am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main, Wiederentdecker der Dinotheriensand-Fundstelle
INHALT
Vorwort
Der Rhein-Elefant
Deinotherium giganteum
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Dank
Seite 13
Mainz und Wiesbaden
lagen nicht am Ur-Rhein
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Die Entdeckung
des „Schreckenstieres“
Seite 40
Ein Paradies
f ür Rüsseltiere
Seite 54
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Das Dinotherium-Museum in Eppelsheim (Kreis Alzey-Worms) informiert anschaulich über die exotische Tierwelt am Ur-Rhein vor etwa zehn Millionen Jahren. Im Mittelpunkt der sehenswerten Ausstellung steht ein Abguss des 1835 bei Eppelsheim entdeckten Oberschädels des Rüsseltieres Deinotherium giganteum. „Geistiger Vater“ des Dinotherium-Museums ist der frühere Bürgermeister von Eppelsheim, Heiner Roos (rechts).
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VORWORT
Der Rhein-Elefant
Deinotherium giganteum
Der Rhein-Elefant mit dem wissenschaftlichen Artnamen Deinotherium giganteum - zu deutsch „Riesiges Schreckenstier“ - gilt als das bekannteste Rüsseltier am Ur-Rhein vor etwa zehn Millionen Jahren. Dieses imposante Tier erreichte eine Schulterhöhe von rund 3,60 Metern. Zwei nach unten gerichtete hakenförmige Stoßzähne im Unterkiefer bescherten ihm zusätzlich den Namen Hauer-Elefant.
Jener Urzeit-Riese steht im Mittelpunkt des Taschenbuches „Der Rhein-Elefant“ des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst. Bei den Texten handelt es sich um Auszüge aus dem umfangreichen Werk „Der Ur-Rhein“ desselben Verfassers, der sich durch zahlreiche populärwissenschaftliche Werke einen Namen gemacht hat.
Der Ur-Rhein in Rheinhessen floss ab dem Raum Worms - weiter westlich als in der Gegenwart - auf die Binger Pforte zu. Der damalige Fluss berührte nicht - wie heute - die Gegend von Oppenheim, Nierstein, Nackenheim, Mainz, Wiesbaden und Ingelheim. Das geschah erst später. Die Ablagerungen des Ur-Rheins in Rheinhessen werden als Dinotheriensande bezeichnet, weil sie häufig Zähne und Knochen des Rüsseltieres Deinotherium giganteum enthalten. In der Literatur findet man teilweise auch den Namen Dinotherium giganteum.
Über die exotische Tierwelt am Ur-Rhein informiert das ebenfalls nach Deinotherium benannte Dinotherium-Museum in Eppelsheim. In der Gegend von Eppelsheim lebten vor rund
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zehn Millionen Jahren Rüsseltiere, Säbelzahnkatzen, Bären-hunde, Tapire, Nashörner, krallenfüßige Huftiere, Ur-Pferde und sogar Menschenaffen.
Eppelsheim genießt weltweit in der Wissenschaft einen guten Ruf. Zusammen mit dem Pariser Montmartre gehört der kleine Ort südlich von Alzey zu jenen großartigen Fossillagerstätten, mit denen die Erforschung ausgestorbener Säugetiere in Europa begonnen hat.
Das Taschenbuch „Der Rhein-Elefant“ ist drei verdienstvollen Männern gewidmet: Dr. Jens Lorenz Franzen (geb. 1937), Paläontologe in Titisee-Neustadt, langjähriger Mitarbeiter des Forschungsinstitutes Senckenberg in Frankfurt am Main, Wiederentdecker der Dinotheriensand-Fundstelle und Begründer der ersten wissenschaftlichen Grabungen bei Eppelsheim, Heiner Roos (geb. 1934), dem Altbürgermeister von Eppelsheim, dessen Idee und Initiative das Dinotherium-Museum in Eppelsheim zu verdanken ist, sowie dem Darmstädter Paläontologen Johann Jakob Kaup (1803-1873), mit dem die Erforschung der Säugerfauna aus den Dinotheriensanden bei Eppelsheim einst angefangen hat.
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Dank
Für Auskünfte, kritische Durchsicht von Texten (Anmerkung: etwaige Fehler gehen zu Lasten des Verfassers), mancherlei Anregung, Diskussion und andere Arten der Hilfe danke ich:
Professor Dr. Dietrich E. Berg, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Fachbereich Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften, Institut für Geowissenschaften Thomas Engel, geologischer Präparator, Naturhistorisches Museum Mainz / Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz Professor Dr. Oldrich Fejfar, Paläontologisches Institut, Karls-Universität, Prag Förderverein Dinotherium-Museum Eppelsheim Dr. Jens Lorenz Franzen, ehemaliger Leiter der Abt. Paläoanthropologie und Quartärpaläontologie
am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main, ab 1. 9. 2000 im Ruhestand und seitdem ehrenamtlicher Mitarbeiter, Titisee-Neustadt
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Dr. Ursula Bettina Göhlich, Kuratorin für Wirbeltierpaläontologie, Geologisch-paläontologische Abteilung, Naturhistorisches Museum Wien Dipl.-Ing. Ansgar Hemm, Bad Wildungen Christine Hemm-Herkner
Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt am Main Dr. Frank Holzförster, Diplom-Geologe, Wissenschaftlicher Leiter des GEO-Zentrums an der KTB Windischeschenbach Dr. Martin Hottenrott, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Wiesbaden Ute Klenk-Kaufmann, Bürgermeisterin, Eppelsheim Dr. Thomas Keller Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abteilung Archäologie und Paläontologie, Schloss Biebrich, Wiesbaden Dr. Winfried Kuhn
Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz Abt. 2 Geologie und Rohstoffe, Mainz
Heiner Roos, Altbürgermeister von Eppelsheim, 1. Vorsitzender des Fördervereins Dinotherium-Museum Eppelsheim
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Dr. Oliver Sandrock, Hessisches Landesmuseum Darmstadt Professor Dr. Wolfgang Schirmer, Wolkenstein Dr. Peter Schröter, Anthropologe, München Dr. Jens Sommer, Geologe und Paläontologe, Hannover Dr. Gerhard Storch,
ehemaliger Leiter der Sektion Fossile Säugetiere und der Abteilung Terrestrische Zoologie am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main, ab 2004 im Ruhestand und seitdem ehrenamtlicher Mitarbeiter
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Der Paläontologe Jens Lorenz Franzen aus Titisee-Neustadt, früherer langjähriger Mitarbeiter am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main, ist der Wiederentdecker der verschollenen Fossil-fundstelle bei Eppelsheim unter acht Meter mächigen Deckschichten und Begründer der ersten wissenschaftlichen Grabungen dort. Er leitete Grabungen in Eppelsheim und Dorn-Dürkheim in Rheinhessen, untersuchte und beschrieb Fundstellen und Funde. Kein anderer Wissenschaftler hat so lange und so intensiv in den Ablagerungen des Ur-Rheins gegraben wie er. Maßgeblich war er auch am Aufbau des Dinotherium-Museums in Eppelsheim beteiligt.
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Mainz und Wiesbaden
lagen nicht am Ur-Rhein
In der Zeit vor etwa zehn Millionen Jahren, die von Geologen und Paläontologen als Obermiozän bezeichnet wird, hatte der Ur-Rhein südlich des Rheinischen Schiefergebirges einen ganz anderen Lauf als der heutige Rhein. Er floss nicht durch die Gegend von Oppenheim, Nierstein, Nackenheim, Mainz, Wiesbaden und Ingelheim. Stattdessen bahnte er sich ab etwa Worms streckenweise mehr als 20 Kilometer westlich vom jetzigen Rheinbett entfernt - seinen Weg durch Rheinhessen. Dieser Ur-Rhein war nachweislich nicht so lang wie der heutige Rhein mit 1324 Kilometern, sondern nur ein kurzer Mittelgebirgsfluss mit schätzungsweise 400 Kilometer Länge. Somit war jener Ur-Rhein nur ungefähr ein Drittel so lang wie der gegenwärtige Rhein. Denn er besaß noch keine alpinen Zuflüsse wie jetzt. Seine Quellen lagen nach heutiger Kenntnis südlich des Kaiserstuhls, seine Mündung im unteren Niederrheingebiet, wo sich damals die Meeresküste erstreckte. Der Paläontologe Jens Lorenz Franzen schrieb auf einem Flyer für Besucher des Dinotherium-Museums in Eppelsheim, der Ur-Rhein sei ursprünglich ein kleines Flüsschen ähnlich wie die heutige Nahe gewesen. Im Raum Eppelsheim habe er lediglich eine Breite von etwa 45 bis 60 Metern erreicht. Kurze Zeit hielt man den Ur-Rhein in Rheinhessen sogar für einen Höhlenfluss. Den Verdacht, der Ur-Rhein könne im Bereich der wissenschaftlichen Grabungsstelle im Gewann „Auf dem Alzeyer Weg“ bei Eppelsheim in einer Höhle aus Kalkstein geflossen sein, hatte 1997 als Erster der Mainzer Geologe Winfried Kuhn geäußert. Auf diese Idee war er gekommen, nachdem er Sinterkalk-Stücke gefunden hatte.
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Der Mainzer Geologe Winfried Kuhn hatte 1997 den Verdacht, der Ur-Rhein könne im Bereich der wissenschaftlichen Grabungsstelle im Gewann „Auf dem Alzeyer Weg“ bei Eppelsheim in einer Höhle aus Kalkstein geflossen sein.
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Als einen gewichtigen Hinweis für die Existenz eines Höhlenflusses deutete Kuhn einen 1998 entdeckten, etwa 35 Kubikmeter großen Kalksteinklotz auf dem Grund des Ur-Rheins. Der tonnenschwere Klotz besteht aus rund 20 Millionen Jahre alten Inflata-Schichten, die nach der kleinen Wattschnecke Hydrobia inflata benannt sind. Kuhn betrachtete den Klotz als Teil der Decke einer eingestürzten Karsthöhle. Doch später rückte der Mainzer Geologe von seiner faszinierenden Idee, der Ur-Rhein in Rheinhessen könne zumindest streckenweise ein Höhlenfluss gewesen sein, wieder ab. Denn im Bereich der Grabungsstelle im Gewann „Auf dem Alzeyer Weg“ bei Eppelsheim hat man keine weiteren Kalksteinklötze mehr gefunden, die Reste einer eingestürzten Höhlendecke gewesen sein könnten.
An der Grabungsstelle bei Eppelsheim wurde bisher nur einer der beiden Uferbereiche des Ur-Rheins freigelegt. Nämlich ein Steilhang aus rund 20 Millionen Jahre alten Schichten auf der Westseite des ehemaligen Flusses. Dieser Hang besteht aus einer großen Kalksteinscholle, deren Basis auf den unterlagernden tonigen Schichten nach Westen hin weggerutscht war, worauf die ursprünglich horizontal gelagerten Schichten steil nach Osten abkippten. Vermutlich stürzte dabei der erwähnte Kalksteinklotz in den entstandenen Zwischenraum, in dem später ein Seitenarm des Ur-Rheins floss. Auslöser für die Wegbewegung der Kalksteinscholle vom Hang dürften großräumige plattentektonische Dehnungsbewegungen gewesen sein. Dies war eine Spätfolge der Öffnung des Nordatlantiks in Verbindung mit der Absenkung des Oberrheingrabens. Am nördlichen Ende des Oberrheingrabens befindet sich das Mainzer Becken, zu dem auch die Gegend von Eppelsheim gehört. Der Untergrund des Mainzer Beckens, besteht aus einer Vielzahl von Schollen, die von Brüchen (Störungen) begrenzt sind.
Das dem Westhang gegenüber gelegene Ostufer des Ur-Rheins war 2008 noch nicht aufgeschlossen. Kuhn glaubt, dass sich
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Dinotheriensand-Fundorte und Rekonstruktion des Verlaufes des Ur-Rheins in Rheinhessen. Zeichnung von Christine Hemm-Herkner nach einer Vorlage des Paläontologen Jens Lorenz Franzen (zum Teil nach Heinz Tobien 1980 und Joachim Bartz 1936)
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dort ebenfalls ein Steilufer befand, das den Gegenpart der weg gerutschten Scholle bildete. An der Grabungsstelle bei Eppelsheim floss wahrscheinlich ein Seitenarm des Ur-Rheins durch eine enge Schlucht (Canyon). Weitere Flussarme, die unterschiedlich breit und tief waren, existierten sicherlich an anderer Stelle. Es gab wohl auch Hochwasserphasen und Zeiten mit geringer Wasserführung.
Wie viele andere Flussablagerungen sind auch diejenigen des Ur-Rheins bei Eppelsheim schräg geschichtet. Ein Fluss verändert durch unterschiedliche Wasserführung und Strömungsintensität immer wieder seinen Lauf. Einerseits schneidet er sich in Prallhangbereichen in bestehende Sandbänke oder Uferzonen ein. Andererseits lagert er im Gleithangbereich aufgrund der geringeren Fließgeschwindigkeit Sedimente beispielsweise an Sandbänken ab. Solche Ablagerungen werden immer in einem gewissen Neigungswinkel angelegt - von der Sandbank oder vom Ufer zur Fließrinne hin. Bei ständigen Änderungen der Flussläufe entstehen in den Ablagerungen zwangsläufig Schrägschichtungskörper.
Sandvorkommen in Richtung des heutigen Rheingrabens, die sich in ihrer Zusammensetzung etwas von den Dinotherien-sanden unterscheiden, sind Spuren einer Verlagerung des Flussbettes des Ur-Rheins nach Osten. Doch weil diese kalkfrei sind und keine Fossilien enthalten, kann ihr Alter nicht genau datiert werden.
Ablagerungen des Ur-Rheins - auf heute trockenem Geländekennt man aus Westhofen bei Worms, Eppelsheim, Dintesheim, Esselborn, Kettenheim, Heimersheim, Bermersheim, vom Wissberg bei Gau-Weinheim, Vendersheim, Wolfsheim und vom Steinberg (auch Napoleonshöhe genannt) bei Sprendlingen unweit von Bad Kreuznach. Dabei handelt es sich um Sande und Kiese, die teilweise Reste von Tieren aus jener Zeit enthalten. Weil darunter auch Knochen und Zähne des riesigen Rüsseltieres Deinotherium giganteum sind, werden die Ablagerungen des Ur-Rheins als Dinotheriensande bezeichnet. Man bezeich-
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net sie aber auch als Eppelsheimer Sande oder Eppelsheim-Formation.
Wer als Erster die Sande und Schotter der Dinotheriensande in Rheinhessen als Ablagerungen des Ur-Rheins erkannt hat, konnte der Autor dieses Taschenbuches trotz vieler Recherchen nicht sicher klären.
Bereits auf der 1866 erschienenen „Geologischen Specialkarte des Grossherzogthums Hessen und der angrenzenden Landesgebiete im Maasstabe von 1:50000“ für die „Section Alzey“ des Darmstädter Geologen Rudolf Ludwig (1812-1880) werden die Dinotheriensande als Flussablagerungen gedeutet. Im Zusammenhang mit Eppelsheim als „weltberühmte Fundstätte des Deinotherium giganteum“ ist von einem Flussdelta, nicht aber vom Rhein die Rede. Auch andere Autoren jener Zeit haben die Dinotheriensande wohl mit einem Fluss, noch nicht aber mit dem Rhein in Verbindung gebracht. Der Erste, der die Gerölle in den Dinotheriensanden petrographisch ausführlicher untersucht hat, dürfte der Geologe Carl Mordziol (1886-1958) gewesen sein, der zeitweise in Gießen, Mainz, Aachen und Koblenz gearbeitet hat. Er führte 1908 aus, dass ein größeres Stromsystem aus südwestlicher oder südlicher Richtung das Material der Dinotheriensande ablagerte. Mordziol sprach von einem Stromsystem, das „auch in ähnlicher Richtung wie der heutige Rhein in das Schiefergebirge eintrat“ und vom „unterpliocänen Rhein“. Dabei verwies er auf entsprechende Arbeiten des damals in Würzburg tätigen Geologen und Mineralogen Fridolin Sandberger (1826-1898) von 1863 und 1870/1875. Einen „von Süden nach Norden fließenden Vorläufer des Rheins (einen „Urrhein“) erwähnte Mordziol 1911 in seinem Werk „Geologischer Führer durch das Mainzer Tertiärbecken“.
1932 stellte der Wormser Paläontologe Wilhelm Weiler (1890-1972), der von 1944 bis 1947 Direktor des Naturhistorischen Museums Mainz war, in einer Abhandlung die Frage: „Gab es einen unterpliozänen Eppelsheimer Fluß in Rheinhessen?“ Da-
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mals wurden die Ablagerungen des Ur-Rheins noch nicht - wie heute - dem Miozän, sondern dem Pliozän zugerechnet. Das Wissen über die Existenz des Ur-Rheins fernab vom heutigen Rhein wurde durch Untersuchungen des Berliner Geologen Joachim Bartz (1910-1998) bereichert. Er veröffentlichte 1936 seine Publikation „Das Unterpliocän in Rheinhessen“. Laut Bartz floss der Ur-Rhein auf einer alten, aus Kalksteinen bestehenden Landoberfläche in Süd-Nord-Richtung. Im Norden hatte er einen linksseitigen Nebenfluss (die Ur-Nahe), der aus der Richtung von Bad Kreuznach kam. Das Einzugsgebiet der Ur-Nahe reichte bis ins Pfälzer Bergland. Dieser Sachverhalt wurde später (1946, 1947, 1973) durch den Darmstädter Hydrogeologen Wilhelm Wagner (1884-1970) bestätigt und ergänzt.
In Rheinhessen lassen sich die Dinotheriensande über eine Strecke von etwa 26 Kilometern verfolgen. Die Fundstellen mit Dinotheriensanden verteilen sich auf zwei Gebiete. Das nordwestliche umfasst den Steinberg bei Sprendlingen (mit mehreren Fundpunkten), Wolfsheim, Vendersheim, Gau-Weinheim und den Wissberg bei Gau-Weinheim. Zum südwestlichen Fundgebiet in der Umgebung von Alzey gehören Bermersheim, Heimersheim, Kettenheim, Esselborn, Dintesheim, Eppelsheim und Westhofen.
Nördlich des Steinberges bei Sprendlingen folgen einige Vorkommen von Dinotheriensanden ohne Tierfossilien. Nämlich Welgesheim, Zotzenheim, Dromersheim, Aspisheim, Ober- und Niederhilbersheim sowie der Laurenziberg bei Ockenheim. Bartz erklärte dies damit, dass sich nördlich vom Steinberg bei Sprendlingen die Einflüsse der Ur-Nahe bemerkbar machten, die zur völligen Aufarbeitung der Säugetierreste führten. Südlich von Dintesheim und Westhofen nahe Worms sind keine Dinotheriensande bekannt.
Auch die Schotter der Ur-Nahe beim Rheingrafenstein südlich von Bad Kreuznach enthalten keine Säugetierreste. Der Rheingrafenstein ist eine 136 Meter hohe Felsformation aus vulkani-
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Dinotheriensande-Aufschlüsse mit Säugetierfossilien in Rheinhessen. Schwarze Kreise: 1: Steinberg (Napoleonshöhe), 2: Wolfsheim, 3: Vendersheim, 4: Wissberg, 5: Gau-Weinheim, 6: Bermersheim, 7: Heimersheim, 8: Kettenheim, 9: Esselborn, 10: Dintesheim, 11: Eppelsheim, 12: Westhofen. Der lange Pfeil von Südosten nach Nordwesten zeigt die Laufrichtung des Ur-Rheins in Rheinhessen an. Der kurze Pfeil links des Ur-Rheins markiert die Laufrichtung der Ur-Nahe. Der kurze Pfeil rechts des Ur-Rheins soll die Laufrichtung des Ur-Mains veranschaulichen. Im Gegensatz zu dieser Karte von 1983 geht man heute davon aus, dass der Ur-Main zur Zeit der Dino-theriensande kein Nebenfluss des Ur-Rheins in Rheinhessen gewesen ist.
Dinotheriensande-Aufschlüsse ohne Säugetierreste. Offene Kreise: a: Welgesheim-Zotzenheim, b: Dromersheim-Aspisheim, c: Ober-Niederhilbersheim, d: Ockenheim-Laurenziberg, e: Rheingrafenstein (Einzugsgebiet der Ur-Nahe), f: Mainz-Hechtsheim (heute nicht mehr zu den Dinotheriensanden gerechnet).
Diese Karte stammt aus dem Beitrag „Bemerkungen zur Taphonomie der spättertiären Säugerfauna aus den Dino-theriensanden Rheinhessens“ (1983) des Mainzer Paläontologen Heinz Tobien (1911-1993).
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Die Wiederentdeckung der Fossilfundstelle bei Eppelsheim im Gewann „Auf dem Alzeyer Weg“ gelang 1996 dem Paläontologen Jens Lorenz Franzen, was in der Fachwelt für Aufsehen sorgte. Nach geologischen Voruntersuchungen, Befragungen und schließlich Bohrungen fand er unter acht Meter mächtigen Deckschichten die verschollene Fundstelle wieder. Trotz aller Vorüberlegungen war ihm bange zumute, als er vor dem ausgebaggerten, zehn Meter tiefen Loch stand, und es keinerlei Garantie gab, darin etwas zu finden. Obiges Luftbild der Grabungsstelle im Gewann „Auf dem Alzeyer Weg“ bei Eppelsheim entstand im Sommer 1998 bei einem Flug von Diplom-Ingenieur Ansgar Hemm, der damals in Usingen/Taunus lebte. Bei den unregelmäßigen hellen Flecken handelt es sich um Kalke, die dicht unter der Oberfläche liegen. Die Paläoströmung kam vom oberen rechten Bildrand (Südosten) und strömte in Richtung zum unteren linken Bildrand (Nordwesten). Heute befinden sich die Ablagerungen des Ur-Rheins in einer Gegend, in der weit und breit kein Fluss zu sehen ist.
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schem Gestein (Porphyr) an der Nahe gegenüber von Bad Münster am Stein-Ebernburg.
Die Gerölle in den Dinotheriensanden von Rheinhessen liefern Hinweise auf das Einzugsgebiet des Ur-Rheins. Sie stammen aus inzwischen abgetragenen Sedimenten, die vor etwa zehn Millionen Jahren den Schwarzwald und die Vogesen überdeckten.
Der Ur-Rhein floss zur Zeit der Dinotheriensande vor etwa zehn Millionen Jahren - oder vielleicht sogar schon etwas früherin das Mittelrheintal ab. Der Abfluss erfolgte vermutlich im Bereich der Binger Pforte.
Vom Obermiozän bis ins Eiszeitalter verlagerte der Ur-Rhein seinen Lauf immer mehr nach Nordosten, bis er seine heutige Position bei Mainz und Wiesbaden erreichte. Bewirkt wurde dies durch das Einsinken des Oberrheingrabens und die Hebung des Mainzer Beckens, das eine der Grabenschultern darstellt.
Auch heute noch geht das Nebeneinander von Grabensenkung und Schulterhebung weiter. Die tektonischen Bewegungen sind insbesondere daran zu erkennen, dass sich bei Nachmessungen von Feinnivellements zum Teil erhebliche Differenzen ergeben. Beispielsweise wurden von dem Darmstädter Geologen Reinhard Heil (1925-2004) zwischen Heidelberg und Darmstadt jährliche Senkungsraten von ca. einem Millimeter festgestellt. Andererseits hat man nordwestlich von Karlsruhe auch Hebungen ermittelt, die 0,5 Millimeter pro Jahr erreichen. Im Obermiozän vor etwa acht bis fünf Millionen Jahren verlagerte der Ur-Rhein sein Bett nach Osten, wo er in Höhe der heutigen Gegend von Mainz auf den Ur-Main traf. Erst durch den Anschluss der Ur-Aare im Eiszeitalter vor etwa zwei Millionen Jahren und des Alpenrheins vor rund 800.000 Jahren wurde der Rhein zum viertgrößten Strom Europas. Früher befanden sich in Nähe vieler Gemeinden in Rheinhessen kleine Sandgruben (Sandkauten), in welchen man den für Bauarbeiten benötigten Sand abbaute. Dabei kamen immer
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wieder Zähne und Knochen fossiler Säugetiere zum Vorschein, die aber achtlos weggeworfen wurden. Die Knochen und Gerölle in den Sandschichten signalisierten, dass der Sand am Ende war und nun erneut mühsam die darüber liegende Erde abgehoben werden musste, um an die Sande zu gelangen. Aus diesem Grund wurden die „Hundsknochen“ oder „alten Schindangersknochen“ mutwillig zerstört. Der Darmstädter Paläontologe Johann Jakob Kaup (1803-1873) berichtete 1844, es sei das Verdienst des Pfarrers Johann Heinrich Pauli (1785-1857) in Eppelsheim gewesen, auf die fossilen Schätze Eppelsheims aufmerksam gemacht zu haben. Der Geistliche, der von 1814 bis 1828 in Eppelsheim wirkte und der selbst Altertümer sammelte, überredete zwei Sandgräber dazu, ihren nächsten Fund dem Direktor des „Großherzoglichen Naturalien-Cabinets“ in Darmstadt, Ernst Schleiermacher (1755-1844), zu bringen. Nämlich den in viele Stücke zerbrochenen Backenzahn eines Rüsseltieres (Mastodonten). Die ersten Sendungen fossiler Säugetiere aus Eppelsheim gelangten erst nach dem Anschluss von Rheinhessen an Hessen ab 1816 in das „Großherzogliche Naturalien-Cabinet“ nach Darmstadt. Dort wuchs die Eppelsheim-Sammlung im Laufe der Zeit enorm an. Dies war das Verdienst von Johann Jakob Kaup, des Inspektors des „Naturalien-Cabinets“. Er ließ sich von Sandgräbern Fossilien aus Eppelsheim schicken und kümmerte sich oft an Ort und Stelle zusammen mit seinem Freund, dem Mineralogen Professor August von Klipstein (1801-1894) von der Universität Gießen, um die Funde. 1844 jubelte Kaup: „Diese Fundstätte übertrifft durch die Reichhaltigkeit ihrer gigantischen, wie ihrer kleinen Formen alle Fundstätten, die bis jetzt auf der ganzen Erdrinde bekannt sind“. Welche Tiere am Ur-Rhein lebten, verraten insgesamt zwölf Lokalitäten mit Dinotheriensanden in Rheinhessen. Am bekanntesten davon ist wohl Eppelsheim, wo Reste vieler Säugetiere entdeckt wurden, darunter Rüsseltiere, Nashörner, Tapire, krallenfüßige Huftiere, Ur-Pferde, kleinwüchsige Hirsche,
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Ernst Probst, 2010, Der Rhein-Elefant, München, GRIN Verlag GmbH
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