lesen im Austausch die Sachtexte der anderen Gruppen sinnentnehmend und beantworten die entwickelten Fragen dazu.
Differenzierte Lernerwerbe
DL (1) ... entwickeln weitere Fragen zum Inhalt des Sachtextes.
DL (2) ... lesen Aussagen über ihren Sachtext sinnentnehmend, rekonstruieren ihr Wissen dazu und bewerten, was an den Aussagen wahr oder falsch ist.
4. Bedingungsanalyse 4.1 Informationen zur Lerngruppe
Ich unterrichte die Lerngruppe seit dem zweiten Halbjahr des Schuljahres 08/09 in Deutsch. Zur Zeit bin ich für vier Unterrichtsstunden in der Klasse tätig und erteile in Absprache mit der Klassenlehrerin ausschließlich den Unterricht für die Kompetenzbereiche des Lesens, Umgang mit Medien, der Schreibfertigkeit und dem Verfassen von Texten.
Seit Beginn der Anwärterzeit hat sich eine sehr gute Beziehung zwischen der Lerngruppe und mir entwickelt, so dass die Lernatmosphäre freundlich, lebendig und produktiv ist. Die Lerngruppe setzt sich aus 11 Mädchen und 15 Jungen zusammen.
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5. Sachanalyse
Das Wort „lesen“ stammt aus dem Lateinischen „legere (sammeln, auswählen, lesen)“ und gilt heute als Lehnbedeutung, da es sich in den deutschen Fremd- und Lehnwörtern „Lektüre, Lektor und Legende“ wiederfinden lässt. Das Lesen an sich bedeutet, etwas schriftlich Niedergelegtes sowie sprachlich formulierte Gedanken aufzunehmen und zu verstehen, weshalb es gesellschaftlich als eine wichtige Kulturtechnik und Teil der menschlichen Kommunikation anzusehen ist. 2
Hinter dem Prozess des Lesens verbirgt sich eine komplexe, kognitive zweigeteilte Handlung. Das Lesen als reine Technik beinhaltet, dass man Buchstabenbilder in Laute übersetzt und diese zu Wörtern „verschleift“. Der Vorgang des Rekodierens ist eine reine technische Fähigkeit, die jedoch noch nicht zum sinnentnehmenden Lesen, zum richtigen Verstehen des Gelesenen führt.
Zu dem technischen, komplexen Vorgang muss eine zusätzliche Dekodierung stattfinden, damit die Sinnentnahme erfolgt und das Lesen ein Prozess der Verständigung, der Übermittlung von Informationen und Inhalten wird. Der Gebrauch der Schriftsprache wird deshalb als „zweiseitiger Prozess“ angesehen, da jemand etwas schreibt, welches ein anderer liest, um das Geschriebene zu erfahren. Diese Form der Kommunikation bietet jedoch nicht die Möglichkeit der direkten Nachfrage, um das Geschriebene zu verstehen. Es bleibt lediglich die Option das Gelesene zu überdenken oder zu wiederholen, weshalb das Lernen der Sinnentnahme der wichtigste Lernprozess am Lesen ist und dies zu einer erforderlichen Kompetenz macht. 3 Die Lesekompetenz hängt zudem auch von den Faktoren wie dem „Vorwissen des Lesers, der Fähigkeit zum lexikalischen Zugriff und dem Vorhandensein von Wortschatz, (Lese-)Motivation und Einstellungen zum Lesen“ ab. 4
Das Alte Ägypten bezeichnet das Land Ägyptens im Altertum und umfasst die Perioden von der Frühzeit (ca. 3150 v. Chr.) bis zur Eroberung durch das Römische Reich (ca. 395 n. Chr.). Es ist ein Staat im nordöstlichen Afrika, welches nördlich an das Mittelmeer und östlich an das Rote Meer sowie Israel grenzt. Durch Ägypten fließt der größte Fluss der Welt, der Nil, weshalb das Land und die Kultur des Alten Ägyptens sich erst entwickeln konnte, da es sonst eine reine Wüste gewesen wäre. Die Hochkultur Ägyptens umfasst die Kunst, Architektur, Landwirtschaft, die absolute Monarchie, das Verständnis von Mathematik, Astronomie und Medizin sowie das Ausüben der Religion. 5 Die Überlieferung der Hochkultur bis heute erfolgte aufgrund mündlicher Erzählungen und den guten Erhalt tausend Jahre alter Papyri, die in Gräbern und Sandgruben von Archäologen gefunden wurden. 6
„Quiz“ ist das englische Wort für ein Frage- oder Ratespiel, bei dem Denksport- und Wissensfragen alleine, zu zweit oder in einer Gruppe richtig beantwortet werden müssen. Die Entstehung des Wortes ist unklar und geht entweder auf das englische Wort „question“ (dt. Frage) als Abkürzung für „Quiz“ zurück oder auf das Verb „to quiz“ (dt. befragen), was aus dem lateinischen „Qui es?“ (dt. Wer bist du?) entlehnt ist. 7
2 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Lesen vom 11.2.10.
3 Vgl. Altenburg, S. 7.
4 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Lesekompetenz vom 11.2.10.
5 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Altes_%C3%84gypten#Literatur vom 11.2.10.
6 Vgl. http://www.meritneith.de/lyrik-einfuehrung.htm#%C3%9Cberlieferung vom 11.2.10.
7 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Quiz vom 11.2.10.
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6. Didaktische Begründungen
Die Unterrichtsstunde umfasst die Kompetenzbereiche „Lesen- über Lesefähigkeiten verfügen“ und „Lesenüber Leseerfahrungen verfügen“. 8 Die Unterrichtssequenz sowie Unterrichtsstunde bietet der Lerngruppe die Möglichkeit, ihre Lesefähigkeiten durch das sinnentnehmende Lesen der Sachtexte zu fördern und zu testen, indem sie den Text gemeinsam bearbeiten und erschließen, was im Austausch zum Verstehen des Gelesenen führt. Dies wird gewürdigt und gesichert, indem sie Fragen an den Textinhalt stellen und die Lösungen dazu auf die Quizkarten schreiben.
Die Lerngruppe hatte zwar schon Kontakt mit Sachtexten, war jedoch im Umgang mit ihnen nie sehr motiviert, da die Sachtexte aus dem Lesebuch nicht ansprechend genug waren und ihr vorhandenes Wissen damit nicht verknüpft werden konnte. Auffällig begeistert verhielt sich die Lerngruppe jedoch, wenn sie Fragen zum Text beantworten sollten, womit vermutlich die kindliche Spielebene angesprochen wurde. Die Unterrichtsstunde fördert insbesondere das sinnentnehmende Lesen von Sachtexten, die Textarbeit und die Auseinandersetzung mit dem historischen Thema. Es könnte sich die Möglichkeit ergeben, dass nun auch die Mädchen der Klasse beginnen ein Interesse für Sachthemen zu entwickeln und dies fortan in ihrer Freizeit, mit Hilfe der Schüler- und Stadtbücherei, tun. Die Leselust und der Wissensdurst der Lerngruppe würde durch die Auseinandersetzung mit der faszinierenden, ägyptischen Hochkultur wieder ein anderes, neues Angebot an Lesestoff erfahren. Da einige Schüler der Lerngruppe in ihrer Freizeit Textarbeit betreiben, um ein Lesequiz zu erstellen, 9 könnte die spielerische Unterrichtsstunde auch andere Schüler dazu „verführen“. Die Produktion des Lesequiz fördert die Texterschließungsverfahren der Lerngruppe und unterstützt das Arbeitsverhalten in einer Gruppe sowie die selbstständige Textarbeit, da sie für die Klassengemeinschaft ein Spiel erstellen.
Das Thema „Das Alte Ägypten“ eignet sich besonders gut für diese Lerngruppe, da sie im Religions- und Islamunterricht die Unterrichtssequenzen „Moses Auszug aus Ägypten“ wie auch „Josef und seine Brüder“ behandelt haben und auf dieses Vorwissen zurückgreifen können, was die Monarchie und den Polytheismus betrifft. Außerdem herrscht ein Vorwissen und eine thematische Zuwendung, da vereinzelte Schüler begeisterte Leser der Buchreihen „Das magische Baumhaus“ 10 und „Was ist was?“ 11 sind. Zudem wird im Sachunterricht ab Mai das „Alte Ägypten“ als Lernwerkstatt behandelt. Das Kennenlernen einer längst vergangenen Zeit sowie Hochkultur in einem fremden, fernen Land übt eine Faszination auf die Schüler aus und führt zu einer hohen Motivation, die untermalt wird, indem die Schüler wissen, dass sie eigenständig ein Spiel dazu produzieren, welches in der kleinen Spielpause, im Sach-, Deutsch- und Religionsunterricht gespielt werden könnte. Das Lesespiel könnte auch der Schulbücherei oder anderen Klassen der Grundschule zur Verfügung gestellt werden, die das Thema im Sach- oder Deutschunterricht behandeln, was einen zusätzlichen Anspruch und eine weitere Würdigung der Schülerarbeit darstellt. Neu ist an der Auseinandersetzung mit dem „Alten Ägypten“, dass die Lerngruppe erfährt, wie die Kinder
8 Niedersächsisches Kultusministerium, Deutsch, S. 21-24.
9 Zum Beispiel zu Astrid Lindgren und Sachtexten über das Meer und deren Bewohner.
10 „Das magische Baumhaus- Das Geheimnis der Mumie“ von Mary Pope Osborne.
11 „Was ist was? Band 70, Das Alte Ägypten“ von Dieter Kurth von Tessloff.
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damals gelebt und gespielt haben, was zu einem hohen Identifikationswert und zur Empathie führt. Zudem sind die Schüler vermutlich fasziniert von der Baukunst der Pyramiden, dem Polytheismus, der absoluten Monarchie in Gestalt des Pharaos, dem unheimlichen Vorgang der Mumifizierung und der Verehrung der Katzen.
7. Methodische Überlegungen
Die Unterrichtsstunde beginnt mit einem stillen Bildimpuls vom Pharao, der das „Alte Ägypten“ repräsentieren soll. Die Lerngruppe reagiert sehr gut und motiviert auf stille Impulse, was einen Unterrichtseinstieg erleichtert, da die Redebeiträge von der Schülern gegeben und durch die Schülerkette gelenkt werden. Nachdem die Schüler ihr bereits vorhandenes Wissen von der vorherigen Stunde zum „Alten Ägypten“ rekonstruiert haben, fragt die Lehrkraft nach, was man noch im Land des „Alten Ägyptens“ kennen lernen könnte. Daraufhin nennen die Schüler im Unterrichtsgespräch vermutlich die Pyramiden, den Pharao, Mumien und die Götter, was wiederum in einer Schülerkette organisiert wird. Die Lehrkraft greift daraufhin anerkennend die Ideen und das Vorwissen der Schüler auf und erklärt den weiteren Verlauf der Gruppenarbeit und motiviert die Lerngruppe, indem sie an das Lesequiz und die vorherige Unterrichtsstunde erinnert. Zur Sicherung wird der Arbeitsauftrag visualisiert und von einem Schüler wiederholt. Die Lehrkraft organisiert die Gruppenarbeit mit den Schülern, indem die Arbeitsmaterialien ausgeteilt, die Arbeitsplätze mit Gruppennummern markiert werden und die Schüler Gruppenzusammenstellungen strukturieren, um sofort die Schüleraktivität zu fördern und keine Leerlaufphasen entstehen zu lassen. Die Gruppen wurden vorher bewusst von der Lehrkraft zusammengestellt und unterliegen den differenzierten Kriterien: Arbeitsverhalten, Sozialverhalten und der Fähigkeit sinnentnehmend zu lesen. Die leistungsstarken Gruppen sind Nr. 2 und 3, weshalb die Sachtexte länger und anspruchsvoller sind. Im normalen Leistungsmittelfeld liegen die Gruppen Nr. 4 und 5, wohingegen die Gruppen Nr. 1 und 6 im Lesen und in der Textarbeit leistungsschwächer sind. Deshalb wird die Lehrkraft den Gruppen auch verstärkt zur Seite stehen. Sachtexte eignen sich hier besonders gut, um das sinnentnehmende Lesen und die Textarbeit zu fördern, da sie als kontinuierliche Texte viele Informationen enthalten, die aufgrund von einfachen Fragen abgefragt werden können, ohne interpretativ tätig werden zu müssen.
Die Erarbeitungsphase geschieht erst in Einzelarbeit am Gruppentisch, um den Sachtext in Ruhe zu lesen und die wichtigen Informationen für sich unterstreichen zu können. Das Lese- und Arbeitstempo sollte in den Gruppen weitestgehend identisch sein. Bei Textfragen und dem Entwickeln der Quizfragen, steht die Lehrkraft zur Verfügung sowie die Worterklärungen und helfenden Fragewörter auf der Rückseite der Tafel. Wenn zwei Gruppen nicht gleichzeitig mit dem Beschriften der Quizkarten fertig sind, steht die didaktische, differenzierte Reserve zur Verfügung, bei der weitere Fragen entwickelt werden oder das sinnentnehmende Lesen zusätzlich getestet wird, indem sie einige Aussagen über den Sachtext auf den Wahrheitsgehalt überprüfen, um ein Worträtsel zu lösen, welches ebenfalls je nach Sachtext und Gruppe differenziert wurde. Wenn zwei Gruppen zeitgleich fertig sind, erfolgt eine offene Spielphase, um die anderen arbeitenden Gruppen nicht zu stören. In der Spielphase findet ein Austausch zwischen den Gruppen statt, bei dem der
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts/ Master of Education Ute Heijenga, 2010, Erstellung eines Lesequizes zum Thema "Das Alte Ägypten" in einer dritten Schulklasse , München, GRIN Verlag GmbH
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