Dank
An dieser Stelle möchte ich mich bei
meiner Betreuerin a.o. Univ.-Prof. Dr. Barbara Juen, meinem Co-Betreuer Mag. Dr. Gernot Brauchle,
dem Österreichischen Roten Kreuz, insbesondere der Freiwilligen Rettung Innsbruck,
meinen Rotkreuz Kollegen und Freunden, und ganz besonders meinen Eltern und Geschwistern für ihre Unterstützung
und Geduld
herzlich bedanken.
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz I
Inhaltsangabe:
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis VIII
1. Einführung 1
1.1. Inhaltliche Kurzbeschreibung 1
1.2. Begriffsdefinition. 1
Einsatz 2
Einsatzkraft 2
Auslandseinsatz. 2
1.3. Entstehung meiner Arbeit 3
2. Belastungen und Bewältigungsstrategien 4
2.1. Stress. 4
2.1.1. Stresstheorien. 6
2.1.1.1. Selyes Theorie 6
2.1.1.2. Lazarus kognitives Modell 8
2.1.1.3. Stressoren. 10
2.1.1.4. Bewertung von Stressoren. 11
2.1.1.5. Stressursachen. 11
2.1.1.6. Stressreaktionen. 12
2.1.2. Arten von Stress. 13
2.1.2.1. Normaler Stress 13
2.1.2.2. Kumulativer Stress. 14
2.1.2.3. Burnout 14
2.1.2.4. Einsatzstress. 15
2.1.2.5. Traumatischer Stress. 16
2.1.3. Schutzmechanismen von Einsatzkräften. 17
2.1.4. Traumaverarbeitung. 18
2.1.4.1. Phasen der Traumaverarbeitung nach Horowitz (1997) 18
2.1.4.2. Kognitive Desorganisation durch Informationsüberlastung 20
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz II
2.1.4.3. Phasen der Traumaverarbeitung bei Einsatzkräften 21
2.2. Belastungen von Einsatzkräften 23
2.2.1. Belastungen im Einsatz. 24
2.2.2. Belastungen im Auslandseinsatz. 25
2.2.3. Belastungen im Flüchtlingslager. 26
2.2.4. Sekundäre Traumatisierung bei Einsatzkräften 28
2.3. Bewältigungsstrategien (Copingstrategien) 29
2.3.1. Grundannahmen von Menschen 29
2.3.2. Grundannahmen von Einsatzkräften. 30
2.3.3. Copingstrategien allgemein 31
2.3.4. Copingstrategien von Einsatzkräften. 32
2.4. Akute Belastungsreaktion (ABR), akute Belastungsstörung (ABS)
und Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) 33
2.4.1. Definition von Trauma. 34
2.4.2. Geschichte von PTBS 34
2.4.3. Historischer Rückblick auf die verschiedenen Klassifikationen der PTBS 37
2.4.4. Akute Belastungsreaktion. 39
2.4.5. Akute Belastungsstörung 40
2.4.6. Posttraumatische Belastungsstörung. 41
2.4.7. Prävalenz der PTBS 42
2.4.8. Prävention einer PTBS 43
2.4.8.1. Vor dem Einsatz 43
2.4.8.2. Während des Einsatzes 43
2.4.8.3. Nach dem Einsatz 44
3. SvE-Maßnahmen. 45
3.1. Was ist SvE? 45
3.2. Ziele der SvE-Maßnahmen 46
3.3. Einzelgespräch (nach dem SAFE-R-Modell) 46
3.4. Einsatzbegleitendes Angebot (On Scene Support) 49
3.5. SvE-Einsatzabschluss (Demobilisation) 49
3.6. SvE-Kurzbesprechung (Defusing) 50
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz III
3.7. SvE-Nachbesprechung (Debriefing) 52
3.8. Nachfolge-Angebot. 57
4. Fragestellung der vorliegenden Untersuchung 58
5. Untersuchungsmethodik. 59
5.1. Interviewtechnik 59
5.1.1. Narratives Interview. 59
5.1.2. Interviewleitfaden 61
5.2. Untersuchungsdurchführung 62
5.3. „Grounded Theory“ 62
5.3.1. Ziel der Grouded Theory. 62
5.3.2. Offenes Kodieren. 63
5.3.3. Axiales Kodieren. 63
5.3.4. Selektives Kodieren 64
6. Untersuchungsergebnisse 65
6.1. Ablauf des Auslandseinsatzes in Albanien. 65
6.1.1. Einsatzablauf. 65
6.1.2. Arbeitsbereiche 68
6.2. Beschreibung der Stichprobe 71
6.3. Ergebnisse der Interviews 72
6.3.1. Ergebnisse des offenen Kodierens (Kategorienliste) 72
6.3.1.1. Bedingungen. 72
6.3.1.2. Kognitive Bewertung. 74
6.3.1.3. Subjektives Erleben 75
6.3.1.4. Strategien. 77
6.3.2. Ergebnisse des axialen Kodierens (Schlüsselkategorie) 78
6.3.2.1. Unterschiede zwischen Personen mit höherer bzw. geringerer
Stressintensit ät 78
6.3.2.2. Gemeinsamkeiten aller interviewten Personen. 83
Impfungen.......................................................................................................... 85
6.3.2.3. Schlüsselkategorien 88
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz IV
7. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse (selektives
Kodieren und bilden von Kernkategorien)..........................................92 Literaturverzeichnis:........................................................................... 95 Anhang A: Begriffsdefinitionen ........................................................ 100 Anhang B: Offenes Kodieren (Beispiel)............................................. 103
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz V
Abkürzungsverzeichnis
AAS allgemeines Adaptionssyndrom Abb. Abbildung ABR Akute Belastungsreaktion ABS Akute Belastungsstörung Anm. Anmerkung APA American Psychiatric Association Aufl. Auflage ca. circa CISM Critical incident stress management d.h. das heißt DSM Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders dt. deutsche ERC European Resuscitation Council et. al. et alii (und andere) etc. et cetera (und so weiter) f. (pl.: ff.) (und) der, die, das folgende ICD International Classification of Diseases, Injuries and Cause of Death inkl. inklusive IP Interviewpartner Kap. Kapitel KIT Kriseninterventionsteam NKA Notkompetenz Arneimittelgabe Nr. Nummer pl. Plural p (pl.: pp) page (Seite) PTBS Posttraumatische Belastungsstörung PTSD Post traumatic stress disorder S. Seite SBE Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen sog. sogenannte s.u. siehe unten
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz VI
SvE Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen Tab. Tabelle TWA Trinkwasseraufbereitung u.a. unter anderem usw. und so weiter v.a. vor allem vgl. vergleiche vs. versus (gegen, gegenüber) WHO World Health Organisation, Weltgesundheitsorganisation z.B. zum Beispiel
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Absperrung rund um das Flüchtlingslager bei Shkodra/Albanien
(Schönherr, 1999)
Abb. 2: Schusswechsel im Nachbarcamp (Schönherr, 1999)
Abb. 3: Splitterschutzweste und Helm (Schönherr, 1999)
Abb. 4: Reiz-Reaktions-Mechanismus (Quelle: Mitchell und Everly, 1998, S. 33)
Abb. 5: Das allgemeine Adaptionssyndrom (AAS) (nach Selye 1956, Quelle: Zimbardo,
1995, S. 579)
Abb. 6: Eustress und Disstress (Mitchell und Everly, 1998, S 34)
Abb. 7: Phasen posttraumatischer Belastung (Horowitz, 1974, in: Maerker, 1997, S.147)
Abb. 8: Flug nach Tirana (Schönherr, 1999)
Abb. 9: Unterbringung der Einsatzkräfte (Schönherr, 1999)
Abb. 10: Flüchtlingslager bei Skhodra/Albanien (Schönherr, 1999)
Abb. 11: Verlaufsüberblick der Demobilisation (Quelle: Hötzendorfer et. al., 2002)
Abb. 12: Verlaufsüberblick des Defusings (Quelle: Hötzendorfer et. al., 2002)
Abb. 13: Mögliche Teamsitzordnung während eines Debriefings (Quelle: Mitchell und
Everly , 1998)
Abb. 14: Verlaufsüberblick des Debriefings (Quelle: Hötzendorfer et. al., 2002)
Abb. 15: Flüchtlingslager bei Skhodra/Albanien (Schönherr, 1999)
Abb. 16: Ablaufmodell des narrativen Interviews (Quelle: Mayring, 1990)
Abb. 17: Lage des Österreichcamps bei Skhodra/Albanien.
Abb. 18: Flüchtlingslager (Schönherr, 1999)
Abb 19: Basecamp (Schönherr, 1999)
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz VIII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Folgen von Burnout (Quelle: Bengel, 1997) ................................................. 15
Tabelle 2: „Traumatische“ Situationen (Quelle: Fischer, Riedesser, 1999, S. 125)....... 17
Tabelle 3: Vergleich der internationalen und der amerikanischen Diagnostik der
traumatologischen Belastungen, 1948 bis 1994 (Quelle: Brett, In: Kolk, McFarlane,
Weisaeth, 2000, S. 133 f.) ........................................................................................ 38
Tabelle 4: Gründe einer Weitervermittlung (Quelle: Hötzendorfer et. al., 2002) .......... 48
Tabelle 5: Gründe für ein Debriefing nach einem Defusing (Quelle: Hötzendorfer et. al.,
2002) ........................................................................................................................ 53
Tabelle 6: Regeln eines Debriefings (Quelle: Mitchell und Everly, 1998) .................... 55
Tabelle 7: Beschreibung der Stichprobe ......................................................................... 71
Tabelle 8: Stressreduzierende Bedingungen vor, während und nach dem
Auslandseinsatz........................................................................................................ 72
Tabelle 9: Stressauslösende Bedingungen vor, während und nach dem Auslandseinsatz
.................................................................................................................................. 74
Tabelle 10: Stressreduzierende kognitive Bewertungen der Stressoren......................... 74
Tabelle 11: Stressauslösende kognitive Bewertung der Stressoren................................ 75
Tabelle 12: Positives subjektives Erleben des Stressors................................................. 75
Tabelle 13: Negatives subjektives Erleben des Stressors ............................................... 76
Tabelle 14: Stresssymptome der Interviewpartner ......................................................... 76
Tabelle 15: Persönliche Strategien zur Stressminderung ............................................... 77
Tabelle 16: Unterschiede im Stresserleben: stressreduzierende Bedingungen............... 79
Tabelle 17: Unterschiede im Stresserleben während der Schießereien.......................... 80
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz IX
Tabelle 18: Persönliche Strategien im Umgang mit den Schießereien (stressintensivere
Gruppe ) 83
Tabelle 19: Gemeinsame stressreduzierenden Bedingungen 84
Tabelle 20: Gemeinsame stressauslösenden Bedingungen. 87
Tabelle 21: Schlüsselkategorien 91
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 1
1. Einführung
1.1. Inhaltliche Kurzbeschreibung
Hilfe für Katastrophenopfer und Flüchtlinge im Ausland stellt einen wesentlichen humanitären Beitrag dar. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass diese Hilfe auch enorme Auswirkungen auf die Helfer selbst haben kann.
Seit Anfang der 90-er Jahre ist eine beträchtliche Anzahl von Untersuchungen verfügbar, die über die gesundheitlichen Veränderungen von Helfern nach Einsätzen berichten. Aus den Erkenntnissen dieser Untersuchungen sind spezifische Stressverarbeitungsmaßnahmen für Einsatzkräfte entwickelt worden (CISM - Critical incident stress management; Mitchell und Everly, 1998). Es liegen jedoch kaum Untersuchungen über Stressbelastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften nach einem Auslandseinsatz vor. Ziel der geplanten Untersuchung ist es, die vorhandenen Belastungen und Bewältigungsstrategien anhand von narrativen Interviews zu erfassen um daraus adäquate Stressverarbeitungs maßnahmen für Einsatzkräfte nach Auslandseinsätzen abzuleiten.
1.2. Begriffsdefinition
Vorweg möchte ich an dieser Stelle ein paar Begriffe aus dem Rettungsdienst ansprechen, welche in der folgenden Arbeit immer wieder erwähnt werden, aber deren Bedeutung nicht immer klar ersichtlich ist. Um geeignete Definitionen zu finden blätterte ich in vielen Wörterbüchern, Fachbüchern und Fachzeitschriften, aber keine der Beschreibungen schien mir passend. Viel zu spezifisch waren diese Begriffe formuliert.
Um dennoch möglichst allgemein gültige Definitionen zu finden lud ich Freunde und Bekannte aus dem Rettungsdienst ein, mir ihre Vorstellungen zukommen zu lassen (einige davon sind Anhang A zu entnehmen). Für folgende Definitionen habe ich mich letztendlich entschieden:
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 2
Einsatz
Geordneter Ablauf einer Maßnahme zur Behebung und Reduzierung der Folgen eines plötzlich einsetzenden Unfalles, einer Erkrankung oder einer Katastrophe, bei welcher eine Einsatzkraft Tätigkeiten ausübt, für die sie ausgebildet ist und die in ihrem Tätigkeitsbereich liegt und dessen Ausführung keinerlei Aufschub duldet, da ansonsten Schäden für Gesundheit, Eigentum oder persönlicher Sicherheit von Dritten zu erwarten sind.
Einsatzkraft
Fachlich qualifiziertes Personal, welches sowohl beruflich als auch ehrenamtlich Tätigkeiten zur Bewältigung von spezifischen Aufgaben im Einsatz ausübt. Sie zeichnen sich vor allem durch Ausbildung sowie Erfahrung aus.
Auslandseinsatz
Einsatz im Rahmen der eigenen Organisation, über einen meist begrenzten Zeitraum, in einem Gebiet, welches durch politische, religiöse, klimatische, sprachliche, gesellschaftliche oder moralische Differenzen einer hohen Adaptionsfähigkeit der Einsatzkraft bedarf. Geprägt wird dieser Einsatz noch zusätzlich durch das Verlassen der vertrauten Umgebung und Infrastruktur.
Peers
Psychologisch ausgebildete Einsatzkräfte im SvE 1 -Team (Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen). Sie kommen „aus dem eigenen Stall“ und sind daher bei Einsatzkräften als „psychologische Helfer“ akzeptiert.
SvE/KIT-Team (Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen und Kriseninterventionsteam)
Ist ein Team aus psychosozialen Fachkräften (Psychologen, Pädagogen, Theologen, Mediziner, Sozialarbeiter) und Peers. Ihr Aufgabengebiet liegt in der Intervention während und nach belastenden Einsätzen und Ereignissen.
SvE stellt hierbei die „Hilfe für die Helfer“ dar und KIT die Krisenintervention bei betroffenen Nicht-Einsatzkräften oder Angehörigen von Betroffenen und Opfern.
1 Die vom Österreichischen Roten Kreuz eingeführte und in Österreich gültige Bezeichnung für CISM.
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 3
1.3. Entstehung meiner Arbeit
Ich bin seit 1993 ehrenamtliches Mitglied des Österreichischen Roten Kreuzes, Bezirksstelle Innsbruck-Stadt. Durch Zufall wurde ich vor einigen Jahren für die Ausbildung zum Trinkwasseraufbereitungstechniker zugelassen. Weitere Kurse für Auslandsdelegierte folgten.
Bereits 1997 konnte ich in Uganda meinen ersten Auslandseinsatz in einem Flüchtlingslager absolvieren, es folgte im selben Jahr ein Hochwassereinsatz in Polen. Als Forschungsgrundlage für diese Arbeit werde ich meinen dritten Auslandseinsatz in Albanien 1999 heranziehen. Das Österreichische Rote Kreuz unterhielt gemeinsam mit dem Österreichischen Bundesheer ein Lager für die Unterbringung von Kosovo-Flüchtlingen, in welchem eine große Anzahl an Hilfskräften tätig waren. Gerade diese hohe Anzahl an Einsatzkräften unterschiedlicher Herkunft, welche zur selben Zeit, unter den gleichen Bedingungen ihren Tätigkeiten nachkamen, ermöglicht einen fundierten Vergleich der Belastungen und Bewältigungsstrategien der Einsatzkräfte. Im Zentrum der Arbeit stehen daher die auftretenden Belastungen, deren physische und psychische Wirkungen bei den Einsatzkräften sowie die möglichen
Bewältigungsstrategien, welche eine Milderung der Reaktionen bewirken können.
Abb. 1: Absperrung rund um das Flüchtlingslager bei Shkodra/Albanien 1999 (Schönherr, 1999)
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 4
2. Belastungen und Bewältigungsstrategien
2.1. Stress
Abb. 2: Schusswechsel im Nachbarcamp (Schönherr, 1999)
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 5
Eine nicht ganz alltägliche Situation! Solche lebensgefährlichen Situationen können in diesem speziellen Fall sowohl für Soldaten als auch bei den Mitarbeitern der Nonprofit-Organisationen intensivere Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen oder
Verhaltensweisen auslösen. Diese speziellen Reaktionen auf belastende Situationen werden als Stressreaktionen bezeichnet.
Stress ist ein universelles Phänomen, ein unvermeidlicher Aspekt des alltäglichen Lebens. Der Ausdruck „Stress“ wird im alltagssprachlichen Gebrauch sehr vielfältig verwendet - für jegliche Art von Stressoren (Stressverursacher), für die Stressreaktionen oder für die Belastungsfaktoren. Stressoren lösen in uns bestimmte Reaktionen aus, wobei die „ akuten physischen und psychischen Reaktionen auf Belastungssituationen als Stressreaktionen bezeichnet werden“ (Bengel, 1997, S. 230). Im Folgenden werde ich einen Überblick darüber geben, wie Stress wirkt und welche Auswirkungen dies haben kann.
Abb. 3: Splitterschutzweste und Helm (Schönherr, 1999)
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 6
2.1.1. Stresstheorien
Verschiedene Theorien beschreiben, wie Stress entsteht und sich auf unseren physiologischen und psychologischen Zustand auswirkt. Im Folgenden werden zwei Theorien genauer erläutert, welche die Stressforschung maßgeblich beeinflusst haben. Dies ist zum einen das physiologische Modell von Hans Selye und zum anderen die kognitive Theorie von Richard S. Lazarus.
2.1.1.1. Selyes Theorie
Der österreichische Endokrinologe Hans Selye entdeckte bereits 1926, dass durch sehr verschiedene äußere Ereignisse dieselben Reaktionen beim Menschen ausgelöst werden. Er sah darin ein identes Muster der Geist-Körper-Reaktion. Stress ist für ihn eine „unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung“ (Selye, 1974, zitiert in Mitchell und Everly, 1998, S. 33). Trotz der verschiedenen Situationen und der verschiedenen Arten von Belastungen oder Anforderungen kommt es zu ähnlichen Reaktionsmustern bei den Betroffenen. D.h., obwohl es die unterschiedlichsten Arten von Stressoren (Bezeichnung für jegliche Auslöser von Stress, siehe Kap. 2.1.1.3.) gibt, reagiert der menschliche Organismus in der Regel mit der gleichen allgemeinen Reaktion. Selye war es auch, welcher „Stress“ seinen Namen verlieh. Er entnahm den Begriff aus der Physik, genauer gesagt aus dem Hook’schen Gesetz, welches besagt, dass eine „Last“ oder physischer „Stress“ eine physische Belastung auf anderes Material ausübt. Dieser Reiz- Reaktions-Mechanismus wird in Abb. 4. dargestellt:
Abb. 4: Reiz-Reaktions-Mechanismus (Quelle: Mitchell und Everly, 1998, S. 33)
Das Augenmerk der Stressforschung richtete sich bei Selye auf die Beziehung zwischen beobachtbaren Stressoren und den dadurch hervorgerufenen Reaktionen im Organismus. Allerdings wurden nicht-beobachtbare Reize (z.B. psychische Prozesse) zu diesem Zeitpunkt nicht berücksichtigt.
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 7
Hans Selye unterscheidet zwischen „Eustress“ und „Disstress“. Mit Eustress wird jener positive Stress bezeichnet, welcher die Situation als Herausforderung erleben lässt. Wird im Gegensatz dazu die Situation als Belastung eingestuft, so spricht Selye vom negativen Disstress. Unter Punkt 2.1.2.1. wird Eu- und Disstress genauer erläutert. Die unmittelbaren k örperlichen Reaktionen auf Stressoren folgen einem typischen Muster unspezifischer adaptiver physiologischer Mechanismen. Selye bezeichnete dieses Muster als „ allgemeines Adaptionssyndrom“ (AAS) und fand eine charakteristische Abfolge von drei Phasen (Alarmreaktion, Widerstandsphase und Erschöpfungsphase):
a) In der Alarmreaktion werden durch beinahe jeden ernstzunehmenden Stressor, welcher als Bedrohung interpretiert wird Stresshormone im Körper freigesetzt. Durch diese physiologischen Veränderungen versucht der bedrohte Organismus sein normales Funktionieren aufrechtzuerhalten. Diese „normale“ Phase führt auf Grund der Aktivierung des Sympathikus zu einer Veränderung des inneren physiologischen Gleichgewichts im Körper. Gleichzeitig werden Noradrenalin, Adrenalin und Cortisone ausgeschüttet, alles zusammen hat eine positive Auswirkung auf unseren Körper und unsere Psyche. Innere Ressourcen werden entfaltet, d.h. die körpereigene Abwehr zur Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts wird mobilisiert.
b) Dauert die stressauslösende Situation weiterhin an ohne beseitigt zu werden, kommt es zur Widerstandsphase (oder Resistenzphase). Um die massiven Belastungen zu kompensieren, kommt es zur Gegenregulation durch den Parasympathikus, d.h. der Körper gewöhnt sich nun an den Stress und die körperliche Reaktion wird normalisiert. Der Organismus entwickelt einen Widerstand gegen den Stressor und die ersten Symptome verschwinden, d.h. die physiologischen Prozesse folgen wieder ihren normalen Abläufen. In dieser zweiten Phase ist die Resistenz gegenüber weiteren Stressoren reduziert und beim auftretenden von zusätzlichen Stressoren ist nun das Immunsystem überfordert. Bereits hier können negative körperliche Folgen, wie z.B. entzündliche Prozesse, auftreten.
c) Wird der Organismus weiterhin den Stressoren ausgesetzt, tritt Phase drei in Kraft. In dieser sogenannten Erschöpfungsphase kommt es auf Grund der
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 8
Unfähigkeit des Organismus die Resistenz aufrechtzuerhalten schließlich zu Energiebereitstellungsproblemen. Die körperlichen Ressourcen sind nun erschöpft und der Widerstand kann nicht mehr aufrecht erhalten bleiben. Vor allem die Immunabwehr verliert an Kraft und es treten wieder viele der Symptome aus der Phase der Alarmreaktion auf. Wirkt der Stressor weiter auf den Organismus ein, so können Krankheiten in den schwächsten Organen des Körpers auftreten, d.h. massive dysfunktionelle körperliche Beeinträchtigungen, und im Extremfall sogar der Tod können die Folge sein.
Abb. 5: Das allgemeine Adaptionssyndrom (AAS) (nach Selye 1956, Quelle: Zimbardo, 1995, S. 579)
2.1.1.2. Lazarus kognitives Modell
Im Gegensatz zu Hans Selye, für den ein Stressor ein rein äußeres oder physiologisches Ereignis darstellt, rückt Richard S. Lazarus die kognitive Bewertung der Stressoren in den Vordergrund. Für Lazarus gibt es große individuelle Unterschiede bezüglich der Stressreaktionen. „ Manche Menschen erleben ein stressreiches Ereignis nach dem anderen, ohne zusammenzubrechen, während andere sogar bei weniger Stress in Aufregung geraten. Dies ist so, weil sich die meisten Stressoren nicht direkt auswirken“ (Zimbardo, 1995, S. 576). Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung der betroffenen Person mit ihren Fähigkeiten, den Stressor als Bedrohung oder als Herausforderung zu sehen, d.h. ihrer kognitiven Bewertung der Situation, sowie um ihre Ressourcen, welche dann zur Stressbewältigung zur Verfügung stehen. Diese kognitive Bewertung einer „stressigen“ Situation geschieht in zwei wesentlichen Stufen:
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 9
In der Primärbewertung (primary appraisal) wird die momentane Situation hinsichtlich des eigenen Wohlbefindens bewertet. Hier lauten die Fragen: „ Was passiert da? Was steht für mich auf dem Spiel?“. Die Situation wird dabei entweder als positiv, irrelevant oder stressreich bewertet. Für die Bewertung „stressreich“ lassen sich im Weiteren drei Subtypen unterscheiden, nämlich: „Die Situation bedeutet für mich eine Schädigung/Verlust, sie ist eine Bedrohung oder sie stellt eine Herausforderung dar“. Schädigung/Verlust bezieht sich auf eine bereits stattge fundene Situation, z.B. den Verlust körperlicher Funktionstüchtigkeit während eines Einsatzes oder gar den Tod einer Einsatzkraft oder eines Kollegen.
Bedrohung kann sich auf ein noch nicht eingetretenes Ereignis beziehen, z.B. die Gefährdung des eigenen Lebens während eines Einsatzes oder wenn die betroffene Einsatzkraft möglicherweise mit der Situation überfordert ist. Ein Stressor kann als Herausforderung betrachtet werden, wenn eine Situation zwar als schwierig, aber dennoch erfüllbar oder gar als Chance zur Meisterung gesehen wird.
Die Primärbewertung bestimmt somit die Intensität und Qualität der emotionalen Reaktionen und schließt auch die Rückmeldung über Veränderungen in der Person-Umwelt-Beziehung mit ein. „ Die Person bewertet die persönlichen und sozialen Ressourcen, die ihr zur Bewältigung der stressauslösenden Bedingungen zur Verfügung stehen und die Handlungen, die erforderlich sind“ (Lazarus, 1966, in: Zimbardo, 1995, S. 577).
Im Anschluss an diese erste kognitive Bewertung folgt die Sekundärbewertung (secondary appraisal). Nun werden die erforderlichen Handlungen sowie die persönlichen und sozialen Ressourcen zur Bewältigung der stressauslösenden Bedingungen geprüft: „Welche Bewältigungsmöglichkeiten stehen mir zur Verfügung?“. Es beginnt ein zentraler Prozess, nämlich jener der Bewältigung. Sowohl Bewältigungsfähigkeiten als auch Bewältigungsmöglichkeiten werden überprüft und es werden Bewältigungsstrategien (Coping-Strategien) entwickelt, welche auf verschiedene Stressreaktionen folgen. Solche Coping-Strategien können z.B. die Vermeidung sein, welche hier das absichtliche Distanzieren vom Stressor bedeutet.
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 10
Immer wieder folgt auf die Reaktion zur Stressbewältigung eine Neu-Bewertung der Situation. Solange die Reaktionen unwirksam sind und solange der Stress weiterhin andauert, werden neue Reaktionen in Gang gesetzt. „Man fühlt sich z.B. nicht länger bedroht, wenn man einen potentiellen Schaden als relativ einfach abzuwenden erkannt hat “ (Lazarus, 1978, in: Filipp, 1981, S. 215). Der Begriff „Bewältigungsstrategie“ und deren Funktion werden im Kap. 2.4. genauer erläutert.
2.1.1.3. Stressoren
Als diese werden jegliche Auslöser von Stress bezeichnet. Hierbei ist, wie schon oben erwähnt, die persönliche Bewertung von großer Bedeutung. Es können d rei verschiedene Auslöser unterschieden werden, und zwar physische, psychische und soziale (Zimbardo, S. 576).
Physische Stressoren sind zum Beispiel Feuer oder extreme Temperaturen, Lärm, jegliche Verletzungen und Erkrankungen, ungünstige Ernährung, schle chte Unterbringung, Unfälle, Schmerz, usw.
Psychische Stressoren können beispielsweise Angst vor Fehlern, Zeitdruck, wahrgenommener Tod oder drohender Tod bei Erwachsenen oder Kindern, Ermüdung, Leistungsunterforderung oder -überforderung, Versagen, Bedrohung, usw. sein. Soziale Stressoren sind zum Beispiel Streitigkeiten, Gruppenzwänge, jegliche Probleme am Arbeitsplatz wie auch in der Familie, ständige Kritik, Konflikte, soziale Ablehnung, usw.
Meist wird hierbei von „psychophysischer Belastung“ (Ungerer, 1999, S. 13) gesprochen.
Stressoren können aber auch einsatzspezifisch nach ihrer Belastungsherkunft unterschieden werden: Als aufgabenbelastend gelten z.B. alle Tätigkeiten, Arbeiten oder Handgriffe der Einsatzkraft. Die äußeren Einwirkungen können dann im weiteren als umgebungsbelastend bezeichnet werden. Dabei sind Belastungsfaktoren bei Einsatzkräften z.B. extreme Anforderungen, Schlafmangel, Hunger, Durst, außergewöhnliche Ereignisse, usw.
Insgesamt können Stressoren sehr individuell erfahren und beurteilt werden.
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 11
2.1.1.4. Bewertung von Stressoren
Stress wird vom Menschen unterschiedlich wahrgenommen, so kann ein und dieselbe „stressige“ Situation von der einen Person positiv, hingegen für den Anderen negativ aufgenommen oder bewertet werden. Dies gilt auch für Einsatzkräfte. Der Mensch hat tief in sich die Tendenz Situationen dahingehend zu bewerten, ob sie bedeutsam, herausfordernd oder doch bedrohlich/schädlich sind (siehe z.B. Mitchell und Everly, 1998). Aus dieser Bewertung heraus ergibt sich die mögliche Entstehung von Stress. „So gibt es Einsatzkräfte auf allen Ebenen, die nach einem Einsatz von extremem Stress sprechen. Die Belastungen waren nach ihrer Meinung kaum auszuhalten. „Das war wie im Krieg“. Andere wiederum haben von Stress im Einsatz kaum oder nichts bemerkt“ (Ungerer, 1999, S. 16). In der Regel lernt die Einsatzkraft während ihrer Ausbildung und durch ihre Erfahrung den Umgang mit Belastungen. Für einen Unbeteiligten wird meist ein falsches Bild aufrechterhalten: eine stets routinierte, durch nichts zu erschütternde, gelassen agierende Einsatzkraft, bei welcher sogar schlimmste Einsatzerfahrungen spurlos vorübergehen.
Bei besonderen Einsatzvorkommnissen, bei welchen Einsatzkräfte z.B. mit Tod, Gewalt oder gar der eigenen Gefährdung konfrontiert werden, also fernab vom Routineeinsatz, reagieren diese anders als sonst. Sie erfahren unter Umständen Hilflosigkeit, erleben eigenes Versagen, und sie erkennen, dass auch ihnen Fehler unterlaufen können. Von großer Bedeutung ist, dass Einsatzk räfte wissen, dass auch sie oder ihre Kollegen unter akuten Stressreaktionen leiden können.
2.1.1.5. Stressursachen
Nach Ungerer (1999) gibt es drei Hauptursachen von Stress, ein Informationsübermaß oder ein Informationsentzug sowie die subjektive Bewertung dieser Zustände (Ungerer, 1999, S. 19).
Beim Informationsübermaß kann die Einsatzkraft die Informationen nicht mehr verarbeiten und somit die Lage nicht mehr bewältigen. Beim Informationsentzug hingegen fehlen wichtige, dem Einsatz dienliche Informatio nen.
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 12
Beides löst bei der Einsatzkraft den Disstress aus, die Informationsverarbeitung wird vermindert. Um dem entgegenzuwirken, aktiviert der Körper das vegetative Nervensystem, den Kreislauf und verändert seinen biochemischen Haushalt. Die subjektive Bewe rtung der Gefahrensituation durch Einsatzkräfte ist ein Produkt aus Ausbildungs- und Einsatzphilosophie sowie der inneren Einstellung. Diese können natürlich positiv aber auch negativ auf die Entstehung von Stress wirken. So wirken Bewertungen wie z.B. „das schaffe ich nicht“ oder „ich kann nicht mehr“, bei denen sich die Einsatzkraft mögliche „Niederlagen“ eingesteht, förderlich für die Entstehung von Stress und somit sind Fehler vorprogrammiert. Unger schreibt dazu: „ Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsfehler entstehen in den Köpfen der Einsatzkräfte“ (Ungerer, 1999, S. 26).
2.1.1.6. Stressreaktionen
„Stressreaktionen werden nicht immer sofort wahrgenommen. Dies gilt besonders für Situationen, in denen die Konzentration voll auf den Einsatz gerichtet ist“ (Bengel, 1997, S. 230).
Psychische Stressreaktionen sind von unseren Wahrnehmungen und Interpretationen abhängig. Sie umfassen Verhaltensweisen, Emotionen und Kognitionen, so können auch auf diesen Ebenen Reaktionen auftreten.
Um mögliche Stressreaktionen zu regulieren und für zukünftige belastende Einsätze gewappnet zu sein, werden von den Einsatzkräften Strategien zur Stressminderung oder -bewältigung entwickelt.
Auf physiologischer Seite können bei anhaltender Belastung Krankheitssymptome an den Zielorga nen auftreten. Man nimmt an, dass Stress an der Entstehung zu mehr als der Hälfte aller Krankheiten beteiligt ist (vgl. Pelletier & Pepper, 1997, in: Zimbardo, 1995, S. 580). Die unmittelbaren körperlichen Reaktionen auf Stressoren hat Selye mit dem Begriff „allgemeines Adaptionssyndrom“ zusammengefasst, welches unter Punkt 2.1.1.1. beschrieben wurde.
Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz 13
2.1.2. Arten von Stress
Im Folgenden möchte ich eine für Einsatzkräfte wesentliche Unterscheidung vornehmen, und zwar jene zwischen normalem Stress, kumulativem Stress (inkl. Burnout), traumatischem Stress und dem Einsatzstress:
2.1.2.1. Normaler Stress
Stress ist eine normale Reaktion auf Veränderungen, Probleme, Enttäuschungen, Sorgen, Kummer, auf Herausforderungen oder Belastungen, mit denen Menschen umgehen müssen. Wir kennen ihn aus Beruf, aus unseren sozialen Beziehungen, aus dem Studium - er ist ein normaler Bestandteil jeglichen Lebens. Stress ist derart alltäglich in unserem Leben, dass unser Körper normalerweise auf nützliche und vorhersehbare Weise darauf reagiert. Eine bestimmte „Dosis“ an Stress macht unser Leben sogar interessant und attraktiv. Bei diesem „Alltagsstress“ müssen wir zwischen dem Eu- und dem Disstress unterscheiden:
Der leistungssteigernde „positive“ Stress, bei dem die Situation als Herausforderung gesehen wird, wird als Eustress (Eu: gut, schön; Eustress: anregender, leistungs- und lebensnotwendiger Stress. Duden, 2000, S. 419) bezeichnet. Dabei werden die Informationsaufnahme, -verarbeitung und -abgabe, d.h. alle kognitiven A ktivitäten sogar mit gesteigertem Energieeinsatz von der Einsatzkraft erledigt. Wird die Situation als unangenehm oder belastend erlebt, und steigt die Stressbelastung über einen bestimmten Level an, so kann sich dies schädlich auf unsere Gesundheit und unsere Leistung auswirken. Dieser „negative“ Stress wird als Disstress (Dis: schlecht, krankhaft; Disstress: lang andauernder, starker Stress. Duden, 2000, S. 773) bezeichnet. Der Disstress reduziert die Einsatzleistung, es häufen sich die Fehler der Einsatzkräfte. Dies kann bei chronischer Überbelastung bis zur dauerhaften Verminderung der Arbeitsleistung bedeuten, das Einsatzrisiko erhöht sich beachtlich und auch Anspannung bis hin zu Krankheiten sind die Folge.
Arbeit zitieren:
Christian Schönherr, 2003, Belastungen und Bewältigungsstrategien von Einsatzkräften im Auslandseinsatz, München, GRIN Verlag GmbH
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