Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Gründungsjahre des Röderberg-Verlages 4
2.1 Gründung und Konflikt der VVN nach 1945 4
2.2 Die antifaschistische Wochenzeitung „die tat“ 5
2.3 Erste Publikationen des Röderberg-Verlages 7
3 Der Durchbruch des Verlages 8
3.1 Die „Bibliothek des Widerstandes“ 8
3.2 Beiträge zur Demokratisierung 9
3.3 Weitere Reihen, gewichtige Einzeltitel und Schwerpunkte im Verlag 10
4 Der Verlag in der Krise 12
4.1 Verlagsfusionen 12
4.2 Der große Schwachpunkt der VVN 12
4.3 Das Ende des Röderberg-Verlages 13
5 Schlussbetrachtung 14
6 Literaturverzeichnis 15
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1 Einleitung
„Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“ 1
So formulierten die kommunistischen Widerstandskämpfer ihre Entschlossenheit auf der Trauerkundgebung des Internationalen Lagerkomitees für die Toten von Buchenwald am 19. April 1945.
Der so genannte „Schwur von Buchenwald“ entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem wichtigen Symbol für die ehemaligen politischen Häftlinge unter dem Gewaltregime Adolf Hitlers. Die im März 1947 gegründete „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“, kurz: VVN, begriff den Schwur als Kampfansage für ihre politische Arbeit im Rahmen der Entnazifizierung, Demokratisierung und Vergangenheitsbewältigung Deutschlands. Den Terror, den die Verfolgten am eigenen Leib erfahren hatten, wollten sie getreu dem „Schwur von Buchenwald“ nie wieder Wirklichkeit werden lassen. Auch der „hauseigene“ Röderberg-Verlag der VVN, den die vorliegende Arbeit zum Inhalt hat, stellte den Schwur einigen seiner Publikationen voran. Die politische Richtung des Verlages wird eindeutig: Im Verlagsprogramm finden sich neben Sachbüchern über Faschismus und Widerstand auch antifaschistische Romane sowie Einzeldarstellungen
nationalsozialistischer Konzentrationslager. Man wollte informieren, aufklären, aufarbeiten. Inwieweit diese Ziele erfüllt wurden und woran der Verlag schließlich scheiterte, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.
Aufgrund der geringen Quellenlage zum „Röderberg-Verlag“ soll das Thema aus verschiedenen historischen, oft auch kontroversen Perspektiven erschlossen werden. Denn wie die meisten politischen Richtungsverlage der frühen Bundesrepublik spiegelt auch der Röderberg-Verlag historische Aspekte rund um die Frage nach einer deutschen Identität im Kontext einer traurigen Vergangenheit wider. Viele politische Verlage der frühen Bundesrepublik wirken fast wie Kommentatoren einer konfliktreichen BRD-Geschichte; hier bildet der Röderberg-Verlag keine Ausnahme.
1 aus dem Schwur von Buchenwald am 19. April 1945, aus: Knigge, Volkhard: Buchenwald. In: Hoffmann, Detlef (Hrsg.): Das Gedächtnis der Dinge - KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945 - 1995.
Frankfurt/Main; New York: Campus-Verlag, 1998: S. 95
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2 Die Gründungsjahre des Röderberg-Verlages
Der Röderberg-Verlag, anfangs noch unter dem Namen „VVN-Verlagsgesellschaft“, startete sein Programm am 25. Februar 1950 in Frankfurt am Main mit der „Wochenzeitschrift der VVN für Einheit, Frieden und Demokratie“. Bevor ich jedoch näher auf die schweren Gründungsjahre des Verlages zu sprechen komme, möchte ich zunächst kurz auf die politischen Bedingungen in Deutschland nach 1945 eingehen, unter denen die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ agierte. Da der Röderberg-Verlag in enger materieller und personeller Verknüpfung zur VVN stand, ist dies des Verständnisses wegen nötig.
2.1 Gründung und Konflikt der VVN nach 1945
Als der zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende ging, stand man in Deutschland vor der Frage, wie es nun weitergehen soll. In Dokumenten, Aufrufen und Programmvorschlägen einschlägiger Parteien und Organisationen kam man trotz unterschiedlichster politischer Anschauungen zu Schlussfolgerungen, die auf ein gemeinsames Ziel gerichtet waren.
„Vergleicht man die Dokumente der SPD, KPD, CDU, LDPD und von Gewerkschaftervereinigungen der Jahre 1945/46 […] und nimmt noch erste Landesverfassungen des Jahres 1946 hinzu, so lassen sich, bei allen zweifellos vorhandenen Unterschieden, folgende gewichtige Gemeinsamkeiten feststellen, die wir bezeichnen können als Grundposition eines antifaschistischen Konsenses“. (Doerry, 1980: S. 5)
Nach Thomas Doerry besteht dieser Konsens aus den Positionen der Entmonopolisierung, Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Rechtsstaatlichkeit, Sozialstaatlichkeit, des friedlichen Zusammenlebens der Völker und Staaten und der Einheit aller Antifaschisten (Doerry, 1980: S. 5-8). Das Ziel aller politischen Parteien und Organisationen bestand im Aufbau einer antifaschistischen Demokratie, um einen erneutes Entstehen faschistischer Herrschaft zu verhindern. Auch die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“, die VVN, die sich aus einem Zusammenschluss von Opferverbänden heraus im März 1947 gründete, legte diesen Konsens als Basis für ihre politische Arbeit fest.
Die politische Entwicklung der frühen Bundesrepublik verlief allerdings nicht in den Bahnen des von Doerry skizzierten antifaschistischen Konsenses. Und
„da die VVN als politische Organisation nicht allein die Wiedergutmachungsansprüche ihrer Mitglieder sondern auch die antifaschistischen Positionen konsequent vertrat und als Zusammenschluß von Widerstandskämpfern zudem einen politisch-moralischen Faktor darstellte,
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mußte es mit Beginn des Kalten Krieges und der Reaktivierung des Antikommunismus zwangsläufig zur Konfrontation mit den restaurativen Kräften kommen.“ (Doerry, 1980: S. 13).
Mit restaurativen Kräften spielt Doerry hier auf Adenauer (CDU), Erhard (CDU) und Euler (LPD/FDP) an, die sich für eine Westintegration der BRD im Zuge politisch-ökonomischer Interessen einsetzten. Die Verschärfung des Kalten Krieges bis in die 1950er Jahre hineinman denke an die Berliner Blockade, die Gründung von zwei separaten deutschen Staaten, die erneute Aufrüstung und den Koreakrieg - erschwerte die Arbeit der VVN und sorgte für einen immer enger werdenden Gestaltungsspielraum. Die Politik der VVN, die sich gegen Westorientierung, (Atom-)Bewaffnung und die Spaltung Deutschlands richtete, war der Bundesregierung ein Dorn im Auge. Bereits 1948 verkündete die SPD-Führung um Kurt Schumacher einen „Unvereinbarkeitsbeschluss“ für Sozialdemokraten. Um 1950 kam es zu zahlreichen Beschlüssen und Verbotsmaßnahmen gegen die VVN; außerdem sorgten staatliche Stellen dafür, dass öffentliche Zuwendungen für die VVN gestrichen wurden. Auf der Suche nach externer Unterstützung wandte man sich schließlich an die solidarisch gestimmte DDR; Hilfe kam aus der „Volkskongressbewegung" und der „Nationalen Front“. 2 Letztendlich wurde die VVN durch die innen- und außenpolitische Entwicklung der frühen Bundesrepublik massiv in Mitleidenschaft gezogen. Zahlreiche Mitglieder verließen die als „kommunistische Tarnorganisation“ (Doerry, 1980: S. 14) diffamierte VVN und grenzten sich ab. Trotz allem setzte sich die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ als unbestrittene Interessenvertretung der Verfolgten und Gegner der NS-Diktatur durch (Schneider, 1997: S. 30) und markierte ihre Rolle als Akteur im politischen Spielfeld im Nachkriegsdeutschland:
„Wer heute die Geschichte der VVN nachvollzieht, wer ihre Zielsetzung und Tätigkeit studiert, verschafft sich zugleich Einblick in die widersprüchliche Entwicklung der Nachkriegszeit, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland.“ (Oppenheimer, 1978: S. 7)
2.2 Die antifaschistische Wochenzeitung „die tat“
Im Februar 1950 erschien erstmals die antifaschistische Wochenzeitung „die tat“. Im Bericht des Ratssekretariats der VVN für das erste Halbjahr 1950 heißt es:
„In Zusammenarbeit mit den Landesorganisationen wurde Anfang 1950 ‚Die Tat’ in Frankfurt/Main geschaffen […] Die Redaktion unseres Organs ‚Die Tat’ bemüht sich, ein wirkliches Sprachrohr der Organisation zu werden. Es kann jedoch nicht geleugnet werden, daß das gegenwärtige Gesicht der Zeitung nicht allen Lesern gefällt. Der Zeitung wird
2 vgl. hierzu: Amos, Heike: Die Westpolitik der SED 1948/49 - 1961: „Arbeit nach Westdeutschland“ durch die Nationale Front, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und das Ministerium für Staatssicherheit.
Berlin: Akad.-Verl., 1999
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Arbeit zitieren:
Julia Leser, 2009, Der Röderberg-Verlag: Chronik eines antifaschistischen Verlages, München, GRIN Verlag GmbH
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