Gliederung:
1. Einleitung
2. Die Planwirtschaft
3. Die Stalinisierung der SED
4. Die Auswirkungen der Stalinisierung in der Bevölkerung der SBZ
5. Fazit
6. Literatur
1. Einleitung
Schon auf der Potsdamer Konferenz einigten sich die Alliierten auf eine zentrale deutsche Verwaltungsabteilung, welche für ganz Deutschland 1945 dann auch geschaffen wurde. Diese sollte unter der Leitung eines alliierten Kontrollrates stehen, hatte jedoch keine Gesetzgebungskompetenz.
Allerdings war die politische Führung der sowjetischen Besatzungszone schon von Beginn an in den Händen der nach Moskau emigrierten Kommunisten, welche die sowjetischen Direktiven ausführten. Andere Antifaschisten und Kommunisten mußten sich unterordnen oder wurden mit Hilfe der sowjetischen Geheimpolizei ausgeschaltet. 1
Jedoch konnte die 1946 entstandene SED bei den Kommunal- und Gemeindewahlen im Herbst 1946 keine absolute Mehrheit erzielen. Aus diesem Grund wurden in der SBZ (und später in der DDR) bei späteren Wahlen nur noch Einheitslisten der zugelassenen Parteien erlaubt. 2 Die Einflüsse aus der Sowjetunion nahmen auch weiterhin zu und führten dazu, daß ab 1948 mit der Übernahme des spätstalinistischen Sowjetsystems begonnen wurde, welche Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens in der SBZ/DDR hatte, angefangen bei der Planwirtschaft bis hin zur Stalinisierung der SED.
Für die DDR als festen Bestandteil des Ostblockes, ist der Stalinismus dann auch spätestens in den 50er Jahren in der ganzen Gesellschaft bestimmend.
Was aber ist „Stalinismus“ ? Eine Klärung des Begriffs fällt nicht leicht, denn in der wissenschaftlichen Literatur findet man diesen Begriff nur selten erwähnt oder gar erklärt. Zieht man beispielsweise Literatur wie „Die Gründung der DDR. Von der sowjetischen
Besatzungsherrschaft zum sozialistischen Staat“ von Dietrich Staritz, oder „Die Stalinisierung der SED“ von Harold Hurwitz (beides siehe: 6. Literatur) als Hilfsmittel heran, so wird man sehr schnell feststellen, das der Begriff „Stalinismus“ kaum Erwähnung findet und eine Definition - so man denn eine erkennt - nur unbefriedigend ist.
Eine reine Definition des Begriffes findet man zwar beispielsweise im Bertelsmann-Lexikon, dort wird Stalinismus beschrieben als „ein von Stalin entwickeltes ... bürokratisch-diktatorisches Herrschaftssystem ... das unter Deutung marxistisch-leninistischer Theoreme eine Revolution von oben in der Gesellschaft durchführt; ... kontrolliert durch Terror, besonders durch ständige Säuberungen in allen Bereichen der
1 Vgl. Spittman, Ilse; Helwig, Gisela (Hrsg.): DDR-Lesebuch. Von der SBZ zur DDR 1945-1949. Köln 1989. S. 70 2 Vgl. ebenda
Gesellschaft und der Partei, ... dabei außenpolitisch eine Unterordnung der kommunistischen Weltinteressen unter die Interessen der UDSSR verlangt“ 3 , jedoch ist diese etwas oberflächliche Erklärung mindestens ebenso unbefriedigend.
Diese Arbeit soll deshalb anhand der Einführung der Planwirtschaft, der Stalinisierung der SED und einzelner Auswirkungen auf die Bevölkerung, einige Stufen auf dem Weg zum Stalinismus in der DDR aufzeigen; jedoch nicht eine reine Definition dieses Begriffes liefern. Für die weitergehende Klärung des Problems empfehlen sich als Literatur die beiden oben genannten Quellen, als auch die Quelle „DDR-Lesebuch. Stalinisierung“ von Ilse Spittmann und Gisela Helwig (siehe auch 6. Literatur), letztere ist vor allem hilfreich, um einen verstärkten Eindruck von den Auswirkungen auf die Bevölkerung zu erhalten.
3 O.A.: Brockhaus-Enzyklopädie. 27. Bd. 19. Aufl. Mannheim 1993. S. 73
2. Die Planwirtschaft
Die sowjetische Besatzungsmacht war schon aus Gründen der Reparationsleistungen daran interessiert, die Industrie und damit die Produktion wieder auf einen Stand zu bringen, der etwas leisten konnte. In erster Linie wurden dabei viele Betriebe in sogenannte „Sowjetische Aktiengesellschaften“ (kurz: SAG) umgewandelt, was aber die Zerstörung von traditionellen Produktionsketten bedeutet hatte. 4 Oberstes gesetztes Ziel war dabei, erst einmal wenigstens die Produktionskapazität des Jahres 1936 zu erreichen, von der aus man dann am weiteren Wachstum der Industrieleistung arbeiten konnte. Zwar war die Produktion von 1936 noch kein Maßstab für die Leistung, die die Industrie erbrachte, denn schließlich war die Bevölkerung um rund 3 Millionen angewachsen, aber dieses Ziel schien erreichbar, auch wenn noch 1948 nur 71,7 Prozent des Standes von 1936 erreicht waren. Auch als 1950 ein Überschuß von 10,6 Prozent im Vergleich zu 1936 errechnet wurde, darf nicht übersehen werden, daß wichtige Industriezweige noch immer weit hinter dem Stand von 1936 zurücklagen, so lag zum Beispiel die Metallurgie bei nur 60 Prozent. 5
Weitere Probleme waren aber auch bei mittel- und längerfristigen betrieblichen Produktionsplanungen entstanden, aufgrund der oft vorkommenden kurzfristig veränderten Reparationsforderungen. Ein kontinuierlicher Produktionsablauf war - wenn überhaupt möglich - damit nur schwer zu erreichen. Dazu kam noch der Verlust von Rohstoffen und fertigen Produkten durch Schwarzmarktgeschäfte. Eine Ausrichtung der gesamten Produktion an die gesamtgesellschaftlichen Erfordernisse, war damit für SED und sowjetische Besatzungsmacht eine Notwendigkeit gewesen. 6
In der DDR-Literatur wurde die Planwirtschaft als Sicherung der „Durchsetzung des Gesamtwillens der sozialistischen Gesellschaft ... verbunden mit der Wahrnehmung der Klasseninteressen der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten zur Stärkumg ihrer politischen Macht“ beschrieben. 7
Sowohl durch materielle und ideelle Anreize, Beschränkung der Rechte der Betriebsräte, als auch durch (schrittweise) Zentralisierung von Verfügungsgewalt und Planung, wurde versucht eine Produktionssteigerung zu erreichen. Als erstes wurde den neu gebildeten Zentralverwaltungen 8 am 10. 2. 1947 das Recht übertragen die Industrie, den Handel, das Handwerk und auch die Versorgung zu koordinieren und zu kontrollieren, was über eine Vereinbarung zwischen den Landesregierungen und den Zentralverwaltungen möglich wurde. 9
4 Vgl. Staritz, Dieter: Die Gründung der DDR. Von der sowjetischen Besatzungsherrschaft zum sozialistischen Staat. 2. Aufl. München 1987. S. 123 5 Vgl. ebenda S. 124 6 Vgl. ebenda S. 129
7 Vgl. o.A.: BI-Elementarlexikon. 2. Bd. 1. Aufl. Leipzig 1985. S. 237 „Planung der Volkswirtschaft“ 8 Zentralverwaltungen: Organisationen, die für die Wirtschaftspolitik in der SBZ zuständig und für die Planung und Leitung der Wirtschaft verantwortlich waren. Sie hatten auch die Aufgabe, die Planerfüllung zu kontrollieren. 9 Vgl. Staritz, Dieter: Die Gründung der DDR. Von der sowjetischen Besatzungsherrschaft zum sozialistischen Staat. 2. Aufl. München 1987. S. 129
Arbeit zitieren:
Daniel Schmidl, 2000, Die Stalinisierung in der SBZ/DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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