Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Handlungsanalyse 3
3. Figurenanalyse 7
3.1 Figurenanalyse Reinhard 7
3.2 Figurenanalyse Elisabeth 9
4. Isotopieanalyse 12
4.1 Untersuchung der Beziehung zwischen Elisabeth und Reinhard 12
4.2 Untersuchung der Räume 15
5. Resumé 18
5.1 Bezug zur Forschungsliteratur 18
5.2 Bezug zum Seminar "Theodor Storm" 19
6. Fazit 20
7. Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars "Theodor Storm" haben wir uns mit der Analyse und Interpretation der Novelle "Immensee" beschäftigt. Die Novelle beschreibt die Veränderung der Beziehung zwischen Elisabeth und Reinhard, die seit ihrer jungen Kindheit befreundet sind. Während Reinhards Abwesenheit zur Studienzeit heiratet Elisabeth als junge Frau dessen Freund Erich. Es kommt später nur noch ein Mal zu einem Zusammentreffen zwischen Elisabeth und Reinhard auf Gut Immensee. Nach erstmaligem Lesen dieser Novelle haben wir den Eindruck von einer dramatischen Beziehungsgeschichte gewonnen, die einen negativen Ausgang findet. Es handelt sich um den Wunsch einer Beziehung der beiden Hauptfiguren, der aus nicht explizit genannten Gründen unerfüllt bleibt.
In unserer Arbeit gehen wir auf verschiedene Aspekte der Erzähltextanalyse ein, die uns zum besseren Verständnis dieser Novelle als hilfreich erscheinen. Hierbei stellt sich die Frage, welche Umstände genau dazu führen, dass es den Hauptfiguren verwehrt bleibt, ein gemeinsames Leben zu führen. Zunächst werden wir eine Handlungsanalyse aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Reinhard und Elisabeth vornehmen. Daran schließen wir die Figurenanalysen dieser Figuren an. Im darauf folgenden Teil werden wir in einer Isotopieanalyse näher auf die Beziehung zwischen Reinhard und Elisabeth sowie auf die dargestellten Räume eingehen. Zuletzt vergleichen wir unsere Interpretation der Novelle noch einmal mit einer weiteren, öffentlichen Interpretation sowie mit einer im Seminar "Theodor Storm" interpretierten Kurzgeschichte und reflektieren abschließend unseren ersten Leseeindruck.
Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass in dieser Hausarbeit mit dem Reclam-Heft “Immensee und andere Novellen“ von Theodor Storm (siehe Literaturverzeichnis S.17) gearbeitet wurde und Zitate nur durch entsprechende Seitenangaben kenntlich gemacht wurden.
2. Handlungsanalyse
Die Novelle "Immensee" besteht aus einer Rahmen- und einer Binnenhandlung. Die Rahmenhandlung beginnt mit dem Auftreten eines alten Mannes. Er wird zunächst nicht näher beschrieben oder vorgestellt. Der „Alte" (S.4) kommt von einem Spaziergang nach Hause und setzt sich in sein Zimmer. Am Ende dieses ersten
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Kapitels wird der Leser darauf vorbereitet, dass die nächsten Beschreibungen aus der Jugendzeit des alten Mannes stammen. Es wird also ein zeitlicher Sprung in die Vergangenheit angekündigt. Diese Erinnerung aus der Vergangenheit beginnt im folgenden Kapitel und stellt die Binnenhandlung dar, „mit deren Hilfe die Hintergründe einer zunächst unvermittelt präsentierten Situation vermittelt werden" (Martinez, Scheffel 2005: S.36).
Da ein Großteil der im folgenden Text beschriebenen Faktoren für Komplikation und Auflösung auf indirekten Informationen beruhen, wird die Handlungsanalyse unter entsprechendem Vorbehalt vorgenommen (vgl. Leubner, Saupe 2009: S.63). Im ersten Teil wird in ausführlicher Form die Handlungsanalyse für die weibliche Hauptfigur Elisabeth vorgenommen. Im zweiten Teil folgt dann, aufgrund der Ähnlichkeiten in der Handlungsanalyse beider Hauptfiguren, die kurze Ergänzung der Handlungsanalyse von Reinhard.
Während der Binnenhandlung erleidet Elisabeth als eine der beiden Hauptfiguren eine Schädigung. Das ideelle Gut ist ihr zufriedenes, glückliches und erfülltes Leben. Elisabeth wird als junges Mädchen von ihrem Jugendfreund Reinhard, mit dem sie eine glückliche gemeinsame Kindheit erlebt, getrennt, als dieser zum Studieren in eine fremde Stadt zieht. Der Versuch einer positiven Auflösung besteht zunächst darin, dass die beiden Protagonisten durch Briefverkehr in Kontakt bleiben wollen. Dieser Versuch scheitert jedoch durch einen zunächst unregelmäßigen und schließlich ganz ausbleibenden Briefwechsel. Hinzu kommt, dass Elisabeth als junge Frau den Jugendfreund Reinhards namens Erich heiratet. Diese Ehe führt für sie jedoch nicht zu einem glücklichen Leben (nähere Erläuterungen hierzu folgen im weiteren Verlauf der Handlungsanalyse). Da diese Hochzeit zudem ein gemeinsames Leben Elisabeths mit Reinhard verhindert, kommt es zu keiner positiven Auflösung der Komplikation.
Die erste Trennung der beiden eng befreundeten Hauptfiguren geschieht durch Reinhards Studienbeginn. Die versprochenen Briefe Reinhards bleiben aus. Elisabeths Bedauern über diesen Kontaktabbruch wird in einem Brief an Reinhard deutlich (vgl. S.15). In diesem formuliert sie ihm gegenüber jedoch keinen direkten Vorwurf. Vielmehr drückt sie durch ihre indirekte "Tatsachen-Formulierung" ihre Enttäuschung aus. Anhand der Tatsache, dass sie die fehlende Zeit für „solche Kindereien" nicht für die Ursache der fehlenden Briefe halte und es ihrer Meinung nach „wohl anders" (ebd.) sei, kann der Leser darauf schließen, dass sie den
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wirklichen Grund gerne erfahren würde. Dies lässt ebenfalls auf ein Interesse ihrerseits an Reinhard schließen. Des Weiteren ist Reinhard der Grund dafür, dass Elisabeth sich das einzige Mal in der gesamten Novelle offen gegen die Meinung ihrer Mutter stellt, indem sie ihren Freund verteidigt (vgl. S.20). Sie verspricht ihm vor seiner Abreise, ihn auch zwei Jahre später noch „ebenso lieb" (ebd.) zu haben wie zuvor. Anhand dieser Szenen lässt sich eine gewisse Zuneigung Elisabeths gegenüber Reinhard erkennen. Erich hingegen bezeichnet sie zunächst als „Fremden" (vgl. S.15) und empfindet es als unangenehm, wenn er sie intensiv anschaut (vgl. ebd.). Elisabeths Beziehung zu Erich hingegen scheint selbst nach ihrer Ehe rein freundschaftlich zu sein. So sieht sie ihn mit „schwesterlichen Augen" an (S.25), während sie Reinhards Blick nur scheu streift (vgl. ebd.). Erichs stetigen Aufmerksamkeit begegnet sie mir einer fast „demütigen Dankbarkeit" (S.26). Die Tatsache, dass Elisabeth in Gegenwart Reinhards Tränen in den Augen hat, als sie an die gemeinsame Kindheit erinnert wird, deutet ebenfalls auf ihre Unglücklichkeit hin (vgl. S.32). Auch Reinhard bemerkt eine gewisse Traurigkeit und Schmerz in Elisabeths Verhalten (vgl. ebd.). Ein weiteres, sehr markant auf Elisabeths Situation hindeutendes Zeichen ist die Darstellung ihrer Bewegungslosigkeit und ihrer „toten Augen" (S.34), als sie begreift, dass Reinhard nicht wiederkommen wird. Hieraus kann geschlossen werden, dass Elisabeth kein glückliches Leben führt. Im Folgenden werden nun die Faktoren für Komplikation und Auflösung, unter bereits genanntem Vorbehalt, näher erläutert. Im Verlauf der Handlung weisen zahlreiche, in ihrer Relevanz sehr unterschiedlich zu wertende Textpassagen darauf hin, dass Elisabeths Mutter einen zentralen Faktor für die Komplikation darstellt. Sie scheint von Beginn an für eine Beziehung zwischen Erich und Elisabeth, und gegen jene zwischen Reinhard und Elisabeth zu sein. Ein erster, sehr indirekter Hinweis auf diese Tatsache ist Elisabeths gelber Kanarienvogel. Dieser ist ein Geschenk von Reinhard und hat die Angewohnheit, bei Sonnenschein laut zu singen (vgl. S.15). Elisabeths Mutter hängt in einem solchen Fall ein Tuch über seinen Bauer, um ihn von seinem Singen abzuhalten (vgl. ebd.). Dies kann auf ihre Abneigung Reinhard gegenüber übertragen werden. Während sie Erich in Gegenwart Elisabeths und Reinhards als „lieben, verständigen jungen Mann" (S.18) beschreibt, sagt sie über Reinhard während seiner Abwesenheit, er sei als junger Mann nicht mehr „so gut wie früher" (S.20). Zudem lässt auch die Tatsache, dass sie Reinhards Freund mit seinem Vornamen „Erich", ihn selbst jedoch mit seinem Nachnamen „Werner"
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anspricht, auf eine gewisse Vertrautheit oder Zuneigung zu ersterem schließen. Hierbei ist zu bemerken, dass der Name Erich seiner Herkunft nach in etwa „mächtig", „Ansehen" oder „Herrscher" (vgl. Debus 1987: S.29) bedeutet. Diese Konnotationen bieten weitere Hinweise auf die Beziehung von Elisabeths Mutter zu Erich und Reinhard.
Zudem fördert Elisabeths Mutter den Kontakt zwischen ihrer Tochter und Erich. Obwohl Elisabeth zuerst nicht von Erich gezeichnet werden möchte, redet sie ihr zu (vgl. S.15). Dass Elisabeth diesem Zureden nachgibt, zeigt, welchen Einfluss die Mutter auf ihre Tochter ausübt. Obwohl Elisabeth nicht explizit ausdrückt unter dem Einfluss ihrer Mutter zu stehen, kann besonders durch das Lied "Meine Mutter hat`s gewollt" im gleichnamigen Kapitel auf diese Tatsache geschlossen werden (weiterführend siehe Kapitel 3.2). Nach Beendigung des Liedes folgt Elisabeth der Blick ihrer Mutter. Dieser Blick wird explizit nicht näher beschrieben. Allerdings lässt die Tatsache, dass sie Erich mit der Begründung, Elisabeth habe „draußen zu tun" (S.29) davon abhält ihr zu folgen darauf schließen, dass die Mutter um Elisabeths gefühlsmäßige Lage Bescheid weiß. Dieser Hinweis wirkt zudem beinahe wie eine Drohung, dass Erich Elisabeth nicht folgen sollte, weil die Mutter es nicht will. Dies lässt die Formulierung „So unterblieb es" (ebd.) vermuten. Der hier beschriebene autoritäre Charakter Elisabeths Mutter deutet sich bereits sehr viel früher an, als Elisabeth und Reinhard noch Kinder sind. Als Elisabeth befürchtet, ihre Mutter könne ihr verbieten alleine mit Reinhard mitzugehen (vgl. S.6), entgegnet dieser: „ [...] du wirst dann wirklich meine Frau, und dann haben die anderen dir nichts mehr zu befehlen“ (vgl. ebd.). Das Verb „befehlen" wirkt hier sehr negativ, besonders weil Reinhard von „den anderen" (ebd.) spricht und damit (unter anderem) Elisabeths Mutter meint. Obwohl die folgenden, ängstlichen Äußerungen Elisabeths (vgl. ebd.) sicherlich auf ihr junges Alter zurückzuführen sind, deutet sich hier bereits an, dass Elisabeth es nicht wagen würde, gegen den Willen ihrer Mutter zu handeln. Ergänzend zu dieser ausführlichen Handlungsanalyse aus der Perspektive Elisabeths wird im Folgenden kurz auf die Handlungsanalyse aus der Sicht Reinhards eingegangen, die ebenfalls zu einer negativen Auflösung führt. Aus Reinhards Perspektive kann eine Mangelsituation festgestellt werden. Sein Gut ist die Ehe mit Elisabeth und ihre damit verbundene Liebe und Treue ihm gegenüber. Er will die Versicherung, dass Elisabeth für immer bei ihm bleibt, doch dieses Gut zu besitzen wird ihm während der gesamten Handlung verwehrt. Dies führt zu seiner
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Arbeit zitieren:
Kim Jasmin Gamlien, 2009, Analyse und Interpretation des Prosatextes "Immensee" von Theodor Storm, München, GRIN Verlag GmbH
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Gruppenarbeit in Theorie und Praxis- am Beispiel einer Deutschstunde
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