Inhaltsverzeichnis
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS III
1. EINLEITUNG 1
2. THEORETISCHER RAHMEN 2
2.1 MAURICE HALBWACHS UND DAS KOLLEKTIVE GEDÄCHTNIS 2
2.2 ALEIDA UND JAN ASSMANN: DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS 4
2.1.1 Das kommunikative und kulturelle Gedächtnis 4
2.1.2 Funktions- und Speichergedächtnis 6
3. MEDIENWANDEL - GEDÄCHTNISWANDEL 7
3.1 VON DER ORALITÄT ÜBER GUTENBERG ZUR TURING-GALAXIS 9
3.2 FOLGEN DER DIGITALISIERUNG FÜR DIE ERINNERUNGSKULTUR 13
4. DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS DER MODERNE 18
4.1.1 DAS INTERNET 19
4.1.2 DAS INTERNET ALS SPEICHERGEDÄCHTNIS 22
4.2.1 SUCHMASCHINEN 25
4.2.2 SUCHMASCHINEN ALS FUNKTIONSGEDÄCHTNIS 27
4.3 ZWISCHENERGEBNIS 29
5. FAZIT 30
6. LITERATURVERZEICHNIS 31
II
Abkürzungsverzeichnis
d. h. das heißt
u. a. unter anderem
v. a. vor allem
vs. versus
z. B. zum Beispiel
III
1. Einleitung
In dem Seminar „Sprache, Erinnerung und Zeiterfahrung“ wurde unter anderem der Begriff des kollektiven Gedächtnisses behandelt. Die Grundlage hierzu bildeten die Theorien von Maurice Halbwachs sowie Aleida und Jan Assmann. In der vorliegenden Hausarbeit soll nun die Frage beantwortet werden, ob das Internet das kulturelle Gedächtnis der Moderne ist. Das Internet spielt eine immer größere gesellschaftliche Bedeutung und vereint immer mehr klassische Medien in sich. Doch kann es auch die Funktionen des Kollektivgedächtnisses übernehmen? Zunächst einmal werden die theoretischen Grundlagen erörtert, die Halbwachs und die Assmanns mit ihren Untersuchungen gelegt haben. Im Anschluss daran wird der Wandel der Medien von der Oralität bis zu den heutigen digitalen Medien thematisiert werden und welche Auswirkungen dieser Medienwandel auf die jeweiligen kulturellen Gedächtnisse hatte.
Im letzten Teil wird die Einteilung des kulturellen Gedächtnisses in Funktions- und Speichergedächtnis, wie sie die Assmanns vorgenommen haben, näher untersucht und auf das Internet angewendet. Hierbei wird dem Internet die Rolle des Speichergedächtnisses zugestanden, während die Suchmaschinen in diesem Zusammenhang als Funktionsgedächtnis betrachtet werden. Hierzu wird es nötig sein, die Begriffe „Internet“ und „Suchmaschine“ kurz zu erläutern, um die eingangs erwähnte Fragestellung beantworten zu können.
1
2. Theoretischer Rahmen
Zunächst einmal gilt es, sich mit den theoretischen Grundlagen zum Thema „kollektives Gedächtnis“ zu beschäftigen. Für die vorliegende Hausarbeit sind v. a. die Arbeiten von Maurice Halbwachs sowie von Aleida und Jan Assmann wesentlich. Sie bilden die Basis für die Ausführungen über das kulturelle Gedächtnis der Moderne, welches Thema des vierten Kapitels sein wird.
2.1 Maurice Halbwachs und das kollektive Gedächtnis
Maurice Halbwachs hat den Begriff des kollektiven Gedächtnisses geprägt. Seine Arbeiten sind zum einen durch die Ausführungen von Henri Bergson zum Gedächtnis und zum anderen von Arbeiten Emile Durkheims zum Kollektivbewußstein beeinflusst worden.
Die zentrale Aussage von Halbwachs ist, dass das Gedächtnis sozial bedingt ist und diese Annahme setzt ihn starker Kritik aus, v. a. von Anhängern Freuds, die von einem rein individuell konstituierten Gedächtnis ausgehen. 1 Halbwachs geht also davon aus, das die Erinnerungen nur mit Blick auf andere und dank der Erinnerungen anderer entstehen, d. h. die Erinnerungen des Einzelnen entstehen durch Kommunikation und Interaktion mit anderen Mitgliedern der sozialen Gruppe, der der Einzelne angehört. Diese Einbettung des Gedächtnisses in soziale Bezugsrahmen (cadres sociaux) ist also Grundvoraussetzung dafür, sich überhaupt zu erinnern. Dieser soziale Bezugsrahmen beinhaltet zunächst einmal die Menschen, die einen umgeben. Doch darüber hinaus besitzen die Bezugsrahmen auch eine materielle und mentale Dimension, die den Horizont für Wahrnehmungen und letztendlich auch Erinnerungen bilden. Daraus folgt, dass ein in völliger Isolation aufgewachsener und lebender Mensch kein Gedächtnis hätte. Halbwachs fasst es wie folgt zusammen: „[...] es gibt kein mögliches Gedächtnis außerhalb derjenigen Bezugsrahmen, deren sich die in der Gesellschaft lebenden Menschen bedienen, um ihre Erinnerungen zu fixieren und wiederzufinden“ 2
1 vgl. Erll, Astrid (2005), S. 14.
2 Halbwachs, Maurice (1985), S. 121.
2
Da die cadres sociaux sich auch im Laufe der Zeit verändern können, unterliegt auch das kollektive Gedächtnis einem Wandel. Die Erinnerungen werden in den gerade aktuellen Bezugsrahmen eingehängt und somit wird immer nur das erinnert, was sich in einer bestimmten Epoche mit den vorhandenen Bezugsrahmen wiederherstellen lässt. 3 Das kollektive Gedächtnis ist also vom Bestand der sozialen Gruppe und deren Zusammensetzung abhängig. Fehlen die Bezugsrahmen ganz, so verschwinden auch die mit ihnen verbundenen Erinnerungen, so dass man auch von einem „sozialen Vergessen“ sprechen kann.
Halbwachs trennt kollektives und individuelles Gedächtnis. Demnach gibt es kein greifbares Kollektivgedächtnis, anhand dessen man die einzelnen
Individualgedächtnisse rekonstruieren könnte. Umgekehrt bieten die individuellen Gedächtnisse einen Ausblick auf das Kollektivgedächtnis. Wirklich als individuell werden nur die Empfindungen gesehen, die eng mit jedem Menschen verbunden sind. 4
Ein weiterer wichtiger Aspekt in den Ausführungen von Halbwachs ist der Gegensatz von Gedächtnis und Historie. Geschichte ist unparteiisch und bewertet alle vergangenen Ereignisse gleich. Darüber hinaus beschäftigt sich Geschichte mit Differenzen und Veränderungen. Das Gedächtnis ist demgegenüber partikular und vergangene Ereignisse werden gewertet und nach ihrer Wichtigkeit für die Gruppe hierarchisiert. Für Halbwachs handelt es sich hier um eine Abfolge: An dem Punkt, wo die Vergangenheit nicht mehr mit Hilfe des Gedächtnisses erinnert wird, beginnt die Geschichte. 5 Die Arbeiten von Halbwachs zum kollektiven Gedächtnis bilden die Grundlage der Ausführungen von Aleida und Jan Assmann, wobei das kollektive Gedächtnis von Halbwachs als Oberbegriff für das kommunikative und kulturelle Gedächtnis der Assmanns dient.
3 vgl. Halbwachs, Maurice (1985), S. 390.
4 vgl. Assmann, Jan (1992), S. 37.
5 vgl. ebd., S. 42f..
3
2.2 Aleida und Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis
Ausgehend von den oben aufgeführten Überlegungen von Halbwachs etablierte das Ehepaar Aleida und Jan Assmann Ende der 80er Jahre den Begriff des „kulturellen Gedächtnisses“. Die Arbeiten der Assmanns zählen auch heute noch zu den am meisten diskutierten im Bereich der Erinnerungkulturen. 6 Das Gedächtnis, zu dem auch das kollektive Gedächtnis gehört, umfasst sowohl das Erinnern als auch das Vergessen. 7 Jede Form von Gemeinschaft oder sozialer Gruppe bildet ein eigenes kollektives Gedächtnis heraus und somit auch eine eigene Form der Erinnerungskultur. Für die Erinnerungskultur ist die Frage entscheidend, welche Erinnerungen zu bewahren sind und welche dem Vergessen preisgegeben werden können. 8 Aleida und Jan Assmann führen nun unter dem Oberbegriff „kollektives Gedächtnis“ zwei Gedächtnis-Rahmen ein: Zum einen das kommunikative und zum anderen das kulturelle Gedächtnis.
2.1.1 Das kommunikative und kulturelle Gedächtnis
Das kommunikative Gedächtnis umfasst die jüngere Vergangenheit und erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. 80 - 100 Jahren. Diese Erinnerungen hat der Einzelne mit seinen Zeitgenossen gemein, sie entstehen durch Alltagskommunikation und werden von Mensch zu Mensch als Teil der einzelnen Biografien weitergegeben. Jeder kann in gleicher Weise an dem kommunikativen Gedächtnis teilhaben. Versterben die letzten so genannten Träger eines kommunikativen Gedächtnisses, wird damit Platz geschaffen für ein neues Gedächtnis. Der Zeitraum hierfür liegt bei den oben genannten 80 - 100 Jahren und deckt in etwa den Bereich ab, den auch die so genannte „Oral History“ untersucht. 9 Durch die Vielzahl an Teilnehmern handelt es sich beim kollektiven Gedächtnis nicht um eine objektive Erinnerung. Stattdessen sind die Erinnerungen einem Wandel unterworfen, da jeder Teilnehmer am kommunikativen Gedächtnis seine subjektiven Erinnerungen einbringt, die voneinander abweichen können.
6 vgl. Erll, Astrid (2005), S. 27.
7 vgl. Assmann, Aleida (2004), S. 47.
8 vgl. Assmann, Jan (1992), S. 30.
9 vgl. Assmann, Jan (1992), S. 50f..
4
Arbeit zitieren:
Stephen Reygate, 2007, Das Internet als kulturelles Gedächtnis der Moderne? , München, GRIN Verlag GmbH
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