Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Verbreitung des Jakobinismus in Deutschland. 3
3. Die Organisationsformen der deutschen Jakobiner. 5
3.1 Die Lesegesellschaften. 5
3.2 Die Jakobinerclubs 6
3.3 Die Konstitutionellen Zirkel. 9
4. Der Vergleich mit Frankreich 9
5. Schluss. 11
6. Quellen - und Literaturverzeichnis 12
1
1. Einleitung
Eines der bedeutungsvollsten Ereignisse des 18. Jahrhunderts war die Französische Revolution. Begründet lag diese Bedeutung in deren Auswirkungen über Frankreichs Grenzen hinweg, denn europaweit nahmen sich die mittleren und unteren Schichten die Franzosen zum Vorbild um für die Freiheit zu kämpfen und die zentralistische Herrschaft zu besiegen. Bauern, Handwerker, Beamte und Ärzte forderten nun von den vorher bestimmendem Adel und Klerus mehr Rechte und Freiheiten, sodass neue Gesellschaftsformen in ganz Europa entstehen konnten. Beschäftigt man sich mit der Revolution und ihren Ausläufern, stößt man immer wieder auf den Begriff der Jakobiner. Er bezeichnet die Mitglieder des französischen Clubs, die sich zu den drei populären Idealen der Revolution bekannten und eine republikanische Staatsform anstrebten. Diese politische Strömung kam auch auf deutschen Boden und blieb ebenso hier nicht bedeutungslos. In der Geschichtswissenschaft war das Werden und Wirken der deutschen Jakobiner in den 1790er Jahren ein kaum beachtetes Thema. Erst in den 1950er Jahren wurde es in der DDR und einige Zeit später auch in der BRD aufgegriffen. 1 Bis heute sind die Pioniere der deutschen Jakobinerforschung Heinrich Scheel und Walter Grab, deren Veröffentlichungen auch in dieser Hausarbeit beachtet werden, da man bei der Analyse des Phänomens der Deutschen Jakobiner an diesen Forschern nicht vorbei kommt. Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit wird deshalb die Entwicklung, sowie das Wirken der Jakobiner in Deutschland. Zusätzlich soll beschrieben werden, worin der Unterschied zwischen deutschen und französischen Jakobinern bestand. Dabei soll insbesondere geklärt werden, warum die deutschen Jakobiner erfolglos blieben und ihre Ziele nie verwirklichen konnten. Des Weiteren muss der Arbeit voran gestellt werden, dass jene sich als Überblicksdarstellung versteht und die großen Linien der in der Literatur auftretenden Parallelen vorzustellen versucht. Es soll also eine erste Heranführung an die wichtigsten historischen Fakten in diesem Zusammenhang dargestellt werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gliedert sich diese Arbeit in folgende 3 Kapitel. Das erste Kapitel erklärt, wie es zur Verbreitung des Jakobinismus in Deutschland kam und welche Auswirkungen dies zur Folge hatte. Anschließend werden die Organisationsformen der Jakobiner untersucht. Zum Abschluss soll ein Vergleich von deutschen und französischen Jakobinern zeigen, welche Gründe nun endgültig zum Scheitern der deutschen Jakobiner führten.
1 Lamprecht, Oliver: Das Streben nach Demokratie. Volkssouveränität und Menschenrechten in
Deutschland am Ende des 18.Jahrhunderts zum Staats- und Verfassungsverständnis der deutschen
Jakobiner. Berlin 2001. S. 45 f.
2
2. Die Verbreitung des Jakobinismus in Deutschland
„In Frankreich agierten seit Anfang der Revolution Klubs, wenn auch unter verschiedenen Namen, öffentlich für die revolutionären Ideale und versuchten, die Revolution voranzutreiben.“ 2 Durch das Vordringen der französischen Revolutionsarmee im ersten Koalitionskrieg (1792-1797) kamen die ersten revolutionären Ideen ins deutsche Gebiet. Im Wesentlichen gab es in Deutschland drei Gruppierungen. Zum einen gab es die Konservativen, welche Gegner der Revolution waren, zum anderen stellten die Liberalen die Personen dar, die die Revolution unterstützten, jedoch Gegner der Radikalisierung durch die Jakobiner darstellten. Die letzte Gruppe, welche aus unbeirrbaren Anhängern der Revolution bestand, die auch die Radikalisierung von 1792 verteidigten, ist bekannt als Jakobiner. Hier ist zu betonen, dass nicht jeder Oppositionelle zu den deutschen Jakobinern zählt, sondern nur die radikalen „revolutionären Demokraten“, also die Anhänger des souveränen Volkes. 3 In der Wissenschaft werden die deutschen Jakobiner in drei Bewegungen innerhalb des deutschsprachigen Raumes unterschieden, die teilweise einzeln, jedoch in vielen Fällen auch vereint auftraten. Als erstes wird die Gruppe der bürgerlichen, kosmopolitischen Aufklärer und Publizisten, die die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen der mittleren und unteren Schicht vertraten, genannt. Sie wollten die demokratischen Errungenschaften auf Deutschland übertragen und räumten der politischen vor der sittlichen Emanzipation den Vorrang ein. Des Weiteren werden die spontanen Protestbewegungen von städtischen Unterschichten und Bauern dem Jakobinismus zugerechnet. Diese Unruhen und Aufstandsversuche traten vor allem in Sachsen, Schlesien und später auch im Süden auf. Ihr Ziel war die Beseitigung der aristokratischen Privilegien und die Veränderung der Lebensbedingungen der unteren Schichten. Den letzten Teil der Bewegung stellen die konstitutionellen Clubs und Volksgesellschaften der Kaufleute und Handwerker dar, die während der Herrschaft des Direktoriums im besetzten Rheinland entstanden. Sie sahen es nicht als ihr Ziel die Bevölkerung zu revolutionären Aktionen zu bewegen, sondern sie wollten die Massen für ihre Ideen der Revolution begeistern und aufklären. So übten sie Kritik an der Ausbeutung durch die französischen Okkupanten und nutzen die Massenpetitionen an die französischen Verwaltungsbehörden als ihr wichtigstes Kampfmittel. Diese soziale Bewegung ist als Neojakobinismus zu bezeichnen. 4
2 Wilharn, Heiner (Hrsg.): Sozialgeschichte von unten- der „normale Jakobinismus“- Zur Deutung des
Jakobinismus bei Axel Kuhn. In: Politik und Geschichte. Jakobinismusforschung in Deutschland. In:
Europäische Hochschulschriften: Reihe 3; Geschichte und ihre Hilfswissenschaften; Band 212.
Frankfurt/Main u.a. 1984. S. 128
3 Vgl. Hassis, Hellmut G.: Gebt der Freiheit Flügel. Die Zeit der deutschen Jakobiner 1789-1805
Reinbek bei Hamburg 1988. S. 11.
4 Vgl. Grab, Walter: Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern. Zur Geschichte der deutschen
Jakobiner. Frankfurt/Main 1984. S. 35
3
Nach dem Revolutionsausbruch in Frankreich bildeten sich Jakobinerclubs in den Nachbarländern oftmals aus „Vorläuferorganisationen“, wie zum Beispiel Freimaurerbünden, Lesegesellschaften oder Illuminaten. Die Mitglieder kamen überwiegend aus der Bildungsschicht, nur wenige entstammten dem wohlhabenden Patriziat. Besondern in Hamburg und Altona, im Süden Deutschlands und im linksrheinischen Gebiet kam es zur Entstehung der Klubs, denn dort herrschten günstigere Rahmenbedingungen. Der materielle Wohlstand innerhalb des Bürgertums war weiter entwickelt und damit die aufgeklärten Schichten offen für revolutionäre Ideen. 5 Hier liegt offenbar ein Grund für das Scheitern, da im Vordergrund das Bürgertum stand und nicht die „kleinen einfachen“ Leute, die die Masse der Bevölkerung ausgemacht hätten. Unter den deutschen Jakobinern fanden sich viele Ärzte, Erzieher, Lehrer, Geistliche, Kaufleute und Schauspieler. 6 Sie konnten sich artikulieren, waren in Rhetorik bewandert und konnten mit ihren Reden aufgrund ihres Ansehens durch ihre gesellschaftliche Stellung die Massen begeistern. 7 Sie wussten, dass sie ihre Karrieren innerhalb der Ständegesellschaft nicht hätten verwirklichen können und wurden deshalb zu Revolutionären. 8 Unterstützt wurden die Jakobinerclubs durch die Expansionspolitik der Franzosen. Die deutschen „Revolutionäre“ postulierten ihren französischen Vorbildern folgend „die politische Gleichheit und Freiheit der aller Bürger, unabhängig von deren Herkunft, Besitz und sozialer Stellung, in einem republikanischen Staatswesen und riefen das Volk zum Umsturz der bestehenden Sozialordnung auf.“ 9
Das Entstehen und Wirken der deutschen Jakobiner war abhängig von der jeweiligen Obrigkeit. Weil regsamer politischer Meinungsaustausch von den Obrigkeiten kritisch beobachtet wurde, mussten sie Repressalien fürchten. Aus Furcht vor der Obrigkeit weigerten sich Verleger demokratische Schriften herauszugeben, deshalb waren Jakobiner genötigt, ihre Schriften illegal zu vertreiben. Ihre Schriften erschienen deshalb anonym und mit falschem Druckort. 10 Somit hatten die Jakobiner nur wenige Möglichkeiten sich mitzuteilen und ihre Gedanken zu verbreiten.
5 Vgl. Lamprecht, Oliver: Das Streben nach Demokratie. S. 48-50
6 Vgl. Grab, Walter: Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern. S. 50
7 Vgl. Scheel, Heinrich: Süddeutsche Jakobiner. Klassenkämpfe und republikanische Bestrebungen im
deutschen Süden Ende des 18. Jahrhunderts. Berlin 1965. S. 24
8 Vgl. Grab, Walter: Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern. S. 36
9 Grab, Walter: Deutsche revolutionäre Demokraten, In: Helmut Reinhalter (Hrsg.):
Jakobiner in Mitteleuropa. Innsbruck 1977. S. 47-76, hier 47.
10 Vgl. Grab, Walter: Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern. S. 58f.
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Arbeit zitieren:
Marie-Therese Härtelt, 2009, Jakobinismus in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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