entscheiden bei der Entstehung von Unterrichtsstörungen, können verantwortlich sein. 6 1. „Anlage und Entwicklung“
Die anlagebedingten Störfaktoren sind „niedrige Intelligenz, geringe Kontaktfähigkeit, starke Impulsivität, motorische Hyperaktivität, Begabungsmangel, Konstitution von Lehrer und Schüler und Erbfaktoren.“ 7 Anlage- und entwicklungsbedingte Störfaktoren sind zwar informativ und gegeben ein Hintergrundwissen, da der Schüler besser verstanden werden kann in seinem Verhalten, jedoch kann keine gezielte Behebung der Ursachen erfolgen. Der Lehrer 8 kann demzufolge nur versuchen die Symptome der Störung zu mildern. 9 2. Die Umwelt
Die Umwelt, insbesondere die Familie als soziokultureller Aspekt, bietet weitere Faktoren, die zu Lasten des Kindes als Störfaktoren anzusehen sind. „Die zunehmende Zahl alleinerziehender Eltern, eheliche Disharmonien, Verwahrlosung, die Art und Weise der Bindungen in der Familie sowie lange oder häufige kurze Trennungen der Kinder von den Eltern.“ 10 Auch dieses Hintergrundwissen über einen Schüler 11 ist für den Lehrer von Vorteil, jedoch muss er in einer Störsituation damit äußert taktvoll und sensibel umgehen, damit das Lehrer- Schüler- Verhältnis nicht unnötig belastet wird. Unangemessene Kommentare über das Störverhalten des Schülers in Verbindung zu der derzeitigen Familiensituation, sollte der Lehrer unbedingt vermeiden, um keine falschen Diagnosen und Schlüsse zu ziehen. Die Umwelteinflüsse müssen als gegebene Bedingungen akzeptiert werden und dürfen nicht pädagogisch missbraucht werden. 12 3. Die soziale Umgebung
Mit der sozialen Umgebung ist die „Mitwelt“ gemeint, die die Einflüsse im mitmenschlichem Bereich umfasst. Zurückzuführen ist die „Mitwelt“ auf die Mitwirkungen von Menschen, wie z.B. „dem Erziehungsstil der Eltern, Fehlerziehung, Verhaltensstörungen der Eltern und Einstellungen alter sowie junger Menschen zu Schule und Gesellschaft. Sie können dazu führen, daß die Schule als feindliche Macht aufgefaßt wird.“ 13 Eine weitere soziale Ursache als Störfaktor ist der Verlust des Erziehungswillens- und der Sicherheit seitens der Eltern und der Lehrkraft, wodurch Erziehungsfehler und eine gewisse pädagogische Gleichgültigkeit entsteht. Dieser Störfaktor wird lediglich von Mitmenschen verursacht und kann vom Lehrer erfolgreich beeinflusst werden, z.B. durch das Beobachten des Erziehungsstils der Eltern und das Hinterfragen seines eigenen Erziehungsstils. Daraufhin kann der Lehrer das Gespräch mit den Eltern oder mit dem Kollegium suchen. 14 4. Die „Schule und die Lehrer“
Leider steuert die Schule einen wesentlichen Anteil zur Verursachung der Störungen bei, durch die eigene Struktur, die Eigentümlichkeit, die Anonymität großer Schulen und durch „das Fehlen des pädagogischen
6 Vgl. Karlheinz Biller S. 30.
7 Karlheinz Biller S. 30.
8 Fortlaufend verwendet für Lehrerinnen und Lehrer.
9 Vgl. Karlheinz Biller S. 30.
10 Karlheinz Biller S. 30-31.
11 Fortlaufend verwendet für Schülerinnen und Schüler.
12 Vgl. Karlheinz Biller S. 31.
13 Karlheinz Biller S. 31.
14 Vgl. Karlheinz Biller S. 31-32.
2
Bezuges und einer selbstverständlichen Arbeits- und Umgangsordnung.“ 15
Die äußeren Gegebenheiten in einigen Schulen, wie z.B. defekte Möbel, mangelhaftes Material und ein alter,
renovierungsbedürftiger Klassenraum, Baulärm, Straßenlärm, ein außerplanmäßiger Raumwechsel und der Lärm der musizierenden Nachbarklasse, erschweren die Unterrichtssituation und bieten Möglichkeiten des Frustes und der Ablenkung auf Seiten der Lehrer und Schüler. 16
Störfaktoren innerer Gegebenheiten sind das geringe Problembewusstsein gegenüber Unterrichtsstörungen
und Erziehungsproblemen und die fehlenden Richtlinien für den zwischenmenschlichen Bereich sowie das langfristige Warten auf eine Wirkung erzieherischer Maßnahmen. Erfolg oder Misserfolg von Erziehungsbemühungen lassen sich erst nach langer Zeit feststellen und sind vage sowie unkalkulierbar und keiner Lernzielkontrolle unterziehen. Eine weitere Behinderung ist die wachsende Hektik an den Schulen, da der Unterrichtsstoff geschafft werden muss sowie diverse Schulaktivitäten (Ausflüge, Sportfest, Theaterstück) und Prüfungen (VERA, Radfahrprüfung etc.). Dadurch können bei Lehrkräften unpädagogische Verhaltensweisen wie Ungeduld, Humorlosigkeit, Frustration, Stress und Oberflächlichkeit entstehen, die auf lange Sicht im Berufsleben schließlich krank machen können. 17 Weitere unvorteilhafte sowie unprofessionelle Verhaltensweisen der Lehrkraft, die zum Teil aus Stress, mangelnder Selbstdisziplin und Gleichgültigkeit resultieren, können zu Störungen des Unterrichts führen, wie z.B. ein nicht abwechslungsreicher Lehrstil, ungerechte und unterschiedliche Behandlungen der Schüler, ironische und sarkastische Bemerkungen, Vorurteile, Unsicherheit, zu leise oder zu laute Stimme, unvorbereitet sein, unklare Arbeitsanweisungen, Ungeduld und eine unsichere Art. 18 5. Eigenschaften und Verhaltensweisen der Schüler
Da der Schüler meistens die Störung des Unterrichts begeht, gibt es demzufolge auch Eigenschaften und Verhaltensweisen, die für die Unterbrechung des Lehre- und Lernprozesses verantwortlich sind, wie z.B. „ Zwischenrufe, nicht unterrichtsrelevante Gespräche zwischen Schülern, Körpergeräusche, Geräusche mit Gegenständen, verbale Konflikte während der Stunde zwischen Schülern oder auch Schülern und Lehrkräften, Drohungen, durch die Klasse gehen, etwas durch die Klasse werfen, Handy benutzen, etwas heimlich spielen, ärgern, handgreiflich werden gegenüber Mitschülern oder Lehrkräften, Arbeitsverweigerung, ungefragt rausgehen, Witze machen, Grimassen und Gesten, Obszönitäten, Briefchen schreiben, etwas laut vorsagen, Beleidigungen, mit dem Stuhl kippeln, Desinteresse zeigen, zu spät kommen, Provokation, störend essen/trinken im Unterricht, Auslachen von Mitschülern/Lehrkräften.“ 19 Wie die Lehrkraft damit umgehen kann und dem vor allem präventiv entgegenwirken kann, wird in Punkt 4 und 5 dargestellt.
15 Vgl. Karlheinz Biller S. 32.
16 Vgl. Karlheinz Biller S. 33-34 und http://www.unterrichtsstoerungen.de/html/formen.html 5.8.09
17 Vgl. Karlheinz Biller S. 33-34.
18 http://www.unterrichtsstoerungen.de/html/formen.html 5.8.09
19 http://www.unterrichtsstoerungen.de/html/formen.html 5.8.09
3
Graduelle Unterschiede bei Unterrichtsstörungen
a) Bagatellstörungen
Bagatellstörungen sind z.B. das Vergessen von Hausaufgaben, mangelnde Aufmerksamkeit, gegenseitiges Necken, kleine Albernheiten und Frechheiten, kurzes Reden und Tuscheln mit dem Mitschüler. „Hinter vielen dieser Bagatellstörungen stehen oft ganz natürliche Reaktionen junger Menschen“, die spontan und ohne einen bösen, beleidigenden Hintergedanken geschehen, weswegen der Lehrer auch nicht beleidigt reagieren sollte. Mit seiner Mimik und Gestik kann er signalisieren, dass die Störung bemerkt wurde und diese dadurch schnell unterbinden, ohne dass große Belehrungen und Ermahnungen stattfinden müssen. Die Möglichkeiten der spontanen Reaktion der Lehrkraft, indem er z.B. dem Klassenclown besondere Aufgaben zuweist und den „Schwätzer“ oft in das Unterrichtsgespräch miteinbezieht, sind unkomplizierte und erleichternde Maßnahmen für das Unterrichtsgeschehen. Sie benötigen allerdings Unterrichtserfahrung, Spontanität, Selbstdisziplin, Menschenkenntnis und einen guten pädagogischen Überblick über die Klassengemeinschaft. 20
b) Indirekte und direkte ernsthafte Störungen des Unterrichts
Indirekte Störungen sind ernsthafte Störungen und verschlechtern das Klima in der Schule. Zu den indirekten Störungen gehören z.B gestörte Beziehungen zum Schulpersonal wie dem Hausmeister oder den Reinigungskräften. „Racheakte“ wie das Verstopfen der Toiletten oder das Beschädigen von Einrichtungsgegenständen, verdeutlichen das problematische Verhältnis, bei dem der Hausmeister autoritär und gänzlich unpädagogisch mit den Schülern umgeht, weshalb sich ein solches Verhalten äußern kann. Weitere indirekte Störungen sind Verstöße gegen die Schulordnung sowie im außerschulischen Bereich, Überfälle und Belästigungen von schwächeren Schülern und dem Imponieren durch den Konsum von Nikotin, Alkohol oder Drogen. 21
Direkte Unterrichtsstörungen sind belastend für das Lehrer- Schüler- Verhältnis und äußern sich durch Verstöße gegen Regeln, Faulheit, direkte und offene Ablehnung des Lehrers, lügen, Anweisungen nicht befolgen sowie Gehässigkeiten und stehlen unter den Schülern.
Direkte oder indirekte Störungen sind vielseitig und ernst zu nehmen, jedoch fällt es schwer einen einzigen Störfaktor direkt auszumachen, da sie sich mit der Zeit leicht überlagern können. Als Lehrkraft sollte man die Behebung durchdenken und begründen können, was mit Hilfe des Kollegiums am effektivsten ist. 22 c) Unbehebbare Störungen
Leider gibt es Störungen, die sich nicht beheben lassen und die Lehrkraft professionelle Hilfe hinzuziehen muss, z.B durch Schulpsychologen, Therapeuten, Beratungslehrer, Sonderpädagogen oder Sozialarbeiter. Die Ursachen liegen häufig in der Anlage und der Mit- und Umwelt der Kinder und übersteigen die Möglichkeiten eines Lehrers. Professionelle Hilfe und Zusammenarbeit von außen ist für das Lehrer-Schüler- Verhältnis als auch für das Elternhaus nur von Vorteil und sollte nicht zum Tabu-Thema werden.
20 Vgl. Karlheinz Biller S. 34-35.
21 Vgl. Karlheinz Biller S. 35-36.
22 Vgl. Karlheinz Biller S. 36.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts/ Master of Education Ute Heijenga, 2009, Unterrichtsstörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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