1 Einleitung:
Im höheren Bildungswesen der USA „The Higher Education“ sind eine Vielzahl von unterschiedlichen Institutionen vorhanden, deren Bezeichnungen und Funktionen nicht immer einheitlich sind. 1 Manche Universitäten tragen so den Namen „College“, wie dies zum Beispiel bei der amerikanischen Eliteuniversität Dartmouth College der Fall ist, obwohl es kein College in dem eigentlichen Sinne ist. Auch bezeichnen sich einige High Schools als Colleges. Diese freien Bezeichnungen haben ihren Ursprung in der unabhängigen frühen Entwicklung des amerikanischen Bildungssystems, welches größtenteils keine staatliche oder bundestaatliche Aufsicht unterlegen war und auch heute noch viele Freiheiten genießt. Die Bundestaaten, Countys oder Communities haben unabhängig entschieden, wie sie ihr Bildungssystem gestalten und haben daher auch über die Bezeichnungen in der Regel frei entschieden. Dadurch herrscht auch bei den Autoren eine gewisse Verwirrung und Unstimmigkeit über die einzelnen Bezeichnungen; „Confusion of terms of higher education is neither new or unique“ 2 Die Bezeichnungen der Abschlüsse, sind da schon einheitlicher und wurden jüngst mit den Abschlüssen „Bachelor“ und „Master“ und Teile deren Aufbaus des Curriculums in der europäischen Hochschule eingeführt, um die internationale Vergleichbarkeit von akademischen Abschlüssen zu verbessern.
Das amerikanische Hochschulsystem ist international renommiert, mitunter durch seine bekannten „Ivy League“ Universitäten, zahlreichen Nobelpreisträgern und Fortschritten in den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen. Eine wichtige Funktion im amerikanischen Hochschulsystem nimmt das Community College ein. Dies ist weniger bekannt durch seine wissenschaftlichen Errungenschaften, als wie durch seine zentrale und kommerzielle Funktion im Bildungssystem. Das Community College ist in den USA weit verbreitet und in jedem Bundestaat vertreten. Der dort zu erwerbbare „Associate Degree“, den man nach zwei Jahren erhält, gilt in den USA als akademischer Abschluss, wird international meist aber meist nicht anerkannt. In Deutschland entspricht er in etwa der allgemeinen Hochschulreife. Der Begriff Community College ist eng mit dem Begriff Junior College verbunden. Letzteres wurde insbesondere vor 1945 genutzt und ist der Vorgänger des Community Colleges, welcher erst nach dem Krieg aus dem Junior College hervor ging.
1 Baker, George A.: A handbook on the community college in America. Its history, mission, and
management. Westport, Connecticut 1994, S.61
2 Vgl. Fields, Ralph R.: The Community College Movement. New York 1962, S.55
2
2 Hauptteil
2.1 Die Entwicklung des Colleges vor 1945
2.1.1 Die frühe Entwicklung des Colleges
Das Community College, welches nach 1945 prägend im amerikanischen Hochschulsystem in Erscheinung trat, differenzierte sich stark von seinem Vorgänger, dem damaligen Junior College oder College. Um ein besseres Verständnis und eine bessere Nachvollziehbarkeit für die Entwicklung des Community College zu erhalten, werden vorab die Entwicklungen des Junior Colleges von 1850-1945 näher erläutert.
Die Entstehung des Community Colleges ist durch zahlreiche Veränderungen geprägt, die ihren Ursprung in demographischer, politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht haben. Die Bezeichnung College kommt aus dem lateinischen „collegium academiae“ und bedeutet Studiengemeinschaft Die ersten Colleges wurden um1850-1900 errichtet und waren nicht sehr verbreitet.
Die gängige Bezeichnung für Institutionen an denen man einen Bachelor- und Masterabschluss erreichen konnte, war Universität oder College. Die gängige Bezeichnung für Institutionen, an denen man nur den Bachelor Abschluss erreichen konnte, war College. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Undergraduate- und Graduate Programme verwendet. Undergraduate Programme sind die Studiengänge, die am College angeboten werden, man kann nach 2 Jahren den Associate Degree erhalten und den Bachelor Abschluss nach 4 Jahren. An der Universität werden normalerweise Undergraduate- und Graduate Programme angeboten. Dies beinhaltet den Bachelor- sowie Masterabschluss und Doktorandenprogramme. An dem College wurde meistens Liberal Arts, die sieben freien Künste, und General Studies unterrichtet. 3 In General Studies werden allgemein bildende Themen, wie Literatur, Mathe oder Sprache unterrichtet. Die theoretische Vermittlung in einem Fachbereich wurde hier durchgeführt. Forschung war keine bedeutende Funktion des Colleges.
Der Morril Act von legte 1865 fest, dass jeder Staat eine Universität haben sollte. 4 Eine Hochschule zu besuchen war meist nur der Oberschicht möglich. 5 Dabei war nicht einmal
3 Vgl. Baker, George A.: A Handbook on the Community College in America. Its History, Mission, and
Management. Westport, Connecticut 1994, S.30/31
4 Vgl. Cohen, Arthur M.; Brawer, Florence B.: The American Community College. Los Angeles 1982, S.2
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das erworbene Wissen zwangsweise die primäre Funktion des College- oder Universitätsbesuches. Es war einerseits ein symbolischer Akt, der zeigte, dass man der reichen Gesellschaft angehört. Anderseits diente der Besuch zur Reifung, Entwicklung und Entfaltung des eigenen Charakters. Zu der Zeit bestand noch eine größere rassistische Haltung in den USA als heute. Minderheiten und Frauen war es nicht gestattet, das College gemeinsam mit Männern zu besuchen oder war es zumindest nicht üblich. Jedoch gab es Einrichtungen des höheren Bildungswesens, die auch Frauen unterrichteten. Meist waren dies Black Colleges oder religiöse Colleges. Es handelte sich um reine Frauen Colleges.
In den USA war es im 19.Jahrhundert nicht gebräuchlich, dass der Staat Einfluss auf die Higher Education und auch Secondary Education ausübt. Diese Aufgabe blieb den Gemeinden, Ortschaften und Städten überlassen beziehungsweise Privatpersonen, die Bildungsinstitutionen gründeten. 1901 wurde das Joliet Junior College gegründet, das vermutlich erste öffentliche College. 6 Colleges waren daher immer relativ selbstständig und mussten sich größtenteils nicht an Vorschriften bezüglich des zu vermittelnden Inhalts halten. Im ganzen Land gab es unterschiedliche Curriculums. 1 Positiv ist die dadurch schnell mögliche Anpassung an die Bedürfnisse der Bürger. Anderseits ist es für den außen Stehenden schwer zu beurteilen, welches Niveau ein Collegeprogramm hat und welches Niveau dem College gebührt.
Vor 1920 war es nicht selbstverständlich, einen High School Abschluss zu erhalten beziehungsweise nach der Primary School, der Grundschule, überhaupt die High School zu besuchen, unter anderem weil keine Schulpflicht bestand und die High School noch keine besondere Bedeutung in der Gesellschaft hatte. 7 Die Bildung des Einzelnen war somit deutlich stärker Klassenabhängig und damit auch von der Finanzkraft. Ärmere konnten sich die teuren College-Gebühren nicht finanzieren, da während des Collegebesuches sich eine zusätzliche Erwerbstätigkeit als schwer gestaltete. Part-Time Studiengänge machten dies später jedoch möglich. Um 1900 gab es diesbezüglich auch noch keine staatliche finanzielle Unterstützung für finanziell Schwächere.
Insgesamt besuchten von ca. 1850-1930 nicht sehr viele das College und viele Colleges, besonders in wirtschaftsschwachen Phasen, hatten Probleme zu bestehen. Sie waren von
5 Vgl. Baker, George A.: A Handbook on the Community College in America. Its History, Mission, and
Management. Westport, Connecticut 1994, S.220
6 Vgl. Baker, George A.: A Handbook on the Community College in America. Its History, Mission, and
Management. Westport, Connecticut 1994, S.219
7 Vgl. Baker, George A.: A Handbook on the Community College in America. Its History, Mission, and
Management. Westport, Connecticut 1994, S.9
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den Beiträgen der Studenten abhängig und häufig auch von Unternehmen, Kirchen und oder bürgerlichen Institutionen. 8 Das Curriculum wurde durch diese zum Beispiel in religiöser Hinsicht gegebenenfalls auch beeinflusst. Wirtschaftskrisen führen dazu, dass Unternehmen bestrebt sind Kosten einzusparen. Dies konnte durch das Auslassen der Finanzierung des Colleges durchgeführt werden. Privatpersonen waren genauso betroffen. Um Kosten einzusparen trafen sie die Entscheidung womöglich nicht das College zu besuchen, vielleicht um gleich Geld zu verdienen, was ein weiterer Verlust von Einnahmequellen für das College bedeutete. Daher gab es zu dieser Zeit relativ viele Colleges, die ihre Tätigkeiten in wirtschaftlichen Krisenzeiten einschränkten oder gar ganz aufgeben mussten. Zudem waren viele nicht bereit nach der High School 4 weitere Jahre in das Studium zu investieren. In dieser Zeit verdienten sie kein Geld und welchen Nutzen der Abschluss letztlich erbrachte, war nicht immer gewiss. Die Meisten Jedoch nahmen hohe Positionen in privaten und öffentlichen Institutionen an.
2.1.2 Entstehung des Junior Colleges
Der damalige Universitätspräsident der Universität Chicago, William Rainey Harper, war eine bedeutende Person in der Entwicklung des Colleges und des Hochschulsystems. Er sah das Problem, dass es Colleges oft schwer fiel, am Bildungsmarkt zu bestehen. Harper sah das Problem in dem langen Curriculum. Auf einer Versammlung empfahl er 1894 Colleges in Junior- und Senior Colleges zu trennen. 9 Das heißt zwei unabhängige Institutionen, wobei das Junior College die ersten zwei Jahre des 4 jährigen Curriculums beinhaltet und das Senior College die letzten zwei. Mit dem Abschluss am Junior College und damit Erwerb des sogenannten Associate Degree kann man folglich das Senior College besuchen und einen Bachelorabschluss erwerben. Harper als auch andere Universitätspräsidenten, die zu einer großen Zahl in Europa studiert hatten, erkannten die Vorteile von einer Institution, die auf die Universität vorbereitet, wie dies zum Beispiel bei dem deutschen Gymnasium der Fall ist. 10 Solch eine Institution hatte das amerikanische Bildungssystem bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Durch die Aufteilung des Colleges konnten Kosten für Räumlichkeiten und Personal eingespart werden, die Gefahr, dass Studenten innerhalb der zwei Jahre abrechen war geringer und das Junior College wurde für mehr
8 Vgl. Fields, Ralph R.: The Community College Movement. New York 1962, S.19
9 Vgl. Fields, Ralph R.: The Community College Movement. New York 1962, S.18
10 Vgl. Baker, George A.: A Handbook on the Community College in America. Its History, Mission, and
Management. Westport, Connecticut 1994, S.219
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Personen attraktiv, die einen schnelleren Weg suchten, einen Abschluss, den Associates Degree zu erhalten oder auch, um früher in das Berufsleben einzutreten. Insgesamt wurde der Gesamtaufwand für das College sowie des Studenten niedriger. Für den Studenten bestand auch die Möglichkeit nachdem Junior College auf die Universität zu gehen, soweit Universitäten die Leistungen am College anerkannten, was im späteren Zeitverlauf jedoch gängig war.
Private Colleges wurden oftmals auch als Junior Colleges bezeichnet. Ursprünglich waren nämlich alle Colleges und somit auch Junior Colleges privat geführte Institutionen. Das Community College war später fast immer öffentlich geführt und finanziert. Mit der Popularität und dem Verständnis der Bevölkerung für die Bezeichnung Community College, nannten sich auch private Colleges, Junior Colleges, die sich inhaltlich als Community College sahen, zunehmend als Community Colleges. Um 1970 war dieses Phänomen weit verbreitet. Die Bezeichnung ist daher auch hier nicht unbedingt auf die Form der Institution zurück zuführen.
Die Umstrukturierung am College hatte auch Auswirkungen auf die Universität. Viele eingeschriebene Studenten mussten frühzeitig die Universität wieder verlassen, soweit die Bemühungen der Universität nicht ausreichten den leistungsschwachen Studenten das Universitätsniveau näher zu bringen und sie sich nicht anpassten. Professoren und Lehrende befürworteten die Umstrukturierung, da sie oft die schlechte Vorbildung und Reife der neuen Studenten bemängelten. 11 Die Aufgabe der Vorbereitung auf die Universität und die Selektion von den leistungsbesten Studenten, die weiterführend die Universität besuchten, wurde nun zu einem großen Teil von dem College übernommen, was die Universität diesbezüglich entlastete.
Die primäre Funktion des Junior Colleges war somit, die Studenten an das akademische Niveau heran zuführen und auf weiterführende Hochschulinstitutionen vorzubereiten. Diese Funktion oder dieses Programm, dass die Studenten innerhalb der zwei Jahre am College absolvierten, nannte sich Transfer-Programm/Funktion. Nach zwei Jahren transferierten sie auf das Senior College oder die Universität.
Kalifornien war der Bundesstaat in den USA, der am Frühesten mit dem Collegeausbau begann. Eine Gesetzesänderung 1915 ermöglichte es, dass High Schools sich um ein College mit öffentlicher Unterstützung erweitern durften. Wenig später, 1921, verfügten
11 Vgl. Fields, Ralph R.: The Community College Movement. New York 1962, S.18
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Arbeit zitieren:
Daniel Trautmann, 2009, Entwicklung der Community Colleges in den USA nach 1945, München, GRIN Verlag GmbH
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